Ausgabe 
9.6.1881
 
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IV. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.

V. Charakterertheilungen.

VI. Namensveränderung.

VII. Dienstnachrichten. Es wurden der Kreisbauauf seher Walbott von Worms nach Gleßen versetzt; dem ev. Pfarrer Werner von Lißberg die Pfarrstelle zu Ober Mossau übertragen; dem Schullehrer Geibel zu Sauer Schwabenheim eine Lehrerstelle zu Butzbach übertragen; die Bauaufsehrer Willenbücher zu Grünberg und Bolenz zu Homberg, sowie der Sergeant Lämmerhirt zu Worms zu Steueraufsehern ernannt; dem Geometer 11. Klasse Wammser aus Vielbrunn das Patent als Geometer J. Kl. für den Kr. Erbach ertheilt; dem Schullehrer Spreng zu Astheim die Lehrerstelle zu Eich, dem Schulamtsasp. Winn aus Lich eine Lehrerstelle zu Londorf, dem Schulamtsasp. Bernhard aus Engelstadt eine Lehrerstelle zu Gunters blum übertragen; dem B. Engroff aus Darmstadt das Patent als Geometer J. Kl. für den Kr. Groß-Gerau ertheilt; der Sergeant Krenkel zum Amtsgerichtsdiener in Büdingen, der Vieefeldwebel Krug zum Amtsgerichts diener in Bingen, der Fußgendarm Müller zu Wörrstadt zum Amtsgerichtsdiener in Wörrstadt ernannt.

VIII. Dienstentlassungen..

IX. Ruhestandsversetzungen. Der Schullehrer Zink zu Elsheim wurde auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt. 8

X. Coneurrenzeröffnungen Erledigt sind: Die erste Lehrerstelle zu Biblis, Gehalt 1000 1500 M. Dem Kreisrath in Bensheim, dem Ortsgeistlichen und dem Ortsvorstande von Biblis steht das Präsentationsrecht zu. Eine Lehrerstelle zu Beerfelden, Gehalt 1000 1150 M. Dem Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsenta tionsrecht zu. Das Concurrenzausschreiben in Beilage 8 des Regbl. von 1881 wird zurückgezogen. Die ev. Pfarr- stelle zu Staden mit Stammheim. Das Präsentations recht steht dem Grafen von Schlitz zu.

Berlin, 3. Juni. Der Kaiser mußte heute wegen plötzlichen Unwohlseins die beabsichtigte Fahrt nach Potsdam zur Besichtigung des Lehr bataillons aufgeben. Die Aerzte constatiren eine leichte Erkältung, der Kaiser muß das Zimmer hüten.

Berlin. em Vernehmen nach wird dem Bundesrath demnächst eine Vorlage wegen der Einziehung der Fünfmark- und der Zwanzig markscheine zugehen.

5. Juni. Die heutige Veröffentlichung der Zollanschluß-Actenstücke begleitete der Ham burger Senat mit der Erklärung, daß er seiner seits bereit sei, die vorbehaltene Zustimmung zu ertheilen, sobald auch die Bürgerschaft ihr Einverständniß ausspreche. Die Verständigung sei wesentlich auf der den Vertrauensmännern mitgetheilten Grundlage vollzogen. Der Senat sei der Ansicht, daß die günstigeren oder nur gleich günstigen Bedingungen wie jetzt weder früher zu erreichen waren, noch später zu er reichen seien. Er halte die Zustimmung durch aus für geboten und zweifle nicht, daß die Bürgerschaft bei der Erwägung der Gesammt lage dieser Auffassung sich anschließe.

Ems, 6. Juni. Der König von Schweden ist gestern zum Kurgebrauch hier eingetroffen und in den vier Thürmen abgestiegen.

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Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. Juni. Das Herrenhaus nahm den deutsch-österreichischen Handelsvertrag an. Darauf nahm es die Wahl der Delegationen vor. Zum Schluß verkündete der Ministerpräsident im Auftrage des Kaisers die Vertagung des Reichstags.

