Ausgabe 
5.10.1882
 
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Donnerstag den 5. October.

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Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

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Deutsches Reich.

Darmstadt. Die parlamentarischen Ar beiten unserer Landstände werden demnächst wie der ihren Anfang nehmen, und zwar ist es zu nächst der Finanzausschuß der zweiten Kammer, bei dem der Hauptschwerpunkt der bis jetzt dem Landtag erwachsenen Arbeiten liegt in der Form der von der Regierung vorgelegten Gesetzent würfe in Betreff der allgemeinen Einkommen steuer, der Einführung einer Kapitalrentensteuer, der gleichmäßigen Besteuerung der Gewerbe und der Erbschafts⸗ und Schenkungs-Steuer. Der Finanzausschuß wird am 12. d. Mts. zu einer Besprechung dieser Gegenstände zusammentreten. Unter den dem Gesetzgebungsausschuß überwie senen Gegenstände steht in erster Linie der Ge setzentwurf, die Enteignung von Grundeigenthum betreffend, uͤber welche bedeutungsvolle Materie der Ausschuß bereits eine Reihe von Sitzungen abgehalten hat.

Berlin. So still es auch auf diploma tischem Gebiete zu sein scheint, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die Pourparlers über die egyptische Frage ziemlich lebhaft ge führt werden. Wenn erst die englischen Ziele bestimmt bekannt sein werden, durften die Ver Handlungen keineswegs so leicht und glatt ver haufen, wie man vielfach hofft und wuͤnscht.

Es heißt, Fuͤrst Bismarck werde den Spätherbst wieder in Friedrichsruh verleben und binnen Kurzem Varzin verlassen. Bei dieser Gelegenheit werde der Reichskanzler in Berlin kurzen Aufenthalt nehmen. Ohne Zweifel dürf len dann Beschlüsse über die parlamentarische Geschaftstheilung und über die dringendsten Vor lagen gefaßt werden. Man nimmt in diplo matischen Kreisen an, daß Graf Münster, der zeutsche Botschafter in London, in Varzin er nächtigt wurde, dem Cabinete von St. James i der egyptischen Frage einen großen Spiel zaum einzuräumen. Man spricht auch von einer tach London in Betreff des Suezcanals einzu herufenden Conferenz.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Triest. Die hie⸗ igen Behörden haben infolge der Verhaftung Oberdanks wichtige Entdeckungen gemacht. Die Polizei ist auf die Spur einer förmlichen Ver schwörung gekommen. Der Schauplatz der ge⸗ planten Umtriebe der Irredenta sollte nicht allein Triest sein, sondern auch Görz, Kapodistria und gudere Städte. Der römische Centralausschuß der Irredenta hatte den Plan festgestellt, in dem ganzen italienisch redenden Theil Oesterreichs gährend der Kaiserreise zuprotestiren, und war mit Bomben und Petarden. Oberdank ist hit einer ganzen Gesellschaft aus Rom bis Jenedig gereist. Hier zerstreuten sich die Ge⸗ hossen und jeder ging nach seinem Bestimmungs ert ab. Jufolge der Verhaftung Oberdank's hüben dann die Uebrigen die österreichische Grenze icht überschritten. Es ist das Verdienst der ümischen Behörde, daß die Verschwörung ent⸗ lickt wurde. Was die Irredenta selbst betrifft, J ist der römische Centralausschuß in dieser ligelegenheit auf eigene Faust vorgegangen, so ß die Triester italienische Partei von der enzen Sache keine Ahnung hatte. b g

Pest, 2. Oct. Ministerpräsident Tisza richtete Aläßlich der Preßburger Ereignisse einen Erlaß

an sämmtliche Municipien, falls irgendwo Juden hetzen sich zeigen, sollen sie die Agitation sofort im Keime ersticken, die Agitatoren der Strenge des Gesetzes überliefern und die Anwendung der Brachialgewalt unterdrücken. Der Polizei Chef ist der organisirten antisemitischen Liga auf die Spur gekommen. Wohlhabende Preßburger und Wiener Buͤrger sind compromittirt, die Ruhe noch immer nicht ganz hergestellt. In den Excessen, welche in dem benachbarten Land schütz vorgefallen, werden nur Ausschreitungen der aus Preßburg vertriebenen Excedenten er blickt, doch ist die Erwartung die allgemeine, daß es gelingen werde, einer weiteren Verbreitung der Unruhestiftungen dauernd Einhalt zu thun.

Preßburg, 1. Oct. Der heutige Tag verlief ohne Ruhestörungen, dagegen langen aus der Um gebung beunruhigende Meldungen über Plünder ungen und Excesse ein, welchen man jedoch keine größere Bedeutung beilegt. Es sind alle Anzeichen dafür vorhanden, daß die Ruhe bald wieder voll staͤndig hergestellt sein wird. 2. Oct. In Preßburg selbst herrscht jetzt wieder vollständige Ruhe; um so wüster ist es jedoch in Landschütz bei Preßburg zugegangen. Eine Depesche des Pester Lloyd von heute Nacht drei Uhr meldet sehr bedrohliche Unruhen; es wurde geraubt und ge plündert; einige Personen wurden verwundet. Das Militär war zu schwach, um den Tumult zu unterdrücken und man erwartet daher weitere blutige Excesse. Alles deutet darauf hin, daß man es weniger mit einer Judenhetze als mit einem vorbereiteten gemeinen Aufstand gegen die besitzende Klasse zu thun hat.

Schweiz. Bern. Der Gesandte des deut schen Reiches, General der Infanterie v. Roͤder, hat sein Entlassungsgesuch in Berlin eingereicht.

