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erhoben juristische Bedenken gegen den Antrag; die Seeessionisten wollen nur solch einen Antrag unterstützen, wofür die Maforität im Voraus sicher ist. Delbrück ist deßhalb gewillt, den Autrag zurückzuziehen oder vollstaändig umzu— arbeiten. Der Reichstag genehmigte den Rest der Novelle zur Gewerbeordnung in zweiter Lesung unverändert nach den Anträgen der Com— mission und erledigte drei Rechnungsvorlagen. Bei der zweiten Berathung des Gerichtskosten— gesetzes wird nach längerer Diskussion der An— trag von Payer angenommen, welcher die von der Commission befürwortete Ermäßigung der Neben— Proceßkosten auch auf die Hauptkosten aus— gedehnt wissen will. Die Bundes-Commissäre Kurlbaum und Lenthe hatten aus vorwiegend finanziellen Gründen den Antrag bekämpft.
— 20. Mai. In der heutigen Sitzung des Bundesraths wurden die Vorlagen über den Zollanschluß der unteren Elbe und die Auflösung des Hauptzollamtes und der Zollvereins-Nieder— lage zu Hamburg an den dritten, vierten und siebenten Ausschuß zur Vorberathung überwiesen.
— 20. Mai. Graf Harry v. Arnim ist gestern in der Villa Aimée in Nizza gestorben.
— 20. Mai. Bei einer öffentlichen Arbeiter— versammlung, die heute Abend in einem Local in der Lothringerstraße zur Besprechung des Unfall-Versicherungsgesetzes stattfand, kam es zwischen den sogenannten Staatssocialisten und den Social-Demokraten zu Thätlichkeiten. In Folge deren wurde die Versammlung aufgelöst und mehrere Personen verhaftet.
— 21. Mai. Die„Nat.⸗Ztg.“ theilt mit, daß sich die Reichsregierung mit dem Gesetz— entwurf betreffend die Monopolisirung der An— fertigung von Dynamit beschäftigt.
München, 21. Mai. Der Landtag wurde heute durch den Prinzen Luitpold geschlossen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. Mai. Das Haus der Abgeordneten nahm in dritter Lesung das Finanzgesetz an; genehmigte das Wuchergesetz nach dem Beschluß des Herrenhauses.
Schweiz. Zürich, 20. Mai. Gegen die Abhaltung des Socialisten-Congresses wurden im Canton Zürich mühelos gegen 30,000 Unter— schriften gesammelt. Was die Regierung thun wird, ist noch ungewiß. Die Socäalisten be— schlossen trotzdem, den Congreß unbedingt in Zürich abzuhalten und mit dem Comite von Geuf in Verbindung zu treten.
Frankreich. Paris, 19. Mai. Der Vice⸗ präsident der Deputirtenkammer, Brisson, er— klärt, das Haus gehe zur Einzelberathung des Bardoux'schen Antrags über. Mehrfach wird die Vertagung verlangt. Gambetta spricht gegen die Vertagung. Die Kammer beschließt mit 245 gegen 205 Stimmen, die Berathung heute fort— zusetzen. Die einzelnen Artikel werden genehmigt, der Antrag von Bardoux sodann im Ganzen mit großer Majorität angenommen. Bei der Berathung tritt Gambetta für die Listenwahl ein und weist die Beschuldigung zurück, daß er ehrgeizige Pläne verfolge. Er habe niemals daran gedacht, das Ansehen der Executivgewalt zu verringern. Die Listenwahl gestatte, das Land auf viel ausgedehnterer Basis zu Rathe zu ziehen. Die Arrondissements-Wahl mache jede Reform unmöglich. Die Listenwahl werde die Käuflichkeiten und Bestechlichkeiten beseitigen, welche eine Folge der Arrondissements-Wahl seien. Es handle sich heute darum, zu entscheiden, ob die Republik fruchtbar oder unfruchtbar sein werde. Der Conseilspräsident Ferry erklärte bei Vorlegung des Vertrags von Tunis, der— selbe werde, wenn loyal ausgeführt, alle Ur— sachen zu Uneinigkeiten zwischen Tunis und Frank— reich beseitigen und werde beiden Theilen nütz— lich sein, weil er auf der Basis der Billigkeit beruhe. Frankreich gewinne Sicherheit für seine algerische Grenze, Tunis gewinne an Wohlthaten der Civilisation.
— 20. Mai. Die Münzconferenz beschloß, sich bis zum 30. Juni zu vertagen, damit die
Delegirten ihren Regierungen berichten und die Regierungen über die formulirten Anträge und Resolutionen berathen können, welche behufs Zusammengehens bei der Rehabilitation des Silbers zu fassen sind.
