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London zurück. Hier besuchte er den Handels— minister Tirard und Herrn v. Barthélemy St.
Deutsches Reich. 5
Friedberg, 7. Sept. Soeben 10½ Uhr
nach Danzig. Man nimmt an, daß diese Reise mit der Kaiser-Entrevue im Zusammenhange steht.
Vormittags, hielt S. K. H. der Großherzog Hannover, 3. Sept. Zu dem heutigen Hilaire. Die„Agence Havas“ sagt, der Besuch 4 nebst allerhöchster Familie und Gefolge unter[Galadiner bei dem Kaiser waren die Spitzen lasse die Wiederaufnahme der Verhandlungen bert dem Geläute der Glocken und den Jubelrufen[der Civilbehörden geladen. Um 8½ Uhr be-füber den Handelsvertrag erhoffen. Autorisirte seht der Bevölkerung seinen Einzug in unsere Stadt. gab sich der Kaiser zu der Soirce bei dem Prinzen Stimmen sprachen es ohnedies schon aus, daß die Zur Begrüßung am Bahnhofe hatten sich eingefun- und der Prinzessin Albrecht. Vor dem Residenz- diese nicht unterbrochen waren. f— den Kreisrath Dr. Braden, Bürgermeister Scriba sschlosse begann um 9 Uhr der große Zapfen⸗ Großbritannien. London. Die„Times““ 110 und Bezirkscommandeur Major Roemheld und sstreich, ausgeführt bei Fackelbeleuchtung, vons meldet aus Quetta vom 4. d.: Nach authen 0 einige höhere Offiziere aus der Provinz. Nach sämmtlichen Musikkorps und Spielleuten des tischen Berichten aus Candahar verkündete Ejub nac kurzer Ansprache seitens des Kreisraths Dr. Braden 10. Armeekorps. Der Kaiser erschien am Fenster[Khan öffentlich das Aufgeben seiner Absicht, den 90
und Bürgermeisters Scriba bestiegen die höchsten und dankte für die ihm dargebrachten euthusiast-] Emir zu bekämpfen und proclamirt den heiligen
Herrschaften die Wagen und fuhren durch die Ehrenpforte vor dem Bahnhofe über den Haagk und die Kaiserstraße nach der Burg unter fort— gesetzten brausenden Hochrufen. Vor dem Burg— thore war die Feuerwehr aufgestellt, in der Burg zunächst die Schüler und Schülerinnen der Muster— schule, dann die Realschüler, die Seminaristen und die sämmtlichen hiesigen Vereine mit ihren Fahnen; im Schloßhofe die Jungfrauen der Stadt mit Blumensträußen, die Beamten, die Geistlichen, die Gemeinderäthe der Stadt und die sämmtlichen Bürgermeister des Kreises, sowie die Musik unserer Feuerwehr. Nachdem die allerhöchsten Herrschaften am Schloßthore die Wagen verlassen hatten, überreichte Frl. Köhler S. K. H. dem Großherzoge, Frl. Schäfer, Römheld, Gärtner, Philippi und Hirsch dem Erbgroßher— zoge und den Großh. Prinzessinnen Bouquets Namens der Frauen und Jungfrauen der Stadt. Bürgermeister Scriba brachte sodann ein en—
thusiastisch aufgenommenes Hoch auf S. K. H.
aus, worauf die Feuerwehrmusik„Heil unserm Fürsten Heil“ spielte. Die ganze Stadt hatte brillant geschmückt; S. K. H. der Großherzog drückte wiederholt seine Befriedigung und Ueber— raschung über den überaus glänzenden Empfang aus und beauftragte Kreisrath Dr. Braden, dies den Versammelten mitzutheilen, sowie Bürger— meister Scriba, dies den Bewohnern der Stadt gegenüber zu thun. Heute Abend bringen die Gesangvereine und der Seminaristenchor den höchsten Herrschaften ein Ständchen unter Mit— wirkung der Musik des 117. Regiments. Der dem Ständchen vorausgehende Lampenzug ver— spricht große Dimensionen anzunehmen.
Darmstadt. Der außerordentl. Professor Dr. Dorn in Breslau wurde zum ordentl. Professor der Physik an der technischen Hochschule ernannt.
