bre 1882. Samstag den 11. November.
ö altung 1
M 133.
Dberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstatz, Donnerstag und Samstag.
Tie einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. Anoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres
berechnet,
bei größerem Tabellen- oder Ziffersaz mit 14 Pf., „Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.
bei Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf.
—————
1 75
ö In Gemäßheit der Instruction vom 2. September 1875 zur Ausf Nacht im Frieden wird hiermit zur öffentlichen Keuntniß gebracht, daß die
882 sich folgendermaßen und zwar für je 100 Friedberg den 8. November 1882.
Amtlicher Theil. Bekanntmachung.
ührung des Reichsgesetzes Durchschnittspreise der nachbemerkten
über die Naturalleistungen für die bewaffnete Artikel fuͤr den Monat October
Kilogramm berechnen: Hafer M. 13.—, Heu M. 5.—, Stroh M. 4.—.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Dem Docenten an der tech— ischen Hochschule, Dr. Kittler, wurde der Cha— zakter als Professor verliehen; ernannt wurden: er Gefangenwärter Arheilger, der Gefangen— pärter Schneider und der Gefangenwärtergehülfe Walter, alle zu Darmstadt, zu Aufsehern bei em Provinzial-Arresthause zu Darmstadt; der Gerichts-Accessist Grünewald zu Alsfeld zum Hülfsgerichtsschreiber am Landgerichte der Pro— e inz Oberhessen, der Hulfsgerichtsschreiber am zandgericht der Provinz Oberhessen, Engel zu Hießen, zu Amtsanwalt in Lauterbach.
— Militärdienstnachricht. Frhr. v. Starck, Sec.⸗Lieut. vom Kaiser Alexander Garde-Gren. eg. Nr. 1, wurde in das 2. Gr. Drag.⸗ Reg. Tr. 24 versetzt.
— 8. Nov. Die Großfürsten Sergius und Zaul von Rußland trafen heute auf der Durch⸗ zeise von Florenz nach St. Petersburg hier ein und stiegen bei dem Prinzen Alexander ab.
Berlin, 9. Nov. Der Kaiser, der Kronprinz, owie die Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl sind beute zu den Hofjagden nach Ohlau abgereist.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 8. Nov. Die beiden hier anwesenden russischen Groß⸗ fürsten Wladimir und Nicolajewitsch reisen heute iach Venedig.
— 8. Nov. Gestern Abend fand anläßlich der Auflösung der Schuhmachergewerkschaft eine Volksdemonstration in der Kaiserstraße statt. Da das Einschreiten der Polizei fruchtlos war ind die von den Agitatoren bearbeitete Menge die verhafteten Rädelsführer gewaltsam befreien wollte, wurden die Straßen durch Militär ge⸗ aubert. Die Tumulte haben sich heute Abend ioch weit schlimmer wiederholt. Die Massen⸗ versammlungen wurden mit gefälltem Bajonnet und blankem Säbel zerstreut. Drei Personen wurden schwer, viele leicht verwundet. Der Straßenmob bewarf die Soldaten mit Steinen und auch aus den Fenstern flogen Steine auf die mit Trommelschlag vorbeimarschirenden Truppen. Die Straßentumulte dauerten heute von halb 3 Uhr bis halb 10 Uhr.
— 9. Nov. Eine Wiederholung der Ar⸗ Heiterexcesse heute Abend wurde zwar besorgt, indessen waren die umfassendsten militärischen Vorbereitungen getroffen, so daß kaum Ernst⸗ liches zu besorgen war. Die Krawalle riefen die peinlichste Sensation und Besorgnisse in der biesigen Bevölkerung hervor. Es ist zweifellos, daß die Demonstrationen und die Widersetzlich— keit gegen die Behörde nicht von Arbeitern, ondern von ausländischen Agitatoren angezettelt purden. Die Polizei nahm im Laufe der gestrigen Nacht und des heutigen Tages 83 Verhaftungen Jor. Die Antisemiten benutzten die Gelegenheit, um die Krawalle für ihre Zwecke auszubeuten. Heute früh entdeckte die Polizei in mehreren
haltes an den Straßenecken und an den Häusern. Heute Abend herrschte in den westlichen Bezirken und Vororten vollkommene Ruhe.
Prag, 7. Nov. Die Krawalle gegen deutsche Couleur⸗Studenten nehmen mit jedem Tage zu. Gestern wurde ein deutscher Student in der Stephansgasse von einem nach Hunderten zäh— lenden Pöbel ohne jeglichen Grund verfolgt und erhielt von einem fanatischen Czechen einen Schlag auf den Kopf, wobei dem Studenten die Mütze zur Erde fiel. Heute Nacht wurde der deutsche Hörer der Philosophie, Wolf, von Czechen angegriffen und hierbei am Kopfe durch einen Hieb mit dem Stocke so verletzt, daß er betäubt wurde. Ein Czeche wurde verhaftet.
Pest, 8. Nov. Der Vierer-Ausschuß der ungarischen Delegation berieth heute den Kosten⸗ voranschlag für die Occupationstruppen.
Frankreich. Paris, 9. Nov. Die ministe⸗ rielle Erklärung bei der Eröffnung der Kammern besagt Folgendes: Das Ziel der Regierung war und ist, die Spaltungen innerhalb der republikanischen Partei zu verwischen. Die Re⸗ gierung wird alle factiösen Kundgebungen, wo— her dieselben immer kommen, unterdrücken. Auf wirthschaftlichem Gebiete werde sie sich nur mit allgemeinen Juteressen beschäftigen. Im Grunde billige sie das Finanzsystem Tirards. Die Vo⸗ tirung der Gesetze über die Militär-Organisa— tion werde die Regierung entschlossen in die Hand nehmen. Die Beziehungen zu den Mächten seien gut. Die Politik Frankreichs werde weder eine Politik der Provocation, noch eine Politik des Verwischens sein. Die Kammer nahm die Erklärung sehr kühl auf; die liberalen und in⸗ transigenten Gruppen verhielten sich schweigend. Ministerpräsident Duclere zeigte die Ernennung des italienischen Botschafters für Paris, Generals Menabrea, an.
