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Budgetrecht der Notabeln zu regeln. Ueber die Antwort von England und Frankreich ver— lautet noch Nichts.
Großbritannien. London, 7. Februar. Das Parlament wurde heute eroͤffnet. Der Lordkanzler verlas die Thronrede. Er sagte: Die Beziehungen zu den auswärtigen Maͤchten sind sehr herzlich. Wir stehen im besten Ein— vernehmen mit Frankreich. Die Königin widmet ihre besondere Aufmerksamkeit den egyptischen Angelegenheiten, wo die bestehenden Verträge ihr spezielle Verpflichtungen auferlegen. Sie wird ihren Einfluß geltend machen, die Rechte aufrechtzuerhalten, die schon gegruͤndet sind theils auf die Firmane, theils auf die internationalen Verträge. Dank der Umsicht und Sorgfalt der Regierung haben sich die geschäftlichen Bezieh— ungen zu Frankreich auf's Beste entwickelt. Die Königin sieht mit Vergnügen dem Abschlusse des englisch-französischen Handelsverkrages entgegen, von dem sie eine so günstige Wirkung für die Handelsgeschäfte beider Nationen, wie für die persönliche Freundschaft derselben erhofft. Die Thronrede constatirt die Besserung der irischen Verhältnisse und zählt zuletzt eine Anzahl von Plänen auf, welche die inneren Angelegenheiten betreffen.— Unterhaus. Bradlaugh wünscht den Eid zu leisten. Northcote beantragt, Brad— laugh zur Eidesleistung nicht zuzulassen. Har— court Namens der Regierung beantragt den Uebergang zur Vorfrage. Bradlaugh erklärt, wenn er den Eid leiste, betrachte er denselben als bindend. Der Uebergang zur Vorfrage wird mit 286 gegen 228 Stimmen verworfen. Hierauf wird der Antrag Northcote's abstim— mungslos angenommen. Brandlaugh beharrt auf seinem Verlangen. Northcote beantragt, daß Bradlaugh sich zurüͤckziehe. Dieser Antrag wird von Gladstone unterstützt und angenommen.
— In der Königsburg zu Dublin lief vor Kurzem ein Brief an den irischen Generalsecretär Forster ein. Er wurde wegen seines verdächtigen Aussehens der Polizei übergeben. Das Couvert enthielt einen Sprengstoff, der den weniger vor— sichtig Oeffnenden schwer verletzt, vielleicht ge— tödtet hätte. Forster war vor dem Eintreffen des Briefes nach London gereist.
Serbien. Belgrad, 6. Febr. In der Skupschtina gab der Vorsitzende des Ministeriums bekannt, daß ihn ein Ukas des Fürsten ermächtigt, die mit Amerika, England und Holland abge— schlossenen Handelsverträge und Consular-Con— ventionen der Skupschtina vorzulegen.
Montenegro. Cettinje, 6. Febr. Gestern ist ein Attentat auf den Füͤrsten Nikita verübt worden. Beim Ausreiten wurde ein Revolver— schuß auf ihn abgefeuert, ohne ihn zu treffen. Der Attentäter heißt Michael Theodorovics. Der Fürst leitet persönlich die Untersuchung und befahl Geheimhaltung.
Rußland. Petersburg. Ueber ein neues Atteutat auf den Czaren, welches noch rechtzeitig vereitelt wurde, cursirt folgendes Gerücht. Es handelte sich um nichts Geringeres, als Ale— zander III. in seinem Arbeitscabinet in die Luft zu spreugen. Zu diesem Zweck soll es schon gelungen gewesen sein, mit dem Heizungsmaterial für den betreffenden Corridor, von wo aus der Ofen für des Kaisers Arbeitscabinet gespeist wird, einige Scheite Holz einzuschmuggeln, welche ausgehöhlt waren und eine genügende Quantität Dynamit enthielten.
— 6. Febr. Am Sonnabend wurde auf den Generalprocureur des heiligen Synods, Pobedonoßew, ein Revolver-Attentat versucht. Der Attenthäter beabsichtigte, den genannten Würdenträger, dessen außerordentlich reactionäre Gesinnungen bekannt sind, in dessen Palais zu ermorden. Da Pobedonoßew aber vorher ge— warnt worden war, gelang es der Polizei, den Attenthäter zu ergreifen.
