Ausgabe 
12.9.1882
 
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5 Dienstag den 12. September.

107.

berhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

vie einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres⸗Conto

bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bel uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post

Beleg kostet 9 Pf. nachgenommen

bel Reelamen mit 22 Pf.; ein

Amtlicher Theil.

getreffend: Die allgemeine Bauordnung vom 30. April 1881.

Das Gr. Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeistereien des Kreises und das Gr. Polizeicommissariat Wickstadt.

Es ist zu unserer Kenntniß gebracht worden, daß die Bauenden Ihnen nur in den seltensten Faͤllen von der Beendigung des Rauh

aues genehmigter Bauten und Feuerungsanlagen vor dem Beginn der Verputzarbeiten die vorgeschriebene Juni und 25. August dieses Jahres(Nr. 65 und 101 des Kreisblatts) verweisen, Weise bekannt machen zu lassen, daß Verfehlungen gegen diese Vorschrift 150 Mark oder mit Haft bestraft werden würden.

Sie auf unsere Ausschreiben vom 3.

ie einschlagenden Bestimmungen unter dem Anfügen auf ortsübliche innachsichtlich zur Anzeige gebracht und mit Geldstrafe bis zu

Wir erwarten von Ihnen dementsprechend pflichtmäßiges Vorgehean.

Um Auskunft über den derzeitigen Aufenthaltsort des Konrad Schäfer von Ober-Moos, Kreis Lauterbach, welcher

Zettelus in Untersuchung steht, wird ersucht. Friedberg den 4. September 1882.

Ausschreiben.

Friedberg den 9. September 1882.

Anzeige machen. Indem wir beauftragen wir Sie

J. V.: Dr.

Kayser.

dahier wegen

Der Großherzogliche Amtsanwalt. J Pfann müller.

J. B.

Deutsches Reich.

Berlin. Die deutsche und die französische Jresse waren einige Tage in großer gegenseitiger Irbitterung wegen der gegen den deutschen Turn erein in Paris gerichteten Demonstrationen der ogenanntenLigue Patriotique. Die unlieb umen Vorfälle sind im Einzelnen von allen Zlättern berichtet worden. Die Quintessenz des Danzen ist, daß die Franzosen durch den Ver auf der egyptischen Krisis außerordentlich er negt sind und daß diese Erregung sich haupt üächlich gegen Deutschland wendet. Viele sind

er Meinung, daß die mehr oder weniger passive

tolle, die Frankreich in der egyptischen Frage spielt, ihm durch den deutschen Reichskanzler iuferlegt sei, einerlei, ob derselbe direct oder direct ein actives Eingreifen Frankreichs in Igypten verhindert, oder ob nur die allgemeine Besorgniß der Franzosen vor einer deutschen Invasion, es denselben nahe gelegt habe, auf des auswärtige Abenteuer zu verzichten. Eine

Reihe der weniger einflußreichen Pariser Blätter

hat diese Gelegenheit zu einer Art von Deutschen

hetze ausgenutzt. In Deutschland ist man auf iiese Hetzereien die Antwort nicht schuldig ge blieben, hat jedoch im Großen und Ganzen ine viel nüchternere Haltung bewahrt, als in ihnlichen fruheren Fällen. Man hat sich erinnert, es nicht das erste Mal ist, daß derartige Dinge in Frankreich vorkommen. Die Times agt in einem Artikel über die gegenwärtige Stellung Deutschlands: Sein großer mäßigen er Einfluß in Europa, seine große Militär zärke und das gebietende Ansehen seiner ge chickten, weitsehenden Diplomatie habe unter leichzeitiger Wahrung der deutschen Inter⸗ ssen, jedweden Versuch, den Frieden Europa's u stören, stets erfolgreich unterdrückt, auch zdwedes Unternehmen vereitelt, welches selbst nabsichtlich Unheil angerichtet haben würde. Zismarck's beständiger Entmuthigung aller Ein mischungsversuche sei kes zu danken, daß England rtzt die Aufgabe in Egypten lösen könne. Deutsch and sei lediglich auf die Erhaltung des Frie eus bedacht und habe Alles aufgeboten, um ie Behandlung der egyptischen Angelegenheit zu einer localisirten zu machen.

9. Sept. Der Nordd. Allg. Ztg. zufolge it in dem Befinden des Reichskanzlers noch leine befriedigende Besserung eingetreten; der Reichskanzlers enthalte sich auf ärztliche Vor schrift aller Geschafte und beschränke seine Thaͤtigkeit nur auf die nothwendigsten Unter

Breslau, 8. Sept. Der Kaiser unter nahm heute im offenen Wagen eine einstündige Spazierfahrt nach dem Scheitniger Park.

