Ausgabe 
7.11.1882
 
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ELI

lung fast saͤmmtlicher Botschafter politisches Ge wicht gelegt wird.

Türkei. Constantinopel, 3. Nov. Lord Dufferin ist mit Familie gestern auf dem Dampfer Antilope nach Egypten abgereist. Der Sultan empfing ihn vorher in Privataudienz. Nach vor⸗ liegenden Nachrichten erklärte Musurus Pascha England gegenüber, die Abreise Dufferin's sei geeignet falsche Auffassungen zu veranlassen, welche in dem Augenblicke, wo die Pforte übereinstimmend mit England zu einer Entente bezüglich Egyptens zu gelangen suche, eine ungünstige Wirkung hervorrufen würden. Essad Pascha wurde von der Pforte angewiesen, eine Aeußerung der frau⸗ zoͤsischen Regierung über die Juvestitur des Bey's von Tunis durch die Pforte herbeizuführen.

Eine neue Verlegenheit entsteht dem Sul tan aus der Verhaftung von Suleiman Daoud, dem Brandstifter von Alexandrien, und Mussa Akad, dem Anstifter des Massacres vom 11. Juni, welche sich beide nach Kandia geflüchtet hatten. Verhindert er die verlangte Auslieferung an die Gerichte in Kairo, so setzt er sich der Gefahr aus, sich neuerdings wieder mit England zu überwerfen. Läßt er sie dagegen an Egypten ausliefern, so stehen compromittirende Euthüll⸗ ungen zu erwarten. Man darf daher gespannt sein, wie er sich aus dieser Schlinge ziehen wird.

Rumänien Bukarest, 3. Nov. Der gegenwärtig in Paris weilende Führer der libe ralen Partei, Rosetti, erneuerte brieflich seine beim letzten Schlusse der Session gegebene Demission als Deputirter. Die Kammer nahm dieselbe an.

Serbien. Belgrad, 3. Nov. Die Hier herkunft des österreichischen Civiladlatus in Serajewo, Baron Nikolic, wurde dazu benutzt, um demselben in ostensibler Weise einen freund schaftlichen Empfang zu bereiten.

Rußland. Petersburg. Als zuverlässig wird gemeldet, daß der Rücktritt des Grafen Tolstoj vom Ministerium des Junern beschlossene Sache ist. Als sein Nachfolger wird ein von dem Grafen Ignatieff verdrängter hoher Be amter bezeichnet.

4. Nov. Bezüglich der Mittheilung Dilke's im englischen Unterhaus, zwei russische Ingenieure hätten nach Herat vorzudringen ver⸗ sucht, dieselben hätten jedoch dazu keine Erlaub niß von den afghanischen Behörden erhalten, sagt das Journal de St Petersburg: Man weiß in Petersburg Nichts von einem der artigen Factum. Ueber die Qualification der Personen, von denen Dilke sprach, muß ein Irr⸗ thum obwalten.

Der Regierungs-Anzeiger schreibt, daß alle Gerüchte von einem Pferdeausfuhrverbot durchaus grundlos seien. Das Pferdeausfuhr verbot von 1877 über die westliche Landes grenze und das Schwarze und Asow'sche Meer sei bereits 1878 wieder aufgehoben worden.

Warschau. In der abgelaufenen Woche sind 90 jüdische Emigranten aus Brody nach Ruß land repatriirt worden, so daß sich in letzterer Stadt zur Zeit nur mehr 478 Flüchtlinge auf halten. Von dieser Zahl sind 372 Individuen theils als militärpflichtige Deserteure, theils in Folge anderer Umstände nicht zur Repartritrung bestimmt.

Odessa, 4. Nov. An der bessarabischen Grenze findet eine bedeutende Truppenverschieb ung statt. Das Militär-Commando in Kischineff erhielt aus Petersburg den Befehl, bis zum 2. Februar Vorbereitungen zu treffen für die Unterbringung von zwei completen Armeecorps, Außer den bis jetzt stationirten Truppen an der ostgalizischen Grenze befinden sich augenblicklich

eine vollständige Infanterie-Division und zwei Cavallerie-Regimenter dortselbst.

