Ausgabe 
9.11.1882
 
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Berathung des Budgets des Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten mehrere Mitglieder sehr entschieden gegen die Geschäftsleitung des gegenwärtigen Ministers des Aeußern, nament lich bezüglich der Behandlung der Fragen des französischen Handelsvertrages und der englischen Etablissements in Borneo.

Frankreich. Paris, 6. Nov. Der Budget Commission bestätigte der Finanzminister, daß das Gleichgewicht des Budgets pro 1883 ohne Inanspruchnahme irgend eines Credits herstell bar sei. Ausreichende Hilfsquellen hierzu seien in deu disponiblen Mitteln des Staatsschatzes, welche 259 Million betragen; hiervon seien fünfzig Million aus früheren, vom Kriegs minister nicht benutzten Crediten und zweihundert Million aus früheren vom Arbeits-Minister nicht benutzten Crediten entnommen. Neun Million würden der schwebenden Schuld zu geschrieben. Der Minister glaubt, es sei an gezeigt, die öffentlichen Arbeiten etwas zu ver ringern und es sei beabsichtigt, diese Frage der Kammer zu unterbreiten.

7. Nov. In den Couloirs der Kammer stellte man heute dem Cabinet Duclerc ein Vertrauensvotum in fast sichere Aussicht.

Großbritannien. London. Es wird unmittelbar ein Schritt Frankreichs erwartet, um England zu veranlassen, daß es sich in be stimmter Weise über seine Pläne betreffend die

künftige Gestaltung der Finanz Controle in Egypten äußere. 7. Nov. Unterhaus. Nachdem sämmt

liche wichtige Amendements verworfen sind, be antragte Northeote die Verwerfung der ersten Resolution, die den Schluß der Debatten ein führt. Er befürchtet, die Einmischung in die Redefreiheit sei der erste Schritt in einer falschen Richtung.

Italien. Rom. Die Meldung der Mor ning Post, daß Cardinal Jacobini sich geäußert hätte, der Papst habe beschlossen, Rom zu ver lassen, falls der Kaiser von Oesterreich den Gegenbesuch bei dem König Humbert dort machen wollte, wird als eine Erfindung bezeichnet.

Anläßlich der hier stattgehabten Con ferenzen mit den Botschaftern Italiens im Aus lande, wurde die Auswahl der der Kammer mit zutheilenden diplomatischen Actenstücke berathen.

Türkei. Constantinopel. In Folge des Tbronwechsels in Tunis beauftragte die Pforte Essad Pascha rücksichtlich der Investiturfrage dem französischen Cabinete die Prufung jener Punkte vorzuschlagen, welche das französisch-türkische Einvernehmen erheischen könnten. Duclerc lehnte es absolut ab, in die Discussion einzugehen und begründete seine Weigerung damit, daß die Un abhängigkeit Tunesiens stets unter allen Regier ungen von Frankreich zugegeben wurde. Die Pforte ist geneigt, zu protestiren.

Serbien. Belgrad, 6. Nov. Der gestrige Ministerrath unter dem Vorsitze des Königs beschloß das Verbleiben des Cabinets Pirot schanac im Amte.

Griechenland. Athen, 6. Nov. Die Kammer wählte mit 98 gegen 78 Stimmen Valoriti zum Präsidenten.

Egypten. Kairo. Der Ministerrath hat beschlossen, bei der Führung der Prozesse gegen Arabi gleichfalls englische Advocaten zu ver wenden, und berief zu diesem Zwecke den Ad vocaten Grosjean in Alexandrien nach Kairo.

Die Verwaltung der Domänen zeigte dem Finanzministerium an, daß alle Arrange ments zur Bezahlung des December-Coupons getroffen seien.

Der falsche Prophet Mahdi hat bei der Belagerung von Obeid eine Niederlage erlitten; zwei Brüder von ihm sollen bei dieser Gelegen heit gefallen sein. Dennoch ist die Belagerung nicht aufgehoben und Khartum bleibt nach wie vor bedroht.