Egypten. Kairo. Ein Schreiben Mah— moud Baroudi's an den Khedive entwickelt das Programm des neuen Cabinets. Es zählt die genannteu Verwaltuugszweige auf, die unter europäische Controle gestellt sind und betont,
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daß diese unausgesetzt beobachtet werden müssen. Das Programm sagt: Der erste Act des neuen Cabinets wird sein, ein organisches Gesetz ein— zuführen, welches auf das Sorgfältigste alle Rechte und Verpflichtungen, privater wie internationaler Natur, insbesondere die Verträge über die Staatsschuld genau beachtet, die Ver antwortlichkeit der Minister gegenüber der Kammer festsetzt und ein Reglement für die Kammer enthält. Es sei weit entfernt, eine Ursache zur Beunruhigung zu geben; vielmehr werde es alle Bedingungen erfüllen, welche alle Welt befriedigen könnten. Der Khedive nahm das Programm an. Der Ministerrath nahm die einzelnen Artikel des Gesetzes über die Con— trole der Verwaltung an bis auf die über das Budget. Es heißt, die Regierung begünstige den Plan, die Controle über das Budget den
einistern und sieben Mitgliedern der Notablen— Versammlung zu überweisen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg am 7. Februar 1882. Geehrter Herr Redaeteur!
Ihre Notiz über die Privatklage des Abg. Schröder bedarf in sofern einer Berichtigung, als nicht wegen der Flugblätter, sondern wegen der Erklärungen in Nr. 132 Ihres Blattes vom 8. Nov. v. J., sowie in Nr. 2 des Wetterauer Volksblattes geklagt ist.
Auch erfordert„die Spannung über den Ausgang des Prozesses“ Kenntniß der Thatsache, daß der Abg. Schroͤder brieflich, beziehentlich in der Klageschrift die objektive Unrichtigkeit seiner fraglichen Behauptung zu— gesteht. Derselbe bemerkt bezuglich seiner Erklarung vom 24. Oct. v. J. Dieselbe sei in„größter Eile und Aufregung abgefaßt und zum Drucke befördert“ worden und behauptet, wenn ihn„bei der Wahlagitation das Gedächtniß zum Theil im Stiche gelassen, so habe Niemand das Recht, ihn als Lügner an den Pranger zu stellen.“ Die Privatklage dreht sich also nur darum, ob dem Abg. Schröder das Bewußtsein jener Unrichtigkeit mit Recht von uns zugetraut und wie geschehen vorgehalten wurde.
Mit Rücksicht auf§. 11 des Reichs- Preß-Gesetzes ersuchen wir Sie um Aufnahme Dieses in Ihrem ge— schätzten Blatte.
Achtungs voll Herzberger Süffert Amtsrichter. Amtsrichter.
r. Friedberg. Der Veteranen- und Militär⸗ Verein Friedberg hielt am letzten Sonntag seine erste diesjährige General-Versammlung ab. Aus dem vom Vorstand erstatteten Rechenschaftsbericht für 1881 ent- nehmen wir unter Anderem Folgendes: Der Verein zählte 65 ordentliche Mitglieder, wovon 33 den Feldzug 1870/71 mitgemacht haben. Es verstarben drei Kameraden, drei schieden aus, zwei wurden neu aufgenommen. An Kranken⸗ geld wurde 196 Mark(gegen 104 Mark im Vorjahr), an Sterbegeld 54 Mark verausgabt. Zwischen unserem Verein und dem„Hilfsverein für die Unterstützung und Krankenpflege der Soldaten im Felde“ wurde ein Vertrag abgeschlossen, wonach das Begräbnißdenkmal für die in den Kriegsjahren hier verstorbenen Krieger an den Krieger— Verein übergeht und derselbe die Verpflichtung über— nimmt, Denkmal, Gräber und Umfriedigung in würdigem Zustande zu unterhalten. Zur theilweisen Bestreitung der Unterhaltungskosten wurde dem Kriegerverein ein— hundert Mark unangreifbares Kapital überwiesen. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Gasverwalter Koch fast einstimmig zum Präsidenten an Stelle des sein Amt nieder legenden Pr. Becker gewählt. Möge der Verein auch fernerhin in Verfolgung seiner guten Zwecke blühen und gedeihen.