Berlin. Ein Besuch des russischen Kaisers bei Kaiser Wilhelm gelegentlich der Manöver ist wahrscheinlich; Ort und Tag der Zusammen— kunft ist noch nicht bestimmt, trotz der von einigen Zeitungen bereits angegebenen Details. In Danzig circulirte ein Gerücht, am Freitag nächster Woche würde dort Kaiser Wilhelm mit dem Kaiser Alexander zusamentreffen. Die „N. A. Z.“ will aber wissen, wenn der Fall wirklich einträte, wäre Danzig nicht der Ort der Zusammenkunft. Diesem entgegen wieder berichtet die„Danz. Zeitung“ unterm 5. Sept.: Heute haben hier bereits Vorbereitungen für die Ausschmückung der Straßen begonnen. In— zwischen in Danzig eingetroffene Nachrichten be— stätigen die ersten Mittheilungen der„Danz. Zeitung“. Angeblich würden an Begrüßung der Souveräne mehrere andere regierende Fürsten theilnehmen. Kaiser Wilhelm würde vom Kron— prinzen und den Großherzogen von Mecklen— burg und Baden begleitet werden; auch der König von Sachsen und Rumänien würden nach Danzig kommen. Der russische Kaiser würde von mehreren Großfürsten und vom König von Dänemark auf dem Seewege nach Danzig be— gleitet werden; Sicheres sei darüber noch nicht bekannt. Wie ich von zuverlässiger Seite er— fahre, nimmt Fürst Bismarck Theil an der Entrevue, möglicherweise auch Giers, Vertreter des Premier-Ministers. Die Vorbereitungen werden sehr geheim betrieben, da man nihiltst— ische Anschläge gegen den Kaiser von Rußland befürchtet.
Kiel, 6. Sept. Admiral Stosch traf mit dem Nachtzug hier ein. Er bestieg sofort die
„Vacht“ Hohenzollern und fuhr heute Morgen
ischen Begrüßungen der dichtgedrängten Menschen— menge. Das Wetter blieb bis zum Abend günstig. Morgen Nachmittag wird der Kaiser dem Offi— cier-Pferderennen auf der„Kleinen Bult“ bei— wohnen.
Dres den, 4. Sept. Der Landtag ist heute Mittag durch den König mit einer Thronrede eröffnet worden. Der König nahm sodann die Adresse beider Kammern anläßlich der Feier des Verfassungs-Jubiläums entgegen. Nachmittags begaben sich die königliche Familie und die Stände mittelst Extrazuges und Separatdampfer nach Meißen zum großen Galadiner im Schlosse
Albrechtsburg. Meißen ist reich beflaggt und die Straßen dicht belebt. — 6. Sept. Der Landtag wurde heute
durch königliches Decret bis auf Weiteres vertagt.
München. Der bayerische Landtag wurde auf den 28. September einberufen.
— Die Stelle des ersten Präsidenten der königlichen Reichsraths-Kammer ist Freiherrn von Franckenstein zugedacht. Man nimmt an, auch der König von Bayern wolle ein Entgegen— kommen gegen die Ultramontanen bekunden.
Mainau, 4. Sept. Der Großherzog hat sich nach Lörrach zu den Manövern der 29. Division begeben.
Ausland.
Holland. Haag. Der bisherige Minister des Aeußeren, Vanlynden, ist zum Finanzminister, Rohussen, bisheriger Gesandter in Berlin, zum Minister des Aeußern ernannt worden.
Gent, 5. Sept. Bei Gelegenheit der Un— abhängigkeitsfeier fand heute die Einweihung des neuen Hafenbassins statt. Der König war zugegen und der Buͤrgermeister hielt eine An— sprache an diesen. Der König, auf die Rede dankend, gedachte in längerer Rede der Ver— gangenheit, in der die flandrischen Städte im Handel und der Schifffahrt sich hervorgethan hatten. Er rieth dann zur Errichtung eines befestigten Seehafens an der Küste; dabei sagte er: Während wir unseren Wohlstand mehren, dürfen wir nicht unterlassen, die nationale Ver— theidigung zu sichern. Die militärischen Ein— richtungen sind erst wirksam, wenn sie vollständig sind. So lang die unseren nicht vollendet, wird unser Land nicht definitiv gesichert sein.
Frankreich. Paris. Resultat der Stich— wahlen vom 4. September: Gewählt wurden 56 Republikaner, drei Royalisten und 5 Bona— partisten. Die Republikaner gewannen 7 Sitze von den Bonapartisten und 3 von den Royalisten, verloren dagegen 2 Sitze. Die neue Kammer der Deputirten umfaßt nunmehr mit Ausschluß der Deputirten von den Colonien 459 Republi— kaner, 47 Bonapartisten und 41 Monarchisten. Das linke Centrum zählt 39, die republikanische Linke 168, die Union republicaine 206 und die äußerste Linke 46 Mitglieder.
