Ausgabe 
6.5.1882
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Huͤlfs-Gerichtsschreiber Bauer in Mainz wurde zum Hülfsgerichtsschreiber in Gießen und der Gerichtsschreiberasp. Odern⸗ heimer zu Ober-Ingelheim zum Hülfsgerichts schreiber in Mainz bestellt.

Berlin. In parlamentarischen Kreisen hält man an der Ansicht fest, daß die Reichsregierung, gestützt gerade auf die jetzt gemachten Erfahr⸗ ungen, die Vorlage, betreffend die Einführung der zweijährigen Budgetperioden, noch in der jetzigen Session des Reichstages einbringen werde.

3. Mai. Dem Reichstage ist heute der Gesetzentwurf, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, enthaltend 77 Paragraphen mit 24 Seiten umfassenden Motiven, zugegangen.

4. Mai. Im Abgeordnetenhaus fand heute die Berathung der aus dem Herrenhause

zurückgekommenen Kirchenvorlage statt. In der Specialdebatte wird Artikel 1 angenommen

gegen die Stimmen sämmtlicher Liberalen; eben so die Artikel 2, 3 und 4, sowie schließlich das ganze Gesetz. Die Hundesteuer-Vorlage wird debattelos ohne erhebliche Aenderung an genommen.

Die Berliner Fabrikanten haben die ihnen von den Vergoldergehülfen für den Fall der Zurückweisung eines neuen Preiscourantes in Aussicht gestellte Arbeitsniederleguug mit einer fast den ganzen Industriezweig umfassenden Schließung der Fabriken beantwortet, sind so⸗ mit dem Strike durch einen Arbeitsausschluß zuvorgekommen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Wie recht man daran thut, den Aufstand in Dalmatien als keineswegs völlig erloschen anzusehen, be weisen die Berichte über die in den letzten Tagen vorgekommenen Scharmützel zur Genüge, umso⸗ mehr, als das officielle Bulletin nicht umhin kann, einzugestehen, daß Zusammenstöße mit den aufrührerischen Banden häufig vorkommen.

Prag, 3. Mai. Im Aussiger Bezirk wird wieder mit voller Kraft gearbeitet, aufwärts Aussig sind alle Arbeiter eingefahren; nur im Franz⸗Joseph⸗Schachte striken noch 12 Mann. Die Behörde verhinderte eine beabsichtigte Ar beiter⸗Versammlung bei Pchanken. Alle Auf⸗ wiegler sind verhaftet, die Ruhe ist nirgends gestört worden und Kohlenmangel nirgends ein getreten.

Frankreich. Paris, 2. Mai. Nachrichten aus Tripolis constatiren die Verminderung des Effectivbestandes der türkischen Truppen in Folge der Zurückschiffung derselben. Die Unterwerf ung der südtunesischen Stämme dauert fort.

Großbritannien. London, 2. Mai. Oberhaus. Granville gibt eine mit der von Gladstone im Unterhause abgegebenen Erklärung conforme Antwort, indem er auf eine Anfrage Salisbury's mittheilt, daß Forster seine Ent lassung genommen und fügt hinzu, eine Aender ung der Politik in Irland werde nicht ein⸗ treten, doch solle das Zwangsgesetz in seiner gegenwärtigen Form nicht erneuert werden. Die verhafteteten Deputirten würden freigelassen, die Freilassung der übrigen Verdächtigen in Er⸗ wägung gezogen. Unterhaus. Gladstone er klärte, es seien neue Instructionen nach Irland gesandt, um Parnell Dillon und Okelly freizulassen.

4. Mai. Den Morgenblättern zufolge hat Chamberlain das Staatssecretariat für Irland angenommen.

Italien. Rom. Der König sanctionirte die Ernennung Nigra's zum Botschafter in Paris.

4. Mali. Der Senat nahm mit 140 gegen 60 Stimmen im Princip die Listenwahl an, lehnte aber den Antrag Broschi, die Mi noritätsvertretung auf Wahlcollegien mit 4 oder 3 Deputirten auszudehnen, ab und nahm den Regierungsentwurf der Minoritätenvertretung für Collegien mit 5 Deputirten an.

Die Verstimmung wegen des französischen Vorgehens in Tunis ist durch die Wieder⸗ zulassung Mustafa Ben Ismaels zur Macht womöglich noch erhöht worden, da man in

Mustafa einen Unterstützer der französischen Be strebungen erblickt.

Türkei. Constantinopel. DemR. B. zufolge wird die Entsetzung Said Paschas offiziell bestätigt. Abdurrahmann Pascha, der ehemalige Gouverneur von Bagdad, ist zu dessen Nach folger ernannt worden. Der officielleVakit betrachtet Abdurrahman's Ernennung als einen eclatanten Willensausdruck des Sultans, das Reformwesen beschleunigt zu sehen.