Egypten. Kairo, 3. Nov. Mit behörd⸗ licher Genehmigung beschloß der General Mison, sofort drei britische Offiziere nach dem Sudan zu entsenden, um über die ganze militärische Lage zu berichten und sich Informationen zu ver⸗ schaffen, betreffs der Straßen von Suakim nach Khartum und über die Möglichkeit, Khartum

Alexandrien. Von hier wird gemeldet, daß in Jeddah die Cholera ausgebrochen ist. Eng land verlangte von Frankreich die Einwilligung zu der temporären Anstellung eines englischen Residenten zum Rathgeber des Khedive. Die Zögerung Frankreichs, auf diesen Vorschlag ein⸗ zugehen, veranlaßte dann die Mission Lord Dufferins nach Kairo, um dort Vorbereitungen zu einem definitiven Arrangement zu treffen. Afrika. Tunis, 4. Nov. Der seitherige Premierminister demissionirte und wird durch einen neuen ersetzt, welcher den Franzosen stets zugethan war. Die Ministerien des Krieges und der Marine werden aufgehoben.

Aus Stadt und Land. r. Friedberg, 6. Nov. Bei dem gestrigen Sub⸗ missionstermine der Aetien-Rüben-Zucker⸗Fabrik Wetterau dahier sind sämmtliche Bauarbeiten der Firma Gebrüder Helfmann und Ambrosius in Frankfurt a. M. übergeben worden. Unter 12 Submittenden wurde derselben als Wenigstfordernde der Bau zu M. 385,000 übertragen. Büdingen. Vorletzten Samstag hatte Fürst Bruno zu Ysenburg und Büdingen das Jagsglück, auf derselben Stelle in seinem Jagdrevier, wo er den ersten und hun⸗ dertsten Hirsch schoß, auch den zweihundertsten zu erlegen. Der Hirsch, ein kolossales Thier, wurde bekränzt in's Schloß gebracht. Mainz. Eine großartige Untersuchung ist in unserer Stadt im Gange und zwar wurde dieselbe auf Ver⸗ anlassung der Mühlhausener und Straßburger Staats Anwaltschaft auf Grund des§ 132 des St.⸗G.⸗B. ein geleitset. Eine Anzahl Personen sind beschuldigt, junge militärpflichtige Elsaß Lothringer durch Betrügeresen vom deutschen Militärdienste befreit zu haben. Verhaftet sind bis jetzt: Hartwig Rosenthal, Agent, und Carl Reichert, Eisenhändler, hier wohnhaft; flüchtig gegangen und steck⸗ brieflich verfolgt werden: Friedrich Wilhelm Wolf, Makler und Instrumentenhändler, und dessen Sohn Eugen Wolf, beide aus Kreuznach. Die Sache macht hier großes Aufsehen und erstreckt sich die Untersuchung auch auf einige Nachbarstädte. Es handelte sich nämlich darum, Elsässer vom Militärdienst zu befreien, indem man un⸗ taugliche, gemiethete Individuen für die Tauglichen sub⸗ stituirte und den Rekrutirungs-Commissionen vorführte. Mainz erschien wegen seiner Entfernung von der Heimath der Rekruten als besonders geeignet, da man dieselben hier nicht kannte. Das Geschäft wurde sehr schwunghaft betrieben, jetzt aber entdeckt. In wie weit Aerzte sich dabei betheiligt haben können, steht noch nicht fest, da⸗ gegen sollen die verschiedenen sonstigen Helfershelfer bekannt sein.

