— 15. Juli. Aus Oran wird gemeldet: Oberst Brunetidre erreichte die Nachhut von Bu— Amema's Schaar, die nach dem Süden entfloh, bei Ain⸗Medrissa. Bu-Amema setzte seine Flucht ohne Aufenthalt, ohne die Todten und Verwundeten aufzuheben, fort. Die Franzosen verfolgten ihn eifrigst weiter. Bu-Amema's Schaar wird auf 1500 Reiter und 1200 Mann Fußvolk geschätzt.
Großbritannien. London, 15. Juli. Unterhaus. Art. 26 der irischen Landbill, betr. die Ausweisung, wurde nach langer Debatte unter großer Opposition der Anhänger Parnell's mit 126 gegen 23 Stimmen angenommen. Glad— stone erklärte, die Obstruction der Irländer ent— würdige das Haus; die Zeit sei gekommen, wo es nothwendig werde, daß das Haus entscheide, ob es der Minorität gestatten solle, sich alle Gewalten der Gesetzgebung anzumaßen. In der Sitzung am Nachmittag wurde von der Land— bill Art. 27 und 34 vertagt, Art. 28 bis 36 angenommen.— 16. Juli. Das Unterhaus setzte die Berathung der irischen Landbill fort und genehmigte die Artikel 37—41.
Italien. Rom. Das Zuchtpolizei-Ge— richt verurtheilte von den wegen der Vorgänge in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ver— hafteten Individuen vier zu einmonatlichem Ge— fängniß und 100 Frs. Geldbuße, zwei zu 3 Monat Gefängniß und 250 Frs. Geldbuße, sowie einen von den ersteren vier überdies noch wegen Thät— lichkeit gegen Polizei-Agenten zu weiteren zwei Monat Gefängniß.
Rumänien. Bukarest. Der Fürst Joan Ghika ist zum Gesandten fur London ernannt, Kalimaki Katargi für Paris.
Bulgarien. Sistowo, 14. Juli. Der Fürst empfing heute das diplomatische Corps und den Vertreter der Pforte Nihad Pascha. Das neue Ministerium ist zusammengesetzt aus Stoikoff, Minister des Aeußeren, dem russischen General Oreloff als Kriegsminister und Oberst Remelingen für das Innere, Jeleskowitsch für die Finanzen, Theocharoff für die Justiz.
— 16. Juli. Der Fürst betonte in einer Rede, womit er die Nationalversammlung er— öffnete, die an ihn gerichteten Adressen enthielten unzweifelhaft den Ausdruck des Volkswillens und hofft, die Deputirten würden demselben die gesetzmäßige Form geben. Das Protokoll wurde von 306 Deputirten unterzeichnet, 6 Dissidenten fehlten in der Sitzung. Der Fürst dankte der Versammlung und erklärte die Session für ge— schlossen. Die Deputirten überreichten dem Fürsten zwei Adressen. Dieselben verlangen in der ersten eine Untersuchung der Regierungs— handlungen Zankoff's, Karaveloff's und Slavei— koles, welche als staatsverrätherische bezeichnet werden; in der zweiten Adresse wird die Bitte ausgesprochen, der Kaiser von Rußland möge den General Ehrenroth in Bulgarien belassen.
Türkei. Konstantinopel. Die„Agence Havas“ brachte ein Schreiben aus Tripolis, in dem es heißt, Tripolis sei der Hord aller Auf— stände in Tunis und Algier. Es räth au, mit möglichster Vorsicht vorzugehen und die Tripoli— taner Frage zu vermeiden, dagegen Tripolis auf— merksam zu überwachen, jedem Ausbruch des Fanatismus selbst mit Gewalt entgegenzutreten. Das Journal„La Turquie“ hebt hiergegen den Widerspruch zwischen genannter Empfehlung und Gewaltanwendung hervor. Das hieße die Tri— politaner Frage heraufbeschwören. In Tunis habe sich Frankreich gewisser Motive bedienen können, ohne Reclamationen und Bemerkungen von Seiten der europäischen Mächte zu veran— lassen. Denn diese haben, mit Ausnahme von Italien, in der Regentschaft nur untergeordnete Interessen. Anders stehe die Sache in Tripolis. Dies sei ein integrirender Theil von der Türkei. Hier würde die Türkei, durch die Noth gedrängt, viel enerzischer eingreifen. Auch würde sie bei einem kriegerischen Vorgehen ganz sicher in Eng— land einen Bundesgenossen finden.
