Egypten. Alexandrien, g., Sept. General- consul Malet telegraphirte an Grauwille, der Khe— dive habe ihm brieflich erklärt, es sei unbegründet, daß die egyptischen Behoͤrden Kriegsgefangene mißhandelt und gefoltert hätten; nur ein Spion, welcher Aussagen verweigerte, sei der Tortur unterworfen worden. Dieses Verfahren sei jedoch für die Zukunft verboten worden.— Gestern Abend hat der arabische Poͤbel die bei einem Galgen, an welchem der Mörder zweier Eng⸗ länder aufgehängt war, aufgestellte Polizeiwache angegriffen und vertrieben. Der Pöbel bemäch⸗ tigte sich hierauf des Körpers des Gehängten, um denselben einbalsamiren zu lassen, und will den Hingerichteten als Heiligen verehren.— Der Durchstich der Landenge bei Fort Mex, um das Meer in den Mariutsee zu leiten, ist in Angriff genommen worden. Der Binnensee soll eine Tiefe bis zu acht Fuß erhalten.
— 9. Sept. Eine große Anzabl von Be— duinen näherten sich heute dem Dorfe Mex. Die Engländer gaben mehrere Kanonenschüsse auf dieselben ab; trotzdem gelang es einigen Beduinen in Mex einzudringen. Am Mittag griffen die Engländer die Beduinen an und jagten sie mit dem Bajonnet aus dem Dorfe. Auch bei Ramleh sind die Beduinen sehr rührig, da— her wurden die Vorposten der Engländer ver— stärkt; zahlreiche Piquets patroulliren in der Umgebung Ramlehs.
Port Said, 8. Sept. In Folge eines Ab⸗ kommens der englischen Behörden mit der Süß— wasser⸗Compagnie wird Port Said 500 Tonnen Wasser und Ismailia das für die täglichen Be— dürfnisse der Einwohner erforderliche Wasser— quantum erhalten.
Ismailia, 7. Sept. Die englischen Truppen unternabmen heute früh 3 Uhr eine Recognos— cirung von Gasassin aus. General Wilkinson und Oberst Buller rückten mit einem Detache— ment indischer Cavalerie und beritten gemachter Infanterie bis eine Meile von Tel-el-Kebir vor und observirten die Stellungen des Feindes. Bis zum Rückmarsch ließ sich von den Arabern Niemand sehen.
— 9. Sept. Ein heute früh gegen die beiden Flanken der englischen Stellung gerichteter Angriff der Truppen Arabi's führte zu einem lebhaften Gefecht. Von Tel-el-Mahuta sind englische Truppen im Anmarsch. Die Angriffe Arabi's wurden zurückgewiesen, aber das Ge— fecht dauerte noch Mittags auf der Ausdehnung von drei Meilen fort. Die Verluste der Eng— länder werden bis jetzt auf 100 Mann Todte und Verwundete geschätzt.
Afrika. Durban. Laut Nachrichten von hier soll John Dunn in Durban sein. Er ist der Ansicht, daß die Wiedereinsetzung Cetewayos die verhängnißvollsten Folgen nach sich ziehen werde, da dieser ungerechte Act das letzte Ueber— bleibsel von Achtung der Eingeborenen für die
englische Regierung vernichten werde. Er glaubt, sie zahlen dafür den gleichen Preis wie für Gaslicht.
Cetewayo werde sich mit den Holländern verbünden
Aus Stadt und Land.
richtungen verfolgt worden sind. Immerhin hat das Norkshire, sowie das Berkshire Schwein, welche nament⸗ lich auf den Großh. Gütern zu Darmstadt gezüchtet werden, schon recht hübsche Kreuzungsresultate aufzu⸗ weisen, bei denen hin und wieder auch das Suffolkblut betheiligt ist.
Darmstadt. Nachstehend bringen wir das Pro⸗ gramm für die feierliche Eröffnung der landwirthschaft⸗ lichen Landesausstellung am 16. September, Nachmittags 3 Uhr und bemerken dabei, daß selbstverständlich bei dieser Gelegenheit bereits Jedermann Zutritt hat. 1. Fest⸗ marsch. 2. Empfang des Großherzogs am Eingange des Orangeriehauses. 3. Ansprache des Staatsministers von Starck, 4. Nachdem S. K. H. den Befehl zur Er⸗ öffnung der Ausstellung ertheilt hat, Eröffnung durch den Präsidenten des Provinzialvereins, 5. Rundgang durch die Ausstellung.— Während der Dauer der Aus- stellung wird in dem Ausstellungslokale auch ein Lese— kabinet errichtet werden, in welchem die hervorragenden deutschen landwirthschaftlichen Fachblätter zur Einsicht⸗ nahme der Besucher aufgelegt werden, eine Errichtung, die jedenfalls allseits mit Freuden begrüßt werden wird. Lauterbach, 10. Sept. Die Baumwollspinnerei Blitzenrod steht seit heute Nacht in Flammen. Ober⸗Ingelheim. Ein hiesiger Einwohner, welcher aus Liebbaberei Physik treibt, hat eine angeblich lenkbare Flugmaschine construirt, von der er sich große Vortheile ür den Verkehr verspricht. Seiner Berechnung nach soll dieselbe aber auch eine außergewöhnliche Tragfähigkeit besitzen, welche den bisherigen derartigen Maschinen größtentbeils mangelt. Ein Banquier aus Frankfurt soll für das Projekt bereits gewonnen sein und die nöthigen Mittel zur Ausführung in Aussicht gestellt haben.