Rumänien. Bukarest, 3. Mai. Die Be⸗ rathungen zwischen der Regierung sowie dem Senat und der Kammer über den Vorschlag Oarrdre führten zwar zu keinem definitiven Re sultat; sie stellten aber fest, daß weder die Re gierung noch die Majorität der Landesvertretung es für zweckmäßig erachten, den französischen Vor⸗ schlag ganz abzulehnen. Das erwähnte Barrere'sche Project gipfelt darin, daß Rumänien einen eben so großen Antheil an den Verwaltungskosten zu tragen hat wie Oesterreich-Ungarn, nämlich 10 pCt. Bezüglich der Erneuerung der Man datsdauer der großen Donaucommission soll projectirt sein, dieselbe um 7 Jahre zu ver⸗ längern, damit die Beiziehung des Mitgliedes der großen Donaucommission zurCommission mixte, die immer nur für eine Session erfolgen soll, deren jährlich zwei stattfinden werden, jeden Staat zweimal treffen könne.

Bulgarien. Sofia. Die Polizei ist zur Verhaftung eines jungen Bulgaren Namens

Petkow geschritten, welcher von ihr, als des Nihilismus verdächtig, schon seit längerer Zeit beaufsichtigt worden war. Die bei ihm vorge nommene Hausdurchsuchung führte zur Confis kation revolutionärer Flugblätter, in denen die Person des Fürsten in empörendster Weise an gegriffen wird, sowie eines zu deren Verviel fältigung bestimmten Hektographen.

Rußland. Moskau. Der verhaftete Kobo sef(Bogdanowitsch) war thatsächlich das Haupt der Verschwörung. Seit man ihn festgenommen, ist auch eine große Zahl minder einflußreicher Mitglieder der Revolutiospartei verhaftet worden. Zumeist sind es Leute aus dem Bauernstande, welche der Polizei in die Hände fallen. Es heißt wieder, der Kaiser werde die Fahrt von Petersburg nach Moskau zu Wagen zurüͤck legen. Damit wäre ein doppelter Zweck er⸗ reicht: Die 600 Werst lange Chaussee, welche von 100,000 Mann Soldaten besetzt sein wird, soll mehr Sicherheit für den Monarchen bieten als die Eisenbahn und zweitens soll durch das Zuströmen des Landvolkes aus dem Peters burger, Twerer, Nowgoroder und Moskauer Gouvernement der Patriotismus in diesen Gegen den aufgefrischt werden. Die Krönung wird bestimmt am 26. August alten Stils stattfinden.

Aegypten. Kairo, 4. Mai. Das Urtheil gegen die tscherkessischen Officiere machte bei allen Parteien einen mißlichen Eindruck. Der Khedive weigert sich jetzt, dasselbe zu sanctio niren. Man glaubt in unterrichteten Kreisen, daß derselbe seine Weigerung aufrecht erhalten werde. Gerüchtweise verlautet, daß von den General-Consuls gemeinsam Protest erhoben werden soll.

Aus Stadt und Land.

Darmstadt. DieElsaß-Lothringische Zeitung veröffentlicht einen Erlaß, durch welchen der Staats⸗ minister Hofmann(unser früherer hessischer Ministerprä⸗ sident) in Würdigung der verdtenstvollen Thätigkeit in den verschiedenen wichtigen Dienststellungen, welche vom Kaiser ihm anvertraut worden sind, in den erblschen Adelstand erhoben wird.

Allerlei.

st. Frankfurt. Zur Orientirung des Publikums sei hier nochwals darauf aufmerksam gemacht, daß die zunächst stattfindenden Aufführungen von Richard Wagner's Rheingold undWalküre am Sonntag den 7. und Dienstag den 9. Mai, diesmal im laufenden Abonnement, im Opernhaus stattfinden. Für das nichtabonnirte Publi⸗ kum ist die Einrichtung getroffen, daß Bestellungen von Plätzen von heute an täglich an der Kasse des Opern⸗ hauses entgegengenommen werden. Auch zu dieser Wie⸗ derholung des Wagner'schen Werkes werden Billets für beide Abende von vornherein gleichzeitig verausgabt. Wien, 3. Mai. Ringtheaterprozeß. Die Zuschriften