6. Juni. Der Füͤrst von Serbien be suchte die Kaiserin, den Kronprinzen Rudolf und den Baron Haymerle. Der russische Bot schafter v. Oubril reist morgen nach Berlin ab.

Pest. Eine königliche Ordre beruft den neuen ungarischen Reichstag für den 24. Sept. zusammen. Eine Verordnung von dem Minister des Innern ordnet neue Wahlen an in der Zeit vom 24. Juni bis einschließlich 3. Juli.

Frankreich. Paris, 3. Juni. Dem Senat legte Waddington den Bericht der Commission für die Listen⸗Wahl vor. Die Commission hat die Ablehnung des Entwurfs beantragt, den die Kammer bereits beschlossen hat. Der Bericht weist jeden Gedanken an einen Conflikt mit der Kammer auf das Entschiedenste zurück; wenn ein solcher eintrete, werde die Verantwortung sicher dem Senate zufallen. Der Bericht weist auf die Gefahr einer Listen-Wahl hin, die

werden könnte. Einem solchen zu widerstehen, hätten dann Senat und Kammer nicht die Macht, weil er als der Erwählte der Nation gelte. Die Berathung wurde auf Donnerstag den 9. Juni verschoben.

6. Juni. Die tnnesische Mission unter Führung des Premierministers Mustapha wird morgen hier erwartet.

6. Juni. Vier Truppencolonnen sind ab gegangen, um die Insurgenten von Boumena, welche zwischen Frendah und Geryville 26 Per sonen ermordeten, zu züchtigen. Ein Theil des Expeditionscorps kehrt demnächst nach Frank reich zurück. Sämmtliche tunesische Agenten und Consuln in Europa sind augewiesen, ihre Archive und die Leitung ihrer Bureaux den in denselben Staaten residirenden französischen Consuln zu übergeben.

Einem Telegramm derTimes aus Tunis zufolge haben sich sämmtliche Gebirgs Stämme in der Umgebung von Mateur den Franzosen unterworfen. In den meisten Fällen wurde dies dadurch herbeigeführt, daß die Scheikhs als Geißeln behalten wurden. Unter den französischen Truppen grassiren viele Krankheiten.

Großbritannien. London, 4. Juni. Die beurlaubten Offiziere der in Irland stationirten Regimenter sind beordert, sofort zurückzukehren. 400 Maun Gardetruppen marschirten gestern von Dublin nach New-Pallas, um das dortige Castell zu besetzen und die Ordnung herzustellen. Die Truppen wurden beordert, zu schießen, falls Widerstand geleistet würde.

6. Juni. Die Regierung hat angeordnet, die Truppen in Irland bis auf 30,000 Mann zu verstärken. In Ballybrophy kam es gestern zu Ruhestörungen, wobei eine Person getödtet und mehrere verwundet wurden. Die Ex missionen in New-Pallas sind ohne ernstliche Ruhestörungen verlaufen. Die Truppen sind nach Dublin zurückgekehrt.

Italien. Rom, 2. Juni. Beim Beginne der heutigen Deputirtensitzung theilt der Minister präsident Depretis die Nachricht von der Bild ung des neuen Cabinets mit. Wegen der Be ziehungen zu dem Ausland muͤsse Italien seinen Platz als große Nation aufrechterhalten und sich auf der Grundlage der Gerechtigkeit und gegen seitigen Achtung befestigen. Italien werde sein Möglichstes thun um die Pflichten der Freiheit der Nationen mit den Pflichten gegen sich selbst zu vereinen. Italien, das zuletzt in das Concert der Nationen eingetreten, sei ein Element wirth schaftlicher Ordnung und des Friedens. Es werde sich so erhalten und nichts Anderes ver langen, als einen würdevollen Frieden.

Der Kammer ist ein Gesetzentwurf zu gegangen betreffs die Verlängerung der Handels verträge mit Belgien, Frankreich, Deutschland, England und der Schweiz bis zum 30. Juni 1882.