Friedberg. In der Sitzung des Kreisausschusses am 2. Februar wurde unter einer größeren Anzahl von Angemeldeten Bauaceessist Limpert, früher am Kreisbau— amt dahier beschäftigt, als Kreisingenieur gewählt.
Butzbach, 7. Febr. In der zweiten Etage der am Viehmarkt gelegenen J. Fourier'schen Wohnung brach gestern Morgen ½6 Uhr durch bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus. Obgleich unsere freiwillige Feuerwehr auf das rascheste mit ihren Löschgeräthen auf der Brand— stätte erschlenen war und von sonstiger Seite hilfreiche Hand geleistet wurde, konnte man doch erst nach 1½stün⸗ diger angestrengter Thätigkeit des Feuers Herr werden.
„. Rendel, 6. Februar. Gestern Abend hat der hiesige Gesangverein„Liederkranz“ im Saale des Gast⸗ wirths Leonhard ein Concert mit theatralischer Vorstell— ung abgehalten und durch seine Leistungen der nach Hunderten zählenden Zuschauermenge von nah und fern einen genußreichen Abend verschafft. Die Gesänge, vier Chöre, zum Theil mit Soli, vornehmlich„Waldlied mit Echo“ von Mangold und„Einkehr“ von Oertel, ein Quartett, sewie ein komisches Duett fanden, in Folge präecisen Vortrages, den ungetheilten und wohlverdienten Betfall der Zuhörer. Fünf ein- und mehraetige theatralische Aufführungen haben, sowohl im Zusammenspiel, als in Einzelleistungen, komische Talente offenbart, die auch auf größeren Bühnen mit demselben Erfolge die Lach— muskeln Aller anstrengen würden, wie dies hier geschah. Bei dem nach beendigtem Concert um Mitternacht erst begonnenen Tanze, eröffnet mit einer wohlgelungenen
Polonasse, hat die Jugend noch einsge Stunden in u
getrübter Heiterkeit zugebracht und auch dadurch bewiesen, daß man in Rendel nicht nur geschickt zu tanzen, sondern dabei auch anständig sich zu benehmen weiß. Dem Ver; eine, der durch seine schönen Leistungen so reichen Ge— nuß zu bieten verstand, sei hierfür Anerkennung gezollt und Dank dartebracht, daneben auch der Wunsch und
die Hoffnung ausgesprochen, daß der seither in ihm!
waltende Geist auch ferner ihn beseelen und immer weiter
führen möge auf dem Wege der Pflege des Wahren, I.
Schönen und Guten durch Wort und Lied, durch Ernst“ und Scherz. 9
Gießen, 5. Febr. Als der erste Morgens um 8 Uhr 13 Min. von Frankfurt hier eintreffende Zug der Main⸗Weser-Bahn heute die Station Butzbach passirt hatte, blieb derselbe plötzlich mitten auf der Strecke auf einem ziemlich hohen Damm halten, da das Nothsignal mit der über den ganzen Zug gehenden Leine gegeben worden war. Es wurde nun sofort Umfrage gehalten, doch wollte Niemand hiervon Etwas wissen. Da plöß⸗ lich ertönte auf's Neue das Signal und ermittelte man jetzt, daß in einem im Zuge befindlichen offenenen Schweine⸗ transportwagen die Leine herunter hing und einige der borstigen Vierfüßler sich an den Wänden aufgestellt hatten und mit Macht an der Leine zerrten. Natürlich erregte diese Aufklärung riesige Heiterkeit bei den Passagseren und wurde die auf so seltsame Weise unterbrochene Fahrt fortgesetzt.
Mainz, 4. Febr. In Folge des niederen Wasser⸗ standes ist seit gestern die Dampfschifffahrt eingestellt.
Kastel, 4. Febr. Heute dat der 1. Batterie des 27. Feld-Artillerie-Regiments mittelst eines Messers den Hals abgeschnitten. Der Mang war sofort eine Leiche; was ihn zu dieser That bewog, ist nicht bekannt geworden.
Lampertheim, 4. Febr. Heute früh gerieth der Dampfwagen von hier nach Rosengarten in Brand. Die Bahnbeamten griffen thätig ein, sodaß kein weiteres Un glück zu verzeichnen ist.
