Ausgabe 
14.1.1882
 
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Samstag den 14. Januar.

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N Sberhefsicher Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Areisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoneen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist,

ein Beleg kostet 9 Pf. werden stets per Post nachgenommen.

zu der Samstag den 28. Januar 1882, Nachmitta

Amtlicher Theil. Einladung.

General⸗Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg. Dr. Braden.

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Friedberg den 12. Januar 1882.

Tagesordnung.

as 2 Uhr, in dem Rathhaussaale zu Friedberg stattfindenden außerordentlichen

1) Bericht des erwahlten Molkerei-Comitsé's und Beschlußfassung über Errichtung einer Genossenschafts-Molkerei. 2) Die Beseitigung dürrer Baume in Feld und Gaͤrten.

An die Großherzoglichen Standesbeamten des Bezirks Friedberg.

Unter Hinweis auf Artikel 9 der Verordnung, betreffend die Ausführung des Reichsgesetzes vom 6. Februar 1875,

wir Sie

fordern

auf, die Nebenregister de 1881 insoweit nicht bereits geschehen, bei Meidung einer Disciplinarstrafe umgehend einzusenden. Großherzogliches Amtsgericht Friedberg.

Friedberg am 12. Januar 1882.

Herzberger.

»dt. Hohenstein, Hülfsgerichtsschreiber.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Türkische Consul Löwen thal in Frankfurt a. M. ist gestorben und Ferd. Gamburg interministisch mit der Leitung des Consulats, dessen Amtsbezirk sich auch auf das Großherzogthum Hessen erstreckt, beauftragt worden.

Berlin, 11. Jan. Der Reichstag geneh migte in dritter Lesung die gestern in zweiter Lesung genehmigten Rechnungen. Eine Reihe von Petitionen erklärte er für die Plenarbe rathung als ungeeignet. Rittinghausen be gründet darauf seinen Antrag auf Vermehrung der Reichstagsabgeordneten. Der Autrag wird nach längerer Debatte abgelehnt; dafür stimmen etwa 20 Mitglieder. Windthorst begründet sodann seinen Antrag zur Aufhebung der Mai gesetze von 1874(Culturkampf). Der unselige Bruderzwist in Deutschland muͤsse beseitigt wer den, die Gegensätze ausgesöhnt. Der Antrag wolle den Katholiken keine Privilegien schaffen, ihnen vielmehr nur das Recht gewähren, was in allen freiheitlich denkenden Staaten jede Confession besitzt. Windthorst schließt: Auch die in dem Juli-⸗Gesetz statuirte discretionäre Gewalt der Regierung konne die Katholiken nicht von den Klagen befreien, so wenig wie die

bisherige humane Handhabung des Gesetzes

ausreiche, alle Härten des Culturkampfes aus zugleichen. Die Annahme seines Antrages sei ein Zeichen, daß man in Deutschland, des Ha ders müde, die Hand zum Frieden reichen und einig zusammen leben wolle. Es folgt sodann eine sehr erregte Debatte, an der sich die Führer aller Parteien betheiligten. Dieselbe wurde schließlich vertagt. 12. Jan. Der Reichstag ge nehmigte in 3. Lesung die Errichtung von Kalifab riken. Dann wird die Berathung über den Antrag Windthorst fortgesetzt. Auch heute ist die De batte eine sehr lebhafte und nachdem die erste Verathung geschlossen ist, erhaͤlt Windthorst als Autragsteller das Schlußwort. Windtho x st bedauert das Schweigen der Regierung. Ge rade mit dem Gesetz, das enge mit den Mai gesetzen zusammenhänge, müßte man es etzt abschaffen. Redner dankt für die freundliche Art der Behandlung des Antrags. Hierauf erfolgt die Abstimmung. Zunächst werden die motivirten Tagesordnungen abgelehnt und dann folgt die Abstimmung über den Antrag Windt

horst. Die Abstimmung über§ 1 des Antrags Windthorst ist eine namentliche. Der An trag gelangt mit 233 gegen 115 Stimmen

zur Annahme, indem das Centrum, die Welfen,

Polen, Elsässer, die Volkspartei und die Social demokraten geschlossen, ferner das Gros der Fortschrittspartei und etwa die Hälfte der Con

servativen, sowie einige Sezessionisten dafür stimmen.§§ 2 und 3 werden angenommen

und dann die Sitzung vertagt.

