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Vicar(der Weihbischof) übernahm die Ver⸗ waltung. Vom 1. Oct. an ist das Sperrgesetz für das Bisthum Breslau aufgehoben.
Baden-Baden, 12. Nov. Der Groß— herzog hatte eine schlaflose Nacht. Bedenkliche Herzschwäche und Störung der Respiration stellten sich ein; erst gegen Morgen wurden die gefähr— lichsten Symptome beseitigt. Puls und Ath— mung hoben sich wieder. Im Laufe des Tages kehrten bei dem Großherzog die Schwächezu— stände wieder, jedoch nur in kurzen Anfällen. Das Fieber war mäßig, die Temperatur bis 38,5. Das Bewußtsein frei; trotz zeitweiligen ruhigen Schlafes ein Gefühl von Erschöpfung.— In dem Gesetz- und Verordnungs-Blatt überträgt der Großberzog, der wegen anhaltenden Un⸗ wohlseins sich aller Geschäfte enthalten soll, für die Dauer dieser Verhinderung dem Erbgroß— herzog die Vertretung in den Regierungsgeschäften. In einem anderen Decret theilt der Erbgroß— herzog diesen Erlaß dem Präsidenten des Staats⸗ ministeriums mit und versichert, unter treuer Beobachtung der Verfassung und der Gesetze die Stellvertretung nach den Grundsätzen des Va— ters zu führen.— 13. Nov. Der Großherzog hat die Nacht günstiger zugebracht, ein längerer namentlich gegen Morgen erquickender Schlaf hat sich eingestellt. Die Temperatur hat sich nicht über 38,7 gehoben. Der Puls ist kräftiger bei mäßiger Frequenz, das Bewußtsein klar. Am Morgen hat wohlthuender Schweiß sich eingestellt. Das Gesammtbefinden ist befrie— digend. Der deutsche Kronprinz und das schwe⸗ dische Kronprinzenpaar sind in der Nacht hier eingetroffen.
München, 12. Nov. Die Reichsraths— kammer hat den Militäretat nach den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer genehmigt— Der An⸗ trag Luthardt betr. die Simultanschulen ist an
den dritten Ausschuß verwiesen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die„Wiener Zeitung“ veröffentlicht ein kaiserliches Hand⸗ schreiben, wodurch der Statthalter und Militär— Commandant Dalmatiens, Baron Rodich, auf seine seit Längerem gestellte Bitte in Ruhestand versetzt wird. Ferner die Ernennung des FM. Frhrn. Jovanovic zum Militärcommandanten in Zara und zum Statthalter Dalmatiens.
Frankreich. Paris, 12. Nov. Das „Journal de Paris“ gibt folgende wahrschein⸗ liche Minister⸗Liste: Gambetta Präsidium ohne Portefeuille, Cazot Justiz, Waldeck-Rousseau Inneres, Freycinet Aeußeres, Bert Unterricht, Allain Targs öffentliche Arbeiten, Rouvier Handel, Cochery Posten. Ueber das Portefeuille des Krieges, der Marine und der Finanzen ist noch Nichts entschieden. Ferry und Say würden nicht in das Cabinet eintreten. Zu Unterstaatssecre— tären dürften bestimmt sein: Spuller Aeußeres, Develle Inneres, Martin Feuillet Justiz, Blandin Krieg.— Der Kriegsminister Farre brachte in der Kammer eine Vorlage über einen Supple— ments-Credit von 28 Million Francs für die Expeditionen nach Tunis und dem sübdlichen Oran ein.— Dem Vernehmen nach ist Jules Ferry zum französischen Botschafter in London designirt.
Großbritannien. London. Die Zahl der Anmeldungen beim Landtribunal ist bis auf 22,000 gestiegen.
Italen. Rom. In Bologna wurden einige Soclalisten verhaftet.— Die Todesstrafe wird, wie verlautet, in Italien gänzlich abgeschafft.
— Die zehn Monate von 1881 ergaben an Mahlsteuer, Zollgebühren, Seezöllen und anderen Steuern mit Ausschluß der directen Steuern einen Ueberschuß von 42 Million gegen die gleiche Periode von 1880.
