Ausgabe 
15.6.1882
 
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Regierung das Monopol fordert und bewilligt erhält. Der Reichskanzler erörtert dann die drei Punkte des Verwendungsgesetzes: Grund steuer, Schule, Erhöhung der Gehälter de. Dem Landtage werden noch einmal Vorlagen über die Verwendung zugehen, welche im Interesse des Volkes gemacht werden. Diejenigen, welche solche ablehnen, verdienen nicht den Namen von Volksvertretern. Die Mißerfolge der Straß burger Manufactur sind nicht maßgebend, es liegen ja Ergebnisse aus Frankreich und Oester reich vor, die für das Monopol sprechen. Er beschäftige sich mit dieser Frage seit 1867. Die Zeit sei nicht mehr fern, wo das Monopol bei den Tabakbauern populär werden wurde. Referent Barth vertheidigt die Ablehnung des F. 1 des Monopolentwurfs durch die Commission. Treitschke: Der Bundesrath sei heute Ver treter der nationalen Einheit, der Reichstag aber Träger der partikularistischen Bestrebungen. Der Bundesrath bewillige die nöthigen Mittel, der Reichstag thue das nicht. Das Monopol sei die passendste Form, große Erträge zu erzielen. Bamberger: Der Reichstag sei ganz un nöthig einberufen worden; dies stelle sich immer mehr heraus. Von vornherein hätte sich das Volk gegen das Monopol erklärt; es verlange daß ein Staatsmann, der einmal die parlamen tarischen Institutionen eingeführt habe, auch den Willen des Volkes achte, welches fühle, daß durch das Monopol ein weiteres Stück seiner Freiheit gefährdet werde. Staatssecretär Scholz: Es wird dem Reichskanzler leicht sein, die Angriffe des Abgeordneten Bamberger zu widerlegen, namentlich den, daß der Reichs kanzler immer noch im letzten Momente bereit gewesen sei, den Reichsgedanken zu opfern. Darauf wird die Sitzung vertagt. 13. Juni. Bei der Weiterberathung des Tabakmonopols sagt Richter: der Berechnung nach, welche die Monopolvorlage aufweist, zeigt sich, daß die Tabaksteuer, wie sie jetzt besteht, noch über 40 Million bringen werde. Die Gesammt schätzung der 1879 bewilligten Steuern auf 130 Million Erträgniß sei also nicht über trieben! Auf die Resolution Lingens eingehend, bemerkt Richter: Angemessene Ersparnisse lassen sich auch bei der jetzigen Heeres-Verfassung durchführen. Wenn das Monopol bewilligt wird, so ist man damit noch nicht am Ende. Des Kanzlers Versprechungen gehen weit über den Ertrag desselben hinaus, der für Preußen 60 Million betragen würde. Für das, was der Kanzler verspricht, reichen fünf Tabakmonopole nicht aus, denn dazu sind fünf hundert Million nöthig. Staatssecretär Scholz erwiedert: Durch die Reden der Opposition ziehen sich wie ein rother Faden angebliche Versprechungen, gegen welche der Kanzler wieder holt protestirte. Mit den 130 Million Mark bewilligter Steuern lassen sich die ins Auge gefaßten Ziele nicht erreichen. Es wird an der Erfüllung der wirklich gegebenen Versprechungen gearbeitet. Das beweisen die Steuererlasse ꝛc. Er bezweifle, daß Richter genaue Kenntniß von den im preußischen Finanzministerium besprochenen Steuerprojecten habe. Wenn der Ueberschuß des letzten Etatsjahres sich günstiger gestalte, als angenommen worden, so bemerke er, daß daun im nächsten Jahre die Matrikularbeiträge nicht erhöht zu werden brauchten.

