Ausgabe 
11.1.1881
 
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angekommen. Die Majestaten begrüßten den Konig durch den entgegengeschickten Adjutanten, Contreadmiral Fraucklin. Die Mission besteht aus dem Sohne des Bey von Tunis und sieben anderen Personen.

Türkei. Constantinopel. Bezüglich des Schiedsgerichts wird gemeldet, Said Pascha habe neuerdings Vertrauen auf eine friedliche Lösung der griechischen Frage ausgesprochen. Athener Nachrichten zufolge machten die einmüthigen Vor⸗ stellungen der Mächte gegen die griechische Inter pretation der Berliner Congreß-Protokolle auf das griechische Cabinet einen tiefen Eindruck.

Griechenland. Athen, 7. Jan. Dem Vernehmen nach theilte Corbett Komunduros mit, England sei dem Antrag bezüglich des Schiedsgerichts beigetreten. Die griechische Regier ung möge denselben acceptiren. Komunduros con⸗ ferirte mit dem Könige und berief einen Minister rath, dessen Berathungen drei Stunden währten.

8. Jau. Die Meldung, daß die Reserven durch ein am Freitag erschienenes Decret zu den Fahnen einberufen seien, entbehrt der Begründung.

Rußland. Petersburg.Agence Russe meldet mehrere nicht unwichtige Entschließungen, worüber amtliche Publikationen bevorstehen: ge schenkweise Ueberweisungen von Ländereien an Staats-Diener und andere Personen würden aufhören, dem Senat allein bleibe vorbehalten, Ausnahmefälle zu statuiren; bei Mißernten, die in Rußland immer nur partiell, soll Unterstützung betroffener Gegenden durch Saatgetreide und öffentliche Arbeiten eintreten; in den Südost provinzen soll unmittelbar mit dem Bau zweier Eisenbahnen vorgegangen werden, deren eine an Kohlenbecken, die andere an Salinen am Haupt verkehrswege sich anschließt; principiell behalte sich der Staat den Bau neuer Eisenbahnlinien vor.

7. Jan. Saburoff ist heute auf seinen Posten abgereist.

Aus Stadt und Land.

r. Ockstadt, 7. Jan. Heute verunglückte im hiesigen Walde ein Holzhauer. Zwei hiesige Leute waren mit dem Fällen eines Eichbaumes beschäftigt, der Eine hatte aufgehört zu hauen und probirte, ob der Baum noch nicht fallen wollte, während der Andere noch forthieb. Durch einen Fehltritt des Ersteren kam dieser in die Hieblinie des Anderen, der gerade einen Hieb mit aller Wucht niederkommen ließ. Die Axt traf das Schienbein und wurde dem Ersteren die eine Beinröhre fast ganz durchgehauen.

Laubach. Dem hiesigen Gymnasium ist die Berech tigung zur Ertheilung des Zeugnisses für Einjährig Freiwillige verliehen worden.

Allerlei.

Wetzlar, 6. Jan. Einem Bergmanne wurde gestern durch das vorzeitige Explodiren einer Dynamitpatrone auf einer Grube bei Wetzlar das Gesicht vollständig zer fleischt. Die Gesichtsfläche soll einen Anblick bieten, als wenn sie mit Messern verhackt wäre. Der Unglückliche wurde in die Gießener Klinik verbracht.

München, 6. Jan. Heute Morgen ist der um halb 5 Uhr von Regensburg abgehende Güterzug zwischen Eggmühl und Hagelstadt, wo die Züge einen hohen Damm zu passiren haben, in Folge eines Achsenbruches theilweise entgleist. Der Locomotivführer, der Heizer und ein Bremser sind mehr oder minder schwer verletzt, ein Wagenwärter, Namens Weichselberger, ist todt.

Kassel, 6. Jan. Heute Morgen verunglückte der Eisenbahnarbeiter Müller auf dem hiesigen Bahnhofe dadurch, daß er unter die Räder eines in Bewegung befindlichen Zuges gerieth, wodurch ihm der Kopf vom Rumpfe abgetrennt wurde.

