Dienstag den 21. Juni.
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Farrenft.
Kalbfleise⸗
„Oberhessischer Anzeiger.
1 Hahr M. 5.4 und in Nauheim Montag, Mittwoch und 91 Freitag Abend ausgegeben.
M. 6.75
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres⸗Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist,
nde Hand—————— eee rage 1½ K 122 Amtlicher Theil.
dem e* Asgesetzblatt Nr. 12 enthält: Verordnung, betreffend die Umzugskosten des Personals des Marinelazareths zu Nokohama bei Versetzungen aus dem Inlande eee e f e 5 g* a e 1
. N zc.; Convention über die Ausübung des Schutzrechts an Marokko; Bekanntmachung, betreffend die Uebergangsabgabe und die Steuerrückvergütung für Bier in Baden.
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Derndard n 1
105 d. ebastian Hirschfelder von Romsthal, Leonhard
Ausgewiesen aus dem Großherzogthum Schmidt von Roöͤnshausen, Nathias Thomachewsky von Delucken, Kreis Luck, Regierungsbezirk Gumbinnen.
auf Grund des F. 3 Absatz 2 des Freizügigkeitsgesetzes: Reinhold Max Schwalowsky von q — Die Aufenthaltsorte des Wilhelm Maar von Homberg,
Albert Milenz von Cartelsbinse, Berlin.— Wegen Bettels bestraft:
n Bern es Phil. Schneider von Mittel⸗Gründau, des Joh. Klös von Ober-Rospe, des Joh. Muͤßler von Bruchenbrücken sind unbekannt und zu ermitteln. leule Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
7 8 5 Louis Grandpierre zu Ober-Mörlen wurde auf den Jagdschutz verpflichtet. N Deutsches Reich. der aufständischen Araber bemächtigten sich am könnten durch die Anwesenheit der fremdländischen
Darmstadt. Der Canzlist bei der Main— Neckar⸗Eisenbahn Meyer wurde zum Canzlisten bei der Hauptstaatskasse ernannt.
— Militärdienstnachrichten. v. Grundherr— e Altenthann, Unteroff. vom 1. Gr. Inf-Regiment M. 115, v. Busse, Unteroff. vom 2. Gr. Drag. Reg. Ne 24, zu Port.⸗Fähnr. befördert; Simon, Premlieut. à la s. des Rhein. Fuß⸗Art.⸗ Reg.
Tung.
Nr. 8, unter Belassung als Direct.⸗Assist. bei
Mlensatt, den technischen Instituten der Artillerie, zum — Hauptm. befördert; Frhr. v. Follenius, Major und Escadr.⸗Chef vom 1. Gr. Drag.⸗Regiment
Berlin, 18. Juni. Der Kaiser ernannte den Cultusminister v. Puttkamer zum Minister des Innern und an dessen Stelle den bisherigen Unterstaatssecretär v. Goßler zum Cultusminister. 1881 Ferner beurlaubte der Kaiser den Reichskanzler „Stn kette Fürsten Bismarck behufs Herstellung seiner Ge—
—sundheit und beauftragte den Staatsminister 9. Bötticher mit der generellen Vertretung des Reichskanzlers, soweit solche nicht durch die De— partementschefs gedeckt wird.
Ausland.
Oesterreich⸗-Ungarn. Wien. Graf Wolkenstein, zum Sectionschef im Ministerium — des Aeußern und Geheimen Rath ernannt, wird erung. die handelspolitische Section und das Departe— Aus, ment des kaiserlichen Hauses leiten. ages Holland. Haag, 16. Juni. Das Wahl⸗ resultat ist Folgendes: Die Liberalen verloren
3 Sitze; sie haben somit 49 Sitze, die Anti—
lüberalen 37.
Belgien. Brüssel, 17. Juni. Die Kammer genehmigte mit 62 gegen 51 Stimmen den Gesetz— n welcher die Bedingungen der Naturali—
sation abändert. Frankreich. Paris, 16. Juni. Die Kammer begann die Generaldiscussion des Budgets.— zun, Der Senat nahm das Gesetz über das Ver— sammlungsrecht an mit den von der Kammer beschlossenen Aenderungen. Tolain(radikal) ut brachte einen Antrag ein auf Revision der Ver⸗ „ bete fassung und verlangte dafür die Dringlichkeit. lagert Der Antrag auf Dringlichkeit wird abgelehnt. — Einer Meldung aus Algier zufolge gingen 1. hach dem Süden der Provinz Oran Truppen⸗— „% Verstärkungen, um die Wiederherstellung der Nuhe zu beschleunigen. Eine Schaar von Reitern
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12. d. mehrerer Holzschuppen und Wagenschuppen.
— Die„Agence Havas“ veröffentlicht eine Note, in der es heißt: Das von einigen eng— lischen Parlamentsmitgliedern kundgegebene Er— staunen über Roustan's Verfahren ist ungerecht— fertigt. Der Bey von Tunis übte bei der Ueber⸗ tragung der Roustan nach dem Vertrag vom 12. Mai zustehenden Functionen lediglich einen Act der inneren Verwaltung und Roustan be—
diente sich bei Mittheilung dieser Thatsache an
die Consuln der correctesten Formen.
— 17. Juni. Der Oberst Mallaret stieß am 15. Juni bei Sidi-Khilifa auf die Insur⸗ genten unter Bu-Amema. Diese vermieden aber den Kampf und wichen nach Chalid aus. Von dort sind sie trotz der Verfolgung Mallaret's
in die Wüste entkommen.