Gerichtssaal. Altenstadt, 2. Nov. In der heute dahier abge haltenen Schöffengerichtssizung wurde erkannt: 1) in der Strafsache gegen Konrad Medler von Langenberg⸗ heim, wegen Beleidigung, auf eine Geldstrafe von 10 M., event. 2 Tage Haft und Tragung der Kosten; 2) in der Strafsache gegen Johannes Rosenberger von Lindheim, wegen Beleidigung und Bedrohung, wegen Beleidigung auf eine Gefängnißstrafe von zwei Tagen und Tragung der Kosten; bezüglich der Anklage der Drohung erfolgte Freisprechung; 3) in der Strafsache gegen Wilh. Nolde von Rommelhausen, wegen Beleidigung, auf eine Haft⸗ strafe von fünf Tagen und Tragung der Kosten; 4) in der Strafsache gegen Wilhelm Fries von Langenberg heim, wegen Dlebstahls, auf eine Gefängnißstrafe von fünf Tagen und Tragung der Kosten; 5) in der Straf⸗ sache gegen Jacob Corvinus 1 von Lindheim, wegen Pfandveräußerung, auf eine Gefängnißstrafe von einem Tage und Tragung der Kosten; 6) in der Strafsache gegen Michael Grünewalds Ehefrau von Zornheim, der⸗ malen in Framersheim, wegen Münzvergehens, auf eine Gefängnißstrafe von vier Tagen und Tragung der Kosten; 7) in der Strafsache gegen August Oppel von Veßra, wegen Widerstands, Beleidigung und Bettelns, wegen Beleidigung auf eine Haftstrafe von drei Tagen, wegen Widerstands auf eine Gefängnißstrafe von vierzehn Tagen und Tragung der Kosten; von der Anklage des Bettelns wurde derselbe freigesprochen; 8) in der Straf- sache gegen Philipp Schäfer von Engelthal, wegen Ent⸗ ziehung von der Wehrpflicht, auf eine Geldstrafe von fünfzig Mark, event. zehn Tage Haft, sowie Tragung der Kosten; 9) die Privatklagesache des Leopold Becker von Bönstadt, gegen Isaak Löwenthal von da, wegen Beleidigung, und 10) die Privatklagesache des Johannes Griesemer von Staden gegen Heinrich Decher I. daselbst, wegen Körperverletzung haben durch Vergleich ihre Er⸗ ledigung gefunden.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 4. Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 0.951.10, Eier 1 St. 8 Pf, 2 St. 15 Pf.

Gießen, 4. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.12 1.20, Eier per St. 78 Pf., Käse pr. St. 4 bis 10 Pf., Tauben das Paar 5070 Pf., Hühner pr. St. M. 0.85 1.30, Hahnen per St. M. 0.70 1.10, Enten per St. M. 1.80 2.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6670 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 5660 Pf., Kalbfleisch 54 56 Pf., Schweinefleisch 6264 Pf., Hammelfleisch 6066 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 5.00 9.00, Zwiebeln per Ctr. M. 4.00, Gänse per Pfd. 42 56 Pf., Weißkraut

Frantfurt, 4. Nov. Wochenmarkt. Blumenkoh

M. 57., centnerweise wurde verkauft zu M. 1 1.15, per Stück 10 15 Pf., Rothkraut 1535 Pf., Wirsing 5 8 Pf., Spinat per Mahlzeit 25 Pf., Rosenkohl 30 Pf., Schwarwurz 35 Pf., gelbe Rüben per Gebund 6 Pf.,

Engrospreis per Centner M. 100., per Pfd. M. 1.45 bis 1.25, Eier, frische, per Hundert M. 6., Kalkeier M. 5.40, italienische M. 7.50, Kartoffeln per Centner M. 33.50, Frühkartoffeln M. 3.50 83.75, per Gescheid 1215 Pf., feine Salatkartoffeln(Mäuschen) gelbe per

Centner M. 6.50 7., Gans, je nach Qualität und

M. 3., Has M. 3.50, Rehziemer M. 912., Rehkeule Das Spansaugeschäft ging auf dem Viehhof recht leb⸗

Heu⸗ und Strohmarkt. Die Zufuhr war heute wieder sehr beträchtlich und standen über 100 Wagen am Platze.

Qualität M. 68., für Stroh M. 3.80 4.40.

Mainz, 3. Nov. Markt Preise. Kartoffeln per 100 Kilo M. 8.00 9.00, Heu per Ctr. M. 3.00 3.50, Stroh p. Ctr. M. 2.00 2.50, Butter/ K. 95 100 Pf., Butter in Parthien M. 0.80 0.85. Eier ¼ Hundert

Weißkraut M. 5.506., Blumenkohl 10 20 Pf., Wirsing

Taube 3045 Pf., 1 Feldhuhn M. 1.00 1.25, 1 Hase M. 3.25 3.50. Frucht⸗Markt. Waizen hiesiger und fremder M. 19.00 21.00, ungar. M. 21.50 22.50, Roggen hies. M. 15.5060., franz. M. 16 16.75, Gerste pfälzer M. 15 16.20, Franken M. 15 16.10, ungar. M. 18.75 21.00, Hafer M. 12.57 15.00, Reps M. 30.50 31.00, Rüböl M. 33.80 33.80, eff. ohne Faß M. 32.40 33.60, per Oct. mit dito M. 33.50 33.70. Viehmarkt vom 27. Oct. bis 2. Nov. Zugetrieben waren: 17 Farren per 50 Kgr. M. 52. 100 Ochsen 1. Qual. M. 71., 2. Qual. M. 66. 221 Kühe 1. Qual. M. 68., 2. Qual. M. 54 60. 209 Kälber M. 60. 341 Schweine M. 5763. per 50 Kgr.