Der Khedive erließ ein Decret, in welchem den internationalen Gerichtshöfen die Competenz zur Regelung der Schadenersatzansprüche anläß lich der stattgehabten Unruhen entzogen wird

und die Einsetzung einer Specialcommission ad hoc anordnet. Das Expeditionscorps nach dem Sudan soll, einige europäische Offiziere ausgenommen, lediglich aus eingeboreden Offi zieren und Soldaten bestehen. Die Absicht der Regierung, in dem Prozesse gegen Arabi ebenfalls englische Advocaten hinzuzuziehen, ist wieder aufgegeben worden. Der Gesundheits zustand der britischen Truppen ist kein befrie digender, da viele Fiebererkrankungen vorkommen.

Alexandrien. Von 380 Gefangenen sind 50, bisher in der Voruntersuchung, für schuldig befunden worden; dieselben werden dem Kriegs⸗ gericht übergeben werden. Es finden Vorbereit ungen statt, um 8000 Mann Truppen inner halb 14 Tagen nach Suakim zu senden; 3000 Mann bleiben als Reserve zurück.

7. Nov. Lord Dufferin traf heute hier ein.

Mexico. Der Regierung ist die Nachricht zugegangen, daß der Gouverneur und der Staats secretär von Tabasco ermordet worden seien.

Aus Stadt und Land.

r. Groß⸗Karben. Der hier in der ganzen Gegend bekannte Kassier Brucker, welcher sich heute früh 5 Ubr nach der Bahn begeben wollte, um in Vilbel seine Kasse von M. 1700. abzuliefern, wurde unterwegs von mehreren Strolchen angefallen, niedergeschlagen, seines Geldes be raubt und in einen Wassergraben in der Nähe der Nidda geworfen, wo man ihn später fand. Der schon 73 Jahre alte Mann befindet sich zur Zeit sehr schwach. Einer der Strolche soll bereits eingefangen sein.

Heldenbergen. Am vergangenen Freitag, Abends etwa gegen 9 Uhr, brach hier in einer mit Frucht ꝛc. ꝛc. angefüllten Scheune Feuer aus, welches so rasch um sich griff, daß in kurzer Zeit die Scheune darniederlag. Ein an derselben anhängendes Wohnhäuschen konnte nur mit Mühe durch sehr energisches Eingreifen der hiesigen und Büdesheimer Löschmannschaften vor dem verheerenden Elemente geschützt werden. Der Geschädigte war ver sichert bei dem Deutschen Phönix. Kaum hatte man sich von den Anstrengungen erholt, als schon in der Nacht von Sonntag auf Montag wiederholt die Feuerglocken ertönten. Es brannte in einer an die obenerwähnte Brandstätte angrenzenden Scheune; das Feuer äscherte dieselbe, sowie 2 Wohnhäuser ein. Unter den letzteren befindet sich auch das, welches bei dem ersten Brande mit Mühe gerettet wurde. Ueber das Entstehen beider Feuer weiß man, trotzdem verschledene Gerüchte umher schwirren, bis jetzt nichts Bestimmtes; jedoch soll am Montag Abend ein verdächtiges Individuum verhaftet worden sein.

Büdingen. Ueber Stadt an den Masern erkrankt. eine gutartige.

Offenbach, 7. Nov. Heute Morgen 8 Uhr suchte ein hiesiger, im besten Ansehen stehender Bürger seinen Tod in den Fluthen des Mains. Obwohl sofort Hilfe herbeieilte, gab er doch seinen Geist im Nachen auf. Unerklärlich ist es bis jetzt, welches Motiv diesen Mann zum Selbstmord trieb.

Worms. Unsere Zuckerrüben⸗Bauern werden dieses Jahr von allen Oeconomen die besten Geschäfte machen. Es sind hier letzten Sonntag ca. 24,000 Mk. ausgezahlt worden.

100 Kinder sind in hiesiger Die Epidemie ist jedoch

Allerlei.

Frankfurt. Ein hier wohnender Tanzlehrer ist wegen Theilnahme an der Mühlhausen-Mainzer Affaire (ungesetzliche Befreiung junger Leute vom Militärdienste) verhaftet worden.