Marseille, 17. Juni. Die ersten Truppen, die von Tunis zurückkehren, sind unter Führung des General Vincendon hier eingetroffen. Beim Marsch durch die Rue de la Republique wurde vom hiesigen italienischen National-Club mehr— mals gepfiffen. Nach dem Vorbeimarsch sammelte sich die Volksmenge vor dem Club und versuchte das italienische Wappenschild abzureißen. Trotz der Ankunft des Präfecten und der Gendarmerie gelang dies auch zweien Personen. Die Truppen zerstreuten die Menge. Dem Club ist durch Erlaß der Präfectur im Interesse der Aufrecht— erhaltung der offentlichen Ordnung die Ge— nehmigung entzogen worden.
Schweden. Christiania, 18. Juni. Der Storthing beschloß, eine Erhöhung der Apanage des Kronprinzen von Schweden um 50,000 Kronen (200,000 Mark) zur Zeit abzulehnen.
Großbritannien. London.„Daily News“ erfährt, die britische Regierung richtete eine Note an die Regierung der Vereinigten Staaten, worin deren Aufmerksamkeit auf die Umtriebe der fenischen Organisation, deren Hauptsitz New-Vork ist, ge⸗ lenkt wird.
Spanien. Madrid, 17. Juni. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten und der Ver⸗ treter von England einigten sich gestern über die Convention, betr. die Abgrenzung der Jurisdiction über die Gewäͤsser um Gibraltar. Man erwartet hiervon eine Beseitigung der bisherigen Conflicte.
Türkei. Constantinopel. Die Pforte richtete ein Rundschreiben an die Vertreter der europä⸗ ischen Mächte in Betreff der in der Türkei zu errichtenden fremden Postaͤmter, indem sie er— klärt, es wurden die an verschiedenen Punkten des Küstengebiets bestehenden Postämter beibe⸗ halten, dagegen wurde die Aufhebung der Post— ämter des Innern des Landes verlangt. Die
Pforte glaubt, die Gefühle der Bevölkerung
Behörden verletzt werden.
Rumänien. Bukarest, 17. Juni. Der Senat hatte sich durch die Antwort des Kriegs⸗ ministers auf die Interpellation wegen der Lici⸗ tation zu Armeelieferungen nicht befriedigt er⸗ klärt. In Folge dessen gaben sämmtliche Minister, mit Ausnahme des Ministerpräsidenten, ihre Demission.
Bulgarien. Sofia, 17. Juni. Fürst Alexander setzte seine Reise fort über Berkowatz nach Widdin und Lom Palanka. Ueberall ward er enthustastisch empfangen. Zahlreiche Depu— tationen überreichten Adressen, welche erklärten, daß das Volk die Bedingungen des Fuͤrsten annehme.
Rußland. Petersburg. Der„Regierungs— bote“ macht das in dem vor dem Kriegzsgerichte zu Kiew anhängitzen politischen Prozeß gefällte Urtheil bekannt, wonach von zehn Angeklagten (darunter vier Frauen) zwei zum Tode und die ubrigen zu Zwangsarbeit resp. Verbannung nach Sibirien verurtheilt werden; die ausgesprochenen Todesstrafen sind vom Kaiser in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt worden.
15. Juni. Heute wurde nächst der Tschernitschew-Brücke der Leichnam eines unbe— kannten Mannes aus der Newa herausgezogen, über dessen Kopf ein Sack gezogen war und auf dessen Brust ein Täfelchen mit der Auf⸗ schrift„Verräther“ sich befand; zweifellos ein neuer Racheact der Nihilisten.
16. Juni. Die kaiserliche Familie ist heute von Gatschina nach Peterhof übergesiedelt. Nihilistische Briefe und Proclamationen gelangen nach wie vor bis in die kaiserliche Familie. Vor Kurzem wurde eine solche Proclamation erst wie⸗ der in einem Kleide des kleinen Toöchterchens des Kaisers, der Großfürstin Kenia, vorgefunden. Alle Recherchen nach der schuldigen Persönlich⸗ keit blieben vollkommen resultatlos.
Aus Stadt und Land.
e. Friedberg, 14. Juni. Heute kam vor dem hiesigen Schöffengericht eln Hexenprozeß in des Wortes vollster Bedeutung zur Verhandlung. Die Ehefrau des Bahnwärters Bauer von Nieder-Wöllstadt war angeklagt: „im Januar d. J. den Bahnwärter Peter Roth's Ehe⸗ leuten von Bruchenbrücken vorgespiegelt zu haben, deren
verstorbene Kinder seien behext gewesen und auch die noch lebenden Kinder derselben seien angegriffen, die Hexe könne aber nicht weiter sein, als von dem Hause des Bahnwärters Muͤller bis zu demjenigen des Roth, diese Gegend sei behext, ferner; die Karten gelegt, die Kinder der Roth's Eheleute, damit die boͤsen Menschen nicht an sie könnten, mit einer Heerde Schweine, die herbelgetrieben wurde, laufen gelassen zu haben, sowie für diese Schwin⸗ delei von den Roth's Eheleuten 2 Mark erhalten zu haben.“ Die Angeklagte wurde für schuldig erkannt und wegen Betrugs mit 14 Tagen Gefängniß bestraft. So geschehen im aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert.


