Ausgabe 
1.6.1882
 
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Sitzung

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meister unter den Todten, sämmtliche Zugführer und Condukteure sind verwundet. Von den schwerverwundeten starben nachträglich 2 und werden voraussichtlich noch 4 bis 5 ihren Leiden erliegen; die größte Anzahl der Verwundeten hat combinirte Knochenbrüche erlitten; Leichtverwundete in geringer Anzahl wurden verbunden und nach ihrer Wohnstättte gesendet.

Bochum, 28. Mai. Abermals ist eine jener Schand thaten, welche unserem Bezirke eine traurige Berühmt heit in der ganzen eivilisirten Welt eingebracht haben, verübt: der achte Lustmord seit dem 31. Dezember 1878. Der Sachverhalt ist folgender: Die auf dem kaum eine Stunde von hier belegenen Rittergute Hafkenscheid, bei Oeconom Wiesmann dienende, 17 Jahre alte Elisabeth Gantenberg wollte am vergangenen Sonntage(den 21. Mai) nach Bochum in die Kirche gehen, zu welchem Zwecke sie sich in den Vormittagsstunden auf den Weg begeben hatte. Von diesem Kirchgange ist das arme Mädchen nicht mehr heimgekehrt. Am vergangenen Freitag wurde unter Leitung des Staatsanwalts Dr. Schwering, die ganze Gegend abgesucht, aber vergeblich. Am gestrigen Tage wurde das Suchen fortgesetzt und fand man die völlig entblößte Leiche des Mädchens in einem Kornfelde. Es fehlte an jeder Vermuthung über die Person des Thäters, bis man durch die Aussagen des Oeconomen Wiesmann auf eine solche gebracht wurde. Darnach hat ein übel beleumundeter, seit Jahren in der Gegend bald arbeitender, bald sich herumtreibender Fremder am Neujahrstage auf dem Hof des Wiesmann sich Butter, Wurst und Geld erbeten und als dies ihm seitens des nun ermordeten Mädchens, welches die Männer zu Hilfe rief, verweigert wurde, gedroht, daß er ihr das gedenken wolle. Am Morgen der That ist dieser Mensch der dreizehnjährigen Mathilde Helbrich, einer Cousine des Wiesmann, welche mit einer anderen Magd über Alten Bochum nach Bochum zur Kirche ging, bis in die Nähe des ersteren Ortes nachgefolgt und von dem Kinde bei der Rückkehr von der Kirche in der Nähe ihres Hofes, mit ausgezogenen Stiefeln am Bache sitzend, bemerkt

worden. Man nimmt nun an, daß der Kerl auf die eine halbe

Stunde nach Jenen ebenfalls zur Kirche gehende Elisa

That verübt und sich dann am Bache von den Spuren derselben gereinigt habe.

Augsburg, 26. Mai. Der heutigen Abendzeitung zufolge ist der Strike in der mechanischen Weberei be endigt; sämmtliche Arbeiter nehmen die Arbeit wieder auf, nachdem seitens der Direktion die bisherigen Löhne

beth Gantenberg, als er zurückging, gestoßen sei, die 1

weiter zu zahlen versprochen worden.

Petersburg, 26. Mai. Hier läuft das Gerücht um, daß Telegramme eingetroffen seien, welche aber von der Regierung unterdrückt worden, daß die Stadt Kiew seit zwei Tagen in Brand stehe. Ein gestern in der Moskauer Vorstadt in Schier's Parquetfabrik ausge brochenes Feuer äscherte über 40 Häuser im Werthe von ein Drittel Million Rubel ein. Die meisten russischen Assekuranzen sind dabei betheiligt.

Gemeinderathssitzung.

