Ausgabe 
17.3.1881
 
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um ihn herum viele Verwundete. Auch der Ver brecher war zu Boden gefallen, und wurde sofort von der wuthschnaubenden Menge umringt. Der Polizei gelang es, die Verbrecher gegen die Menge zu schützen. Der Kaiser wurde schwer verwundet und besinnungslos in den Schlitten des Stadt hauptmanns Fedorow gelegt und dieser nahm den Kaiser in seine Arme, das bleiche, blutüber strömte Haupt an seine Brust legend. Der Helm des Kaisers war durch die Explosion fortge schleudert und nicht aufzufinden. So fuhr der Kaiser in's Winterpalais. Dort wurde er aus gekleidet und es erwiesen sich die Wunden als überaus schrecklich. Das eine Bein war bis zur Höhe des Oberschenkels, das andere bis zur Halfte des Schienbeines zerschmettert, der Unter leib aufgerissen und das Gesicht verletzt. Die Aerzte erklärten eine Amputation der Beine für unausführbar, sowie, daß Hoffnung nicht vor handen sei. Es blieb nur die traurige Pflicht des Geistlichen, den Sterbenden einzusegnen. Eine zahlreiche Menschenmenge umstand angstvoll das Winterpalais. Viele hielten die über die Verwundung umlaufenden Gerüchte für über trieben. Plötzlich um 3 Uhr 40 Minuten ging ein tiefes Gefühl der Trauer durch die Menge, die Kaiserfahne senkte sich langsam bis zur Hälfte des Flaggenstockes herab, zum Zeichen, daß der Kaiser gestorben war. Ein General trat vor die Menge und verkündete das traurige Ereigniß. Alle hörten entblößten Hauptes zu, daß der Kaiser verschieden sei, und schlugen das Zeichen des Kreuzes zum Andenken des unvergeßlichen Ver storbenen. Heute Nachmittag Uhr ver kündeten die Kanonen der Peter-Paulsfestungs die Thronbesteigung und Eidesleistung des bis herigen Thronfolgers. Der Platz vor dem Palais war von einer großen Menschenmenge angefüllt

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liches ersetzt. Am Tage vor dem Attentate er- der Bach, resp. am äußersten Ende der Stabt nach

klaͤrte ein aufgegriffener politischer Verbrecher im Verhör, man könne ihn ruhig hängen, er habe seine Vorbereitungen so sicher getroffen, daß an ein Mißlingen des Streiches nicht zu denken sei. Einer der Hauptorganisatoren des letzten Attentats, welcher am 11. März arretirt worden, gestand seine Mitwirkung bei der Aus führung des Verbrechens ein und bezichtigte den in flagranti Ergriffenen, Russakoff, welcher die erste Bombe warf, als den Anstifter. In der Person des zweiten Individuums, welches augen scheinlich die zweite Bombe warf und am Orte der That eine tödtliche Verwundung erlitt, erkannte Russakoff bei Vorzeigung dessen Leichnams den selben als denjenigen seines Mitschuldigen. Die Wohnung, aus welcher Russakoff und sein Ge nosse die Sprengbomben erhielten, wurde in der Nacht vom 15. d. Mts. aufgefunden. Als die Obrigkeit behufs Untersuchung daselbst erschien, erschoß sich der Inhaber der Wohnung. Ein daselbst mit ihm zusammenkommendes Frauen zimmer ist arretirt worden. In der Wohnung wurden metallene Sprenggeschosse aufgefunden; ferner eine Proclamation, welche besagt, daß das verbrecherische Attentat durch zwei Personen aus geführt worden. Um 1 Uhr Morgens erschien in derselben Wohnung ein junger Mann, welcher sofort arretirt wurde. Dabei gab er sechs Revolverschüsse ab, wodurch drei Polizisten ver wundet wurden.

