Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Privatdocent Marchand zu Breslau wurde zum ord. Professor in der medicin. Fucultät der Landesuniversität ernannt; ferner der Hauptsteueramts-Controleur Dern in Bingen an das Hauptsteueramt Mainz versetzt, der Kreisbauaufseher-Asp. Arnold von Steinbach zum Kreisbauaufseher in Alsfeld und der Hülfs⸗ gerichtsschreiber an dem Landgerichte der Pr. Starkenburg, Kalt, zum Gerichtsschreiber in Beerfelden ernannt.
Alsfeld. Der ehemalige Landtags-Abge— ordnete Wadsack ist am 15. d. M. nach längerem Kranksein hier gestorben.
Berlin, 18. Aug. Furst Bismarck hatte sich gestern nach seinem Familiengute Schönhausen begeben und reiste heute nach Varzin.
Ausland.
Frankreich, Paris, 17. Aug. Der gestrigen Wahlversammlung zu Charonne, wo Gambetta sein Wahlprogramm entwickeln wollte, wohnten gegen 10,000 Personen bei. Die Versammlung wurde um 8 ½ Uhr unter den verschiedenartigsten Lärmrufen eröffnet, welche die Bildung des Bureaus unmöglich machten. Gambetta wollte reden, konnte sich jedoch kein Gehör verschaffen; er schlug mit dem Stock auf die Tafel und rief den ihn Unterbrechenden zu:„Ihr seid 10,000, aber zur Ohnmacht gebracht durch eine Hand— voll Tollhäusler, welche feige sind und bezahlt wurden, um hier die Diskussion zu ersticken; da ich nicht antworten kann, erwarte ich Euch am 21. August.“ Diese einzelnen Worte konnten jedoch nur von den nächsten Nachbarn des Redners unterschieden werden. Gambetta sah sich nach etwa 20 Minuten genöthigt, sich zu— rückzuziehen und wurde die Versammlung auf— gehoben. Nachdem Gambetta den Saal ver⸗ lassen, versuchten 3 oder 4 Redner das Wort zu ergreifen. Die Menge verließ jedoch das Lokal.
— 18. Aug. Einer Meldung der„Ag. Hav.“ aus Tunis zufolge wurde am 15. d. in Susa ein Maltheser durch einen Tripolitaner ermordet und ist ein englisches Panzerschiff mit 300 Mann
zum Schutze der Europäer daselbst erschienen. Eine weitere Nachricht sagt: Die Engländer be— reiteten eine Landung bei Susa vor zum Schutze der Europäer. Sie standen davon jedoch ab nach der Versicherung des tunesischen Generals Bakusch, daß die Ruhe auch ohne englische In— tervention aufrecht erhalten werde.— Die Nach— richten ans dem südlichen Tunis besagen, daß Ali Ben Khalifka, Führer der Aufständischen in Sfax, nach Tripolis zu entkommen suche.
Großbritannien. London, 17. Aug. Im Unterhaus beantragt Parnell eine Resolution, welche sagt, die Ausführung des Ausnahme— Gesetzes fuͤr Irland stimme nicht mit den Ver— sprechungen, welche die Minister bei der Be— rathung des Gesetzes gaben. Die Debatte dauerte den ganzen Nachmittag, sie wurde schließlich ver— tagt.— Wie verlautet, wäre Parnell entschlossen, nach dem Schlusse der Parlaments- Session die agrarische Agitation in Irland fortzusetzen.
— 17. Aug. Herbert Gladstone(Sohn des Premiers) ist zum Lord der Schatzkammer ernannt. Balfour wurde an Stelle Maclaren zum Lordadvokat von Schottland, Asher zum
—„Times“ meldet aus Lahore: Die Truppen des Emirs Abdurhaman räumten Kelatighilzai und reterirten in nördlicher Richtung.