S. Friedberg, 27. Mai. Bei der gestern statt⸗ gehabten Sitzung des Gemeinderathes wurde zuerst der Voranschlag der hiesigen Realschule, wie er vom Mini sterlum des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schurwesen, für 1882/83 festgestellt ist, zur Kenntniß gebracht. Einnahme und Ausgabe vergleichen sich darnach mit 34,210 M., von denen die Stadtkasse 10,600 M. beiträgt, der Rest durch das Schulgeld und den Staats- zuschuß gedeckt wird. Die übrigen Gegenstände der Be⸗ rathung betrafen das Wasserwerk. Das von der Firma Aird in Berlin vorgelegte Projekt des Reservoirthurmes wurde, nach erfolgter Prüfung seitens der Baukom⸗ mission, genehmigt und der betr. Vertrag unterzeichnet. Weitere eingehend motivirte Anträge über Aufbringung der erforderlichen Geldmittel, über Abgabe von Wasser an Private, über den Preis des Wassers, die Zu leitung aus den Hauptrohren in die Hofraithen u. s. w. wurden vorbehaltlich etwa erforderlicher Abänderungen

im Einzelnen gutgeheißen.

Gerichtssaal.

Friedberg. In der am 23. Mai l. J. stattgehabten Sitzung des Schöffengerichts wurde erkannt: 1) Gegen August Gerhard Gatzert von Reichelsheim, wegen Dieb⸗ stahls, 3 Monate Gefängniß. 2) Gegen G. Jakob Pfeil von Nieder⸗Eschbach, wegen Widerstands, Körperverletzung, Beleidigung und ruhestörenden Lärmens, 8 Wochen Ge fängniß und 3 Tage Haft. 3) Gegen Karl Wagner und dessen Tochter Marie Wagner, gegen Ersteren auf 5 Tage Gefängniß, gegen Letztere auf zehn Mark Geldstrafe. J) Gegen Heinrich Wolf von Echzell, wegen Uebertretung, elne Geldstrafe ron 1 Mark. Kirch⸗Göns wurde von der ihm zur Last gelegten rohen Mißhandlung von Thieren freigesprochen. 6) Die Privat⸗ klagesache des B. K. Stern von Friedberg gegen Seriben⸗

ten Ferber daselbst, wegen gegenseitiger Beleidigung, wurde durch Vergleich erledigt.

Friedberg. In der am 6. Juni l. J. stattfindenden des Schöffengerichts kommen zur Verhandlung: 1) die Strafsache gegen Heinrich Rausch III. Wittwe von Friedberg, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt; 2) die Strafsache gegen Heinrich Mack III. von Fried⸗ berg, wegen ruhestörenden Lärmens; 3) die Strafsache gegen Georg Metzgers Wittwe von Nieder-Wöllstadt, wegen Vergehens wider die öffentliche Ordnung; 4) die Strafsache gegen Adam Balser von Nieder-Wöllstadt, wegen Körperverletzung; 5) die Strafsache gegen Johannes

ö Bell II. von Ilbenstadt, wegen Uebertretung der straßen⸗ polizeilichen Vorschriften.

5) Konrad Gatzert von].

Vilbel. In der Schöffengerichtssitzung vom 24. Mat kamen folgende Sachen zur Verhandlung: 1) Heinrich Appel von Vilbel wurde wegen Ruhestörung in eine Geldstrafe von 6 Mark und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. 2) Friedrich Rück und Ludwig Nagel von Preungesheim wurden wegen Thierquälerei in eine Geld strafe von je 1 Mark und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt. 3) Philipp Jacob Dietrich von Klein-Karben und Julius Kulb von Groß-Karben, ersterer der Ruhe störung, letzterer der Störung der Sonntagsfeier ange klagt, wurden freigesprochen. 4) Die Privatklagesache Georg Clarius III. von Groß-Karben gegen Bär Grüne⸗ baum von da wurde durch Vergleich erledigt. 5) Die Privatklagesache Johannes Schäfer von Holzhausen gegen Philipp Schmidt 1. und Johannes Schmidt von da, sowie die Privatklagesache Philipp Reitz von Groß Karben gegen Heinrich Kappes von da wurden auf den nächsten Schöffengerichtstermin vertagt.

Verloosung.