0 S* Aus Stadt und Land.

S. Friedberg, 15. März. In der gestern statt gehabten offentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde zuerst eine Rückäußerung des Großherzoglichen Kreisamts bezüglich des beantragten Erlasses einer Feldordnung mit

getheilt und Gemeinderath Falck beauftragt, über die be

Rücksprache mit Ein

Anstände persönliche Behörde zu nehmen.

stehenden

der ge früherer Beschluß

Um Uhr begaben sich der Kaiser und die bezüglich der Miethe für die Turnhalle wurde, nachdem

Kaiserin durch die Volksmenge nach der Kasan Kathedrale, überall von lauten Zurufen be grüßt. 15. März. Nach dem Hinscheiden des Kaisers begrüßten alsbald die Mitglieder des Kaiserlichen Hauses den Großfürsten Thron folger als Kaiser. Die Leiche des verstorbenen Kaisers wurde am Sonntag Nachmittag Uhr aus dem Sterbezimmer in das Zimmer neben dem Cabinet vor dem Empfaygssaal übergeführt, wo sie aufgebahrt wurde, nach dem Wunsche des Verstorbenen in der Uniform des Preobra schenski-Regiments. Am Sonntag Abend 9 Uhr fand eine Todteumesse, um 11 Uhr die Section der Leiche statt, welche einen durchaus normalen Befund aller inneren Organe ergab und die über den Gesundheitszustand des Kaisers ver breiteten Gerüchte widerlegte. Als Befund der entsetzlichen Verwundungen des Kaisers consta tirten Professor Gruber, Leibarzt Botkin und die anderen gestern schon genannten Assistenten, zu denen noch die Doctoren Taranetzki und Lez haft hinzutraten, daß der linke Fuß bis zum Hacken zerschmettert sei, der Knochen ist zer splittert, die Fleischtheile sind auseinandergerissen. Der Wurf der Sprengbombe muß von der linken Seite her erfolgt sein und die Bombe unmittel bar neben dem linken Fuß niedergefallen sein. Die ganze Art der Verwundungen läßt auf Nitroglycerin als Füllung der Bombe schließen. Die Metallwände derselben müssen sehr dünn gewesen sein. Es ist nicht unmöglich, daß die Sprengmasse nur in einem kleinen Stahlblech kästchen eingeschlossen war. Der rechte Schienbein knochen ist wie in kleine Nadeln zersplittert, die Kniescheibe fast ganz abgetrennt; der Unterleib ist an einer Stelle sehr stark und ebenso die rechte Hüfte stark beschadigt. Am Unterleib finden sich außerdem verschiedene kleinere Wunden vor, welche durch kleine Explosionskörperchen ent standen sind, genau so ist die innere Fläche der rechten Hand, dagegen die linke Hand nur wenig verletzt. Ueber dem rechten Auge befindet sich eine leichte Wunde. Die Leiche wurde heute Morgens 4 Uhr einbalsamirt und photographirt; das Gesicht des Kaisers ist nur wenig verletzt. Das linke Bein, welches nur noch an Fasern hing, wurde abgenommen und durch ein kuͤnst

der Schulvorstand sich in der Sache geäußert hatte, dahin abe ndert, daß von einer Mitbenutzung der Turnhalle seitens der Musterschule vorerst abgesehen, dagegen dem Turnverein eine Miethe für die Realschule von 175 M. jährlich bezahlt werden soll. Bezüglich der Errichtung eines Wasserwerkes machte der Bürgermeister die Mit theilung, daß der Theilhaber der Firma Aird& Mare in Berlin, Herr Mare am 6. d. Mts. hier gewesen und er mit demselben eine vorläufige Unterredung über den Gegenstand gehabt habe. Nach einer daraufhin einge laufenen brieflichen Mittheilung, werde demnächst ein Oberingenieur der genannten Firma behufs der erforder lichen Terrainuntersuchungen hier eintreffen. Der Ge meinderath erklärte sich mit den geschehenen Schritten einverstanden. Die Stadtrechnung für 1879 wurde der Finanzeommission zur Prüfung und demnächstigen Be richterstattung überwiesen. Für die Musterschule soll eine Anzahl Bänke angeschafft werden. Von G. Hieronimus und Fr. Reitz beantragte Bauveränderungen wurden ge nehmigt. Gemeinderath Falck machte die Mittheilung, daß die von ihm zur Bepflanzung eines Stückes der Pfingstweide bestellten Weidenstecklinge demnächst eintreffen und ein mit den einschlagenden Arbeiten vertrauter Ar beiter mit hierher kommen werde und wurde über die dem letzteren zu gewährenden Tagegelder Beschluß gefaßt. Ein von dem Gemeinderath Hecht in einer der letzten Sitzungen gestellter Antrag, den Zinsfuß der städtischen Anleihe von 1878 von 4¼0% auf 4% herabzusetzen und den Besitzern städtischer Obligationen, welche auf diese Convertirung nicht eingehen wollen, zu kündigen, wurde nach einer lebhaften Diskusston mit Stimmenmehrheit angenommen.