Serbien. Belgrad, 3. Juni. Die Skupsch tina wurde heute von dem Fürsten mit einer Thronrede geschlossen. Diese wurde vom ge sammten Hause mit lebhaftem Zivio-Rufen auf genommen. Am Nachmittag trat der Fürst seine Reise über Pest nach Berlin an.

Bulgarien. Sofia. Seit der Bildung der Generalräthe wurden die Mitglieder der selben ernannt ohne Rücksicht auf die von den einzelnen Candidaten erhaltenen Stimmen. Das amtliche Blatt veröffentlicht nunmehr einen Ukas, durch welchen die Zusammensetzung der General räthe in Gemäßheit der bei den Wahlen ab gegebenen Stimmen geregelt wird. Griechenland. Athen. Der Kriegsminister hat in einer Ordre an den Commandanten der griechischen Ostarmee diejenigen Truppentheile be zeichnet, welche die erste Section der von der Türkei an Griechenland abzutretenden Gebiets-Theile besetzen sollen, und zwar 3 Bataillone Infanterie, 3 Bataillone Jäger, 1 Artillerie- Abtheilung, 1 Genie-Abtheilung, 2 Eskadrous Cavalerie, 6 Sectionen Fuß-Gendarmerie und 1 Section reitender Gendarmerie.

Rußland. Petersburg. Während der Ab

durch einen Kron-Prätendenten herbeigeführt

Marine betraut.

minister Miljutin und den General-Gouverneur von Finnland, Graf Adlerberg, auf deren Bitten wegen zerrütteter Gesundheit, ihrer Stellungen. General Wannowski ist zum Kriegsminister und der Generalstabschef Heyden zum Generalgou verneur von Finnland ernannt. Sicherem Ver nehmen nach werden der Ernennung des neuen Kriegsministers Aenderungen in den Departe ments-Vorständen folgen.

Kiew. Das Kriegsgericht verurtheilte von den Hauptanstiftern der letzten Judenhetze je einen zu 20, zu 15, zu 10 und zu 6 Jahren Zwangs-Arbeit, zwei zur Verbannung nach Sibirien, drei erhielten Gefängniß mit Milder ungsgründen.

Aus Stadt und Land.

