— 6. Jan. Sechs hervorragende Land— Ligisten, darunter zwei Zeitungs Redacteure, wurden gestern in Tralee verhaftet.
Italien. Palermo, 4. Jan. Die köͤnig⸗ liche Familie ist heute Mittag hier angekommen und bei der Landung von einer Damendeputation empfangen worden.
Griechenland. Athen, 5. Jau. Wie es heißt, erklaͤrte Kumunduros auf den neuesten Schritt der Maͤchte zu Gunsten des Schieds— gerichtes, Griechenland wünsche zuvor Aufklärung darüber, auf welcher Basis das Schiedsgericht verhandeln wolle und welche Garantien die Maͤchte für sofortige Ausführung des Schieds— spruches gaben.
Rußland. Petersburg. Die erste Rück⸗ zahlung auf die 417 Millionen Creditbillets, welche die Reichsbank fur Staatszwecke zu Kriegs- ausgaben emittirte, wird bald nach Beginn des neuen Jahres arrangirt.
— Laut dem„Tageblatt“ ist die Nachricht, daß der russische Thronfolger durch Uebernahme des Präsidiums des Reichs raths die Mitregent⸗ schaft erhielt, durchaus irrig. Der Zar will nichts vom Rücktritt des Großfürsten Constantin vom Präsidium wissen, da Constantin der einzige war, welcher von vornherein die zweite Heirath des Zaren befürwortete.
— Die„Agence russe“ dementirt, daß der zurückgekehrte Lord Dufferin besondere Instruction mitbrachte. Seine Theilnahme am englischen Ministerrathe sei auf seine Angehörung als irischer Großgrundbesitzer zurückzuführen, nicht auf eng— lisch⸗russische Beziehungen.
Amerika. Washington. Die Staatsschuld hat im Monat Dec. 1880 um 5,700,000 Doll. abgenommen. Der Bestand des Schatzes be⸗ ziffert sich auf 222,300,000 Dollars. Die Ge— sammteinnahmen der Unionsstaaten betrugen im Jahre 1880 360 Millionen Dollars.
Aus Stadt und Land.
r. Friedberg, 6. Januar. Bei dem gestern in Ockstädter Gemarkung abgehaltenen Treibjagen wurden 125 Hasen geschossen. Ein hiesiger Bürger, der zum „Zugucken“ mitgegangen war, fiel einen Rain herunter und brach die Hand.
Usingen. Von bier meldet man folgende heitere Geschichte: Dem Postillon Schäfer hier, der schon seit 4 Jahren zu allgemeiner Zufriedenheit den Wagen fährt, ist von Frankfurt aufgegeben, binnen 2 Monaten das Blasen zu erlernen, als er sonst als Postillon entlassen würde. Postillon Schmidt war auf den 29. Dez. hier vor das Schöffengericht geladen, weil er, mit dem Post⸗ wagen von Weilburg kommend, in der Stadt geblasen hat und von dem Gendarmen wegen nächtlicher Ruhe⸗ störung angezeigt wurde. Postillon Schmidt wurde auch wegen nächtlicher Ruhestörung zu einem Tage Arrest ver⸗ knurrt. Schmidt gab an, er habe die Passage nicht frei gefunden und deßhalb gesetzliche Signale gegeben. Der Gendarm hält diese Signale für viel zu lang, es sei nur als Ruhestörung zu betrachten. Da aber nun in dem Postregulativ das Signalgeben ausdrücklich geboten ist, und da der Postwagen der Kontrole der Gendarmen unterstellt ist, so kann Schäfer in Zukunft jeden Abend, wenn derselbe fährt und bläst, vom Gendarmen wegen Ruhestörung beim Gericht angezeigt und Schmidt, wenn er nicht blast, beim Postmeister wegen Unterlassung der Signale angezeigt werden.
Mainz, 4. Januar. Dank der zuvorkommenden Intervention der hiesigen Staatsanwaltschaft und der emsigen Nachforschung der englischen Geheim Polizei sind am Sonntag in London zwei musterhaft raffinirte Gauner in dem Momente verhaftet worden, als sie eben im Be— griffe standen, eine der Firma Joh. Heininger hier ab⸗ geschwindelte Möbelsendung im Werthe von circa 13,000 M. zu versilbern. Da die beiden Verhafteten Deutsche sind, so wird wahrscheinlich ihre Auslieferung hierher statt— finden. Die Londoner Polizei hat in den beiden Gaunern zwei längst vermißte Verbrecher— der eine soll Hiller heißen— entdeckt und hat ferner ermittelt, daß dieselben ein fö mliches Schwindelbureau in London eingerichtet haben. Man vermuthet ferner, daß die beiden Gauner identisch mit den Personen sind, die seiner Zeit den großen Uhrendiebstahl in der Schweiz ausgeführt haben.