Hörde. In hiesiger Stadt sind 12 bis 13 Personen an der Trichinosis in Folge roh genossenen Schweine fleisches erkrankt.

Pest, 7. Jan. Zwei Stuckaturgehülfen aus Kassel und Holstein machten heute Nachmittags in einem hiezu gemietheten Zimmer einen Raubmordversuch auf einen Geldbriefträger. Dem Schwerverwundeten gelang es, das Zimmer abzuschließen. Die Verbrecher sind verhaftet.

London, 7. Jan. Der britische DampferHareldes stieß auf der Reise von Palermo nach London, 12 Meilen vom Cap Rocca, mit dem spanischen DampferLeon auf seiner Reise von Liverpool nach Manila zusammen. Beide sanken. 9 Engländer und 14 Spanier sind in Lissabon gelandet. Das Schicksal der Uebrigen ist un bekannt. Der DampferMontgomeryshire, der vor wenigen Tagen von London seine erste Reise nach China antrat, ist an der spanischen Küste zu Grunde gegangen. Die aus eirea 50 Personen bestehende Mannschaft ist rtrunken.

Athen. Was neulich in oder bei Athen gefunden wurde, ist weder das gewaltige Erzbild der Athene Pro machos, noch das aus Gold und Elfenbein gefertigte

Tempelbild des Parthenons, noch überhaupt ein Werk des Phidias, sondern eine verkleinerte Nachahmung des Tempelbildes der Athene Nikephoros in Marmor. Solche Nachbildungen gibt es bereits; namentlich besitzt das athenische Museum eine solche verkleinerte Nachbildung, von der auch Berlin einen Abguß bat. Die jetzt auf gefundene Nachbildung ist etwas größer, wie es heißt, über einen Meter hoch und vollständig erhalten. Die vollkommen wohl erhaltene Statue trägt einen von einer Sphinx gekrönten Helm, die linke Hand ruht auf dem mit dem Gorgonenhaupte geschmückten Schilde, während die Rechte die Nikestatue hält, welche das Standbild eben als das der Pallas Nikephoros(der siegbringenden Athene) kennzeichnet. Zu ihren Füßen ruht eine Schlange, das Wahrzeichen der Akropolis.

Der Mauna Loa.

Wie demHamb. Corr. aus San Fran cisco von Anfang Dezember gemeldet wird, ist der Riesenvulkan auf Hawaii, der Mauna Loa, in Thätigkeit.Ueber Hawaii ist der Himmel geröthet von den Feuer- Flammen, die der 13,600 Fuß über dem Meeresspiegel liegende Krater des Mauna Loa ausspeit, während er sich 5 englische Meilen abwärts auf der Nord seite geöffnet hat, um immensen Lavaströmen ihre Freiheit zu geben. Der letzte große Aus bruch dieses gewaltigen Vulkaus fand im Jahre 1855 statt und dauerte 13 Monate, während welcher Zeit er 300 Quadratmeilen(engl.) mit Lava bedeckte. Nicht minder großartig ist der gegenwärtige Ausbruch, der am 9. Novbr. begann und von dem allerdings noch nicht ge sagt werden kann, ob er eben so lange dauern wird. Die grandiose Beleuchtung der Scene kann auf eine Eutfernung von 160 Meilen gesehen werden und in einer Entfernung von 50 Meilen ist die Wirkung wahrhaft über wältigend. Ein Riesenlavastrom fließt an der Seite des Mauna Loa hinunter auf die zwölf Meilen im Umfang große Hochebene, welche sich zwischen ihm und seinem Nachbarvulkan, dem 13,805 Fuß hohen Mauna Kea, ausdehnt und die dadurch zu einem brennenden Lavasee geworden ist, dessen weite Oberfläche ein farben volles Panorama bietet, denn sie zeigt alle Licht schattirungen von der erlöschenden Kohle, wo

die Lava im Abkühlen ist, bis zu der weißen, die Augen blendenden Helle, wo neue Ströme sich einen feurigen Weg durch die verkühlenden, aber noch glühenden, heißen Massen bahnen, und da die Ströme häufig ihren Lauf ändern, so rufen sie auf der ganzen Scene ein fortwährend