a. Friedberg. Unter außerordentlich starker Be theiligung der Bewohner der Stadt und Umgegend ind unter Anwesenheit der Spitzen der Behörden und der evangelischen Geistlichkeit beging am 7. Juni die katso⸗ lische Pfarrgemeinde zu Friedberg einen großen Freude tag. Eine erhebende Feierlichkeit verherrlichte die En segnung des Grundsteins zur neuen katholischen Pfarrkirche wodurch die Erfüllung der sehnlichsten Wünsche der Ge meinde, endlich in den Besitz eines entsprechenden Gottes- hauses zu kommen, ihren Anfang nahm. Die Feier wurde eingeleitet durch ein MusikstückDas Gebet durch das Musikeorps der hiesigen Feuerwehr, das auch bei dem Verlauf des Festes durch Begleitung der Gesänge in dankenswerthester Weise zur Verherrlichung der Feier beitrug. Die Festpredigt und Einsegnung hielt Domdekan Dr. Heinrich von Mainz, der in begeisterken und zu Herzen dringenden Worten nachwies, daß die Kirche die Feier der Grundsteinlegung eines neuen Gottes hauses mit Weihe und so schönen Ceremonien umgibt, weil der Grundstein nichts Anders bedeutet als Christum den Herrn, der in dem neuen Gotteshause wohnen und aus demselben der Gemeinde alle Gnaden für dieses und das ewige Leben spenden soll. Die ganze Feier verlief in schönster Weise. Möge dieses eine Vorbedeutung sein, daß das ganze Werk glücklich vollendet wird und recht bald Gott zur Ehre, der katholischen Gemeinde zum Frommen und der Stadt zur Zierde diene. In den Grundstein wurde nachfol⸗ gende Urkunde eingeschlossen:Zur Ehre der heiligsten Dreifaltigkeit. Nachdem die, dem heiligen Georg ge weihte, durch die Familie von Franckenstein im 18. Jahr⸗ hundert erbaute Kapelle durch das Heranwachsen der katholischen Gemeinde auf 750 Mitglieder sich als zu klein erwies und zudem, eine viertel Stunde vor der Stadt in der Gemarkung Ockstadt liegend, für den Be⸗ such des Gottesdienstes sehr beschwerlich war, wurde die Nothwendigkeit immer dringender, ein passendes und wür⸗ diges Gotteshaus zu bauen. Endlich konnte dieses Ver⸗ langen zur Ausführung gebracht werden, nachdem auf Anregung des höchstseligen Bischofs von Mainz, Wilhelm Emmanuel von Ketteler, aus fast ganz Deutschland viele und reichliche Gaben zusammen gebracht waren und die umliegenden katholischen Gemeinden durch werkthätige Hilfe die Vollendung des Werkes erleichterten. So ge⸗ schah es denn im Jahre 1881 nach Christi Geburt am 7. Juni, als Papst Leo XIII. Statthalter unsers Herrn Jesu Christi auf Erden war, unter der Regierung Ludwig IV., Großherzogs von Hessen und bei Rhein, als Dr. Julius Braden Kreisrath des Kreises Friedberg und Carl Seriba Bürgermeister von Friedberg war, als Wilhelm Bauer das Pfarramt als erster Pfarrer be⸗ gleitete, nachdem drei Jahrhunderte Friedberg eine Filial⸗ gemeinde von Ockstadt gewesen war, während Jacob Burck, Martin Mondigler J., Gustav Brentano und Wolf⸗ gang Gärtner Mitglieder des Kirchenvorstandes waren: daß der Hochwürdige Herr Johann Baptist Heinrich,

diesen Haupt- und Eckstein feierlich legte und einsegnete unter Anrufung der Hilfe des allmächtigen Gottes, auf daß dieses Gotteshaus nach dem Plane des Dombau meisters J. H. A. Lucas von dem Maurermeister Morschel, dem Steinhauer Boll, dem Zimmermeister Oelschlegel, den Schlossern Mondigler, Rumpf und Thaler, den Spenglern Hoffmann und Kreß, dem Tünchermeister G. Hieronimus, dem Schreinermeister Krug und dem Dachdecker Nessel glücklich vollendet werde. Diese Ur⸗ kunde wurde zum immerwährenden Andenken von dem Pfarrer, den Mitgliedern des Kirchenvorstandes und den anwesenden Geistlichen unterschrleben, mit dem Siegel der Kirche versehen in den Haupt- und Eckstein am oben genannten Tage niedergelegt und eingeschlossen.

e. Friedberg. Für den Ende Jult in unseren Mauern tagenden hessischen Feuerwehrtag trifft das aus Mitgliedern unserer Feuerwehr und anderen Männern unserer Stadt gebildete Comité seine Vorbereitungen und hoffen wir, daß dieses Fest sich würdig den früher hier abgehaltenen Festen anreihen wird. Der bewährte Sinn für Gastfreundschaft unseren fremden Gaͤsten gegenüber und das Streben, denselben frohe Stunden und ange⸗ nehme Rückerinnerungen an unsere Vaterstadt zu bereiten, werden auch bei dieser Gelegenheit bei der Einwohner⸗ schaft durchschlagend wirken und Sonderbestrebungen oder kleinliche Rücksichten nicht aufkommen lassen. Privat-

wesenheit des Großfürsten Constantin ist Groß

wünsche und Meinungen können eben bei einer gemein⸗

fürst Alexis Alexandrowitsch mit der Leitung der Ein kaiserlicher Ukas enthebt den Kriegs- 90

Dr. der Theologie und Dekan des Domkapitels zu Mainz,