9. Sept. Der Kaiser ist im besten Wohl sein Nachmittags Uhr von der glänzend verlaufenen Parade zurückgekehrt. Der Kaiser hatte die Parade zu Pferde abgenommen und fast drei Stunden im Sattel zugebracht. Kassel, 9. Sept. Prinz Karl reiste heute nach Berlin zurück.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Es zeigt sich, daß die Nachricht über einen Congreß zur Schlichtung der egyptischen Streitfragen nur verfrüht war. Prinzipiell steht es nach diplo matischen Anschauungen allerdings fest, daß ein Congreß nach Beendigung der Campagne zu sammentreten werde. Man will hier sogar wissen, daß die Initiative zu einem solchen von Eng land selbst ausgehen wird.

Großbritannien. Dublin. In Irland wurden im abgelaufenen Monat 165 Agrarver brechen zur Kenntniß der Polizeibehörde gebracht. Darunter 1 Mord, 7 Mordversuche, 16 Brand stiftungen, 1 Raubattentat und 6 Angriffe von Häusern, sowie eine Menge geringfügiger Ver gehen, wie Drohbriefe, Einschuͤchterungen, Vieh verstümmelungen und Eigenthumsbeschaͤdigungen.

Dublin, 8. Sept. Von den entlassenen Poli zeibeamten wurden 208 wieder angestellt.

Türkei. Constantinopel, 7. Sept. Auf der Pforte war man peinlich berührt davon, daß Lord Dufferin nicht sofort die Militärcon vention unterzeichnet hat. Nur nothgedrungen begnügte man sich mit dem Parasiren(vorläu figen Handzeichnen) derselben und bequemte sich dazu, die Abmachung neuerdings ad retferendum zu nehmen. Die Pforte ihrerseits wäre in der Lage gewesen, die Convention ohne weiteren Aufschub zu unterzeichnen. Der Eindruck der Proklamation in türkischen Kreisen ist ein schlim mer. Die Mohamedaner betrachten das Acten stück als eine sehr große Demüthigung des Kha lifen und sagen geradezu, Arabi wurde Unrecht thun, sich an dasselbe zu kehren. In diplo matischen Kreisen wird die englisch-türkische Con vention auf Grund der erfolgten Parafirung derselben als beide Theile definitiv bindend an gesehen, so daß wesentliche, sachliche Aender ungen derselben nicht mehr statthaben können. Die Pforte hat denn auch bereits die erfor derlichen Disposittonen zur Beförderung eines Theiles der in der Suda-Bay concentrirten

scrifteu,

türkischen Truppen nach Egypten angeordnet.

Ein Gerücht will wissen, daß Arabi von einigen türkischen Offizieren im Namen des Sultans aufgefordert wurde, die Waffen nieder zulegen, und daß ihm für diesen Fall eine her vorragende Stellung in Tripolis angetragen worden sei. Die fortwährenden Bemängel ungen der Militärconvention seitens Lord Duffe rius werden als Beweis erachtet, daß England die Convention überhaupt nicht abschließen will.

10. Sept. Dufferin macht neue Winkel züge. Er erklärt, der Passus des Conventions entwurfs, daß die ottomanischen Truppen sich nach Port-Said begeben würden, involvire nicht das Recht zu landen, sondern bestimme nur, daß die ottomanischen Truppen in den Gewässern von Port-Said vom englischen Befehlshaber Instructionen erhalten würden, wohin sie sich wenden sollten. Die Pforte dehauptet, es sei klar abgemacht gewesen, daß die Convention, deren Clauseln festgestellt gewesen, in demselben Augenblick unterzeichnet werden solle, wo die Proklamation gegen Arabi erfolge, deßhalb ver lange sie nunmehr die sofortige Unterzeichnung der Convention. Dufferin fordert außerdem ge wisse Aenderungen in der Proklamation, worauf die Pforte entgegnet, England habe nur ver langt, Arabi zum Rebellen zu erklären, was sie gethan. Es hängt jetzt alles von den Instructionen Granville's ab. Bis diese eintreffen, verschiebt Derwisch Baker seine Abreise.

Griechenland. Athen. Es verlautet hier, daß falls die Unterhandlungen zwischen Griechen land und der Türkei scheltern und die Feind seligkeiten auf's Neue beginnen sollten, die Re gierung die Armee mobilisiren wolle. Etwa 4000 Mann Truppen werden in Bereitschaft gehalten, um zu der an der Grenze bereits zu sammen gezogenen Streitmacht von 10,500 Mann zu stoßen.

Rußland. Petersburg. In amtlichen Kreisen werden die Gerüchte von einer partiellen Mo bilisirung in der formellsten Weise dementirt, und wie man privatim von ausgezeichneter Seite versichert, denkt Rußland in der That jetzt nicht daran, sich in irgend welche Abenteuer zu stürzen. Man versichert, so lange Giers am Ruder bleibe, werde Rußland keinen Krieg mit der Türkei führen. Allerdings besteht gegen England eine

beträchtliche Verstimmung; aber man hält daran,

fest, daß auch Rußland bei der endlichen Regel ung der egyptischen Frage zu Worte kommen wird.

Der Gouverneur von Archangel, General- major Baranoff wurde zum Gouverneur von

Nischninowgorod ernannt.