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Allerlei.
Freiburg. Nach dem Bericht des hierher ent— sendeten Reichs-Commissärs geben die bisherigen Er⸗ hebungen den ziemlich sicheren Anhalt, daß der Locomo⸗ tivführer die für die Bahn vorgeschriebene Geschwindig⸗ keit nicht unwesentlich überschritten haben dürfte und [daß eventuell auch das Bremserpersonal nicht mit ge— spannter Aufmerksamkeit seinen Dienstfunktionen nach⸗ gekommen sein wird. Es wird sich nun fragen, ob der Locomotivführer beauftragt war, so rasch zu fahren, oder ob er es von sich aus gethan, und ferner, ob genug Bremserpersonal auf dem Zuge war. Jetzt, wo die Folgen des Unfalles einigermaßen überschaut werden können, ist es zur schrecklichen Gewißheit geworden und durch ärztliche Aussagen constatirt, daß eine große Zahl Verstorbener hätte gerettet werden können, wenn die sachkundige Hülfe auch nur einigermaßen zur rechten Zeit angekommen wäre. Noch wollen wir auf Niemand einen Stein werfen, aber die Verantwortung für Diejenigen, welche durch kopflose Maßregeln und durch büreaukratische Vertuschungsversuche die Folgen des unseligen Ereignisses noch vergrößert haben, wird eine furchtbare sein. Bereits ist die gerichtliche und technische Untersuchung in vollem Gange. In der Nähe der Unglücksstätte, welche all⸗ mählig von den Trümmern gesäubert wird, ist ein Unter⸗ suchungsbüreau eingerichtet, in welchem die Staatsan⸗ waltschaft schon zahlreiche Verhöre abgehalten hat. Breslau, 10. Sept. Gestern Abend fand ein nicht unbedeutendes Feuer in der Karlstraße im Hofe statt, wo die königlichen Leibgendarmen ihre Pferde stehen hatten. Diese sind gerettet.
Madrid. Nach weiteren Nachrichten aus Manilla starben dort bis zum 6. September 176 und in den benachbarten Ortschaften 368 Personen an der Cholera. New⸗Nork, 5. Sept. Heute wurde von der Edi⸗ sonschen Centralstation aus mit einer 6 Meilen langen Leitung die erste elektrische Beleuchtung in 100 Privat⸗ gebäuden durch Edison vollendet. Die einzelnen Ge⸗ bäude liegen bis zu 1000 Meter entfernt von der Cen⸗ tralstation; in ihnen werden je nach Bedarf zwischen 3 bis 100 Lampen erleuchtet. Die Abonnenten können ihr Licht Tag und Nacht ohne Unterbrechung benutzen, und
Die New⸗Norker Blätter sprechen von dieser Neuerung in fast enthusiastischem Tone. Sie heben übereinstimmend hervor, daß das Licht, so bell es ist, dem Auge ange⸗ nehm ist, nicht flackert und keine Hitze entwickelt.
Darmstadt. Die bevorstehende landwirthschaft— liche Landes ausstellung hierselbst, für welche alle Vorbe— reitungen rüstig voranschreiten, wird insbesondere in der Rindviehzucht ein sehr interessantes Bild über die in Hessen bestehenden Verhältnisse gewähren. Nachdem die beiden vorzüglichen Schläge des Vogelsberger und Oden⸗ wälder Rindes lange Zeit sehr vernachlässigt worden waren, führte man bekanntlich zunächst das Schweizer Vieh zur Zucht ein, welches gleichzeitig mit Donners— berger, Eger, Simmenthaler benützt wurde, wodurch theil— weise eine heillose Verwirrung Platz zu greifen begann. Durch die Bemühungen Krämers unkformirte man seit Anfang der 70er Jahre die Kreuzung mit dem einbeim— ischen Vieh mehr und mehr und führte zu dem Zweck fast ausschließlich Simmenthaler ein, während man anderer⸗ seits in den letzten Jahren angefangen hat, auch wieder die Reinzucht von Vogelsberger und Odenwälder mit größerer Sorgfalt zu pflegen. Es wird sich deßhalb auf der Ausstellung das Interesse vorzugsweise auf das Vogelsberger und Odenwälder Vieh und auf das Kreuz— ungsproduet desselben mit Simmenthaler concentriren, tbeilweise wohl auch werden die reinen Simmenthaler Zuchten die Aufmerksamkeit mit Recht auf sich lenken. Auch die Schweinezucht wird manches Sehenswerthe
New⸗Nork, 9. Sept. Gestern fand in Panama ein Erdbeben statt, wodurch namentlich die Kathedrale und mehrere größere Gebäude stark beschädigt, sowie mehrere Personen getödtet wurden.