12. Juni. Die Unfall-Commission hat die§§. 20, 21 und 22 des Krankenkassengesetzes erledigt. Die Conservativen und das Centrum haben den Antrag Buhl, welcher in Consequenz des früheren Beschlusses die Streichung der letzten Alinea zu§. 22, d. h. die Loslösung vom Unfallgesetz bezweckte, wieder zu Fall gebracht.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. Juni. Es heißt, daß nur ein österreichisches Schiff nach Alexandrien gehen werde zum Schutze der Co lonien. Gleiches soll von Deutschland und Italien beschlossen worden sein. Der Aufstand brach in Folge der Erdolchung von Maltesern aus.(s. u.)

Pest. Der israelitischen Landeskanzlei sandte der Minister 5000 Gulden als Prämie für das Auffinden des verschwundenen Christenmädchens. Norwegen. Christiania, 12. Juni. Der Storthing lehnte abermals den wiederholten Antrag auf Erhöhung der Apanage des Kron prinzen anläßlich dessen Vermählung mit der Prinzessin Victoria ab.

Frankreich. Paris, 12. Juni. Es wird mit ziemlicher Sicherheit angenommen, daß wegen der Ereignisse in Alexandrien auch seitens der französischen Regierung Truppenverladungen vor genommen werden.

Italien. Rom. DieGazzette Piemontese theilt mit, daß Zollwächter unweit der Grenze bei San Remo einen Bauer festgenommen haben, welcher Fortificationen abzeichnete. Er wurde nach Remo gebracht, entpuppte sich hier als ein französischer Generalstabs-Capitän Namens Victor Didier, und da er auch verbotene Waffen bei sich führte, so wurde er vom Correctionsgericht zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt.

Türkei. Constantinopel, 11. Juni. Dem Temps sind Depeschen aus Tripolis zugekommen, denen zufolge die Türkei in Tripolis 20,000 Mann kriegsfähiger Truppen zusammengezogen hat.

13. Juni. Die Botschafter theilten der Pforte die Depeschen aus Alexandrien über die dortigen Vorgänge mit, welche eine Bestrafung der Meuterer erheischten. Die Pforte telegraphirte darauf an Derwisch Pascha, welcher antwortete, daß 30 Meuterer verhaftet seien. Ein Adjutant des Sultans, Osman Bey, ist mit ergänzenden Instructionen für Derwisch Pascha nach Alexan drien abgegangen. Wie verlautet, sprach sich im gestrigen Ministerrath die Mehrheit im Sinne einer Zustimmung zur Conferenz aus unter der Bedingung, daß die Conferenz nur die egyptische Frage behandele. Dem Sultan wurde hierüber noch keine Vorlage gemacht.(s. u.)

Rumänien. Bukarest, 12. Juni. Die Kammer wurde durch königliche Botschaft ge schlossen. Rosetti demissionirte zuvor als Führer der Liberalen, doch wurde die Demission ein stimmig abgelehnt.

Rußland. Petersburg, 12. Juni. Ein Befehl des Kaisers an den Senat meldet die Enthebung des Ministers des Innern, Grafen Ignatieff, und die Ernennung des Präsidenten der Akademie, Grafen Tolstoj, zum Minister des Junern. Man erwartet die Berufung Melikoff's zur Einführung von Reformen bei Gelegenheit der Krönung des Zaren. Die Ernennung Tolstoi's zum Minister des Junern ist eine vorübergehende.

13. Juni. Die Kaiserin ist heute in Peterhof von einer Tochter glücklich entbunden worden. Das Kind erhielt den Namen Olga.

Der neu ernannte bulgarische Minister Sobolef geht Mitte Juni auf seinen Posten ab. Auf einem der vor Reval liegenden Kanonen boote sind zwei Offiziere verhaftet worden, die im Verdacht stehen, der nihilistischen Partei an zugehören.