— Die„Morning Post“ will wissen, Roustan habe der französischen Regierung mitgetheilt, der Bey unterstütze ohne Zweifel die Aufständischen. Der Bey habe aus Konstantinopel den Befehl erhalten, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln den allgemeinen Aufstand zu ermuntern und ihm jeden möglichen Vorschub zu leisten. Wenn die französische Regierung sich nicht ent— schließen könne, Tunis zu besetzen und den Bey abzusetzen, sei keine Aussicht auf den Erfolg der französischen Expedition zu hoffen.
Sept. Der englische Unterstaats— Secretär Dilke kehrte gestern aus dem Bad Bourboule(in der Auvergne) über Paris nach
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Krieg gegen die Engländer.
— Die Volkszaͤhlung in Britisch-Indien er— gab 152,541,210 Seelen, mithin eine Zunahme der Bevölkerung seit 1871 um 12,788,565 Seelen.
Limerick, 5. September. Gestern Abend hat ein ernster Zusammenstoß der Polizei und der Bevölkerung stattgefunden. Bei einem Streite zwischen Bürgern und Soldaten nahm die Polizei einen Soldaten in Schutz, worauf die Volks— massen die Polizei mit Steinwürfen angriffen; die Polizei machte Gebrauch von ihren Schieß— waffen und verwundete sechs Personen, darunter zwei schwer.
Italien. Rom, 5 Sept. Der König reiste heute zu den Manövern in Venetien.
Cataria, 5. Sept. Zu Gunsten des all— gemeinen Stimmrechts wurde gestern hier eine Volks-Versammlung gehalten. Sie verlief in guter Ordnung.
Türkei. Konstantinopel. Die Frage der Feststellung der südöstlichen Grenze Montenegros wird auf den durch den türkischen Gesandten in Cettinje der Pforte mitgetheilten Wunsch Monte— negros wahrscheinlich zwischen der Türkei und Montenegro direct geordnet werden.
— 5. Sept. Der Delegirte, welcher die deutschen Besitzer türkischer Schuldtitel vertreten soll, ist gestern hier eingetroffen. Die zweite Plenarsitzung der Delegirten findet heute statt.
— 6. Sept. In der gestrigen zweiten Plenar— sitzung der Delegirten türkischer Staatspapier— Besitzer erklärte die Versammlung, daß die in— ländischen Besitzer den ausländischen gleichgestellt werden sollen. Tocqueville's Vollmachten wurden für unzureichend befunden; er wurde deßhalb als Vertreter nicht zugelassen.
Rußland. Petersburg, 4. Sept. Der Generalinspector der Armee, Großfürst Nicolai, ist zur Abhaltung von Truppenrevuen nach dem Innern des Reiches abgereist.
Amerika. Washington, 6. Sept. Der Präsident ist heute Morgen aus dem Regierungs— gebäude nach dem Hafen gebracht worden.
— Eine Depesche des Regierungsvertreters in San Carlos(Arizona) constatirt, daß nur 2 Offiziere und 10 Mann getödtet sind. Das Gerücht von der Niedermetzelung des Generals Carr, sowie der übrigen Soldaten ist unbe—⸗ gründet, dagegen haben die Indianer schwere Verluste erlitten.
Aus Stadt und Land.
J. Friedberg, 6. Sept. Gestern Abend wurde ein vor einer hiesigen Wirthschaft haltender beladener Wagen sammt den Pferden gestohlen. Die Diebe, zwei hier wohnende Fremde, kamen aber nicht weit damit. Mit sofort requirirter Hülfe der hiesigen und Nauheimer Gendarmerie gelang es, die Leutchen bei Ober-Mörlen zu erwischen. Die auf dem Wagen befindlichen Waaren— vorräthe hatten dieselben bereits in verschiedenen Klee— äckern versteckt.
g. Friedberg, 6. Sept. Vergangene Nacht wurde auf dem Felsenkeller von Henn& Jamin an der Frank⸗ furter Warte eingebrochen. Die Diebe fanden jedoch Nichts vor, was transportabel gewesen wäre und ließen nun ihre Wuth an einigen Brauerei⸗ Einrichtungen aus, die sie zerstörten. Dabei verloren sie einen Stock, der an die Polizei abgeliefert wurde und der möglicherweise auf ihre Spur führen kann.
Mainz, 5. Sept. Der Rhein wächst ganz enorm, heute Vormittag zeigte das Pegel Meter 2,47, gestern Mittag Meter 2,77, so daß das Wasser um 30 Centi⸗ meter gestiegen ist. Die Befürchtung, daß Hochwasser eintritt wird immer stärker.
Allerlei.
Basel, 2. Sept. Von hier wird Hochwasser ge— meldet. Der Rhein steigt mit einer Vehemenz, die die— jenige von 1876 noch überbietet. Der gegenwärtige Wasserstand zeigt 5 Meter 30 Centimeter. In der Nacht
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