Türkei. Constantinopel. Der österreichische Botschafter v. Calice wurde davon verständigt, daß der Sultan das Irade, welches den Aus— bau der Bahnlinien von Constantinopel nach
Pest gestattet, unterzeichnet habe.
Amerika. Washington, 17. Aug. Nach der Erklärung der Aerzte gibt der Zustand des Präsidenten mehr Hoffnung. Er schlummert ruhig; der Zustand des Magens ist besser.— 18. Aug. Der Präͤsident schlief seit 10½ Uhr ruhig. Die Wärter hatten keinen Anlaß, die Aerzte zu rufen. Während man dem Patienten gestern Fleisch-Extract eingab, traten abermals Symptome von Magenbeschwerden ein, weßhalb die weiteren Versuche unterblieben. Ein Versuch soll heute wiederholt werden.
Aus Stadt und Land.
L. Friedberg. Auf die im Anzeiger bereits kurz erwähnte Einweihung der vergrößerten hiesigen Synagoge zurückkommend, wollen wir, wenn auch nachträglich, noch ausführlich berichten: Am 12. August Nachmittags sah man schon um 4 Uhr die Leute mit vergnügten Gesichtern der Synagoge zueilen und ½ Stunde später waren die mit Gas hell erleuchteten Räume mit zahlreichen An— dächtigen gefüllt. Zur Feier waren die Spitzen der hie— sigen Behörden, die Geistlichkeit, der Bürgermeister und Stadtrath, die Direktoren der hiesigen Schul- und Lehr⸗ anstalten und die hierzu Eingeladenen erschienen. Alle Anwesenden waren sehr überrascht von dem unter der Leitung des Großh. Kreisbaumeisters Reuß in reinstem gothischen Style erbauten Tempel, dessen geschmackvolle und einfache Ausschmückung sehr viel Gefallen fand. Die einfache aber sehr zu Herzen gehende Feier begann um 5 Uhr mit der Uebertragung der Thorarollen aus dem seitherigen Betsaal zu ihrer jetzigen bleibenden und heiligen Stelle. Blumenstreuende Mädchen gingen dem kleinen Zuge vorauf. Während der Feier trug der von Seminarlehrer Schmidt tüchtig geschulte Synagogenchor deutsche und hebräische Lieder und Gebete vor und wurde durch die Solovorträge und Reeitative des sehr begabten Lehrers und Cantors Heß vorzüglich unterstützt. Die Weihrede hielt in Verhinderung des Provinzialrabbiners der Landesrabbiner Dr. Landsberg aus Darmstadt, welche auf die Gefühle eines jeden Anwesenden sichtlich erheben— den Eindruck machte. Die Rede war in Form und In— halt meisterhaft gegeben, gipfelte darin, daß der Friede in einer Gemeinde und der Friede unter den Confessionen nur zum Segen gereichen wird und schloß mit den Bibel— worten:„Haben wir nicht alle einen Vater! Hat uns nicht alle ein Gott geschaffen! Und liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ So möge denn das neu eingeweihte Gotteshaus vor Schaden bewahrt bleiben und noch lange der Gottesverehrung dienen. Zum Schlusse sei noch er— wähnt, daß die Bewohner unserer Stadt dem Feste großen Antheil schenkten und daß die Einigkeit der hiesigen Be— völkerung als Muster gelten kann für manch andere Städte unseres deutschen Vaterlandes.
Darmstadt, 16. Aug. Ministerialrath Reuling von hier ist auf Rigi-Kaltbad in Folge eines Schlaganfalles gestorben.
Allerlei.
