Ausgabe 
20.12.1881
 
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Abgeodneten erklärt Graf Taaffe auf eine Inter pellation über ein neues Actien-Gesetz: Die Vorlage werde spaͤtestens im nächsten Herbst eingebracht. Die Gesetze über den Appretur Verkehr mit Deutschland und der provisorische Handelsvertrag mit Frankreich werden genehmigt. Holland Haag, 17. Dec. Die zweite Kammer nahm mit 52 gegen 14 Stimmen das Budget des Ministeriums des Innern an. Der Antrag auf Mißbilligung des Gesetzes über den Elementar- Unterricht und dessen Ausführung durch den Minister des Innern wurde mit 49 gegen 21 Stimmen abgelehnt: Der Minister erklärte die Grundsätze des Gesetzes aufrecht er halten zu wollen.

Belgien. Brüssel, 16. Dec.Etoile belge will wissen, die gestern bei dem Erzbischof von Mecheln versammelten Geistlichen hätten den Befehl erhalten, den Weg der Mäßigung zu betreten.Independence versichert, der Justiz minister werde sich den auf Reductionen beim Cultusbudget abzielenden Amendements der Cen⸗ tralsection nicht anschließen.

Frankreich. Paris, 16. Dec. Die Sek sion des Senates und der Kammer schloß heute ohne weitere merkenswerthe Vorfälle.

Wie es heißt, würde Challemel Lacour, dessen Gesundheit alterirt sei, den Botschafter posten in London verlassen und durch Tissot ersetzt werden, während der Botschafter in Rom, Marquis de Noailles, als solcher nach Constan tinopel gehen würde.

Nach einem Telegramm derK. Z. wird officiös mitgetheilt, daß Gambetta Roustan's Beförderung zu einem höheren Posten beab sichtigt, wahrscheinlich nach Athen.

Großbritannien. London, 16. Dez. Die Königin ist heute nach Osborne übergesiedelt.

Wie verlautet, ist die Unterdrückung der Frauen⸗Landliga beabsichtigt.

Dublin, 16. Dec. Das Bureau JournalsUnited Ireland(das Organ Landliga) wurde am Heutigen polizeilich schlossen; auch wurde ein Redacteur und ein Commis verhaftet. Außerdem bemächtigte sich die Polizei des vorhandenen Papiers, der Ma⸗ schine und anderer Utensilien. Das Bureau sollte gerade von Dublin nach England verlegt werden.

Spanien. Madrid, 15. Dec. Bei der Berathung des Cultusbudgets im Senat wurde eine Reduction des Gehaltes der Bischöfe bean tragt; der Minister erklärte, er werde ohne Convention mit dem Vatican keine Abstriche vor nehmen. Das Budget wurde darauf bewilligt.

Italien. Rom, 16. Dec. Im Senate wurde die Berathung über das Wahlreform gesetz fortgesetzt. Im Laufe der Debatte sagte Ministerpräsident Depretis: Man habe gefragt, ob die Minister nach Wien gingen oder dahin geführt worden seien. Die Minister sind nach Wien gegangen im Juteresse des europäischen Friedens und eines sicheren und würdigen Frie dens für Italien. Sie gingen dahin mit dem Bewußtsein der Pflicht und Liebe für das Vater⸗ land(Zustimmung). Wir müssen darum Die bedauern, die gegen die Regierung eifern und Urtheile aussprechen, die sodann im Ausland ein Echo finden. 17. Dec. Der Senat schloß heute die Generaldebatte über die Wahl reform. Alfieri zog seine Tagesordnung zurück, wonach der König in einer Adresse gebeten wer den möge, bezüglich der Revision der Zusammen setzung des Senats die Initiative zu ergreifen. Der Senat genehmigte die Artikel einer Wahl reformvorlage ohne Debatte.

In unseren politischen Kreisen, welche Fühlung mit dem Vatican haben, wird mit auf⸗ fälliger Bestimmtheit behauptet, daß seit einiger Zeit lebhafte Unterhandlungen mit Berlin wegen Beendigung des Kirchenstreites gepflogen wer den. Man fügt sogar hinzu, daß dieselben einen befriedigenden Verlauf nehmen und daß ihr Ab schluß sehr nahe ist.

