Deutsches Reich. Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 13 enthält die Verordnung, die Dienst- und Ge— schäftsverhältnisse der Gerichtskosten-Revisoren betreffend.
— Der Lehrer an der höheren Mädchen— schule zu Darmstadt, Dr. Mensch, wurde zum Lehrer an der Realschule zu Gießen und der Lehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, Dr. Schä— del, zum Lehrer an der höheren Mädchenschule und an dem Lehrerinnen-Seminar zu Darm— stadt, der Gerichtsschreiber Lohnes in Wald— Michelbach zum Gerichtsschreiber in Langen und der Gerichtsschreiber-Asp. Müßig aus Dorndiel zum Gerichtsschreiber in Wald-Michelbach er— nannt. Der Gerichtsvollzieher Carnier zu Höchst wurde auf Nachsuchen entlassen und zum Hilfs— gerichtsschreiber in Langen bestellt. Dem Post— direktor Seitz in Lauterbach wurde das Ritter— kreuz 1. Kl. des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen verliehen.
— Militärdienstnachricht. Frhr. v. Gem— mingen-Hornberg, Major vom Gr. General— stabe, wurde zum Generalstabe des IV. Armee— corps versetzt.
Mainz, 11. Juli. Der päpstliche Prälat Spolverini war gestern wiederum in Mainz und zwar in Begleitung seines Secretärs.
Freiburg, 12. Juli. Erzbischof Dr. Orb in wurde heute durch den Bischof Hefele von Rotten— burg consecrirt und inthronisirt. Als Assistenten fungirten die Bischöfe von Fulda und Straßburg.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Officiös wird von hier versichert, die Mächte seien einig darüber, das Bombardement als einen durch die locale Situation provocirten Zwischenfall zu betrachten. Die Conferenz durfte demnächst wieder ihre Berathungen aufnehmen, um die beschlossene Collectiveinladung an die Pforte zu richten.
Prag. Der Nachlaß der Fürstin von Hanau beträgt 7½ Million Mark, das hiesige Palais und reiche Kleinodien. Erben sind gleichmäßig sämmtliche Kinder bis auf eines, das laut Codicill von 1881 nur den gesetzlichen Pflichttheil erhält. Das ursprüngliche Testament datirt von 1868.
Frankreich. Paris, 11. Juli. Fast alle Mitglieder der Commission der Creditvorlage sind für Bewilligung, verlangen aber weitere Erklärungen der Regierung. Ferdinand Lesseps geht morgen nach Egypten. Von guter Seite verlautet, daß, falls englische Truppen in Alexan— drien landen, Frankreich sofort Port Said als Faustpfand besetzen werde. Hält aber England strikte Wort, so hofft man von dem Zwischenfall keine weiteren Verwickelungen.
Cherbourg, 13. Juli. Die Rüstungen werden eifrigst fortgesetzt. Tag und Nacht wird im
Arsenal gearbeitet. Sämmtliche Kriegsschiffe werden armirt.„Reine blanche,“„Flandre,“
„Gauloise“ und„Infernet“ sind bereits seebereit.
Großbritannien. London, 11. Juli. Das Oberhaus nahm die Zwangsbill debatten— und abstimmungslos definitiv nach den Beschlüssen des Unterhauses an.
— 12. Juli. Es wurden zwischen dem Ministerium und den Vertretern der übrigen Mächte beruhigende Erklärungen ausgetauscht. In den Besprechungen Granvilles mit den Ver— tretern der Mächte constatirte derselbe, daß Eng— land nach wie vor sich auf dem Boden des ge— meinsamen europäischen Einverständnisses stehend betrachte.
— 13. Juli. Ein Protest gegen das dies— seitige Vorgehen in Alexandrien ist bisher von keiner Seite eingelaufen. Auch die türkische Kundgebung trägt nicht den Charakter eines Protestes. England ist bereit, den Beistand irgend einer Macht zur Durchführung einer eventuellen Intervention zu acceptiren; es würde insbesondere die Mitwirkung Italiens willkommen heißen. Es wäre überhaupt wünschenswerth, daß die europäische Intervention von mehr als zwei Mächten, oder gar nur von einer Macht, unter— nommen werde. Der Herzog von Connaught
bot freiwillig seine Dienste für die egyptische Expedition an; derselbe erhält wahrscheinlich das Commando einer Brigade.
