Ausgabe 
13.7.1882
 
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Erledigt ist: Eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz, Anfangsgehalt 1200 Mark.

XI. Sterbefälle.

Darmstadt, 10. Juli. Heute fuhr der Großherzog, der ebenfalls von Fischbach retour gekommen ist, per Wagen von Wolfsgarten nach Groß⸗Gerau und von dort mit dem Zug nach Mainz, um die Bembö'sche Ausstellung zu be sichtigen. Später begab sich der Großherzog per Wagen nach Wiesbaden, und kehrte gegen Abend über Groß-Gerau nach Wolfsgarten zurück.

10. Juli. Staats-Minister von Starck hat heute eine mehrwöchige Urlaubsreise zum Gebrauch eines Seebades angetreten.

Darmstadt. Postpersonalveränderungen. Angestellt sind: der Postpraktikant Fricke in Mainz als Postsecretär und der Postassistent Klein in Mombach als Postverwalter. Versetzt sind: der Postsecretär Horstmann in Mainz nach Hamburg und der Telegraphensecretär Könnecke in Darmstadt nach Mannheim. Gestorben ist der Bureauassistent Decher in Darmstadt.

Es wurde: der Kreisbaumeister Geh. Baurath Holzapfel in Gießen auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhe stand versetzt, der Kreisbaumeister Walter in Groß-Gerau nach Gießen, der Kreisbaumeister Schöneck in Erbach nach Groß-Gerau, der Kreisbaumeister Reuling in Alzey nach Erbach, der Kreisbaumeister Reuß in Friedberg nach Alzey und der Kreisbaumeister Grimm in Nidda nach Friedberg versetzt, sowie der Bauaccessist Groß aus Mainz zum Kreisbaumeister in Nidda ernannt; ferner der Districtseinnehmer Dersch in Grebenhain nach Seligenstadt und der Districtseinnehmer Zimmer in Ortenberg nach Umstadt versetzt, sowie die Finanz-Asp. Kempf aus Griedel und Meyer aus Reinheim zu Districtseinnehmern in Groß-Gerau und Orten berg ernannt; der Professor Gottschick in Mag deburg zum ordentlichen Professor in der evangelisch-theologischen Facultät der Landes Universität berufen, dem Schullehrer Quetsch zu Osthofen das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für fünfzigjährige treue Dienste und dem Ingenieur Krauß in Mainz das Ritter⸗ kreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen, der Dampfkessel Prüfungstechniker Pöhlmann aus Flurhof zum Dampfkessel⸗Prüfungs⸗Ingenieur, der Techniker Möser aus Darmstadt zum Secretariats-Ass. bei der Centralstelle für den Landesgewerb verein ernannt; ferner K. Stimmel aus WMergelstetten, zum Landwirthschaftslehrer in der Prov. Starkenburg und Dr. Tobisch aus Breslau, zum Landwirthschaftslehrer in der Prov. Oberhessen, sowie der Gerichtsschreiber Hill zu Langen zum Gerichtskostenrevisor, der Bureaubeamte Petri aus Darmstadt zum Se cretariats⸗Ass. bei der Centralstelle für die land wirthschaftlichen Vereine und der Gehülfe des Ober⸗ Staatsanwalts Enders unter Belassung in dieser Stellung zum Assistenten des Gerichts kostenrevisors ernannt.

Militärdienst⸗Nachricht. Frhr. Röder von Diersburg, Rittmeister, aggr. dem 2. Gr. Drag.⸗Regt. Nr. 24, comm. zum Stabe der 3. Div., wurde unter Einrangirung in das 1. Schles. Drag.⸗Regt. Nr. 4, als Adj. zur 3. Div. commandirt, Garnisonsauditeur Wolf in Rastatt als Divisionsauditeur zur Gr. Divi sion versetzt.

Das Vorgehen der Handelskammer in Frankfurt a. M., welche sich bekanntlich an den Bundesrath gewendet hat, um die Beseitigung der zahlreichen Mißstände herbeizuführen, welche die Verschiedenheit der bayerischen und württem bergischen Postwerthzeichen von den Reichspost werthzeichen im Gefolge hat, findet in den weitesten Kreisen Anerkennung und hat sich namentlich die hiesige Handelskammer veranlaßt gesehen, jenes Gesuch beim Bundesrath nach drücklich zu unterstützen.

Berlin. Kaiser Wilhelm wird in Gastein, wo er am 18. d. eintrifft, einen dreiwöchent lichen Aufenthalt nehmen, sich am 8. oder 9.