Nachdem das Reichspostamt früher schon über die Form der Adreßseiten von Postkarten Anordnungen er⸗ lassen hatte, sind letztere nunmehr in Kraft getreten und es dürfen danach unter Anderem sich keine Fabrik⸗ und Handelsmarken der absendenden Firma auf der Adreß⸗ seite befinden, dieselbe auch unter keinen Umständen Fortsetzung oder Anfänge des Inhalts der Rückseite ent⸗ halten, widrigenfalls die Karten nicht abgesandt werden, also ihren Zweck vollständig verfehlen. Auch die Adressen der Briefe dürfen außer der eigentlichen Aufschrift nur sehr eng begrenzte Nebenbemerkungen enthalten.

Literarisches.

Daheim. Nr. 4 enthält: Der Peter von Danzig (Forts.) Zur preußischen Pferdezucht. Von H. Vogt. Mit Illustr. Botenchristel. Eine Jugenderinnerung vom Lande. Von Z. von Reuß. Bildniß der Prinzeß Wilhelm und ihres Erstgeborenen. Patriotische Be⸗ trachtungen. II. Von Th. H. Pantenius. Die Altmark. Mit 2 Illustr. Dr. A. Schaeffer. Ein elsässischer Geistlicher. Am Familientische: Ein gottesfürchtiger Theaterdireetor. Auch ein Jubiläum. Vom Krlege in Egypten. Gesundheitsrath. Briefkasten. Mit 2 illustr. Beilagen.

Repertoir⸗Entwurf der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.

Dienstag den 7. Nov. Der Troubadour. Mittwoch den 8. Nov. Geschlossen. Donnerstag den 9. Nov. Zur Vorfeier von Schiller's

Orleans. Freitag den 10. Nov. Samstag den 11. Nov. Tannhäuser. Sonntag den 12. Nov. Aida.

Schauspielhaus. Dienstag den 7. Nov. Cato von Eisen. Gringoire. Mittwoch den 8. Nov. Donnerstag den 9. Nov. Freitag den 10. Nov. Räuber. Samstag den 11. Nov. Cato von Eisen. Vorher: Im

Charakter. Reif⸗Reiflingen.

Sonntag den 12. Nov. Montag den 13. Nov. Das Recht der Liebe.

Geschlossen.

Vorher!

Boccaceso. Geschlossen. ö Zu Schiller's Geburtstag: Die

in Vertheidigungszustand zu setzen.

100 Stück M. 2 5.00.

walter, mit Bertha Weigel.

kostete per Stück 20 45 Pf., Weißkraut per Hundert

Carotten 68 Pf., Radieschen 35 Pf., ausgekernte Bohnen per Liter 40 Pf., Kopfsalat 5 Pf., Endivlen, Escarol und Romain 48 Pf., Schmalzkraut per Theil 10 Pf., rothe Rüben per Stück 35 Pf., Rettig 10 Pf., Zwiebeln per Centner je nach Qualität M. 3.50 5., per Gescheid 15 18 Pf., kleine 40 45 Pf., Butter,

Centner M. 7.50 8., per Gescheid 25 Pf., rothe per Schwere, M. 47, per Pfd. 5570 Pf., Suppenhuhn M. 1.20 1.50, Hahn M. 1 1.20, Ente M. 1.80 bis 2.50, Taube 50 Pf., Krammetsvögel 4050 Pf., Capaun M. 57., Vorderschlegel M. 1.502., Feldhuhn M. 2.

haft und wurden 50 60 Pf. per Pfund bezahlt.

Für Heu wurde bezahlt per Doppel-Centner je nach

M. 1.40 1.50, Handkäse 46 Pf., Rothkraut 10 20 Pf.,

23 Pf., Zwiebel ½ Kilo 45 Pf., 1 Ente M. 2. 2.25, 5 1 Hahn M. 1.00 1.40, 1 Huhn M. 1.00 1.40, 1 junge

Geburtstag: Neu einstudirt: Die Jungfrau von

Auszug aus dem Civilstands⸗Register der Stadt Friedberg. Getraut: 17. Oct. Ernst Ludwig Weihl, Kaufmann, mit Anna Johanna Wilhelmine Katharina Fritz. 21. Georg Christlan Schnabel, Kalserl. Postver