— Hier erwartet man, Gambetta werde nach den Neuwahlen das Ministerpräsidium übernehmen.
— 20. Mai. Die Colonne des General Maurand stieß am 18. Mai auf dem Wege nach Matteur auf 2500 Araber, welche Wieder— stand zu leisten versuchten, aber zurückgeschlagen wurden, nachdem sie etwa 50 Todte und Ver— wundete verloren. Die Franzosen hatten 4 Ver— wundete. Die Einwohner von Matteur unter— warfen sich sofort.— Die Franzosen besetzten heute Morgen Beja ohne jeden Widerstand und ohne alle Ruhestörung. Alle Läden blieben offen.— Eine Meldung aus Oran sagt: Die Colonne des Obersten Innocents wurde von 5000 Aufständischen unter der Führung Buamemas angegriffen. Er schlug dieselben vollständig. Das Gefecht war ziemlich lebhaft. Die ein— geborenen französischen Hülfstruppen verloren gegen vierzig Todte und Verwundete.
Großbritannien. London, 19. Mai. Im Unterhause theilte Dilke mit, daß Frankreich zum sofortigen Beginne der Unterhandlungen über den neuen Handelsvertrag einlud. Die Unterhandlungen würden in London stattfinden. Frankreich würde durch Challemel-Lacour, Marie und Bouillat vertreten sein. England werde ungesäumt Commissarien ernennen. Das Unter— haus hat die irische Landbill in zweiter Lesung mit 352 gegen 176 Stimmen angenommen.
Italien. Rom, 20. Mai. Die amtliche Zeitung erklärt die Meldung der Blätter, daß Italien bei anderen Mächten Schritte gethan, um Frankreich zu nöthigen, den Vertrag mit Tunis einer Conferenz zu unterbreiten, für voll— kommen falsch.
— Von hier verlautet bestimmt, Sella ver— zichte auf die Cabinetsbildung, nachdem die Verhandlungen mit der Linken und dem Centrum gescheitert seien. Ein Cabinet Depretis-Coppino gelte als bevorstehend. Depretis jedoch rieth dem König, Mancini mit der Bildung des Cabinets zu betrauen.
Türkei. Constantinopel, 21. Mai. Der Sultan ließ gestern dem französischen Botschafter Tissot mittheilen, daß er keine Truppen nach Tripolis und der Berberei senden werde.
— 20. Mai. Die gestrige Plenarsitzung zur Erledigung der griechischen Frage stellte end— gültig den Modus der Räumung fest. Darnach wurde das abzutretende Gebiet in Sectionen getheilt, wovon Larissa als erste einen Monat nach der Genehmigung des Vertrags, Trikola als zweite, Kurdista als dritte, ein Theil des Districtes Elassonas als vierte, Arta als fünfte zwei Monate nach der Genehmigung des Ver— trags übergeben werden sollen. Volo als sechste — da dort das gesammte Kriegsmaterial con— centrirt— wird erst an einem späteren, noch nicht festgestellten Termin übergeben werden.
Serbien. Belgrad, 21. Mai. In der Skupschtina wird eine fürstliche Botschaft ver— lesen, in der ein Handelsvertrag mit Oesterreich— Ungarn bekannt gemacht wird. Der Vertrag wird den Ausschüssen zugewiesen und denselben beide Delegirte zugetheilt, welche die Verhand— lungen führten.
Bulgarien. Sofia. In einer hier ver⸗ breiteten, augenscheinlich von der Regierung in— spirirten Mittheilung heißt es: Die europäische Presse beurtheilt die Ereignisse in Sofia und die Lage der Dinge meist wenig gerecht. Der Fürst hat die Verfassung weder verletzt noch aufgehoben, sich auch keine Machtbefugnisse angemaßt. Er will die große Nationalversammlung einberufen, — wie dies sein verfassungsmäßiges Recht ist—, und ihr die Machtbefugnisse, die er 1879 durch einstimmige Wahl erhielt, zurückgeben. Wenn die Nationalversammlung der Regierung die ihr unentbehrlichen Bedingungen zugesteht, wird der Fürst auf dem Throne bleiben.
Rußland. Petersburg. Ein vor Kurzem verhaftetes, den Dworniks behufs Identifteirung vorgeführtes Frauenzimmer ist als Genossin des hingerichteten Jeliaboff recognoscirt worden. In ihrer Wohnung wurde eine geheime Druckerei, Waffen, Sprengstoffe und Proclamationen auf— gefunden. Dem Journal„Porjadok“ zufolge erhielt die Polizei Kenntniß von einer Versamm— lung der Anarchisten in einem kleinen Hause eines abgelegenen Ortes außerhalb der Stadt, welche am 17. ds. stattfand. Die Polizei hob die Versammlung auf und verhaftete alle An— wesenden.