August nach Salzburg und von da zum Besuche des österreichischen Hofes nach Ischl begeben. Die kronprinzlichen Herrschaften werden mit der Prinzessin Victoria am 17. d. M. eine Reise nach der Schweiz, Tyrol, dem bayerischen Hoch gebirge u. s. w. antreten, während die jüngeren kronprinzlichen Kinder um dieselbe Zeit einen Besuch am Hofe ihrer Großmutter, der Königin von England, abstatten werden. Prinz und Prinzessin Wilhelm beabsichtigen gleichfalls noch in diesem Monate eine größere Landreise nach dem Süden anzutreten; ein ursprünglicher Plan, nach welchem die Herrschaften einen längeren Ausflug zur See unternehmen wollten, ist wieder aufgegeben und in Folge dessen die Indienst stellung S. M. Dampf-PachtHohenzollern, auf welcher das prinzliche Paar die Reise zu rücklegen sollte, wofür bereits die Designirungen an Offizieren und Mannschaften erfolgt waren, wieder aufgehoben worden.

Kassel, 11. Juli. Die Beerdigung der Fürstin von Hanau findet morgen in dem Erb begräbniß auf dem neuen Friedhofe statt. Die Leiche des letzten Kurfürsten ruht im Erbbe gräbnisse auf dem alten Friedhofe.(s. u. Prag.) München. Das Comits für katholische Re formbewegung hat zwei Bittgesuche an den König gerichtet, um Gestattung von Sammlungen zur Erbauung einer Kirche und um Gewährung des interimistischen Mitgebrauchs einer der hiesigen, im Staatseigenthum befindlichen Kirchen.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Kaiser Franz Joseph will zu Beginn des August einen Gegen besuch bei der königlichen Familie von Italien abstatten. Als Ort der Zusammenkunft bezeichnet man Florenz. Von da aus gedenkt der Kaiser nach Ischl zu reisen, um dort mit Kaiser Wilhelm, der um jene Zeit zur Kur in Gastein sich auf hält, zusammenzutreffen. Bei dieser Begegnung würde sich auch das kronprinzliche Paar aus Prag einfinden. Hernach, also zu Beginn des September, liege es in der Absicht des Kaisers Franz Joseph, dem Könige von Spanien einen Gegenbesuch abzustatten.

Prag, 10. Juni. Gestern Abend ist die Wittwe des letzten Kurfürsten, die Fuͤrstin von Hanau, gestorben.

Schweiz. Bern. Der Große Rath des Kantons Bern ist auf den 24. Juli einberufen. Die Verfassungs-Revisionsfrage und der Entwurf der Hypothekenordnung werden die Haupttrac tanden bilden.

Großbritannien. London, 10. Juli. Aus Calcutta wird telegraphirt, daß die Expe dition nachEgypten nunmehr definitiv beschlossen sei.

Die sich bestätigende Nachricht, daß Baron Ring Namens Frankreich mit Arabi unterhandelt hatte, ist geeignet, einen Conflict zwischen Frankreich und England wahrscheinlich zu machen.

11. Juli. Das Unterhaus setzte die Ein⸗ zelberathung der Bill über die Pachtrückstände fort. Das Oberhaus nahm abstimmungslos die zweite Lesung der Zwangsbill an.

In Tredegar, Grafschaft Monmouth, ist es zu ernsten Ruhestörungen gekommen. Es war das Gerücht verbreitet worden, die Irländer beabsichtigten das Wasserreservoir zu vergiften. Die übrige Bevölkerung demolirte die Wohn ungen der Irländer und mißhandelte die Eigen thümer. Es fielen Verwundungen vor.

Türkei. Konstantinopel, 11. Juli. Der Premier-Minister Abdurrahmann wurde seiner Functionen enthoben. Der frühere Premier- Minister Said wird wieder an seine Stelle treten. Essad Pascha eröffnete gestern Frey cinet officiell, die Türkei würde keine Truppen entsenden. Der amerikanische Gesandte hatte gestern wieder eine Audienz beim Sultan. Das Publikum knüpft daran Gerüchte von der Be reitwilligkeit der Vereinigten Staaten, in der egyptischen Frage zu vermitteln.

Bulgarien. Sofia. Fürst Alexander wurde

bei seiner Rückkehr vom bulgarischen Volke

mit stürmischen Kundgebungen der Freude und Ergebenheit empfangen. Von Lom Palanka an glich seine Fahrt einem wahren Triumph zuge. Aus den am Donauufer gelegenen Städten kamen ihm Deputationen auf Privatdampfern entgegen. Aus der Provinz erschien eine sehr große Anzahl Bauern in Sofia, um sich an dem Empfange des Fursten zu betheiligen. Am Abend der Ankunft des Fürsten war die bul⸗ garische Hauptstadt glänzend illuminirt. Vor dem Konak sammelte sich eine große Menschen menge an, welche dem Fürsten stürmische Ova tionen brachte, die letzterer mit einer kurzen bulgarischen Ansprache erwiederte. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Bauern, welche den Fürsten auf seiner Fahrt nach der Hauptstadt begrüßten, an ihn die Bitte richteten, sich weder von den Conservativen, noch von den Liberalen leiten zu lassen, sondern unabhängig nach seinen eigenen Einsichten die Schicksale des Landes zu lenken.