sehr beträchtlich.
Gegen die Geheimmittel.
(Ein Wort zur Warnung unserer Mitbürger vor Ge⸗ sundheitsschädigung und Uebervortheilung.)
Von Obermedieinalassessor Dr. Uloth in Darmstadt.
Die Verluste sind
Der Apotheker hat sich die zur Ausübung seines Berufs nöthige praktische und wissenschaftliche Ausbildung unter großen Opfern an Geld und Zeit erwerben müssen, hat viele Tausende in den zum Geschäfts betrieb nöthigen Immobilien, Mobilien und Waaren stecken, hat weitere Tausende für seine Gehülfen und Arbeiter auszubezahlen. Er verdient deshalb die staatlich festgesetzten Taxpreise in der redlichsten und mühevollsten Weise. mit dem Geheimmittelfabrikanten? Dieser leistet in keiner Weise Garantie für die Güte und die Wirkung der von Jeder, der auf bequeme und billige Weise Geld verdienen will, kann ohne alle Vor⸗
ihm feilgebotenen Mittel.
werden die Rohstoffe bezogen, kostspielige Apparat N
nebenbei betrieben werden, wie Conditorei, Chocolade— fabrikation, Liqueurfabrikation, Parfümerie ꝛc., wie dies auch im Richter'schen Etablissement der Fall ist. Ein Geheimmittel wird in geradezu gewissenloser Weise gegen alle mögliche Krankheiten empfohlen. Dem Geheimmittel⸗ fabrikant gilt nur die Ausbeutung des Publikums und die Füllung seines Säckels, der Nutzen oder Schaden, den seine Mittel anrichten, ist ihm durchaus gleichgültig. Für die Richtigkeit der hier ausgesprochenen Ansichten ein Beispiel. In der jeder Flasche beiliegenden Gebrauchs⸗ Anweisung wird z. B. der Richter'sche Pain-Expeller gegen 24 äußere und innere Krankheiten empfohlen; unter letzteren soll er innerlich genommen werden gegen Cholera, das gelbe Fieber, Croup, Diarrboe, Ruhr(rothe und weiße), Fieberschauer, verdorbenen Magen, Magenkrampf, Kolik u. a. Auch Touristen! Landwirthen und Fabrik⸗ arbeitern! wird ein Zusatz zum Trinkwasser empfohlen, damit die ganze Menschheit der trefflichen Wirkung dieses Mittels theilhaftig werde und— Richtern ihren Tribut bezahle. Ist es nicht im höchsten Grade unverantwort⸗ lich, eine Mixtur aus spanischer Pfeffertinetur, Kampher, Salmiakgeist und Spiritus zum innerlichen Gebrauch bei Krankheiten zu empfehlen, bei denen das Leben des Patienten auf dem Spiel steht?! Wie wird in diesen Fällen, in denen das augenblickliche Eingreifen des Arztes nöthig ist, nicht schon das Leben des Patienten dadurch gefährdet, daß durch die Anwendung des Geheimmittels ein oft lebensgefährlicher Zeitverlust entsteht!— Die übrigen Richter'schen Mittel, vorzugsweise Sassaparilltan werden gegen nicht weniger als 166 Krankheiten empfohlen! In der That, der Mann ist auf dem besten Weg den Stein der Weisen zu finden, wenn ihm der Strafrichter nicht den Weg verlegt. Uebrigens scheint doch auch Richter das Un verantwortliche und zum Theil Lächer⸗ liche der Empfehlung des Pain-Expeller zum innerlichen Gebrauch zu fühlen, denn in dem für das größere Publi⸗ kum bestimmten und offenen Buche„Dr. Airy's Heil⸗ methode“ erwähnt er bei den genannten Krankheiten entweder Nichts von dem innerlichen Gebrauch jenes Mittels(ja er empfiehlt sogar bei einzelnen derselben die möglichst rasche Zuziehung eines Arztes) oder substituirt ein anderes seiner Geheimmittel, welches er „Stomakal“ nennt. Die verschiedenen Pillen sind nach des Geheimmittelfabrikanten Ansicht für Jedermann gut; Kindern, selbst Säuglingen soll man unter Umständen Regulating- Pillen beibringen. Richter brüstet sich in seinen Bekanntmachungen damit, daß in einer medi⸗ einischen Fachzeitschrift, der„Allgemeinen