Schwedische Thlr. 10. Loose von 1860. Ziehung am 1. Mai 1882. Heimzahlung am 1. Aug. 1882. Nr. 30393 Thlr. 5000., Nr. 205809 Thlr. 1000., Nr. 81268 Thlr. 500., Nr. 1728 72465 84830 150061 à Thlr. 150., Nr. 123852 150867 152687 155066 512 159179 179043 183041 209929 227296 à Thlr. 60., Nr. 25705 60772 74927 97437 107939 114110 134732 135063 215 151906 168982 172944 187417 191014 195123 197805 207573 218574 219193 221216 à Thlr. 35., Nr. 10294 11156 19603 24357 37444 48537 57824 58523 65674 740 938 66898 67130 76504 82638 100650 109076 110774 119088 122904 131349 135142 143092 339 151796 805 153749 156465 167242 177671 193649 195868 197847 205956 209959 228677 235689 236863 à Thlr. 25. Die übrigen Nummern können auf unserem Büreau eingesehen werden.

Bekanntmachung.

Am 1. Juni wird in dem zum Postbezirk Bad-Nauheim gehörigen Ort Steinfurth eine Posthülfestelle in Wirk samkeit treten, deren Verwaltung dem von diesem Tage ab daselbst stationirten Landbriefträger Obmann aus Bad⸗Nauheim übertragen worden ist.

Der Postverkehr der neuen Posthülfestelle wird durch eine vom gleichen Tage ab zwischen Steinfurth und Bad Nauheim zur Einrichtung kommende, zur Personen beförderung dienende Landpost vermittelt werden, welche folgenden Gang erhält: 1 II.

aus Steinfurth 640 Vm. 455 Nm. in Bad⸗Nauheim Bhf. 2 520 in Bad⸗Nauheim Ort 7. aus Bad⸗Nauheim Ort e 680 aus Bad⸗Nauheim Bhf. ade 640 in Steinfurth. 10

Sonntags fällt die Post unter II. aus. Darmstadt, 27. Mai 1882. Der Kaiserliche Ober-Postdireetor. Hagemann.

Vom 1. Juni ab wird das Privat-Personen fuhrwerk zwischen Butzbach und Rockenberg folgenden Gang erhalten:

1. von Butzbach 8 Vorm., in Griedel 815 Vorm., in Rockenberg 845 Vorm.; von Butzbach 780 Nachm., in Rockenberg 816 Nachm.; von Rockenberg 625 Vorm., in Butzbach 710 Vorm.; von Rockenberg 610 Nachm., in Griedel 640 Nachm., in Butzbach 655 Nachm. Vom 1. Juni gb wird die Landbriefträger-Post zwischen Butzbach und Münster folgenden Gang erhalten:

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von Münster 545 Vm, von Butzbach 530 Nm., Fauerbach 610 Niederweisel 620 10 Ostheim 6³⁵ 1 Ostheim 6⁵⁰* Niederweisel 655% Hochweisel 735 in Butzbch 715 in Münster 8 5

Butzbach den 25. Mai 1882. Kaiserliches Postamt. Kirschner. Brodpreise vom 1. bis 16. Juni. Nach eigener Angabe der Bäcker. Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach unverändert. Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 1. bis 16. Juni. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg und Butzbach unverändert. Für Bad⸗Nauheim: Per ½ Kilo.

Pf. M. Pf.

Ochsenfleisch 70 Schweinefleisch el Kuh- oder Rindfleisch 58 eit und Karre Kalbfleisch 60 Doörrfleisch N Keil und Karre Solperfleisch* Hammellleisch 60 Geräaͤucherter Speck Keil und Karre 0 Schinken 5 Nierenfett 50 Leber- u. Blutwurst Hammelsfett Schwartenmagen 5 Schaaffleisch Cervelatwurst

Fleischwurst Bratwurst Schmalz, ausgel.,

6 unausgel.,

Für Ober-Mörlen:

Nindfleisch 56 Pf., Schweinefleisch 60 Pf. per ½ Kilo.

Für die verfolgten russ. Juden gingen bis jetzt ein: Von Trapp& Münch 25 M., Sophie Breidenstein 5 M. Die Expedition des Oberhess. Anzeigers.