Heidelberg, 6. Nov. Heute wurde bei dem Glas- maler Beyler eine gerichtliche Haussuchung vorgenommen, und erwartet man dessen Verhaftung. Es handelt sich um gestohlene Glasgemälde aus der Kirche zu Lautenbach,

Heidelberg. Vor einiger Zeit kam ein früheres Mitglied der Sachso⸗Borussia, jetzt preußischer Ofstzier P., hierher und machte seinen Commilitonen einen Besuch, welcher zu einigen fröhlichen Abenden Gelegenheit gab. Allein schon seit 8 Tagen ist derselbe verschwunden, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, irgend eine Spur von ihm zu entdecken, so daß die Vermuthung nahe liegt, es möge sich irgend ein Unglück ereignet haben.

Donaueschingen. Am 23. Oet. Abends zwischen 7 und 8 Uhr wurde zwischen den Stationen Pfohren und Neidingen auf der Bahnlinie nahe der Wärterstation Nr. 112 von einem Schienenstoße alle 4, von einem anderen 2 Laschenschrauben beseitigt und auf dem einen Schienenstrange 11 Stück Kieselsteine von der Größe einer starken Mannesfaust niedergelegt. Als Thäter wurde der 16 Jahre alte Sohn des Bahnwart Math. Klaus von genannter Station ermittelt, verhaftet und dem Großh. Amtsgericht Donaueschingen eingeliefert.

München, 7. Nov. Beim Abtragen einer Villa in einer Straße der Vorstadt wurden funf Menschen ver⸗ schüttet, wovon zwei todt blieben und einer schwer ver⸗ wundet wurde.

Kopenhagen, 5. Nov. Heute richtete ein orkan⸗ artiger Sturm an den Häusern, Wäldern, den Häfen und im ganzen Lande großen Schaden an. Mehrere See⸗ unglücksfälle werden gemeldet.

London, 7. Nov. Heute fand in der Kohlengruh⸗ Clagroß bei Chesterfleld eine Explosion statt. Wle ver lautet wurden dreißig Grubenarbeiter getödtet.

Stockholm, 6. Nov. Die heutige Feier des 250, jährigen Todestages von Gustav-Adolph begann mit dem Choral:Ein feste Burg ist unser Gott, welcher von allen Kirchenthürmen der Stadt herabgesungen wurde; alle Glocken läuteten die Feiler ein. Das vom König zur Erinnerung an den Tag geschenkte prachtvolle Banner wurde vom Secondchef der Svea-Leibgarde abgeholt und unter Escorte nach der Riddarholmskirche geführt und am Hochaltar derselben, umgeben von den Beputationen der Regimenter, die an der Schlacht bei Lützen theil nahmen, aufgestellt. Die Truppen paradirten auf dem Wege vom Schloß bis zur Kirche. Der König, die Königin, die Großherzogin von Baden und alle Prinzen begaben sich in diesem Augenblick zum feierlichen Gottes- dienst in die Riddarholmskirche, wo des Heldenkönigs Sarkophag überreich mit Blumen geschmückt ist. In der Kirche hatten sich alle hohen Staatsbeamten, die Minister, die Generalität, die Admiralität, die Deputationen, dle Stäbe, die Chefs der Behörden, die Delegirten des Reichstages und andere hohe Persönlichkeiten eingefunden. Als die königlichen Herrschaften die Kirche betraten, wur⸗ den sie mit dem Gesang des Psalm:Verzage nicht, du Häuflein klein, empfangen. Sodann hielt der Erz⸗ bischof Sundberg die Festrede von den Stufen des Altars herab, wobei er Gustav Adolph's Bedeutung für sein Land, wie für den Protestantismus überhaupt hervorhob. Der kirchliche Theil der erhebenden Feier schloß mit dem Choral:Ein feste Burg ist unser Gott. Der König händigte nunmehr das Banner dem Chef des smaländ⸗ ischen Husaren-Regiments, an dessen Spitze Gustav Adolph in den Tod gegangen, feierlich ein. Das Banner wurde darauf nach dem Gräberchor geleitet, wo es vor dem Sarkophag seinen Platz fand. Während dieser Ceremonie wurde von einem großen Sängerchor ein für diese Ver⸗ anlassung gedichtetes und componirtes Lied gesungen und die paradirenden Truppen gaben Ehrensalven auf dem freien Platze vor der Kirche. Später defilirten sämmt⸗ liche Truppen an dem Monument Gustav Adolphs auf dem Platze gleichen Namens vorüber. Unübersehbare Menschenmassen waren in Bewegung, alle Straßen waren trotz des ungünstigen Wetters mit Zuschauern überfüllt.