Italien. Rom, 12. Juli. Ungeachtet aller Abneigung gegen eine Action werden seit einigen Tagen Vorbereitungen für den Fall getroffen, daß eine active Mitwirkung Italiens durch Con- ferenzbeschluß gewünscht werden sollte. Es wird geglaubt, daß Frankreich ein separates Abkommen mit Egypten, beziehungsweise mit der Pforte suche.
— 13. Juli. Die militärischen Vorbereit— ungen werden beschleunigt. Man fürchtet be— sonders wegen der auf englische Anordnung erfolgten Sperrung des Suezcanals weitere Verwickelungen.
Neapel, 12. Juli. Nach dem Pungolo wurde der hiesige Militär-Commandant angewiesen, 10,000 Mann zur Einschiffung nach Egypten bereit zu halten.
Türkei. Constantinopel, 13. Juli. In den Pfortenkreisen bezeichnet man das Vorgehen Euglands als ein völkerrechtswidriges und hält den offenen Bruch zwischen England und der Türkei für unvermeidlich, deshalb aber auch jede sich noch an die Möglichkeit einer Fortsetzung der Conferenzberathungen knüpfende Combination für illusorisch. Der Wiederzusammentritt der Conferenz wird spätestens übermorgen erwartet.
Rußland. Petersburg. Ein kaiserlicher Ukas an den Senat entlastet den Minister des Innern theilweise von seinen Verpflichtungen. Der Minister bleibt fortan nur Oberbefehls— haber des Gendarmeriecorps, dessen Commandeur ein mit den Rechten des Truppencommandeurs eines Militärbezirks ausgestatteter Ministerge— hilfe wird.
— Die Maßnahmen behufs Beschränkung der Arbeitszeit für Kinder in Fabriken, sowie für die Gewährung der Möglichkeit eines ge— regelten Schulbesuchs derselben hat die aller— höchste Sanction erhalten.
— Die Reichseinnahmen betrageu bis zum 1. Mai c. 196/ é Million, 8/0 Million mehr als im Vorjahre.— Alle vor dem 1. Juli eingeführten, bis jetzt aber noch nicht bereinigten Waaren, unterliegen der Verzollung nach dem neuen Tarif.
Egypten. Alexandrien, 12. Juli. Die Admiralität sandte an die Commandauten der englischen Kanonenboote im Suezcanal Justrue— tionen, wonach der Durchfahrt der Schiffe durch den Suezcanal kein Hinderniß in den Weg ge— legt werden soll, vorausgesetzt, daß die Schiffs— führer im Voraus darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie auf eigene Gefahr die Durch— fahrt unternehmen.
— 12. Juli. Die egyptischen Minister kannten das Ultimatum Seymour's gestern Abend noch nicht, da Arabi Pascha dasselbe unter— schlagen. Arabi confiscirte die Casse des Direk— tors der Zölle, als dieser Alexandrien verließ, mit dem Bemerken, er mache von dem Kriegs— rechte Gebrauch.— Um vier Uhr gestern Nach— mittag traten Monarch und Penelope in den inneren Hafen ein, dessen Forts heute beschossen werden. Die Forts an der Seeseite sind alle vernichtet, ebenso die Kanonen darin demontirt. Um 1 Uhr gestern Mittag landete ein Deta— chemeynt am Fort Meks und sprengte dasselbe, welches vorher tapfer vertheidigt worden war, mit Schießbaumwolle in die Luft. Die vier letzten Kanonen des Forts waren ausgezeichnet bedient. Der Admiral hatte Temeraire und Monarch zu Hilfe rufen müssen, welche um Mittag eingriffen. Inflexible hat schwer im Kampfe gelitten, hat sich aber brav gehalten. An Bord des Kanonenbootes Condor, von Lord Beresford befehligt, erfolgte eine Explosion. Dasselbe zeichnete sich im ungleichen Kampfe gegen Fort Marabout vortheilhaft aus, dem gegenüber es erst allein engagirt war. Dann brachten andere Schiffe Hilfe. Der Superb hat zwei Löcher, der Invincible sechs, der Monarch ist unversehrt, weil er mit vollem Dampfe fahrend, das Gefecht führte. Der Ge—
und 27 Verwundete. Hätten die Egypter Spr