P. A. Die künstliche Eisbahn erfreut sich eines sehr lebhaften Besuches; so waren z. B. am letzten Sonntag über 1000 Einlaßkarten genommen worden und noch um 10 Uhr Abends war die Bahn von schlittschuhlaufenden Herren und Damen stark besetzt. Es sind bereits An-
P. A. Frankfurt. Am Tage ist auf dem Observatorium der Ausstellung bei heiterem Wetter die Sonne mit ihren Flecken, Fackeln u. s. w. zu sehen, und Abends werden die Ringnebel in der Leyer, der große Nebel in der Andromeda, der Spiralnebel in den Jagd⸗ hunden u. s. w. gezeigt. Desgleichen auch die Stern⸗ haufen im Herkules, im Perseus und in der Bereniee, ferner Doppelsterne im großen Bären, in der Cassiopeja und in anderen Sternbildern. Auf die Beobachtung des Mondes wird, sobald derselbe sichtbar ist, besondere Auf⸗ merksamkeit verwendet. Schließlich kommen die beiden größten Planeten, Jupiter und Saturn, in dieser Woche in genügende Nähe, um Beobachtungen zu gestatten. Frankfurt, 16. August. Gestern Abend um 6 Uhr fuhr der letzte Postwagen und der letzte Postillon aus Frankfurt a. M. Wehmüthig blies der Schwager:„So leb' denn wohl, du stilles Haus!“ Es war die letzte Ueberlandpost, welche noch in Frankfurt bestand; sie ging über Bockenheim, Hausen, Praunheim, Niederursel und Heddernheim. Alle Fenster in der Post waren von Beamten besetzt und ebenso der Hof gefüllt, denn Alle wollten die„letzte Post“ sehen.
Neuwied. In Dierdorf und Umgegend eirkulirten in den letzten Monaten falsche Zehn-Markstücke, ohne daß es gelang, den Verausgeber derselben zu ermitteln. Jetzt hat man endlich eine ganze Falschmünzerbande ent⸗ deckt. In der Nähe von Kirchen, in einem isolirt liegen⸗ den Gebäude, fand man eine eingerichtete Werkstätte mit Stanzen und Handwerkszeug, sowie Metallvorrath zur Anfertigung der Münzen. Eine größere Zahl von Per⸗ sonen, man spricht von 6— 8, sollen bereits verhaftet worden sein; dieselben sollen weit verzweigte Verbind⸗ ungen haben.
Stettin, 16. August. Gestern Abend fanden aber⸗ mals tumultuarische Scenen statt, indem eine große Menge Volkes unter den bekannten Rufen durch die Straßen zog; die Polizei und das Militär schritteu ein und nahmen zalreiche Verhaftungen vor. Beschädigung von Eigenthum kam indessen nicht vor.— In Neustettin versammelten sich am 16. August Delegirte derjenigen Synagogengemeinden, welche durch neuerliche gewalt⸗ thätige Wendung der Antisemitenbewegung hauptsächlich betroffen wurden. Die Versammlung beschloß, in einer Denkschrift eine Schilderung der vorgefallenen Ruhe— störungen, sowie des durch die allgemeine Judenhetze ge⸗ stifteten sittlichen, gesellschaftlichen und materiellen Schadens niederzulegen, um demnächst diese Schrift den Provinzial⸗ und Centralbehörden mit der Bitte um Remedur nach Maßgabe der durch die bestehende Gesetzgebung gewähr⸗ leisteten Rechtsmittel zu unterbreiten.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 17. Aug. Marktbericht. Heu kostete je nach Qual. M. 3.50— 3.80, Stroh M. 3—3.50, Butter im Großen 50 Kilo M. 100., im Detail 1. Qual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20, Eier das Hundert M. 5—6. Ochsen⸗ fleisch 65— 70 Pf., Kuh- und Rindfleisch 45— 55 Pf., Hammelfleisch 40— 65 Pf., Schweinefleisch 75—80 Pf., Kalbfleisch 40— 55 Pf., Kopfsalat 5— 10 Pf., gelbe Rüben 5—8 Pf., Romainsalat 10—20 Pf., Spinat 40 bis 50 Pf., neue Bohnen das Pfund 15— 18 Pf., Kartoffeln per Gescheid 12— 15 Pf., Gurken 5—6 Pf., Einmachgurken das Hundert M. 2.50—3, Kohlrabi 3 bis 6 Pf., Blumenkohl 30—60 Pf., Wirsing 12—15 Pf., Weißkraut 20— 25 Pf., Rothkraut 30 Pf., römische Kohl 6—8 Pf., Endivien 8— 12 Pf., Eskarol 8— 10 Pf., 1 Hahn M. 1.70- 2, 1 Huhn M. 1.60— 2.20, 1 Ente M. 2.40—3, 1 Gans M. 4—10, 1 Taube 50-60 Pf., Reh per Pfund 80-85 Pf.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 10. Sonntag nach Trinitatis. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Diegel. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags 10½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer.