Mainz, 5. Jan. Heute Morgen gegen 6 Uhr fand in der Nähe der Station Klein-Winternheim ein Zu⸗ sammenstoß zwischen zwei Materkalzügen statt. Derselbe ist dadurch entstanden, daß ein Güterzug in einen anderen hineinfuhr. Außer der Beschädigung der Maschine und einer Reihe Güterwagen ist glücklicherweise kein weiterer Unfall zu beklagen.
Allerlei.
Frankfurt, 4. Jan, Verflossene Nacht hörte der Nachtwächter am Theaterplatz ein verdächtiges aus dem Uhrenlager des Hauses Nr. 6 kommendes Geräusch und entdeckte drei Spitzbuben in voller Arbeit im Laden.
Die Signalpfeife rief Sucurs herbei, die Diebe flüchteten unter das Dach des Hauses, wo sie sich versteckten. Man verhaftete und fesselte sie. Einer von ihnen war s. Z. Hausknecht in einem benachbarten Gasthof, der andere hatte bis zu Weihnachten in dem Hause, in welchem schon einmal ein Einbruch vor wenigen Monaten verübt worden war, gewohnt. Der dritte war ein bekannter Spitzbube und nur Hospitant bei der Bande.— Auf dem kleinen Hirschgraben schlich sich ein Dieb in ein offenstehendes Zimmer ein und fand einen offenen Pult, aus welchem er einige Hundert Mark einsteckte. Im Be— griff sich zu entfernen, wurde er bemerkt und durch einen hinzugerufenen Schutzmann verhaftet.
Neuß. In der„Neußer Ztg.“ vom 31. Dezember finden wir folgende Geburtsanzeige:„Das zwanzigste Kind; Ein kräftiger Knabe! Herr, hör auf mit Deinem Segen! Math. Sommer.“
Kiel, 4. Jan. Der Dampfer„Kronprinz Friedrich Wilhelm“ ist heute Nachmittag flott worden und in Be⸗ gleitung von zwei Bergungsdampfern nach Korsör ge— bracht. Das Schiff soll nach Kiel zur Reparatur gebracht werden.
Ag ram, 5. Jan. Heute Abend fand ein eine Seeunde währendes ziemlich heftiges Erdbeben statt.
Paris, 5. Jan. Die Beerdigung Blanqui's fand unter sehr zahlreicher Betheiligung statt. Gegen 20,000 Personen folgten dem Leichenwagen, während eine große Menschenmasse in den Straßen, welche der Leichenzug passirte, Aufstellung genommen. Rochefort und ver— schiedene ehemalige Mitglieder der Commune waren an der Spitze des Zuges. Mehrere Rufe:„Es lebe Roche⸗ fort!“„Es lebe die sociale Revolution!“ wurden ver— nommen. Am Grabe hielten einige Intransigenten Reden. Abgesehen von dem Gedränge in der Rue Roquette und auf dem Friedhöfe kam keine bemerkenswerthe Unord⸗ nung vor.
Was ist's mit den Pfennigsparkassen? (Schluß.)
Fritz: Du sagtest ja vorhin, das Sparen koste Nicht's. Was macht denn da Kosten?
Wilhelm: Alle Sparstationen thun ihr Amt unent⸗ geltlich; der Vorstand gleichfalls. So bleiben nur die Kosten für die Pfennigsparbüchlein und für die Hand— bücher der Sparstationen.
Fritz: Das kann nicht viel betragen, aber immerhin kann daran die gute Sache scheitern.
Wilhelm: Das wäre traurig! Wenn eine Gemeinde sich die Büchelchen drucken läßt, so kann sie 100 schon fix und fertig für 10—15 M. haben. Wieviel Segen brächten aber diese in einen Ort, einen Segen, der sich mit Zahlen gar nicht ausdrücken läßt! Denn wer spart, gewöhnt sich an Ordnung und Genügsamkeit, seine Willenskraft wird gestärkt, sein Gottvertrauen gekräftigt und er steigt in der Achtung seiner Mitmenschen und im Wohlstand. Das Bewußtsein, für den Fall der Noth einen Rückhalt zu haben, erfullt ihn auch bei harter Arbeit mit Freude, erhöht seine Leistungsfähigkeit und bei eingetretener Noth braucht er nicht gleich Anderen zur Last zu fallen.„Selbst ist der Mann.“
Fritz: Daran hab' ich vorhin gar nicht gleich gedacht, daß so viel am Sparen liegt. Jetzt bin ich ganz Deiner Meinung, daß man es recht bequem machen soll, damit mözlichst Viele mit dem Sparen vorwärts kommen. Nun sag' noch weiter, wie kommt denn das Geld in die große Sparkasse?