Zeugin Schauspielerin Marberg bestätigen, daß Nötel die

Regle am 8. Dezember zu führen hakte. Die Marberg erklärt dies unter Eid auf das bestimmteste. Ebenso deponirt der Schauspieler Wilke. Der Redacteur des Extrablatt Löwy schildert anschaulich die Situation vor dem brennenden Hause. Er drang mit Wachleuten gegen das Parket vor, im Foyer bei der Treppenkrümm⸗ ung verlöschte aber der Luftzug die Fackel. Wir riefen: Sind Leute oben! Keine Antwort. Zehn Minuten später kamen die ersten Leichen. Bertha Lipp sagte dem Wach mann beim Herabkommen, daß noch Leute im Theater wären; der Wachmann drängte sie aber zurück. Weitere Aussagen documentiren die beispiellose Gefühlsrohheit der Sicherheitswache. Die Wachmänner drehten den Ein zelnen den Rücken, die frugen, warum die Leute nicht herauskämen, und wiesen barsch die ihre Angehörigen Suchenden zurück. Der Zeuge Kohn fand in einem Gang brennende Leichen; ein Wachmann bemerkte:Brennen thun's, lassen wir's brennen. 4. Mai. Das Rechts⸗ gefühl der Bevölkerung erfuhr eine große Statisfaction durch die Annahme des Antrags des Staatsanwaltes, die als Zeugen vorgerufenen Polizeiorgane als eidesun⸗ fähig nicht zu beeiden. Diese Nichtbeeidigung der Polizei ist einer der sensationellsten Zwischenfälle im ganzen Prozeß. Schutzmann Heger sab sich, als die Feuerwehr kam, das Feuervon draußen an! Entrüstung ruft Schutzmann Engelmann hervor, der behauptete, den Beamten Kriechbaum gerettet zu haben und damit auf Belohnung speculirte. Die Rettung jedoch erweist sich als ein Märchen! Inspeetor Bielohlaweck will nicht ge hört haben, daß Leute, die aus dem Theater kamen, um Rettung Anderer baten, die noch drinnen wären. Er glaubte, es sei Alles gerettet. Andere Zeugen bringen Unwesentliches vor; nur Polizeicommissär Vessely gibt unter Sensation an, vor dem 8. Dezember habe er nie etwas davon gehört, daß Oellampen brennen sollen.

Gerichtssaal.

Friedberg. In der Sitzung Gr. Schöffengerichts vom 2. d. M. wurde die Georg Klein Ehefrau von Ilbenstadt wegen Körperverletzung zu einer achttägigen Gefängnißstrafe verurtheilt.

Friedberg. In der Dienstag den 9. d. M. statt⸗ findenden Sitzung Gr. Schöffengerichts kommt nur die Privatklagesache des Chr. Hofmann 11. von Schwalheim gegen Siegmund Pollack zu Beienheim, wegen Beleidig⸗ ung, zur Verhandlung.

Theater.

Unsere Gäste vom Hanauer Stadttheater werden uns nun bald wieder verlassen und unser kleiner Musentempel geschlossen werden; es bleibt uns dann nur noch die Hoffnung auf ein Wiedersehen im nächsten Jahre. Wir wollen nicht unterlassen unsere Theaterbesucher noch ganz besonders auf die demnächstigen Vorstellungen aufmerksam zu machen, bei welchen die beliebte Soubrette des Ham- burger Varieté-Theaters, Fräulein Anna Herrmann (die Schwester unseres jetzigen Theater⸗Unternehmers) als Gast mitwirken wird. Die Gesellschaft hat uns schon so viele amüsante Abende bereitet und zweifeln wir nicht, daß die Schluß-Vorstellungen ebenfalls sich eines guten Besuches erfreuen werden.

Bitte!

Bei der jüngst stattgehabten Eröffnung der Sammel⸗ kistchen fanden sich in sehr vielen derselben die letzten Enden angerauchter Cigarren. Da wir solche durch⸗ aus nicht brauchen können, weil sie die ganze Sammlung als unverkäuflich werthlos machen, bitten wir die ver⸗ ehrlicheu Spender recht dringend, keine solchen Reste künftig mehr in die Kistchen zu werfen. Zugleich theilen wir bei dieser Gelegenheit mit, daß die letzte Sammlung an Münze 25 M. 50 Pf. ergab, so daß wir mit den früheren Geldern jetzt im Vorschuß- und Creditverein die Summe von 94 M. 12 Pf. angelegt haben.

Das Comité fürUnterstützung armer Kinder.

Pas Blut ist das Leben!

Wer sein Leben erhalten und verlängern, seine Ge sundhelt bewahren oder wiedererlangen will, sorge vor Allem für Reinigung seines Blutes, ohne welche keine gründliche Genesung möglich ist. Aufschluß und Anleitung zum unbedingt sicheren und billigen Heilverfahren ge⸗ währt die soeben erschienene Schrift über r. Liebaut's Regenerationskur. Zu haben in den Buchhandlungen und gegen Einsendung von 50 Pf. in Briefmarken durch Rühl'sche Buchhandlung, Darmstadt und Erras'sche Buchhandlung, Göthestr. 3, Frankfurt a. M. 1661

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. Cantate. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Baur.

Gottesdienst in der Stadtkirche:

Vormittags 10½, Uhr: Herr Pfarrer Baur.

Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Burgkirche:

Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Diegel.

Abendmahl.

statholische Gemeinde. Samstag 5 Uhr: Beicht. Sonntag 10 Uhr: Hochamt und Predigt.

Oppershofen.

Damen und Kinder

für Herren,

einiger Schauspieler sowie die Aussage der freiwilligen

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6 Uhr: Maiandacht und Predigt: Pfarrer Appel von

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