Die Nachricht von der Abberufung des französischen Botschafters Desprez bei dem

des der ge⸗

Vatican ist unrichtig. neuen Minister des Innern seine Demission geben zu sollen. Die Demission ist aber bis⸗ her nicht angenommen, die Regierung bestand vielmehr auf dem Verbleiben des Botschafters.

Türkei. Constantinopel, 15. Dec. Nach dem außerordentlichen Ministerrath, der sich mit der Frage der Bondholders befaßte, theilte Said Pascha Mr. Bourke mit, das von den Bond holders beschlossene Arrangement werde am 16. Dezember dem Sultan unterbreitet.

Serbien. Belgrad. Die Regierung hat die vor dem Kriege in Serbien ansässigen und nach der Türkei geflüchteten Arnauten aufge fordert, in ihre Besitzungen zurückzukehren, die Aufforderung gleichzeitig ihren auswärtigen Agenten angezeigt und die Pforte ersucht, ihr dabei behilflich zu sein.

Rumänien. Bukarest, 15. Dec. Die Kammer begann mit der Adreßdebatte. Carp,

von der Opposition, verlas einen Gegenadreß entwurf, welcher deren ganzes Programm um faßt, aber nur die innere Frage bespricht.

17. Dec. Lahovari von der Oppsition fpricht von dem verletzenden Ton in der Thron rede über die Donaufrage, der namentlich das benachbarte Haus Habsburg beleidigt habe. Der Minister Bratiano sagt darauf Folgendes: Ich habe die Geschichte meines Landes und die der Nachbarländer sorgfältig studirt und daraus ge lernt, daß ich niemals das Geringste thun kaun, was einer Beleidigung gegen das Haus Habsburg gleiche. Denn das hieße zugleich gegen die Geschichte verstoßen. Glauben Sie, unser König hätte dies gestattet? Glauben Sie, unser König hätte dies vermocht, der für den Kaiser Gefühle hegt, die nicht bloß ihm eigen sind, die vielmehr in der Familie der Hohen zollern⸗Sigmaringen als heilige Tradition bis zu diesem Tage sich vererbten?(Langanhaltender einstimmiger Beifall.)

Amerika. Washington. Bancroft Davis wurde zum Unterstaatssecretär ernannt.

Das Repräsentantenhaus hat beschlossen, sich vom 21. December bis 5. Januar zu ver⸗ tagen.

Aus Stadt und Land.

J. Bad⸗Nauheim. Seit etwa drei Wochen ist die hiesige Feldpolizei auf der Suche nach einem oder mehreren Feldfrevlern, welche frisch gesetzte junge Obst bäumchen von ihrem Standort stahlen, ohne daß die Bemühungen der Polizei bis jetzt zu einem Resultat führten. Die Bäumemarder scheinen ihre Liebhaberei an Birnbäumen zu haben, da von dieser Sorte die meisten vermißt werden; der Gemeinde fehlen vier und einigen Privaten sechs Stück, im Werthe von je M. 3 bis M. 5. Es ist anzunehmen, daß die Bäume in eine benachbarte Gemarkung verschleppt wurden und soll diese Mittheilung dazu dienen, das Augenmerk der angrenzenden Polizeiorgane auf neue Baumpflanzungen zu richten, wodurch vielleicht ein Resultat erzielt würde; der Dank der beschädigten Nauheimer würde nicht ausbleiben.

g. Vilbel. Mit Freuden wird hier die neuerdings strenge Handhabung der einschlägigen Verordnungen gegen die Störung der Sonntagsfeier begrüßt. Unter mehreren diesbezüglichen Anzeigen, welche in letzterer Zeit vor hiesigem Schöffengerichte zur Aburtheilung gelangten, dürfte eine die Jagdliebhaber interessixende Anzeige hier Erwähnung finden. Nämlich der hiesige Jagdbeständer, Baron von Erlanger aus Frankfurt, hielt am 2. Weih⸗ nachtsfetertage vorigen Jahres während des Gottes- dienstes im Vilbeler Walde(Seckbacherbusch) eine Jagd mit Treibern ab. Dieserhalb zur Anzeige gebracht, wurde Erlanger am 14. Dezember er. vor hiesigem Schöffengerichte, trotz der schwungvoll gehaltenen Ver theidigungsrede seines Gießener Rechtsanwalts(Gut⸗ fleisch), in eine Geldstrafe von 6 M. event. 2 Tage Haft und zur Tragung der Kosten verurtheilt.