Allerlei.

p., Frankfurt. Im Palmengarten beginnt soeben die jährlich wiederkehrende große Frühjahrs-, Blumen und Pflanzen ⸗Ausstellung nnd ist es gerade dieses Jahr nach dem so langen Winter eine wahre Erholung, die zarten Kinder Floras schon jetzt im vollen Blüthenschmuck zu schauen. Camellien, Azaleen und viele andere Spezies zeigen ihre herrlichen Farben und nächstdem wird der berühmte Rosenflor das Auge der Besucher wieder er freuen. Gerade diese Lieblingsblume Aller ist hier in wahrer Vollendung zu sehen, denn unberührt von rauhen Winden und jähem Sonnenbrand entwickeln sich hier die Blumen unverletzt und in voller reiner Farbenpracht; für den Liebhaber und Kenner wie für den Laien eine Augenweide.

Bingerbrück. Am Ruppertsberg fand vor einigen Tagen unmittelbar nachdem ein Güterzug passirt war, ein Erdrutsch statt, durch welchen die Geleise gesperrt wurden. Die Stelle ist dieselbe, an der bereits mehrere gleiche Unfälle stattgefunden haben, zwischen der Drusus brücke und dem Eisenbahn-Einschnitt.

Caub. DemRhein. Cour. schreibt man: Kaum haben wir uns von dem Schrecken erholt, den der dieser Tage entstandene und noch in weiterer Entwickelung be griffene zweite Bergrutsch veranlaßt hat, so droht schon ein dritter Bergrutsch, und zwar hinter den Häusernan

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Weisel zu. masse gefährdet die vier letzten Häuser auf der lin Seite der Ortsstraße und die Bewohner dieser Häuser sind bereits polizeilich angewiesen worden, sofort aus zuziehen.

Halle a. S., 11. März. Vielfach wurde gestern Abend nach 7 Uhr hier, in Merseburg, Querfurt, Naum burg, Eisleben, Weißenfels, Lauchstedt, Cönnern, kurz in einem Umkreise von mindestens zehn Meilen ein donnerähnlicher Krach vernommen. Heute stellt sich durch einlaufende Nachrichten heraus, daß bei Leimbach, nahe bei Mansfeld im Mansfelder Kreise eine Dynamit Fabrik in die Luft geflogen ist. Es waren ca. 20 Cent ner Dynamit und 40 Centner Gelatine vorhanden, welche explodirten und die Fabrik vollständig vernichteten. Ver letzt wurde nur ein Wächter, sonst war Niemand in oder bei der Fabrik anwesend.

Wien, 12. März. Wien hat in den letzten Tagen einen Sturm von solcher Heftigkeit überstanden, wie er seit Jahren hier nicht gewüthet hat. Gestern Abend er hob sich aus Südwest ein heftiger Wind, der bald zum Orkan anwuchs und während der Nacht und des ganzen gestrigen Tages eine verheerende Wirksamkeit entfaltete. Durch Hochwasser wurden auf der ungarischen Strecke der Südbahn Dammbrüche und Brückeneinstürze herbet geführt; auf den Strecken Stuhlweißenburg-Ofen und Stuhlweißenburg-Ujszoeny ist der Verkehr vorläufig ein gestellt. f

Teheran. Die Kultur, die alle Welt beleckt, hat sich auch auf Persien erstreckt. Wie man von hier schreibt, wurde in einem am 5. Februar unter Vorsitz des Schah's von Persien abgehaltenen Ministerrathe beschlossen, im Monat März 1883 eine Weltausstellung in Teheran ab zuhalten.

Handel und Verkehr.

Frledberg, 12. März. Fruchtbericht. Walzen M. 22.75 Korn M. 21, Gerste M. 16 17, Hafer M. 13. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund.

Friedberg, 16. März. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00 1.10, Eier per St. 50 Pf.