Pfennig ⸗Sparkasse.

Summelstellen. Einlagen. Betrag. M. Pf.

Uebertrag vom 20. Mai 32595 17967 65

4% C Bin der nagel 58 41 35 2. W. Bernbeck 1 142 88 90 3. Ph. Billau k. 116 75 65 , 100 61 10 5. H. Flaschenträger. 107 67 45 33118[18302 10

NB. Uebertrag Einleger 1113. Neue Einleger Gesammt⸗Einleger 1113. Friedberg den 27. Mal 1882. Haupt⸗Sammelstelle: Vorschuß⸗ und Credit⸗Verein, e. G.

Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. Beginn: Freitag Abends 7½¼ Uhr. Samstag Morgens 8 Uhr. Sabbathausgang 9 Uhr 5 Min.

Holzversteigerung.

Dienstag den 6. Juni 1882, Vormittags 9 Uhr, werden in dem Gräflich Leiningen-Westerburgischen Wald⸗ distriktLohrberg

112 Raummeter Eichen-Schälknüppel und

4140 Stück Eichen⸗Schälwellen öffentlich versteigert.

Zusammenkunft am Distrikt Lohrberg, auf dem Wege nach Bönstadt.

Friedberg am 26. Mai 1882.

Gräflich Alt⸗Leiningen-Westerburgische Rentkammer. Bierau.

7 5* Holzversteigerung. Dienstag den 6. Juni l. J., Vormittags Uhr, sollen in den Gräflichen Waldungen des Reviers Bain⸗ hards, Distrikt Unterwald, nachbenannte Holzsortimente öffentlich meistbietend versteigert werden: 5575 Stück Eichen-Wellen(Schälholz), 80( Durchforstung), e Baumstützen. Zusammenkunft zur bezeichneten Stunde bei dem Forst⸗ hause. Assenheim den 27. Mai 1882. 1944 Gräflich Solms-Rödelheim'sche Rentkammer.

5 0 Holzversteigerung. Montag den 5. Juni d. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, sollen in dem Gräflich zu Rantzau'schen Kirchwalde zu Ziegenberg versteigert werden: 6400 Wellen Schälholz, 1700 Eichen⸗Spitzen. Ziegenberg den 24. Mai 1882. Die Gräfliche Verwaltung. Sommerlad.

19⁴⁰

1899

Kirschen-Versteigerung.

Freitag den 2. Juni l. J., Nachmittags 1 Uhr, sollen in hiesiger Gemarkung von etwa 1200 Kirschbäumen, in der Obstanlage Steinchen und Georgenwäldchen, die darauf befindlichen Kirschen an Ort und Stelle ver steigert werden.

Himbach den 25. Mai 1882.

Großherzogliche Bürgermeisterei Himbach.

e Tugend. Ankauf eines Faselochsen.

Die Gemeinde Petterweil beabsichtigt einen Fasel⸗ ochsen(Berner Race) im Alter von bis Jahren anzukaufen.

Besitzer solcher Thiere wollen sich an unterzeichnete Stelle wenden.

Petterweil den 25. Mai 1882.

Großherzogliche Bürgermeisterei Petterweil. Berges.

1908 n

N 2. 1 Faselochs-Versteigerung. Donnerstag den 1. Juni d. J., Nachmittags 3 Uhr, soll ein der hiesigen Gemeinde gehöriger, zur Zucht untaug⸗ licher Faselochs auf hiesigem Rathhaus meistbietend ver⸗ steigert werden. Petterweil den 25. Mai 1882. Großherzogliche Bürgermeisterei Petterweil. Berges.

Trunksucht,

sogar im höchsten Stadium, beseitigt sicher mit, auch ohne Vorwissen unter Garantte der Erfinder d. M. und Speelalist für Trunktsuchtsleidende Th. Kouetzky, Berlin, Invaltdenstraße 141. Atteste, deren Richtigkeit von koͤnigl. Amtsgerichten u. Schulzen-Aemtern bestätigt, gratls. Nach⸗ ahmer beachte man nicht, da solche nur Schwindel treiben.

1907