Wiener medi⸗ einischen Zeitung“, die stets gleiche Zusammensetzung und die sehr gute Wirkung seiner Geheimmittel rühmend hervorgehoben werden. In der That findet sich dort eine längere Arbeit von Dr. Anthofer(Beiträge zur Therapie der eonstitut. Syphilis), in welcher die Richter⸗ schen Mittel empfohlen werden. Wir wollen uns hierüber, wie über das in ärztlichen Kreisen genügend bekannte bedenkliche Verhalten jener Zeitung zu medieinischen Reclamen überhaupt, hier einmal ganz eines eigenen Urtheils enthalten und statt dessen die„Correspondenz⸗ Blätter des Allgemeinen ärztlichen Vereins von Thüringen“ sprechen lassen.„In Thüringen hat der ärztliche Verein es für nöthig gefunden, bei der Fürstlich Rudolstadtischen Regierung Verwahrung einzulegen gegen die Coneessionir⸗ ung einer vom Dr. philadelphiae R. beabsichtigten inter⸗ nationalen Heilanstalt. Der gesetzwidrige Vertrieb seiner Geheimmittel hat sich leider noch nicht hindern lassen. Auch in Nürnberg hatte das Physikat demselben Geheim- mittelfabrikanten schon früher den Aufenthalt unangenehm gemacht und ihn zur Aus wanderung nach Rudolstadt veranlaßt. Und nun kommt die ärztliche Fachpresse in Oesterreich und macht dem Herrn ein warmes Bett in Oesterreich fertig. Die Redaction der Allgemeinen Wiener medieinischen Zeitung mag es nicht übel nehmen, wenn jetzt in Deutschland mit Kopfschütteln nach den Motiven gefragt wird, die ein großes Blatt bestimmen konnten, sich auf die Seite des Herrn Dr. philadelphiae Richter zu stellen. Daß auch die Prager Medieinische Wochen⸗ schrift ihren Inseratentheil dem Herrn R. geöffnet hat, bedauern wir um so mehr, als bisher diese Wochenschrift sich von der in Oesterreich so oft üblichen Unterstützung speculativer Geheimmittelfabrikanten fern gebalten hat. Wir empfehlen den bezüglichen Redaetionen die Lecture des Aerztlichen Vereinsblattes, Jahrgang 1880.“ Selbst Paul Börner's guter Name soll herhalten, um die übele Sache decken zu helfen! Aber das von R. angeführte Börner'sche„Jahrbuch der practischen Mediein“ stellt es sich zur Aufgabe, über alle im Laufe des Jahres in den verschiedensten medleinischen Zeitschriften erschienenen Arbeiten rein objeetiv Nachricht zu geben und bringt so auch ein Referat über obigen in der„Allgemeinen
was Jener nun in seinem Interesse ausbeutet. Wir schließen für jetzt mit den Worten des unlängst verstor⸗ benen verdienstvollen Obermedieinal Raths Dr R. Volz, in denen er treffend den Gebeimmittelschwindel zeichnet: „Es ist ein Handel ohne Stolz, ohne Ehrgeiz, ohne Befriedigung, die selbst der Taglöhner für sein Tagewerk hat, auf Täuschung aufgebaut, mit betrügerischen Mitteln ausgeführt, den ein ehrenhaftes Geschäft zurückweisen, in Verruf thun wird.“
Gerichtssaal. Altenstadt, 7. Sept. Bei der heute dahier ab⸗
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bieten, wenn auch leider gerade hier, wo die Vielseitig⸗ keit am Platze wäre, bisher nur sehr einseitige Zucht—
kenntnisse dieses zweifelhafte Metter treiben. lagen für die Geheimmittel sind gering, je nach Bedarf
gehaltenen Schöffengerichtssitzung wurde in folgenden Sachen erkannt. 1) in der Strafsache gegen Heinrich
Baulichkeiten find nicht nöthig oder werden erst dann angeschafft, wenn das Geschäft besonders reussirt oder indem andere auf soliderer Basis ruhende Geschäfte
Wiener medieinischen Zeitschrift“ erschienenen Artikel,
bh pegel ehiel dritte Trag be Liebe licher fünf kann Enzt gleie klag selbe Str Besc Gelt weitt laden tau