Gießen, 15. März. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.00 1.05, Eier 1 Stück 05 Pf., Käse per Stück 5-12 Pf., Tauben das Paar M. 0.90 1.20, Hühner per St. M. 1.50 2.00, Hahnen per St. M. 1.70 2.50, Enten per St. M. 2. 2.50, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 48 50 Pf., Kalbfleisch 40 bis 44 Pf., Hammelfleisch 6066 Pf., Schweinefleisch 68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.505, Zwiebeln per Ct. M. 00 12.

Frankfurt, 14. März. Viehmarkt. Angetrieben waren heute 354 Ochsen und Stiere, 382 Kuͤhe und Rinder, 260 Kälber und 250 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 64. 68., 2. Qual. M. 56.60., Kühe 1. Qual. M. 55.57., 2. Qual. M. 45. 50., Kälber 1. Qual. M. 55.58., 2. Qual. M. 40.55., Hämmel 1. Qual. M. 55.60., 2. Qual. M. 40. 50 per 100 Pfd. Schweine wurden 680 St. eingeführt und 68 Pf. bezzahlt.

Frankfurt, 14. März. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39., Nr. 2 M. 37., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 25., Roggenmehl/(Berl. Marke) M. 30.50 31, do. 1.(Berl. Marke) M. 29., do. 2.(Berl. Marke) M. 24., Weizen, eff. hies., ab Bahnhof hier M. 23.5000., ab unserer Umgegend M. 23. 23.25, do. fremder je nach Qual. M. 22.00 23.50, Roggen je nach Qual. M. 21.40, Gerste M. 18. 20.50, Hafer M. 14.50 16.00, Erbsen M. 1927, Wicken M. 16 18, Linsen M. 20.40., Bohnen, weiße, M. 23.25., Rüböl, detail M. 64. Dringend offerirt: hübsche Mahlgerste zu M. 15.40, buntes Mais zu M. 13.75. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.

S. Friedberg, 14. März. Am vorigen Samstag fand in dem Saale der drei Schwerter die zahlreich be⸗ suchte 17. ordentliche Generalversammlung des hiesigen Vorschuß- und Credit⸗Vereins statt, welcher Herr Thorwart, Director der Deutschen Genossenschafts⸗ Bank von Sörgel, Parrisius& Co. Commandite Frank⸗ furt a. M., als Gast beiwohnte. Nach Eröffnung der Versammlung und Vorlesung des vorjährigen Protokolls gab der Vorsitzende, Herr Bürgermeister Seriba, eine Ueber sicht über den Stand des deutschen Genossenschaftswesens, sowie diejenigen Erfahrungen, welche in dem hessischen Unterverband und speziell in unserem hiesigen Verein gemacht worden sind und die im Ganzen als durchaus befriedigende zu betrachten seien. Er erwähnte der gegen wärtig in unserem Lande hervortretenden Bestrebungen auf Gründung ländlicher Creditvereine und hob hervor, daß hierbei besondere Vorsicht geboten sei. Da auch in unserer Stadt die Errichtung einer Pfennigsparkasse er⸗ folgen solle, habe der Vorstand und Ausschuß des Vor⸗ schuß⸗ und Credit⸗Vereins, in Anbetracht der nützlichen Tendenz dieser Anstalt, seine Mitwirkung zugesagt. Den⸗

jenigen Herren des Ausschusses, welche die Bestände-

Aufnahme und die Kassenrevisionen, sowie insbesondere den Mitgliedern, welche die Revision der Inventur in ihren einzelnen Posten der Aetiva und Passiva vergleichend mit der Bilanz vorgenommen hatten, drückte der Vor sitzende den besonderen Dank des Vereinsvorstandes aus. Auf die Tagesordnung übergehend erstattete Herr E. Ermus eingehenden Bericht über die Geschäftsergebnisse des ab gelaufenen Jahres. Da diese in dem gedruckten Bericht bereits im Einzelnen mitgetheilt wurden, beschränken wir uns auf die Aufführung der Hauptzahlen. Der Ge sammtumschlag betrug M. 17,327,024, M. 1,877,336. mehr als im Vorjahr, der Umschlag im Conto-Corrent⸗ Geschäft betrug M. 4,352,317., M. 322,104. weniger

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