geschosse statt Vollkugeln gehabt, so wäre d Verlust viel bedeutender. Der Verlust der Egypter ist groß, aber ziffermäßig nicht be— kannt, auch, was in der Stadt vorgeht, nicht zu erfahren. Pharos ist großentheils zertrümmert. endetem Kriegsrath begann heute morgen ein erneutes Bombardement. In den nur beschädigten Batterien der Egypter war Nachts lebhaft ge— arbeitet worden. Der Inflexible und Temeraire griffen an. teten großes Unheil auf den neu aufgeworfenen Befestigungen an. ein Dampfer, welcher die weiße Fahne aufge⸗ hißt hatte, auf die Flotte zu. Es wurde der Aviso Bittern in den Hafen geschickt um nach dem Grund zu forschen—
Pascha, der Commandant von Alexandrien, mit dem Admiral Seymour zu unterhandeln wünsche. Die Friedens unterhandlung war jedoch frucht— los. Sie erwies sich als ein egyptisches Manöver, dazu bestimmt, Zeit zu gewinnen. Es war Truppenabzug mit militärischen Ehren gegen die Uebergabe der Forts ausbedungen, allein Jouela wies dies zurück. Die weiteren Opera— tionen wurden durch schweren Seegang ver— hindert und man mußte lange auf Eintreten einer ruhigeren See warten. Es wurde dann noch das Hospitalfort, worin Arabi Pascha und sein Stab gesehen wurden, zerstört. Der mitt— lere und europäische Theil der Stadt brennen und sind unrettbar verloren. Die Eingeborenen flüchteten nach dem Canal. Die egyptischen Truppen sind außerhalb der Stadt um Mohu— rum-Bey versammelt. Um zehn Uhr feuerte Invincible 2 Schüsse auf die äußere Stadt, wahrscheinlich auf die sich zuruͤckziehenden Truppen. — 13. Juli. Die Feuersbrünste nahmen uͤber Nacht große Verhältnisse an; man versichert, die Stadt sei von den Einwohnern verlassen und den Arabern, den niederen Volksklassen und den Beduinen zur Plünderung preisgegeben. Heute Morgen um 8 Uhr landete eine Ab— theilung Marinesoldaten zur Recognoscirung; dieselbe fand die Stadt von Truppen und Ein— wohnern verlassen. Arabi hat sich wahrschein— lich hinter der Stadt concentrirt. Alexandria steht in vollen Flammen. Ein größere Truppen— macht wird unmittelbar landen. Der Admira— lität ist Nichts bekannt, wo der Khedive sich befindet; man vermuthet, er sei noch im Ram— lehpalast, wo eine türkische Nacht ankert. Die egyptische Armee ist auf dem Rückzuge in's Innere in vollständige Demoralisation gerathen. Die Sträflinge wurden entlassen und zündeten die Stadt an. Hundert Europäer, die noch in der Stadt waren und welche sich in hartem Kampfe den Weg nach dem Strande bahnten, sind von den Flottenschiffen aufgenommen worden.
Suez, 12. Juli. Der„European“ mit dem englischen Consul am Bord kam von der Flotte herab, der Consul ging an Bord eines Kanonen— bootes. Seit 48 Stunden hat kein Schiff den Canal passirt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 14. Juli. Das gestern Abend im Hotel Trapp zu Ehren des von hier nach Gießen über— siedelnden Rechtsanwalts Curtman veranstaltete Abschieds— essen war von 60 Personen von hier und auswärts besucht. Die dabei gehaltenen Reden und Toaste zeigten so recht, wie hoch alle Diejenigen den Scheidenden ver— ehren, die ihm während seines 44jährigen Aufenthaltes in unserer Stadt in irgend einer Weise näher getreten sind.
l. Bad Nauheim. Bei dem am 9. Juli l. J. zu Herborn abgehaltenen Preisturnen des Gaues Hessen wurden sämmtliche dorthin abgesandten Preisturner von hier, nämlich: Josef Brand, Jacob Fleischhauer, Bernhard Stoll, Wilhelm Bieler und Carl Plock, trotz starker Concurrenz mit Preisen bedacht. Es ist dies wiederum ein Beweis, welch' turnerische Kräfte unser schwacher
Verein birgt und um so mehr zu bedauern, daß in
unserer Stadt im Allgemeinen so wenig Interesse für die schöne Sache der Turnerei gezeigt wird.
Volksbad.
sammtverlust der Engländer beträgt 5 Todte
Wasserwärme der Usa am 14. Juli: 170 Reaumur. Walter.
Dem Commandanten des Bittern wurde mitgetheilt, daß Jouela
Gleich die ersten drei Schüsse rich- Nachmittags 1 Uhr steuerte
Der Palast des Khedive hinter Nach be⸗ 4
sia 3
222
2 DNagz= 2
W
N
n
e
8
237
8 + LI Ai N W N Ie 8 N N 1 9 nihß 2 das 6 W