wechselndes Farbenspiel hervor. Da wo die weißglühende Flüssigkeit ihren Weg über frischen Grund bahnte, wurde die in den Höhlen der alten Lavabetten eingeschlossene Feuchtigkeit zur Verdunstung gebracht und da sich dieser Vor gang plötzlich vollzog, so explodirten die Dämpfe mit einem Geräusch, das tönte, als ob einige Batterien Vierundzwanzigpfünder abgeprotzt wür den und Massen feuriger Flüssigkeit sprühten auf, gleich unzähligen Fontänen von geschmol zenem Gold. Dieser Lavasee wird nun noch fortwährend gespeist aus der Brust des Mauna Loa und der Ueberschuß fließt über den Nord rand, wo er sich in zwei Ströme theilt, von welchen der eine die Richtung nach dem größten Krater der Erde, dem Kilauea, der seit dem Ausbruch des Manna Loa lebhafter wie ge wöhnlich arbeitet, genommen hat, während der andere das freundliche Hafenstädtchen Hilo be droht, von dem er, den letzten Nachrichten zu folge, nur noch zehn Meilen entfernt ist. Seine Länge betrug bis dahin 35 Meilen, seine Breite wechselt zwischen 50 bis 300 BNards. Ueber seiner Vorhut bildet der Rauch der verbrennen den Pflanzen und der Dampf der Erdfeuchtig keit einen heißen, wolkigen Riesentriumphbogen, durch welchen man auf viele Meilen das Schlangengewinde der Lava sehen kann, wie sie sich langsam an den Bergabhängen herunter bewegt, ein immenser Feuerstrom, auf dessen beller Oberfläche es kocht, sprudelt, zischt und Fragmente aufspringen, die wie ein Feuerregen wieder niederfallen. Wo die geschmolzene Masse sich rasch bewegt, da scheint es, als ob ihre Flammenumgebung zum Schaume gepeitscht wäre, während da, wo sie ruhig und gelassen vor

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wärts rückt, ihre Farbe schöner ist wie polirtes

Gold und ihre Strahlenfülle nur allein von der Sonne übertroffen wird. Aus moglicher Nähe betrachtet, erscheint der Strom aus soliden Felsencolonnen zusammengesetzt, die in ihrem unwiderstehlichen Marsche nach der See vor⸗ wärts gedrückt werden durch die schrecklichen Feuerlawinen in ihrem Rücken. Alles auf dem Pfade wird mitgenommen: Felsen, Sand, alte Lavastücke, und alles das wird roth- oder weiß⸗ glühend in dem Augenblick, wo es gepackt wird. Zum Glück ist bis jetzt noch kein Menschenleben verloren gegangen, auch noch kein werthvolles Eigenthum, allein wenn der Ausbruch fortdauert, dann wird Hilo und seine bluͤhende Umgebung zerstört werden und vielleicht auch noch andere Culturländereien an der Küste. Es läßt sich leicht begreifen, daß sich das ganze Inselkönig⸗ reich in fieberhafter Aufregung befindet und von allen bedeutenden Hafenplätzen gehen Excursions Schiffe nach Hilo ab, da Hunderte begierig sind, das denkbar großartigste Naturschauspiel zu sehen. Es scheint in dieser Werkstätte der Natur heiß herzugehen, denn der Capitän des in San Francisco eingelaufenen Schoners Panachi berichtet, daß er einen submarinen Ausbruch an der nordöstlichen Küste von Hawaii,

viele Meilen von Mauna Loa beobachtet habe.

Nicht allein hohe Wassersäulen will der Capitän haben auftauchen sehen, sondern auch Flammen, die aber sofort erloschen und ersetzt wurden durch mächtige Dampf-Wolken. Von anderen Aus brüchen wird weder von den Sandwich-Juseln noch von den Inseln im stillen Ocean berichtet.

Volksbildungsverein.