Egypten. Alexandrien, 11. Juni. Gestern Nachmittag sind Unruhen gegen Europäer aus gebrochen. Fünf Stunden nach Beginn derselben, Abends 7 Uhr, erschien Militär, welches die aufrührerischen Eingeborenen zerstreute und die Ordnung wieder herstellte. Der englische Consul Cookson wurde schwer verwundet und der In genieur des englischen PanzerschiffesSuperb durch einen Pistolenschuß getödtet. Ebenso sind der griechische Consul und der italienische Vice Consul schwer verwundet. Die Anzahl der Ge tödteten beträgt 25. Nach weiteren Berichten plünderte der Pöbel die Läden. Man versichert, daß die Unruhen an drei verschiedenen Orten der Stadt ausbrachen und glaubt deshalb, daß dieselben vorbereitet gewesen waren. 12. Juni. Viele Europäer verlassen Egypten möglichst rasch. Eine Proklamation des Consularcorps ermahnt die Europäer, sich ruhig zu verhalten, indem sie das Vertrauen ausdrückt, daß die egyptische Armee, den Gesetzen entsprechend, für Ruhe und Ordnung Sorge tragen werde. Heute sind keine

neuen Ruhestörungen vorgekommen. Die Ge

neralconsuln besuchten Morgens Derwisch Pa cha

in Kairo und baten denselben um Aufklärung, wer für das in eruster Gefahr schwebende Leben der Europäer verantwortlich sei. Derwisch Pascha antwortete ausweichend Nachmittags wurden die fahle,

Consuln zum Khedive berufen, wo sie Derwisch 00 Beu Pascha, die übrigen Commissäre und Sherif, sowie i. wegen Arabi Bey vorfanden. Arabi verpflichtete sich, I band 70 alle Befehle des Khedive getreulich zu erfüllen, I Wolle das Predigen in den Moscheen gegen die Frem 1 vagen d. den, sowie aufrührerische Versammlungen und J Weiß vo

feindselige Zeitungsartikel zu untersagen. Der 1 gehe Khedive versprach Maßregeln zum Schutze des 1 7 Lebens und Eigenthums der Europäer. Derwisch 30 10 Pascha willigte ein, gemeinsam mit Arabi Bey 1 05 die Befehle des Khedive durchzuführen. Der lägried Khedive und Derwisch Pascha sind nach Alexan- I gor M.

drien abgereist. 5

Aus Stadt und Land. M. 0.80 Friedberg, 13. Juni. Wie man vernimmt, wird St. bat mehrfach die Festsetzung des Minimalpreises für Wasser⸗ Stick N. vezug aus unserer in Errichtung begriffenen Wasserleitung Enten beanstandet und für zu hoch erachtet. Dem gegenüber 6460

bemerken wir, daß diese Festsetzuug nach reiflicher Ueber flisch legung, unter voller Berücksichtigung der hiesigen Ver? hältnisse und in Folge dessen weit billiger als in anderen 1 Städten stattgefunden bat. In Offenbach wird das

Minimum des jährlichen Verbrauchs mit 36 Mark berechnet, Uebe in Darmstadt wird unter einem jährlichen Mindestbetrag, von Bor von 35 Mark kein Wasser abgegeben und besteht in letzterer 0 9 Uhr; Stadt gutem Vernehmen nach, die Absicht, diesen Betrag 79 agent g demnächst zu erhöhen. Hier in Friedberg ist der Mindesk- ee ernannt betrag auf 25 Mark festgesetzt, eine in Rücksicht auf die Col Gesammtkosten des Werkes, auf die besonderen Vortheile 8 dem welche die Stadt durch die Kostenübernahme der Ab 17 fassung stiche und Lieferung des Wassermessers den Hausbesitzern ee über d gewährt, höchst mäßige Summe, welche bei den bis jetzt s treten

hier noch gar nicht hinreichend gewürdigten großen Vor⸗ bezeich theilen eines stets verfügbaren, reichlichen Bezugs guten meldet Wassers, auch in der kleinsten Haus haltung sich lohnen