Wilhelm: Nun dafür gibt's doch überall Boten, die auch Gemeindesachen besorgen. Gegen geringe Vergütung bringen die auch am Ende jeden Monats das Geld von den Sparstationen zur Friedberger Sparkasse. Also: mit 20 Mark sind die Pfennigsparkassen in's Leben zu rufen und zu erhalten. Das kann doch jede Ge⸗ meinde aufbringen zu ihrem eigenen Nutzen! Auch könnte vielleicht von den alljährlichen Bewilligungen der Spar⸗ kasse eine Summe fur solche wohlthätige„Gründungen“ bestimmt werden.
Fritz: Nun, darauf wollen wir nicht warten! Je eher die Pfennigsparkasse in's Leben tritt, desto besser. Mit jeder Woche, die ungenutzt vorübergeht, geht viel materielles und sittliches Kapital verloren.— Doch sag' an: Da könnten ja auch Kinder schon an's Sparen gewöhnt werden?
Wilhelm: Natürlich! Erwachsene und Kinder können einlegen von 5 zu 5 Pf., bis 95; Wohlhabendere können ihren Kindern die Freude machen, allwöchentlich ihr Taschengeld hinzutragen und die Kinder der Geringen bekommen doch auch ab und zu ein Paar Pfennige. Die sind da am besten für die Zukunft angelegt.
Fritz: Ich muß es offen gestehen, mein Mädchen hat schon manchmal dort und dort eine Kleinigkeit verdient und ich wollte sie ihm gerne lassen, hab' ihm auch schon zur Kirchweihe oder sonst ein Paar Pfennige gegeben. Die wurden zurückgelegt und—
Wilhelm:— dann auch wieder ausgegeben. Ist's nicht so? Da war es mit dem Sparen mit einem Mal am Ende. Hättest Du das Spargeld nicht zur Hand gehabt, wovon hättest Du dann Schuhe oder Schürze oder das Heft oder das Buch für Dein Kind gekauft?
Fritz: Nun, dann hätte ich eben in die Tasche greifen müssen,—
Wilhelm:— und es wäre auch gegangen. Siehst Du nun, wie wohlthätig es ist, wenn man das, was man für sich oder die Kinder sparen will, nicht selbst in der Hand behält, sondern in die Sparkasse thut. Dazu sollen die Pfennigsparkassen helfen, die nehmen auch kleine und mur kleine Beträge, höchstens 95 Pf. an.
Fritz: Da braucht man sich doch nicht zu schämen, Einmal war ich Renten fest.
wenn man nicht viel einlegen kann.
0 an der Sparkasse und wollte 2 Mark, die ich gerade übrig hatte, einlegen. Wie ich's dem Rechner sagte, hoͤrte ich hinter mir lachen, da standen Leute, die 50 und 500 M. einlegten, da schämte ich mich mit meinem bischen Geld.
Wilhelm: Das brauchst Du nicht. Wenn Du aber wieder nur 1 oder 2 Mark hast, theilst Du es in 3 oder 4 Theile und läßt das auf Deine Kinder in der Pfennigsparkasse einschreiben und bringst dann in der nächsten Woche, so viel Du erübrigen kannst, dazu. Sind's nicht 2 Mark, so thuts auch 1 oder ½ oder weniger. Wenn man nur daran hält, alle Woche, wenn es irgend geht, wenigstens 5 oder 10 Pf. in's Büchel⸗ chen einschreiben zu lassen, so geht's vorwärts.
Fritz: Danke schön, will's thun. Etwas wird man doch übrig behalten für die Kinder. Lieber sollen sie kein Geld zum Naschen mehr bekommen.— Wie ist's aber mit dem Zurückholen der Einlagen?
Wilhelm: Gerade wie mit dem Zurückholen der bis⸗ herigen Einlagen in der großen Sparkasse. Die zahlt jeden Zahltag zurück, was verlangt wird. Die Pfennig⸗ sparkasse kann, weil sie alles eingelegte Geld an diese abgibt, Nichts zurückzahlen; aber die große Sparkasse thut's, sobald Du dort ein Buͤchelchen hast. Ist also eine Mark noch nicht voll eingelegt, so mache sie in der Pfennigsparkasse voll und hole, wenn's nöthig ist, das Geld am nächsten Zahltag aus der großen Sparkasse. Es geht Dir kein Pfennig verloren.
Fritz: Noch Ein's, sei nicht böse. Ich habe noch eine geheime Furcht: Dieses regelmäßige Sparen könnte bei Manchen, namentlich bei Kindern, zum Geiz führen.