Am 10. Dezember vorigen Jahres sprach Seminar- lehrer Dr. Heid im hiesigen Volksbildungs-Verein über: Die Milch als Nahrungsmittel. Der klare, wohldurchdachte Vortrag wurde durch viele Versuche vor den Augen der Zuhörer erläutert und Redner hat sich durch Wahl und Behandlung seines Themas gewiß den Dank Aller verdient. Bei der ungemein praktischen Seite des besprochenen Gegenstandes glauben wir ebensowohl im Interesse der Zuhörer, als auch derer, die nicht zu gegen waren, zu handeln, wenn wir in einem etwas ausführlicheren Referate auf denselben zurückkommen.

Die Milch, eines der wichtigsten Nahrungsmittel für, Kinder und Erwachsene, für Gesunde und Kranke, ver dankt ihre vielfache Verwendung als Nahrungsmittel einerseits ihrer leichten Verdaulichkeit, andrerseits ihrem reichlichen Gehalte an Nährstoffen. Die Physiologie unterscheidet dreierlei Nährstoffe, Eiweißstoffe oder formbildende Stoffe, Heizstoffe und knochenbildende Nähr⸗ stoffe oder Salze und diese 3 Stoffe sind gleichzeitig in der Milch enthalten und zwar reichen dieselben hin, um einen menschlichen Organismus vollständig zu er⸗ nähren, wie dies bei der Ernährung der Neugeborenen vollständig ersichtlich ist. Unterm Mikroskop erkennt man, daß die Milch aus einem festen und einem flüssigen Theile besteht. Der feste Theil, die Butterkügelchen, schwimmen in der Milchflüssigkeit, setzen sich jedoch bei längerem Stehen der Milch an der Oberfläche als Rahm ab; es kommt dies daher, weil die Butterkuͤgelchen etwas leichter als die Milchflüssigkeit sind. Gesunde, frische Kuhmilch muß eine gelblich weiße, schwach in's Bläuliche gehende Farbe haben. Zeigt die Milch eine gelbe, röthliche oder stark bläuliche Farbe, so ist die Milch krank, indem sie in diesem Falle mit Eiter, Blut oder sonst der Milch fremden Stoffen gemengt ist. Solche Milch ist ungenießbar. Eine sehr stark bläuliche Farbe kann auch von allzugroßem Wassergehalt der Milch her rühren; solche Milch ist zwar nicht ungesund, aber weit weniger nahrhaft, da sie in diesem Falle einen geringeren Rahmgehalt besitzt. Um die Menge des Rahmgehaltes zu bestimmen, bedient man sich des Rabmmessers, eines 100 Cubikeentimeter großen in 100 gleiche Theile ein⸗ getheilten Glasgefäßes. Man füllt das Gefäß mit Milch und stellt es 24 Stunden an einen kühlen Ort. Kuh⸗ milch liefert 10 14 ja sogar 16- 17% Rahm. Auf diese Weise sondern sich jedoch niemals alle Butterkügel⸗ chen ab, weßhalb die zurückbleibende Milchflüssigkeit immer noch eine weißliche Farbe behält. Setzt man der Milchflüssigkett einige Tropfen Säure zu, so gerinnt der in der Milchflüssigkeit gelöste Käsestoff. Beim Filtriren bleibt der Käsestoff zuruck, während eine klare, schwach⸗ gelbliche Flüssigkeit, Molken, abläuft. In den so ge wonnenen Molken sind außerdem noch Eiwesß, Milch zucker und Salze aufgelöst. Wegen ihres Gehaltes an Milchzucker werden diese Molkensüße Molken genannt. Läßt man die Milch längere Zeit an der Luft stehen, so gerinnt der Käsestoff auch. Die auf diese Weise er- haltenen Molken enthalten jedoch keinen Milchzucker, sondern statt dessen Milchsäure, weßhalb siesaure Molken genannt werden. Beim Stehen an der Luft verwandelt sich nämlich der Milchzucker von selbst in Milchsäure, wodurch denn die Milch gerinnt. Soll

Milch vor dem Gerinnen geschützt werden, so muß man

sie in einem möglichst reinen Gefäße, das durchaus