— Solverini, Unterstaatssecretär der Con— gregation für außerordentliche Angelegenheiten, vormals der Müchener Nuntiatur attachirt, geht nach München, um die Geschäfte der Nuntiatur zu leiten, bis der neue Nuntius di Pietro aus
Türkei. Konstantinopel. Die Pforte schloß einen Vertrag wegen Lieferung von 100 Mitrail— leusen, die gegen Torpedos brauchbar sind, so— wie von 50 Feld-Mitrailleusen nach dem System des Schweden Nordenfeldt.
— 10. Nov. In der dritten Sitzung der türkisch-russischen Finanz-Commission verlangten die russischen Gesandten Aufklärung wegen des letzten türkischen Anlehens bei der ottomanischen Bank. Die türkischen Gesandten erklärten, dies sei nur eine Staatsschatz-Operation, die keine Verpflichtung für die Zukunft enthalte. Die russischen Gesandten verlasen darauf ein Memo— randum wegen der Verhandlungen mit den Bond— holders, in dem auf Gleichzeitigkeit beider Ar— rangements bestanden wird. Im Laufe der Debatte wiederholten die russischen Gesandten das Verlangen nach Garantien für die Kriegs— entschädigung. Die türkischen Gesandten ver— schoben die Antwort.
— Der bisherige, nunmehr entlassene Gou— verneur von Tripolis, Nazif Pascha, ist ange⸗ wiesen, die Ankunft seines Nachfolgers Rassim Pascha abzuwarten. Rassim geht sofort nach Tripolis. Nazif ist für alle Ereignisse in Tri— polis bis zur Ankunft Rassims verantwortlich.
Rumänien. Bukarest. Das Amtsblatt bringt eine Verordnung, nach der jeder Fremde eine Aufenthaltskarte nehmen muß. Nur Bezirks- und Polizeipräfecten dürfen sie ausstellen. Jeder Rei⸗ sende muß sich sofort der Präfectur vorstellen; bleibt er weniger als 30 Tage, wird sein Paß visirt; nach 30 Tagen muß er Aufenthaltskarte lösen. Geschieht dies nicht, schreitet die Polizei ein. Ausweisung darf aber nur durch den Minister des Innern erfolgen.
Rußland. Petersburg. Zum Schutze und zur Sicherheit der russischen Kaiserfamilie in dem Lustschlosse Gatschina ist nebst den schärfsten und complicirtesten Polizeivorkehrungen nun auch die neueste praktische Errungenschaft der Natur- wissenschaften, das elektrische Licht, verwendet worden. Die Außenseite und weit hinaus auch die Umgebung des Schlosses, wird jetzt des Nachts durch elektrisches Licht taghell erleuchtet. Von der nahe gelegenen Eisenbahnstation soll der Anblick des aus tiefdunklem Hintergrunde grell heraustretenden Schlosses feenhaft sein. Innerhalb des, mau möchte fast sagen, ge— spenstischen Schlosses, herrscht durchaus keine frohe Stimmung, und soll die nervös sehr auf⸗ geregte Kaiserin seit zehn Tagen das Schloß
nicht verlassen haben.
Aegypten. Kairo. Die Entlassung des Conseil-Präsidenten Kherif Pascha soll bevor⸗ stehen. Ein Gerücht bezeichnet den Prinzen Osman als dessen Nachfolger.
Afrika. Algier, 9. Nov. Von der Colonne des Generals Delebecque ist seit dem 3. No— vember keine Nachricht eingegangen, dieselbe sollte am 5 November Ikh verlassen, um nach Moghar zu marschiren.
Tunis, 13. Nov. Die Absetzung des Gou— verneurs von Tripolis machte auf die Araber einen tiefen Eindruck. Das in Tripolis statio— nirte französische Avisoschiff„Latouche-Treville“ wurde in Folge der Absetzung des Gouverneurs nach Hause berufen.
Aus Stadt und Land.