Wilhelm: Das kann's, aber eben so auch zur Ord⸗ nung und zur Wohlthätigkeit. Wer spaxt, muß aber an Dem sparen, was er sonst für unnöthige oder doch leicht entbehrliche Dinge ausgibt. Die Armen und Be⸗ dürftigen dürfen unter dem Sparen nicht vergessen oder verkürzt werden, so wenig wie die wohlthätigen Anstalten und gemeinnützigen Vereine. Das wäre sicherlich arger Geiz. Wo man spart, muß man es an sich thun. Man kann ordentlich und gut und auständig leben und doch manche Ausgaben vermeiden. Das bringt erst rechte Freude, wenn man seinen Besitz wachsen sieht und sich sagen kann: es klebt kein unrechter Pfennig, kein zurückbehaltenes Opfer daran, es ist Alles sauer ver⸗ dient und ehrlich gespart.
Fritz: Ich glaub' auch, daß solche Ersparnisse mehr Segen bringen, als große Erbschaften. Und daran können auch die jungen Männer und Bursche theilnehmen, für die die Versuchung zum Geldausgeben oft am größten ist.— Wie Mancher kann da 50 Pf. für sich wöchent⸗ lich sparen!
Wilhelm: Das macht in 5 Jahren 132 Mark 8 Pf.; in 10 Jahren 292 M. 76 Pf.; in 15 Jahren 488 M. 24 Pf. und wer's 20 Jahre fortsetzt, hat sich dann 726 M. 8 Pf. gespart. Das will doch was heißen!
Verloosung.
Meininger 100 ⸗Thlr.⸗Prämien⸗Pfand⸗ briefe von 1871. Bei der am 2. ds. stattgehabten Verloosung fielen auf folgende Nummern höhere Gewinne: 105,000 M. auf Nr. 15 der Serie 1414; 300,000 M. auf Nr. 10 der S. 3673; 3000 M. auf Nr. 4 der S. 109, Nr. 22 der S. 1927, Nr. 25 der S. 2374, Nr. 11 der S. 3259, Nr. 11 der S. 3961 und auf Nr. 18 der S. 3961. Die Zahlung erfolgt am 1. Febr.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 5. Jan. Marktbericht. Heu kostete je nach Qual. der Centner M. 3—4.40, Stroh M. 2.60 bis 3.35. Butter im Großen per Pfd. 90 Pf. bis M. 1., im Detail M. 1.20— 1.10. Eier das Hundert M. 6 bis 8.50. Ochsenfleisch 65—70 Pf., Kuh, Rind⸗, Farren⸗ fleisch 45— 50 Pf., Kalbfleisch 50— 55 Pf, Hammel⸗ fleilch 35— 55 Pf., Schweinefleisch 75—80 Pf. Kar⸗ toffeln 100 Kilo M. 6—7, Weißkraut das Hundert M. 10, Rothkraut 15— 20 Pf. das Stück, Endivien 10 Pf. Sämmtliche andere Preise unverändert.
Denjenigen Ländern, nach welchen Postkarten mit Antwort abgesandt werden können ist jetzt auch die Türkei beigetreten. Derartige Karten sind nunmehr, außer im Inlande, verwendbar für Mittheilungen nach Belgien, Frankreich, Helgoland, Italien, Luxemburg, Niederland und den Niederländischen Colonien, Norwegen, Oesterreich-Ungarn, Portugal, Rumänien, der Schweiz, Spanien, der Türkei, der Argentinischen Republik und nach Alexandrien.
D. Frankfurt a. M., 6. Jan. Die rückgängige Bewegung, namentlich für Creditaetien, war gesteru Abend einer Reprise gewichen. Heute vermochte sich auf höheres Berlin die Tendenz noch mehr zu befestigen. Die Festig⸗ keit hielt jedoch nicht lange an und schwächten sich die Course später wieder etwas ab. Im Ganzen beobachtete die Speculation große Reserve. Für Creditactien machten sich übrigens erneute Baissebestrebungen bemerklich. Die
Haupt ⸗Speeulationswerthe schlossen unter ihrem Abend—
Niveau. Lombarden waren offerirt. Creditactien gestern Abend 2517, bewegten sich zwischen 251/252 ¼ u. 251. Staatsbahnactien, gestern Abend 2835/, gingen zwischen 239 ½ und 238½ um. Lombarden, gestern Abend 91, wichen von 91¼ auf 885/86. Oesterr. Bahnen hielten sich ziemlich fest. Bevorzugt waren Elbthal, die sich von ihrem Rückgange erholten. Galizier etwas matter. Von deutschen Bahnen waren Berlin-Anhalt höher. Breslau—
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Schweidnitz- Freiburg und Hess. Ludwigsbahn etwas matter. Oesterr. Prioritäten gefragt. Amerikanische Prioritäten in gutem Begehr. Von ausländischen Fonds österr. Ungar. Goldrente etwas besser. Pfand⸗
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