— Ein Circular des Ministers des Innern an die Gouverneure vom 18.(5.) Mai erläutert das kaiserliche Manifest und weist auf die dunklen Seiten der Gesellschaft hin insbesondere die irreligiöse Erziehung, die Unthätigkeit und Gleich— giltigkeit, sowie die Gewinnsucht der Behörden, wodurch der große Nutzen der Reformen ver— eitelt werde. Nur durch die Liebe des Volkes könne ein starker Selbstherrscher unter Mit— wirkung der besten Söhne des Vaterlandes die Uebelstände Rußlands beseitigen. Zunächst sei unter Mitwirkung der Gesellschaft der rebellische Geist auszurotten. Die Hetzen gegen die Juden zeigten, wie auch dem Thron ergebene Leute den rebellischen Plänen übelgesinnter Leute ahnungslos dienen. Das Zusammenwirken von Regierung und Gesellschaft werde indeß die Schwierigkeiten bald beseitigen. Die Regierung rechne deßhalb auf die Mithülfe des ehrenhaften Adels, der gleich den anderen Ständen, in seinen Rechten unangetastet bleiben solle. Dem Bauernstande werde die Regierung nicht bloß die gewährten Rechte erhalten, sie werde ihn auch, so weit es ihr möglich, entlasten und seine Verhältnisse zu bessern suchen. Die Regierung werde unverzüglich einen Modus zur Theil nahme localer Kräfte an der Durchführung der kaiserlichen Pläne feststellen.
— 20. Mai. Einer Meldung des„Golos“ aus Odessa zufolge fanden auf dem neuen Bazar daselbst gestern Ruhestörungen statt, welche jedoch sofort unterdrückt wurden.— Einer Meld⸗ ung aus Simferopol zufolge sind in Berdjansk, Orechow und einigen anderen Ortschaften des taurischen Gouvernements Unruhen ausgebrochen. Der Gouverneur begab sich an Ort und Stelle; nach Attaki(Kreis Rovoki) ist wegen befürchteter Unruhen eine Compagnie Jufanterie abgegangen.
— Die Demission Walujeff's wegen Nicht⸗ übereinstimmung mit Ignatieff steht zu erwarten.
— Das„Tageblatt“ meldet aus Paris: Der heute mit Trauerrand erschienene„Intran⸗ sigeant“ bringt die anzuzweifelnde Sensations— nachricht, Jesse Helfmann wäre vorigen Montag, 4 Tage nachdem sie ein todtes Kind geboren, im Kerker gehängt worden, damit sei das Signal zu einer allgemeinen russischen Revolution gegeben.
Moskau, 21. Mai. In Rücksicht auf Ge⸗ rüchte über bevorstehende Judenhetzen ergriff die Polizei Vorsichtsmaßregeln. Einige Juden— Familien sind bereits abgereist, andere beeilen sich, ihre Werthpapiere und Werthgegenstände der Bank zum Aufbewahren zu übergeben. Aus den westlichen Provinzen ist ein großes Zu— strömen der Juden bemerkbar.
Aus Stadt und Land.
T. Friedberg, 23. Mai. Gestern hielt das vom landwirthschaftlichen Bezirksverein Friedberg im Interesse der Errichtung von Genossenschafts⸗Vereinen gewählte Comité seine 2. Versammlung ab. Die Lebhaftigkeit der Verhandlungen und die während derselben gemachten An⸗ gaben zeigten, daß es sich bei der betreffenden Angelegen⸗ heit in der That um ein dringendes Bedürfniß der Wetterauer Landwirthe handelt. Nachdem der Vorsitzende über die Ausführung der seitherigen Comitsbeschlüsse be⸗ richtet hatte, wurden die weiteren Maßnahmen berathen und vereinbart. Unter Anderem einigte man sich auch darüber, mit welchem Techniker zunächst in Unterhand⸗ lung getreten werden soll. Nehmen nun die weiteren Arbeiten den Fortgang, welchen sie gegenwärtig ver⸗ sprechen, so ist zu erwarten, daß bis zum Herbst genaue Kostenanschläge und Rentabllitätsberechnungen, sowie den hiesigen Verhältnissen angepaßte Statutenentwürfe vor⸗ liegen. Wenn sodann die Wetterauer Landwirthe sich der Sache mit der Wärme annehmen, welche dieselbe ver⸗
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