Amerika. Washington, 15. Juli. Die
äglichen Fieber-Erscheinungen des Präsidenten traten gestern später auf, wie an den vorher—
gehenden Tagen. Sie waren von kürzerer Dauer und weniger heftig.— Der Procuxator der Republik veröffentlicht einen Bericht über das Verhör von Guiteau. Aus diesem geht hervor, daß Guiteau die Pistole selber kaufte, einen Unterrichtscursus im Pistolenschießen nahm, dann lange Zeit alle Bewegungen Garfield's beobach— tete. Das Verbrechen erfolgte also unter Um— staͤnden, welche großen Vorbedacht und Ueber— legung erkennen lassen.
Aus Stadt und Land.
l. Friedberg. Am 24. d. M. wird der zehnte hessische Feuerwehrtag in unserer Stadt abgehalten. Be— wohner Friedbergs, die sich als Comité eonstituirten, haben seit geraumer Zeit Berathungen gepflogen, um diesen Tag zu einem festlichen zu gestalten und unseren Gästen den Aufenthalt und das Zusammensein so an⸗ genehm als möglich zu machen. Die Stadt wird in jeder Beziehung ihr Festgewand anlegen. Wir möchten die Männer, die sich zur Lösung einer für's Leben höchst wichtigen Aufgabe vereinigt haben, fühlen lassen, daß uns dies in hohem Grade ehrenhaft und anerkennens— werth erscheint. Denn sie arbeiten, und zwar oft an— gestrengt und nicht ohne eigene Lebensgefahr für's Ganze und für das Wohl ihrer Mitbürger. Darum kommt nur, Ihr biederen Kameraden, wir wollen als ein Herz und eine Seele mit einander berathen, uns mit einander freuen und vergnügt sein. Dabei soll uns die Gesinn⸗ ung und das Gefühl wahren und echten Deutschthums beherrschen und aller trennende Parteihader soll uns fern bleiben! Samstag Nachmittag findet die Berathung der Ab— geordneten des Verbandes statt, ferner Abends Zapfenstreich und Concert; am Sonntag, als dem Haupttag, wollen die Feuerwehren zeigen, wie weit sie sich gewandt und tüchtig zur Lösung ihrer Aufgabe gemacht haben. Mit der Arbeit aber wechselt Erholung und geistiger Genuß ab. Die Kapelle Adam, welche für den Festplatz im Steinhäußer'schen Garten engagirt ist, wird ihrem alten guten Ruf durch vorzügliche musikalische Leistungen Ehre machen. Mit den Instrumental-Piècen werden geeignete Gesänge der hiesigen Gesangvereine abwechseln. Manche Vereine bringen ihre eigene Musik mit, sodaß an mehreren Plätzen zugleich eoneertirt wird. Das schaulustige Publi— kum wird außer den technischen Ausführungen, der Auf— marsch durch die Stadt, das Manövriren am Steiger— haus, welches am nördlichen Ende der Kaiserstraße eigens dazu erbaut wurde, ferner die Ausstellung von Lösch— und Rettungs-Apparaten und manches Andre neben dem Leben und Treiben der herbeigeströmten Menschenmenge interessiren. Auch an Ansprachen, die den geistigen In⸗ halt des Festes zu erhöhen wohl geeignet sein werden und der Feststimmung Ausdruck geben, wirds nicht fehlen. Anmeldungen haben wir bis jetzt von: Offenbach, Gießen, Lollar, Westhofen, Bürgel, Babenhausen, Darmstadt, Rodheim, Neu-Ysenburg, Nieder-Eschbach, Raunheim, Mombach, Fechenheim, Bad-Nauheim, Bensheim, Ruͤssels— heim, Grünberg, Büdingen, Reichelsheim, Mainz, Ecken⸗ heim, Frankfurt, Alsfeld. Unser Festwirth, wie auch die andern Wirthe schicken sich an, alle Vorbereitungen zu treffen, um den bekannten guten Ruf Friedbergs, daß man als Gast in seinen Mauern keine Noth zu leiden hat, auch ihrerseits zu erhalten.