fragen aus Hamburg, Kopenhagen und Wien, auch aus England und Belgien eingetroffen, die sich auf die Her— stellung einer solchen Eisbahn und auf alle damit ver— bundenen Details beziehen.— Der Polizei wurde von Auswärts ein Falschmünzer signalisirt, der jedenfalls die Ausstellung besuchen werde, um falsches Geld aus— zugeben. Der Bezeichnete kam wirklich hier an; ein Polizist heftete sich an seine Fersen und ertappte ihn auf frischer That, als er falsche Markstücke ausgeben wollte. Er wurde verhaftet und fanden sich bei seiner Visitation
Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Köhler. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Köhler. Nachmittags 1½ Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Katechismuslehre.
Katholische Gemeinde. 18 Uhr: Beicht. 1/29 Uhr: Hochamt mit Predigt.
General-Fiscal von Schottland ernannt.
noch viele falsche Geldstücke vor.
2 Uhr: Andacht.
Arbeits-Versteigerung. 2848 Dienstag den 23. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, soll in der L. Feuerbach'schen Wirthschaft zu Ober—
Wöllstadt M. Pf Die Anfertigung eines eisernen Stegs, ver⸗ anschlagt zu 388— Steinhauerarbeit 12— Maurerarbeit 8— Weiß binderarbeit 20— Schreinerarbeit 44 5
öffentlich in Accord gegeben werden. Bad⸗Nauheim den 17. August 1881. Brückel, Bezirks bauaufseher.
Ein Realschüler
findet Penston, Beaufsichtigung und Nachhülfe bei einem Lehrer. Näheres bei der Exped. d. Anz. 2865
Bekanntmachung.
2871 werden durch Unterzeichneten in Lind heim 1) ein braunes Pferd, 2) eine Equipage, 3) ein Pianino, 4) zwei Spiegel(in Ebenholzrahmen mit Consol), 5) ein Billard, 6) vier große Gartenblumenvasen zwangsweise gegen Baarzahlug versteigert. Altenstadt am 18. August 1881. Schmitt, Gerichtsvorzieher.
— auch getrennt— gegen gute Hypotheken auszuleihen Wo? sagt die Exped. d. Anz.
Samstag den 27. August, Nachmittags 5 Uhr,
Mehrere Tausend Mark
2834
8 15 1 Jagd⸗ Verpachtung. 2869 Montag den 29. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll die der Gemeinde Maibach zustehende Feld- und Waldjagd auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Maibach den 17. August 1881.
Großherzogliche Bürgermeisterei Maibach. nee Aniversal-Reinigungssalz ist das einfachste und billigste Hausmittel gegen Säure⸗ bildung, Aufstoßen, Krampf, Verdauungsschwäche und andere Magenbeschwerden. Original-Packete zu 25 Pf.,
50 Pf. und 1 Mark. 65 J. A. Windecker, Hof⸗Lieferant.
Einmach- und Geleegläser,
braun und weiß, empfiehlt Fr. Hilbrecht Wittwe. 2860
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2507 bei
—
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aller Sort
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sehr geeig auch in g N62
per 9 Passag eines Ager Preisermä
Jede 9 auf Wunf 2869
Beste Zwei
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