— Die hiesigen Dispositionen sind durch— aus ungünstig für die Versuche der Pforte, die englisch⸗ französischen Divergenzen in der egyp⸗ tischen Frage für sich auszubeuten. Die Pforte muß bereits erkannt haben, daß man franzö— sischerseits noch weniger als englischerseits Lust hat, das türkische Prestige auf afrikanischem Boden zu fördern.
— Prinz Victor Napoleon tritt als gemeiner Soldat in das 32. Artillerie-Regiment ein.
Großbritannien. London, 7. Nov. Das englische Cabinet hat heute beschlossen, für die Occupation Egyptens zunächst eine Dauer von 6 Monat in Aussicht zu nehmen.
— Laut Nachrichten aus Kairo soll Lord Dufferin der Ansicht sein, daß die Wohlfahrt des Landes nur dann gesichert ist, wenn Egypten den Egyptern überlassen bleibt. Zu gleicher Zeit hat er aber die Absicht, jeden fremden Ein⸗ fluß neben dem englischen zu beseitigen.
Türkei. Constantinopel, 8. Nov. Die Pforte machte dem französischen Botschafter be— züglich Tunis abermals Vorstellungen.
— Die Pforte hat die Investiturfrage des Bey von Tunis auch zum Gegenstande eines Rundschreibens an die Cabinette gemacht. Sie regt an, daß diese Angelegenheit sowie die Frage der türkischen Suzeränetät in Tunis einer euro— päischen Conferenz vorgelegt werden möge.
Rußland. Petersburg. Den Wjedomosti zufolge werden im Laufe dieses Monats sämmt⸗ liche russische Militärcommandanten und General⸗ stabschefs in Petersburg erscheinen, um dem Kriegsminister Rapport zu erstatten.
Amerika. New-Nork, 7. Nov. Heute fanden in 23 Staaten die Wahlen der Con⸗ greßmitglieder und der Beamten der Legislaturen der Einzelstaaten statt. Die bisherigen Berichte constatiren große Gewinne für die Demokraten.
Egypten. Kairo, 9. Nov. Die Vorunter⸗ suchung in dem Prozesse gegen Arabi ist soweit beendet, als sie die Vernehmung der Belastungs— zeugen betrifft. Die Vertheidiger erhielten eine Frist von drei Wochen zur Prüfung der Zeugen⸗ Aussagen. Der Prozeß wird Anfangs Dezember wieder aufgenommen werden.
— 9. Nov. Eine von der egyptischen Re⸗— gierung heute veröffentlichte Note kündigt die Abschaffung der europäischen Controle an.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Dem Frankf. Journal schreibt man von Homburg:„Schon vor einem Jahrzehnt war die Erbauung einer Eisenbahn zwischen Homburg und Friedberg fest beschlossen; es hatte eine Aetiengesellschaft bereits die staatliche Coneession erhalten und die ganze Bahnlinie war schon abgesteckt. Da trat der„Krach“ dazwischen und machte diesem Project, wie so vielen andern, ein rasches Ende. Wir freuen uns, nunmehr melden zu können, daß der Staat die Erbauung dieser Bahn in seine Hand nehmen will und daß wahrscheinlich schon dem in wenigen Tagen zusammentretenden Landtag eine diesbezügliche Vorlage zugehen wird. Die Stationen werden die alten sein: Homburg, Seulberg, Friedrichs— dorf, Köppern, Oberroßbach und Friedberg. Die Wich⸗ tigkeit dieser Bahnlinte für Homburg, welches dadurch mittelst der Main-Weserbahn mit dem ganzen nordwestlichen Deutschland in die direeteste Verbindung kommt, bedarf keiner weiteren Ausführung und es ist vorauszusehen, daß unsere Stadt dadurch einen neuen Aufschwung nehmen wird. Wir zweifeln nicht daran, daß der Landtag diesem Bahnbau zustimmen wird und wollen hoffen, daß dies Unternehmen auch unserer Stadt zu einer erhöhten wirth⸗ schaftlichen Blüthe verhelfen werde.“ Welche Bedeutung die Angelegenheit für unsere Stadt hat, braucht wohl nicht weiter erörtert zu werden. Unser Stadtvorstand behält, wie seither, die Sache im Auge und wird Alles thun, was seinerseits geschehen kann, um dieselbe zu einem für die Stadt günstigen Ende zu führen. 5
L. Groß-Karben. Ihre Correspondenz von hier bedarf der Berichtigung. Brucker gab zwar den Sach— verhalt so an, wie in Ihrer vorigen Nummer mitge— theilt, allein der mit ihm in einer Hofraithe stattonirte Steueraufseher setzte Zweifel in diese Angaben, telegra— phirte nach Gießen und bat um Untersuchung. Letztere wurde, durch das Hauptsteueramt in Gießen veranlaßt, noch am nämlichen Tage durch die Staatsanwaltschaft eingeleitet und ergab, wie wir hören, keinerlei Anhalts— punkte für die Angaben Bruckers. Das Resultat bleibt abzuwarten.
Alsfeld. Die Ackerbau-Schule dahter wurde am 2. d. M. eröffnet und wird von acht Schülern besucht. Weitere steben sind angemeldet.
Vorstädten zahlreiche Plakate antisemitischen In—