Friedberg, 15. Juli. Der heute Morgen 7,23 hier abgegangene Personenzug nach Gießen ist in der Nähe von Butzbach entgleist, ohne daß ein erheblicher Schaden zu verzeichnen wäre.
k. Bad⸗Nauheim, 18. Inli. Zu der gestern stattgehabten III. Ludwigs-Regatta, die vom prachtvollsten Wetter begünstigt, auf's Schönste und Beste verlief, hatte sich eine ungeheuere Menschenmenge eingefunden. Den vom Großherzog gestifteten Ehrenpreis und den ersten Preis eroberte der Gießener Ruderelub. Den zweiten Preis erhielt Hanau, den dritten Sachsenhausen, den vierten Oberrad. Nicht erschienen waren der Cölner und Heidelberger Ruderelub. Die Preisvertheilung fand so— gleich nach der Regatta am Teiche selbst statt und Abends wurde zu Ehren des Tages und der Sieger ein Ball im Kursaale abgehalten. Während der Regatta spielte die durch zehn Frankfurter Musiker verstärkte Nauheimer Kurkapelle auf der Insel, indessen die Kapelle„Harmonie“ von hier vor dem Kurhause concertirte. Ein kleines Feuerwerk am Teiche am Abend trug das Seinige zur Erhöhung der Feststimmung bei.
Mainz, 17. Juli. Die„M. N.“ erzählen: Auf einem im Rhein bei Kastel liegenden Floß sollte gestern Nachmittag ein Mann verhaftet werden, welcher nicht weniger als 22 Jahre Gefängniß als Militärsträfling zu verbuͤßen hat. Zwei Gendarmen von Kastel fuhren deß⸗ halb auf einem Nachen nach dem Floß, um sich des Menschen zu versichern, doch war dies keine Kleinigkeit. Der Sträfling, von herkulischem Körperbau, drohte dem, der ihn angreife, mit Todtstechen. Da die Beamten sich hierdurch nicht abschrecken ließen, kam es auf dem Floß zu einem Ringkampf, der fürchterlich war. In einem Knäuel wälzten sich die Dreie auf dem Floß umher, wo— bei der Flößer versuchte, die Gendarmen in's Wasser zu werfen. Nach langem Ringen blieben die Wächter des Gesetzes, allerdings mit zerrissenen Kleidungsstücken, Sieger und gelang es ihnen, den Widerspenstigen mit einer Kette zu schließen und der Militärbehörde auszuliefern.
Bingen. Im Laufe der verflossenen Woche hatte die hiesige Poltzelbehörde bei mehreren hiesigen Wein— händlern Weinproben entnommen und wurden in Folge dessen in einem Geschäfte über 150 Stück Wein(2) mit
gerichtlichem Beschlag belegt. Wie wir welter vernehme soll dieser— Wein(?) fur Rechnung eines auswärtigen großen Hauses hier lagern.
Allerlei.
Biebrich, 18. Juli. Gestern ist es den eifrigen Bemühungen unserer Poltzei und der hiesigen Gendarmerie gelungen, drei des hier verübten Mordes dringend ver⸗ dächtige Personen in einer hiesigen Wirthschaft zu ver⸗ haften. Die Leiche des Ermordeten konnte bis fetzt nicht recognoseirt werden. Die Verhafteten sind„Stromer“, die sich während des gestrigen Tages in verschiedenen Gasthäusern hier herum trieben und sich durch ihr auf— fälliges Benehmen verdächtig machten.