Gießen, 15. Dez. Gestern starb im Alter von 84 Jahren der pensionirte Supexintendent der Provinz Oberhessen, Prälat Dr. Friedrich Simon. Der Ver⸗ storbene war eine Zierde des geistlichen Standes und wird sein Andenken, namentlich in unserer Provinz, noch lange in Ehren fortleben. Aus Kirtorf wird gleich falls der vorgestern erfolgte Tod eines würdigen Geist lichen, des Kirchenraths Ebel, gemeldet.

Allerlei.

Wien, 16. Dez. Die straf gerichtliche Untersuchung über die Katastrophe hat bereits ihren Anfang genommen. Mit der Führung der Untersuchung, welche abgesondert von jener der Polizei ihren Gang nimmt, ist Landes- gerichtsrath Lanser betraut, für die Staatsanwaltschaft intervenirt Staatsanwalt Dr. v. Pelser. Graf Lamezan, welcher bekanntlich einer der Ersten war, die in das

Desprez glaubte dem

brennende Haus eindrangen, wird selbst als Zeuge ver⸗ nommen werden und sich jeder Intervention in dieser Affaire enthalten. Die Reihenfolge der zu vernehmenden Personen ist bis jetzt noch nicht vollständig festgestellt, nur so viel ist sicher, daß zunächst der Erbauer des Ringtheaters, Architekt Förster, vorgeladen wird. Direktor Jauner hatte bereits seine erste Vernehmung.

Paris, 16. Dez. Der Marine-Minister hat Nach richt erhalten, daß ein Fischer von Tersigny am Canal auf dem Meere das englische Parlamentsmitglied Powell in den Luftballon verstrickt gefunden habe.

Algier, 17. Dez. In Folge eines Bruches vom Chabrod-Damm und dadurch entstandener Ueberschwemm⸗ ung sind in der Stadt Terregaux bei Oran 54 Menschen ertrunken. In Tunis zerstörte ein heftiger Sturm die Telegraphen, warf Zelte und Mauern um. Beim Um⸗ sturz einer Mauer in Medjed el bab wurden 5 Soldaten getödtet, 7 verwundet.

Pecking. In Tallee(China) sind am 8. October in Folge eines durch einen heftigen Orkan verursachten Meeres-Austrittes 3000 Menschen ertrunken.

Gerichtssaal.

Friedberg. In der Sitzung des hiesigen Schöffen gerichts vom 13. Dezember l. J. wurden folgende Strafen erkannt: 1) Bernhard Gärtner von Ulmbach erhielt wegen Beleidigung des Polizeidieners Fourier 10 Tage Gefängniß und wegen Vettelns 2 Tage Haft. 2) Gegen Karl Nebel von Ilbenstadt wurde wegen Widerstandes gegen einen Forstwarten eine Geldstrafe von 20 Mark und 3) gegen Wirth Balthaser Meininger von Assenheim, wegen Uebertretung der Feierabendstunde, eine Geldstrafe von 5 Mark erkannt. 4) Friedrich Faatz von Assenheim, welcher sich der Sachbeschädigung, des Haus friedensbruchs, der Beamtenbeleldigung schuldig gemacht, sowie ruhestörenden Lärm und groben Unfug verübt hatte, wurde in eine Gefängnißstrafe von 3 Wochen, sowie in eine Haftstrafe von 8 Tagen verurtheilt. 5) Heinrich Fuchs von Laufenfelden, welcher den Verwalter des Pachter Hill zu Fauerbach mit einer Mistgabel auf den Kopf schlug und ihm eine leichte Verletzung beibrachte, erhielt in mildernder Berücksichtigung seiner Trunkenheit und der durch einen vorausgegangenen Streit hervorgerufenen Aufregung 4 Wochen Gefängniß. 6) Gegen Wilhelm Adam Embach von Dorn-Assenheim wurde wegen Be⸗ leidigung eine Geldstrafe von 5 Mark und 7) gegen Heinrich Schäfer von Beienheim, wegen gleichen Ver gehens eine Geldstrafe von 20 Mark erkannt.