wird. Um indessen viele obwaltende Mißverständnisse zu 4 beseitigen, glauben wir Nachstehendes zufügen zu sollen, Ig, vor de Für ein von einer Familie bewohntes Gebäude stellen e All. sich bei dem Minimalsatz von 25 Mark die täglichen Sache Kosten für Wasser auf 62/8 Pfennig; dafür hat der Ab⸗ schuldig nehmer das Recht bis zu 71 Cubikmeter= 454 Hessischen schuldn⸗ Ohm Wasser jährlich zu verbrauchen. Für ein Gebäude pflächtut

mit zwei Familien beträgt der Minimalsatz 35 Mark u den Jo und stellen sich die täglichen Kosten des Wassers auf sondertt 9/ Pfennig, also für eine Haushaltung auf 5 Pfennig kutsder täglich. Dafür können diese Familien 100 Cubikmeter = 615 Hess. Ohm Wasser jährlich verbrauchen. Für ein Gebäude, von drei oder mehr Familien bewohnt, 5 beträgt der Minimalsatz 45 Mark und stellen sich die A0 Kosten des Wassers auf 12 Pfennig täglich, also auf 2 höchstens vier Pfennig für eine Familie. Dafür können

in diesem Gebäude 130 Cubikmeter- 813 Hess. Ohm

Wasser verbraucht werden. Wir hoffen, daß solchen 8 Zahlen gegenüber viele Bedenken schwinden werden. 1 4 Sollte sich der Wasserverbrauch in hiesiger Stadt in 18

der gehofften Weise entwickeln und vermehren, so ist

eine Herabsetzung sowohl der Minimalpreise, als der a Beträge für größeren Bezug nicht ausgeschlossen. Vorerst

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muß die Stadtverwaltung darauf bedacht sein, die be 95 2181

deutenden Betriebskosten des Werkes zu decken und eine Erhöhung der Umlagen zu vermeiden. 2. *

Allerlei. 42 0

Pest, 13. Juni. In Werschetz fand ein furcht⸗ N 1 g

bares Gewitter statt. Die Brücke stürzte ein, 44 Per⸗ 15

sonen blieben todt. 1 0

London. Der bekannte Luftschiffer Simons stieg e 2

am letzten Samstag Nachmittag kurz vor 1 Uhr mit dem* Baronet de Crespigny von Maldon(Essex) in dem mit 40,000 Cubikfuß Gas gefüllten BallonColonel auf, um über den Canal nach Frankreich zu fliegen. Beim Aufsteigen wurde der Ballon durch den starken Wind so heftig gegen eine Ziegelmauer geschleudert, daß der Baronet einen doppelten Beinbruch erlitt und in einer

Höhe von etwa fünfzehn Fuß aus dem Nachen zu Boden stürzte, wobei er einige Rippen brach. Ein Zuschauer erlitt durch die Collision des Ballons mit der Mauer ebenfalls einen Rippenbruch. Simons setzte, obwohl er sich die Hand verstaucht hatte, die Reise fort und landele 80 Minuten später in Arras auf französischem Boden

Gerichtssaal.*

Bad-Nauheim. In der am 15. Juni Vormittags

8 Uhr beginnenden Schöffengerichtssitzung kommen fol gende Fälle zur Verhandlung: 1) Strafsache gegen Heinrich Mörschel Frau von Dorheim, wegen Nuhe 1 störung; 2) Strafsache gegen Louis Buschinsky von Bad⸗Nauheim, wegen Uebertretung des Reichs-Impfe gesetzes; 3) Strafsache gegen Hartmann Sprengel von* Bad Nauheim, wegen groben Unfugs; 4) Strafsache 1

gegen Christian Mörch, Bergmann von Dorheim, wegen e 0 Beleidigung; 5) Strafsache gegen a. Christian Beck, wb b. Ernst Hänsel, o. Johs. Ewald, d Fritz Stamm, hee

e. Bernhard Götz und k. Christian Jehner von Bad- che Nauheim, wegen groben Unfugs; 6) Strafsache gegen N Karl Gleiß, Eva Gleiß und Chrlstlan Gleiß Wittwe 0 von Rödgen, wegen Ruhestörung; 7) Strafsache gegen A190