London. Die Ingenkeure, welchen man die Mission anvertraute, das submarine Erdreich zwischen der eng⸗ lischen und französischen Kuͤste wegen des da profeetirten unterseeischen Schienenstranges zu untersuchen, werden schon in den allernächsten Tagen ihren Rapport erstatten und in demselben sich dahin aussprechen, daß die Schaff— ung des Tunnels zwischen Dover und Calais nicht nur erreichbar sei, sondern daß dieses, dem letzten Viertheil unseres Jahrhunderts vorbehaltene Baukunstwerk mit weit weniger Schwierigkeiten verknüpft sein dürfte, als noch bis vor ganz Kurzem angenommen worden war.
London, 16. Juli. Gestern war einer der heißesten Tage, der jemals in England dagewesen. Das Ther— mometer zeigte im Schatten 98 Grad Fahrenheit, ein Hitzegrad, der den bis jetzt gekannten(am 22. Juli 1868) um 2 Grad überstieg. Die Hitze kann mit Recht eine tropische genannt werden, da sie sich der von Caleutta am nämlichen Tage des vorhergehenden Jahres gleich— stellte und die von Bombay um 4 Grad überstieg.
Entlassene Strafgefangene.
In die oberste Reihe der dringenden socialen Aufgaben gehört zweifellos die Sorge für die eutlassenen Strafgefangenen. Das Publikum kann und wird diesem Zweige der Hülfsthätig— keit sich aber erst dann lebhafter zupenden, wenn es überzeugt werden wird, in wie hohem Grade hier ein Bedürfniß vorliegt, und zugleich, daß ein darauf gerichtetes Thun keineswegs so aussichts— los ist, wie Fernstehende meinen oder behaupten. Vor allem muß jener, der guten Sache schäd— liche Wahn—„es hilft ja doch wenig oder nichts, verloren ist verloren“— bestritten werden. Hier waltet dasselbe, in Unkenntniß, Kleinmuth, Trägheit wurzelnde, oft mit Mangel an gutem Willen Hand in Hand gehende, Vorurtheil, welches auch dem kräftigeren Aufblühen der Austalten und Vereine für Besserung verwildeter Jugend, für Irrenpflege, gegen Trunksucht u. s. w. im Wege steht. Allerdings hat die Gesellschaft vollauf Ursache, ihre Kräfte vor Zersplitterung zu bewahren und sie vorzugsweise auf solche Punkte zu richten, wo die Erfolge zu den auf— gewandten Austrengungen im Verhältniß stehen. Wer jedoch den genannten Anstrengungen näher tritt und die erzielten Resultate in's Auge faßt, bemerkt, daß es sich hier nicht um Danaiden— arbeit handelt, sondern um ein wahrhaftes und. fruchtverheißendes Rettungswerk, welches mehr Unterstützung verdient, als es bisher ge— funden hat. Der Liebesdienst hat mit der Sorge für die Familien der Inhaftirten zu beginnen und sich nach deren Entlassung auf ihre eut— sprechende Unterbringung, Arbeitsnachweis, Bei— stand in Rath und That zu erstrecken. Die be— stehenden Hilfs vereine könnten unendlich mehr Segen stiften, wenn sie reichlicher und nachhaltiger ausgestattet würden. In manchen Landestheilen müßten auch neue begründet werden.
Einen unheimlichen aber lehrreichen Einblick in dieses Gebiet gibt u. A. der Vortrag, den Eude Januar Pfarrer Stursberg— derselbe Geistliche, welcher sich seit Jahren um Bekämpf— ung der Trunksucht verdient gemacht hat— auf der rheinisch-westfälischen Generalversammlung für Innere Mission in Bonn hielt.
Von statistischen Einzelheiten sei hier nur Weniges angeführt. 1. April 1878 bis 1. April 1879 wurden in Rheinland-Westfalen nicht weniger als 21,020 Strafgefangene entlassen, davon in Coblenz 2873, in Duͤsseldorf 2351, in Elberfeld 1893; im Jahre 1880 in Dortmund 1826, in Hagen 1276, in Essen 1868 ꝛc. In fünfzig preußischen Ge— fängnissen(hier sind die 950 Gerichtsgefängnisse und viele kleine, in denen nur kurze Strafen verbüßt werden, ebenso die vom Justizministerium beaufsichtigten Anstalten nicht mitgezählt), stieg die Zahl der Eingezogenen seit 10 Jahren von
In dem Zeitraum vom
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