Egypten. Alexandrien, 11. Juli. Die fremden Panzerschiffe sind gestern Abend außerhalb des Hafens gegangen. Die französischen Kriegs schiffe, mit Ausnahme derAlma undHiron⸗ delle verließen Alexandrien bei Sonnenuntergang. Ein officieller Bericht des Admirals Seymour ist eingetroffen. Derselbe besagt, daß das Bom bardement heute Morgen um 7 Uhr begonnen hat. Nach einer Stunde heftigen Beschießens ist das Fort Marsa in die Luft geflogen. Das Feuer der Batterien ist verhältnißmäßig schwach, Um 12 Uhr wurden 2 andere Forts vernichtet. Zusammen sind jetzt vier uaschädlich gemacht. 1 Uhr 20 Min. Mittags antworten nur noch die in gedeckten Placements stehenden Geschütze der Egypter. Das Feuer der Flotte hat alle anderen Geschütze demontirt und die meisten Schanzen bereits vernichtet. Vom Flaggenschiffe Invincible wird nöthigenfalls ein starkes Contingent von Marinesoldaten landen, um die Demolirung der Forts zu vollenden. Der Suez canal wurde trotz des Protestes v. Lesseps vom englischen Consul geschlossen; der Consul er- klärte, der Canal solle heute besetzt werden E Nach Konstantinopeler Meldungen protestirte der Sultan gegen die Maßregeln des englischen

Admirals, als Feindseligkeiten herbeiführend. d in Afrika. Durban, 7. Juli. Ein einge- bar borener Bote aus Dunu's Land, der in Tanger e angekommen ist, meldet, daß in Nord-Zululand 5 und Blutvergießen stattgefunden hat. Sibebu sandte 8 eier sieben Spione aus, die von den Leuten Noda- 8 bakes entdeckt, verfolgt und getödtet wurden. I. de Sibebu hat in Folge dessen sein Volk zu den 000 Waffen gerufen, und man hält einen wüthenden Jve Kampf für nahe bevorstehend. 199 Indien. Simla, 8. Juli. Einer Meldung 1195 von hier zufolge ist die Ruhe in Muscat wieder. Wis hergestellt. Der Bruder Imam's verzichtete gegen? Pension auf seine erhobenen Ausprüche.*

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 9. Juli. Da bis zum Redaetions- schluß der uns zugesagte Artikel nicht einging, so repro dueiren wir einen von hier aus an die Darmst. Ztg eingesandten Artikel: Gestern Morgen wurde in einer zahlreich besuchten Versammlung von Landwirthen der Wetterau das Statut derAetien-Zucker⸗Fabrik Wetterau in Friedberg berathen und angenommen. Das Grund kapital beträgt 600,000 Mark und kann durch Beschluß des Aufsichtsraths auf 900,000 Mark erhöht werden. Die Aectien bestehen aus solchen, welche zugleich zum Rübenbau verpflichten und reinen Geld-Aetsien. Von ersteren sollen mindestens 1500 Stück, von den zweiten so viel ausgegeben werden, als zur Vervollständigung des Grundkapitals erforderlich sind. Am Nachmittag fand die Aetienzeichnung statt und wurden von der ersteren Gattung ungefähr 1100 Stück, von der zweiten, die

vorerst ebenfalls nur an Rüben bauende Actionäre ver- 8. abfolgt worden, etwa 500 Stück alsbald gezeichnet. 9. Am 21. d. Mts., bis wohin voraussichtlich das ganze n als h Grundkapital gezeichnet ist, findet die constituirende e gen Generalversammlung, die Wahl des Auffsichtsrathes statt. F sol Der Sitz der Gesellschaft ist in Friedberg, die Fabrik fut wird auf der Südwestseite in nächster Nähe der Stadt F und e erbaut. Entscheidend hierfür waren die günstigen Terrain la verhältnisse, welche eine unmittelbare Schienenverbindung Nauen zwischen der Eisenbahn und der Fabrik gestatten, und J. U die centrale Lage Friedbergs, woselbst zwei Eisenbahnen, arbel fünf Staatsstraßen, eine Kreisstraße und mehrere andere sichti, Verbindungswege zusammenlaufen. Wan eswartet vom] gesel