Friedberg. In der Sitzung des hiesigen Schöffen⸗ gerichts am 20. Dezember kommen zur Verhandlung: 1) Strafsache gegen Heinrich Bischoff von Beienheim, wegen Köperverletzung; 2) Strafsache gegen Heinrich Schmidts Ehefrau von Melbach, wegen Pfandveräußerung; 3) Strafsache gegen Martin Becker von Friedberg, wegen Versperrung der öffentlichen Straße.

Vad⸗Nauheim. In der Schöffengerichtssitzung vom 15. Dezember wurde in folgenden Sachen erkannt: 1) gegen Karl Hofmann, Anton Meister und Heinrich Meister von Rödgen, wegen Aushebens von Singvögeln, die beiden Ersteren wurden von Strafe und Kosten frei⸗ gesprochen, der Letztere in eine Haftstrafe von 2 Tagen und in die Kosten verurtheilt; 2) gegen Johannes Babel II. von Bad⸗Nauheim, wegen Körperletzung; der Angeklagte wurde in eine Gefängnißstrafe von 8 Tagen und in die Kosten verurtheilt; 3) gegen Heinrich Möbs, Heinrich VIII. Wittwe Sohn, und Johannes Adami, beide von Nieder- Mörlen; die Angeklagten wurden wegen Ruhestörung und groben Unfugs in eine Haftstrafe von je 3 Tagen und wegen Körperverletzung in eine Gefängnißrafe von je 1 Woche, sowie in die Kosten unter Solidarhaft ver urtheilt; 4) gegen Julius Schneider, Johannes Scheibel und Peter Relly von Ober-Mörlen, wegen Körper⸗ verletzung und Mißhandlung; die Verhandlung wurde vertagt, da ein Zeuge nicht erschienen war.

Gießen. Schwurgerichtsverhandlung am 15. Dez. gegen Elisabetha Martin von Romrod, wegen Bestechung. Die Geschworenen verneinten die ihnen vorgelegte Schuld⸗ frage und wurde demgemäß die E. Martin von Strafe und Kosten freigesprochen. Am 16. Dez. gegen Ph. Keßlers Ehefrau von Bad⸗Nauheim, wegen betrügerischen Bankerutts. Die Geschworenen verneinten die Schuld- frage und wurde demgemäß die Angeschuldigte von Strafe und Kosten freigesprochen.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 17. Dez. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.15 1.30, Eier pr. Stück 78 Pf.

Gießen, 17. Dee. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.22 1.30, Eier 1 St. 0 Pf., 2 St. 1315 Pf., Käse per Stück 49 Pf., Tauben das Paar 50-65 Pf., Hühner per Stück M. 0.90 1.20, Hahnen ver Stück M. 0.90 2.00, Enten per Stück M. 1.301.50, Gänse per Pfund 4056 Pf., Welsche per Stück M. 10-11. Ochsenfleisch 6062 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 4550 Pf., Kalbfleisch 4400 Pf., Hammelfleisch 45 bis 60 Pf., Schweinefleisch 6064 Pf., Kartoffeln per 100 Kils M. 3.00 4.00, Zwiebeln per Ctr. M. 68, Weißkraut 100 St. M. 6.00 8.00.

Frankfurt, 17. Dee. Marktbericht. Heu kostete per Centner je nach Qual. M. 3.50 5.00, Stroh M. 4 4.20, Eier das Hundert M. 69. Butter im Detail 1. Oual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20. Weißkraut das Hundert M. 89, das Stück 10-12 Pf., Kohlkraut 10 Pf., Blumenkohl 2060 Pf., Rothkraut 1525 Pf., Ochsen⸗ fleisch das Pfund 62 70 Pf., Kuh, Rind- und Kalb⸗ fleisch 4055 Pf., Hammelfleisch 40 65 Pf., Schweine⸗ fleisch 70-80 Pf., 1 Hahn M. 1.20 1.80, 1 Huhn

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