2 Holzhausen v. d. H. Bei unserer Bürgermeister⸗ wahl ging es heiß her, um so mehr freut sich Einsender und seine Partei des errungenen Sieges. Holzhausen hat seit 3 Jahren 2 Bürgermeister durch den Tod ver⸗ loren. Die abermalige Wahl eines neuen Oberhauptes hat daher auf's Neue die Gemüther schon einige Wochen lang stark aufgeregt, und es bildeten sich, wie überall, zwei Parteien, von denen jede ihren eigenen Candidaten auf⸗ stellte. Die eine Partei, zu welcher die Mehrzahl der Besitzenden gehört, nahm den seitherigen Gemeinderechner Ried in Aussicht, einen Mann, der sein seitheriges Amt schon lange Jahre mit großer Gewissenhaftigkeit geführt hat und der vermöge seiner Bildung nnd Thatkraft im Stande ist, die Bürgermeisteret zum Segen für die Ge⸗ meinde und die G meindeangehörigen zu führen und die vorhandenen inzwischen eingerissenen Uebelstände wieder zu entfernen. Die andere Partei dagegen behauptete, sie müsse einen Mann von den Ihrigen wäh⸗ len, und stellte den gegenwärtigen Polizeidiener Burk
Rio⸗Janeiro eintrifft.
als ihren Candidaten auf. Nun suchte jede Partei ihrem
Candidaten zum Siege zu verhelfen und die Gemüther waren oft sehr erhitzt. Am Wahltage selbst erreichte die Aufregung ihren Höhepunkt. Jede Partei führte ihre Truppen zur Wahlurne und Boten zu Fuß, zu Pferd und Wagen waren beständig unterwegs, um die 3, 4 und mehr Stunden entfernt arbeitenden Parteigenossen herbeizuholen und in den Kampf zu führen. Gegen das Ende der Wahl harrte die Menge vor dem Rathhause der Dinge, die da kommen sollten, und als nun das Rathhausfenster sich öffnete und der Menge der Ruf entgegentönte:„Herr Ried ist gewählt“, wälzte sich der un⸗ absehbare Menschenstrom die Straße entlang nach der Wohnung des Erwählten, um ihm die frohe Botschaft zu verkünden. Ried hatte 89 und Burk 72 Stimmen erhalten. Nun wurden dem Erwählten noch an dem— selben Abende und am folgenden Tage Maien gesteckt, welche mit mehreren Wagen und von mehr als 100 Men⸗ schen herbeigeholt worden waren, und Kränze gewunden ꝛc. Der neue Bürgermeister hielt noch am Abende eine sehr schöne vom Hauche der Versöhnung und Eintracht durchwehte vortreffliche Rede, worin er alle Orts⸗ angehörige(seine Wähler und seine Nichtwähler) dringend bat, nun allen Hader und Streit zu vergessen und ver⸗ eint mit ihm an dem Wohle der Gemeinde und der Ge— meindeangehörigen arbeiten zu helfen und nun von den Verdächtigungen und Verleumdungen gegen seine Person abzulassen; er selnerseits werde derselben nicht weiter gedenken ꝛc. In einer sich hieran anschließenden Rede schilderte ein Nichtwähler die vortrefflichen Eigenschaften des Erwählten, und wie nur er der rechte Mann sei, gewisse Mißstände in Holzhausen zu entfernen.
Berstadt. Am 6. November wurde in einer dazu berufenen Verfammlung die sofortige Gründung einer freiwilligen Feuerwehr dahier beschlossen. Der neu ge⸗ gründeten Feuerwehr troten außer dem gewählten Comité alsbald 50 hiesige Männer bei. Zur Beschaffung der nöthigen Geräthschaften und Ausrüstungsstücke wird unsere Gemeindekasse die nöthigen Mittel bewilligen.
Gießen, 11. Nov. Gestern wurden sämmtliche Klassen der höheren Töchterschule wegen vieler Erkrank⸗ ungen an Scharlach und Diphteritis auf unbestimmte Zeit geschlossen.
Allerlei.
Posen, 11. Nov. Bei der gestrigen Feuersbrunst ist der ganze Dachstuhl des neuerbauten Landgerichtes niedergebrannt, auch der zweite Stock hat sehr gelitten. Die Aeten der älteren Jahrgänge sind vollständig ver⸗ brannt, die neuen Jahrgänge dagegen gerettet. Der ganze Schaden ist sehr erheblich.