Bodenheim, 4. Febr. Ein trauriger Fall hat sich vorgestern in einer hiesigen Familie ereignet. Zwei Kinder im Alter von 10— 12 Jahren spielten mit Pfeil und Bogen und beschossen sich gegenseitig. Der älteste Junge erhielt dabet einen Schuß ins Auge, der so gefährlich
war, daß das Auge herausgenommen werden mußte.
Allerlei. 4 Frankfurt, 6. Febr. Gestern Abend legte ei
Mensch an den„Hirschkopf“, Ecke der Klostergasse un des Judenbrückchens eine Dynamitpatrone mit Zünder, Dieselbe explodirte in dem Augenblick, als ein etw 10 Jahre alter Knabe vorüberging. Die Erschütterung war so heftig, daß die Fenster sammt den Scheiben if dem Hause und in der Nachbarschaft zersprangen. Des Knabe verlor das Gehör. 1
Paris. Die gegen Bontoux und Feder von den Untersuchungsrichter erhobene Anschuldigung lautet auf Betrug, Vertrauensmißbrauch und Verstöße gegen dal Gesetz von 1867, betreffend die Handels⸗Gesellschaften Die beiden Finanzmänner verwahrten sich sehr entschieden gegen die ersten beiden Anklagepunkte; den dritten gaben sie zu, bemerkten aber, daß fast alle Aetiengesellschaften sich Verstöße zu Schulden kommen ließen, ohne daß sit deshalb je zur Verantwortung gezogen worden wären.— 7. Febr.
(Sohn) von der Union générale. Morgen findet die
Vernehmung zweier anderen Verwaltungs-Räthe statt, 0 . Verseger
„Le Frangais“ schreibt, daß die Prufung der Bontouz vorgeworfenen Thatsachen den Untersuchungsrichter zur Erwägung der Frage geführt habe, ob nicht Bontouz vorläufig aus der Haft zu entlassen sei.
Petersburg, 7. Febr. Fürst Suwaroff erlitt gestern einen zweiten Schlaganfall. Sein Tod wird stündlich erwartet.
Gemeinderathssitzung.
S. Friedberg, 7. Febr. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderathes wurde zunächst der Voranschlag fl 1882/83 berathen und genehmigt. Es wird hierzu be merkt, daß dle städtischen Ausgaben dadurch, daß d 9 Beitrag zur Kreiskasse, ins besondere durch das neue Wege baugesetz von ca. 1900 M. auf 6670 M. jährlich gestehe 1
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ist, sich wesentlich erhöht haben. Durch höhere Einsill ung einiger Einnahmeposten und Beschränkung der Al gaben ist es jedoch ausführbar geworden, den Vorih schlag ohne Erhöhung der Gemeindeumlagen festzustelles, Es werden darnach im Budgetjahre 1882/83 erhobeß 39,350 M. an Communalsteuern; außerdem 2100 Mark allgemeine evangelische Kirchensteuern; 1790 M. evange⸗ lische und 845 M. katholische Parochlalumlagen. Bi Baurechnung für die Kleinkinderschule wurde darauf vor gelegt und genehmigt. Der Voranschlag von 14,400 M. wurde zwar um 19 M. überschritten, degegen konnt in Folge der Abgebote die im Voranschlag nicht vort sehenen Umfangsmauern, ein Holzstall und einige A schaffungen für das Haus noch aus dieser Summe ben stritten werden. Die Gesuche der Herren Louis Wels und Baumeister, Bauveränderungen betr., wurden gi nehmigt. 1882/88 fand ebenfalls die Zustimmung des Gemeinde rathes. Die Einnahmen des Fonds betragen 8177 M. von denen 7200 für Schulzwecke in die Stadtkasse ain geschossen werden. Auf eine Eingabe mebrerer Eine
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wohner der Bahnhofstraße bezüglich Herstellung der Rinnen und Pflasterung eines Fußweges wurde der Stadtbau meister beauftragt, Einsicht zu nehmen und Vorlagen f machen. Für die Musterschule sollen mehrere Turnge
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Der Untersuchungs-Richter begann heute die Vernehmung der Verwaltungsräthe Riant und Broglit
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