DieProv-Corr. reproducirt den Er laß des Koͤnigs vom 4. Januar und sagt bei Besprechung desselben: Der Erlaß ist eine feierliche Verwahrung gegen gewisse Vorkomm nisse der neuesten Zeit, woraus sich zum Scha⸗ den des Ansehens der Krone leicht ein parla mentarisches Recht und ein constitutioneller Brauch hätte entwickeln konnen. In Preußen herrscht und regiert der Koͤnig. Die Reichs verfassung hat dieses Recht der Krone Preußens nur bestätigen wollen. Daß der Konig nur herrscht, aber nicht regiert, ist eine auf fremdem Boden erwachsene Anschauung. Ueber die Ver fassung hinaus an den bestehenden Verhaäͤltnissen nicht rütteln zu lassen, ist auch heute noch der Wille des Monarchen, wie dies derselbe vor 20 Jahren vom Throne verkündet habe.

12. Jan. Der Kaiser ertheilte im Bei sein des Cultusministers dem Bischof Dr. Kopp Audienz, der hierauf auch von der Kaiserin und von dem kronprinzlichen Paare empfangen wurde. Minister v. Bötticher lud den Bischof heute zum Diner ein.

Ausland.

Frankreich. Paris. Die Regierung läßt in den ihr nahestehengden Blättern erklären, Gambetta sei entschlossen, zu demissiontren, falls die Kammer die Wiederherstellung des Listen serutiniums, welche in der beabsichtigten Ver fassungs-Revision mit einbegriffen sei, verweigern sollte.

12. Jan. Die Deputirtenkammer wählte heute Lepere, Philippoteaux, Goblet und Tirard zu Vicepräsidenten. heißt, wird der Conseilspräsident Gambetta am Samstag den Gesetzentwurf, betreffend die Verfassungsrevision, vorlegen.

Großbritannien. Kork, 10. Jan. am 29. v. M. verhaftete, unter dem Namen Capitän Moonlight bekannte Connell hat Ge ständnisse gemacht; in Folge deren wurde gestern. in Millstreet eine aus 12 Personen bestehende Bande verhaftet, welche die in jüngster Zeit in der Umgegend ausgeführten gewaltthätigen Handlungen verübt haben soll.

Portugal. Lissabon, 13. Jan. Zu Ehren des spanischen Königspaares, welches zum Be

Wie es

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suche des hiesigen Hofes hier eingetroffen ist,

findet eine ganze Reihe von Hof-Festlichkeiten statt; auch Stiergefechte sollen veranstaltet werden.

Türkei. Konstantinopel. Da Rußland direct von der rumelischen Regierung vier Mill⸗ ionen Rubel Occupationskosten verlangt, suchte Aleko die Weisungen der Pforte nach. Der Expremier Kadri Pascha ist zum Gouverneur Adrianopels, Ghalib Pascha zum Gouverneur von Salonichi ernannt worden.

Bulgarien. Sofia. Die auswärts ver⸗ breiteten Mittheilungen von Aufruhr und Feuers brünsten sind vollig unbegründet. Im ganzen Fürstenthum ist die Ruhe ungestört.

Rußland. Petersburg. Nach einem Tele⸗ gramm desB. Tgbl. ist in hiesigen maß⸗ gebenden Kreisen die Parole ausgegeben, in der russischen Presse jegliche feindselige Bemerkung gegen Deutschland zu vermeiden. betref⸗ fende Befehl soll sehr bestimmt lauten.

Nach einem Telegramm derPresse sind in den letzten Nächten des December zahl reiche Verhaftungen vorgenommen worden; die

Der

erste in einem Hause in der Semskaja und darauf in dem Hause Tichatschew an der Anitschkow-Brücke. Es wurde bierbei eine Druckerei aufgehoben. Die Verhafteten ver weigern jede Auskunft über ihre Person. Es

scheint von nihilistischer Seite irgend ein Schlag vorbereitet zu werden; darauf deutet die An sammlung derselben in der Stadt und das Wiederauftauchen der Proklamationen.

iet* Zeit 0 eine Verordnung er⸗ lassen, nach der 4

DerNeuen zufolge hat Kaiser am 9. Januar d während des Jahres noch freiwillige Uebereinkommen zwischen den Bauern und den Gutsbesitzern über den Loskauf

des Landes gestattet sind. Nach 1882 gehört den Bauern alles nicht losgekaufte Land. Die Krone entrichtet den Gutsbesitzern vom 1 Ja⸗ nuar 1883 an 80 pCt. der Taxation des zu befreienden Landes.

Afrika. Tunis. James-Gazetta in London sagt, sie empfing Nachrichten von Wichtigkeit aus Tunis, wonach daselbst Hungersnoth befürchtet werde, weil vielfach in Folge der Unruhen die Landbebauung unterblieben sei. Sobald der Nahrungsmangel im Innern des Landes fühl

bar würde, werde ein heftigerer Ausbruch von Unruhen erwartet. Aegypten. Kairo, 11. Jan. In Folge

der durch die Collectivnote bei der Militärpartei und den Notablen hervorgerufenen großen Auf regung und Bestürzung hatte die Regierung be schlossen, die Collectivnote nicht zu publietren.