Dänemark. Kopenhagen, 2. Oct. Der Reichstag wurde heute ohne Thronrede eröffnet und das frühere Präsidium wiedergewählt.

Frankreich. Paris. DiePatrioten-Liga versendet ein Rundschreiben, aus dem hervor geht, daß 18,000 Mitglieder derselben über ganz Frankreich verbreitet sind. Die Rep. frangaise polemisirt heftig gegen einen Times Artikel über den eventuellen Anschluß Englands an Deutschland.

Marseille. Der Marineminister wies den Admiral Conrad an, auf derGalisonnidre so fort die Hafen Syriens zu besichtigen und so dann sich im Piräus zu stationiren.

Oct. Eine Gesandtschaft von der Insel Madagascar ist hier eingetroffen. Die selbe beabsichtigt, laut Mittheilung des hiesigen madagascarischen Consuls, sich nach vollendeter Mision in Paris, auch nach Berlin zu begeben.

Großbritaunien. London. Lord Gran ville erneuerte die bei den Cabineten der Mächte bereits im Beginne der englischen Expedition nach Egypten abgegebene Erklärung, daß Eng land weder die Annexion Egyptens noch ein eng lisches Protektorat über dasselbe im Sinne habe.

Dublin, 1. Oct. Ein regelrechtes nächtliches Feuergefecht fand in Kilconnell, Grafschaft Limerick, zwischen dem Constabler Regan und dem Land⸗ aufseher Smith einerseits, gegen eine Mondschein bande andererseits statt. Es fielen keine Ver wundungen vor, doch wurden von den flüchten den Monscheinlern zwei Mann verhaftet.

Türkei. Constantinopel, 1. Oet. Die von den Engländern für Egypten gedungenen Ar

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beiter, welche mit dem russischen Packetboot Odessa wieder anlangten, wurden Anfangs an der Ausschiffung gehindert, weil sie ohne Pässe seien. Als später der Hafencommandant sich mit Polizeimannschaft an Bord derOdessa begab, um die Arbeiter zu reklamiren, verweigerte ihm der Schiffscapitän deren Auslieferung, weil die Pforte angedroht habe, daß die Arbeiter aus gewiesen resp. verbannt werden sollten. Die englische Botschaft hat die nöthigen Schritte gethan, damit die Androhung zurückgenommen und den Arbeitern ihre Sicherheit garantirt werde.

2. Oct. Dem Vorfall in den Darda nellen, daß ein russischer Capitän sich weigerte, die an Bord seines Schiffes befindlichen eng lischen Arbeiter auszuschiffen, wird keinerlei Bedeutung beigemessen. Said Pascha benach⸗ richtigte gestern Lord Dufferin, die Arbeiter wären nach Sicherstellung für ihr gutes Be tragen freigelassen worden.

Unter den Arabern im Hedschas ist wiederum ein Aufstand ausgebrochen, dessen Zweck es ist, einen neuen Khalifen an Stelle des Sultans der Türket, dessen Ansehen in Folge der jüngsten Ereignisse in Egypten un geheuer gelitten hat, auszurufen. Der Scherif von Mekka sympathisirt angeblich sehr warm mit dieser Bewegung und seine Absetzung durch die Pforte wird natürlich dieser Ursache zuge⸗ schrieben.

Bulgarien. Sofia. Zu der bevorstehen stehenden Begegnung des Füͤrsten Alexander mit dem König Milan von Serbien werden bereits Vorkehrungen getroffen. Ein Specialschiff wird mit dem General Lessovoy, dem Obersten Stanitzky und dem Adjutanten Marinoff zur feierlichen Einholung des Königs diesem entgegengesendet werden. Zum Ehrendienste wird dem König Milan Oberst Stanitzky zugewiesen werden.

Rußland. Petersburg, 1. Oct. Die Presse erfährt, daß eine nihilistische Proklamation älteren Datums saisirt worden ist, worin erklärt wor den, daß der Czar eine Reise nach Moskau aus führen werde, ohne daß ein Attentat versucht werden solle, weil die ihm gestattete Frist zur Um⸗ kehr vom Absolutismus noch nicht abgelaufen sei.

Egypten. Kairo, 2. Oct. Baker Pascha wurde dem Khedive und dem General-Consul Malet vorgestellt. Mit der Ausarbeitung eines Entwurfs, bezüglich der Reorganisation der egyp⸗ tischen Armee soll sofort begonnen werden. Die Speclalcommission des Kriegsgerichtes hielt heute im Beisein Charles Wilsons ihre erste Sitzung ab. Malet hatte der egyptischen Re gierung bedeutet, daß selbst Präliminarmaßregeln nicht ohne Kenntuiß des Vertreters der eng lischen Regierung getroffen werden dürften.

3. Oet. Laut Meldungen von hier wird die zweite Division unter General Alison's Commando voraussichtlich noch vier Monat in Egypten bleiben. Baker Pascha legte Vorschläge vor, Truppentheile aus Nichtegyptern zusammen zusetzen, die Gendarmen aus Albaniern, die Polizei aus loyalen Eingeborenen zu bilden. Arabi wurde gestern in geheimem Verhoͤr ver nommen. Heute nehmen die öffentlichen Ver handlungen ihren Anfang. Es soll nicht be absichtigt sein, die Todesstrafe zu beautragen. Bei Gelegenheit der Einzugsfeierlichkeit des Khedive in Kairo fanden in Assiut(?) neuer dings Unruhen statt. Eintausend Muselmanen

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