Hamburg, 12. Nov. Am Brücken-Breitengang 71 fand heute eine Gasexplosion statt, welche den Einsturz eines Hauses verursachte und viele Nebenhäuser stark be⸗ schädigte. Von den Bewohnern und den im Laden an⸗ wesenden Käufern sind bis jetzt drei als todt, sechs als schwer verletzt gefunden. Die Feuerwehr ist mit Weg— räumung der Trümmer beschäftigt.
Gerichts saal.
Butzbach, 12. Nov. Die für gestern anberaumte Schöffengerichtssitzuug fiel insofern aus, als die drei ersten Sachen der mitgetheilten Tagesordnung vor Zu⸗ sammentritt des Gerichts dahin ihre Erledigung fanden, daß die streitenden Parteien sich verglichen. Die 4. Sache, Schimpf gegen Haub von Niederweisel, mußte wegen eines Formfehlers auf den 9. Dez. vertagt werden.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 12. Nov. Wochenmarkt Butter kostete ver Pfd. M. 0.85— 0.90, Eier 1 St. große 8 Pf., 1 St. kleine 7 Pf.
Gießen, 12. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 10.00, Eier 1 St. 7—8 Pf., 2 kleine St. 00 Pf., Käse per Stuͤck 5—9 Pf., Tauben das Paar 50—00 Pf., Hühner per Stück M. 0.85— 1.20, Hahnen ver Stück M. 0.60- 1.10, Enten per Stück M. 1.30—1.70, Gänse per Pfund 43—54 Pf., Ochsenfleisch 64—00 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 46—50 Pf., Kalbfleisch 44—48 Pf., Hammelfleisch 50—60 Pf., Schweinefleisch 62—64 Pf., Kartoffeln 100 Kilo M. 3.00— 5.00, Zwiebeln per Ctr. M. 8.—0., Weißkraut 100 St. M. 3.00— 8.00
Gießen. Auf dem am 8. d. Mts. dahier abge⸗ haltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 887 Stück Rind⸗ vieh und 1220 Stück Schweine. Der Handel war leb⸗ haft und blieben die Preise unverändert. Nächster Markt Dienstag den 22. und Mittwoch den 28. d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt.
Frankfurt, 12. Nov. Marktbericht. Heu kostete je nach Qual. M. 45.40, Stroh M. 44.40. Eier das Hundert M. 5—7., Butter im Detail 1. Qual. M. 1.20, 2. Qual. M. 1.10. Blumenkohl per Stück 30 bis 70 Pf., Weißkraut, massenhaft am Platz, das Hundert M. 8.50— 9., das Stück 10 Pf., Kohlkraut 12 Pf., Rothkraut 20 Pf., Endivien 10 Pf., Kartoffeln 100 Kg. M. 3.50— 4.50, das Gescheid 10 Pf., Ochsenfleisch 60 bis 70 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 40— 55 Pf., Kalb⸗ fleisch 3555 Pf., Schweinefleisch 70—80 Pf., Hammel⸗ fleisch 40— 65 Pf., 1 Huhn M. 1.— 1.50, 1 Hahn M. 0.90— 1.50, 1 Ente M. 2.50—3., Gans M. 3—9., Hase M. 2.50— 3.50.
Mainz, 11. Nov. Marktpreise. Kartoffeln 100 Kilo M. 4.00 5.50, Heu per Ctr. M. 4.50 5.00, Stroh per Ctr. M. 4.30 4.60, Butter ½ Kilo M. 0.95— 1.05, Butter in Parth. bis 8085 Pf., Eier ¼ Hundert M. 1.70 bis M. 2.00, Handkäse 5— 8 Pf., Rothkraut 20 bis
25 Pf., Wirsing 3— 5 Pf., Zwiebel ½ Kilo 9 bis
10 Pf., 1 Gans M. 3.50— 7.00, 1 Ente M. 2.— 2.50,
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30 Pf., Weißkraut 12— 14 Pf., Blumenkohl 20 bis
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