Petersburg, 6. Nov. Die Newa ist voll Eis. Der Eisgang aus dem Ladogasee dauert fort. Die Schiffahrt ist geschlossen. Die Verbindung zwischen Kron⸗ stadt und Oranienbaum ist gänzlich unterbrochen, die Rheden sind voll Eis. Bei Schlüsselburg ist auf der ganzen Breite der Newa Eisgang; sechs Grad Kälte und Nordostwind.

Kairo. Amtlich wird gemeldet, daß in Mekka die Cholera unter den Pilgern ausgebrochen ist.

Aleppo. Am letzten Donnerstag wurden in dem Distriete Ain Taab mehrere Dörfer durch ein sehr hef tiges Erdbeben zerstört; der Verlust an Menschenleben soll bedeutend sein.

Gemeinderathssitzung.

S. Friedberg, 7. Nov. In der gestern stattge⸗ habten Sitzung des Gemeinderathes wurde dem hiesigen Local⸗Gewerbverein, sowie dem Volks bildungsverein die Benutzung des Rathhaussaales zu Abhaltung von Vor⸗ trägen gestattet. Für die Hydranten sollen 100 Meter gummirte Schläuche mit den erforderlichen Gewinden und Schrauben angeschafft werden. Zur Herrichtung der Eich⸗ locale im neuen Stadtgebäude an der Haagstraße wurden mehrere Arbeiten genehmigt. Auf eine Vorlage des stell⸗ vertretenden Oberlehrers wurde beschlossen, für die Dauer der Erkrankung der Lehrerin Frl. Dittmar eine Verseh⸗ ung der Stelle eintreten zu lassen. Der Bürgermeister theilte mit, daß die oberste Schulbehörde die beantragte Errichtung von zwei neuen Lehrerstellen genehmigt habe, daß die Besetzung derselben wegen Mangel an Lehrkräften aber erst mit Beginn des nächsten Schuljahrs erfolgen könne. Nach einer Benachrichtigung derselben Behörde ist der Urlaub des Lehrers Braun bis zum Ende des Schuljahres verlängert worden. Auf eine frühere Ein⸗ gabe des Handels⸗ und Verschönerungs⸗ Vereins wurde beschlossen, demsel ben das städtische Grundstück unterhalb des Vier⸗Eichenplatzes zur Anlage eines Spielplatzes zu überlassen. Die Reinigung der gelegentlich der Anlage der Canalisation seitens verschiedener Privaten auf den Straßen angelegter Sinkkasten soll dem städtischen Straßen⸗ kehrer übertragen werden, wenn sich die betreffenden Hausbesitzer zu einer entsprechenden Vergütung bereit erklären. Der Vertrag mit der Firma Dreyer, Rosen⸗ kranz& Droop wegen Lieferung der Wassermesser wurde, nachdem letztere zu den vorgenommenen Abänderungen ihre Zustimmung gegeben, genehmigt und unterzeichnet. Bel dem Kreisausschuß soll Antrag gestellt werden auf Erbauung einer Kreisstraße, welche vom nördlichen Ende von Fauerbach von der Staatsstraße unter Benutzung des dort befindlichen Feldwegs abzweigt, durch den Eisen⸗ bahnviadukt am Mainzer Weg und von da auf der West⸗ seite der Eisenbahn nach den Lagerplätzen der Main⸗ Weserbahn führt und sich an die bereits seitens der Stadt Friedberg erbaute ueue Straße anschließt, so daß eine unmittelbare Verbindung zwischen der genannten Staats⸗ straße und der Stadt Friedberg hergestellt wird.

Gerichtssaal.

Butzbach. Nächsten Freitag, Vormittags 9 Uhr, findet am hiesigen Amtsgericht eine Schöffensitzung statt. Zur Verhandlung kommen folgende Sachen: 1) gegen Jacob Schmidt und 11 Consortken von Ostheim, wegen Ruhestörung; 2) gegen Konrad Häuser XX. von Nieder⸗

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