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Deutsches Reich.
Darmstadt, 2. April. Der Prinz Alexander
ist gestern Abend aus St. Petersburg wieder hier eingetroffen. Berlin, 1. April. Reichstag. Berathung des Unfallversicherungsgesetzes. Bamberger erkennt die Nothwendigkeit an, daß diese Angelegenheit geregelt werde, wenn schon er der Volage nicht in allen Punkte zustimme. v. Marschall accep⸗ tirt voll und ganz die Principien der Vorlage. v. Hertling begrüßt die Vorlage bei der Unzu— länglichkeit des Haftpflichtgesetzes mit Genug— thuung und wünscht noch einige Ergänzungen desselben, namentlich, um den Entschädigungs— anspruch des Arbeiters gegenüber insolventen Arbeitgebern sicher zu stellen, die Bildung solida— risch haftbarer Industriegenossenschaften. Oechel— häuser plaidirt für Abänderung der Vorlage auf Basis des Haftpflichtgesetzes. Winterer spricht sich Namens der reichsländischen Abgeordneten gegen eine Reichsversicherungsanstalt aus.— 2. April. Bei der fortgesetzten Berathung des Unfallversiche— rungsgesetzes stimmt Richter(Hagen) zwar der in der Vorlage enthaltenen Idee einer Arbeiterver— sicherung principiell zu; im Uebrigen erscheint ihm die Vorlage aber bedenklich und verhängnißvoll. Fürst Bismarck gibt der Hoffnung Ausdruck, die Unfall⸗Versicherung werde sich trotz großer Schwierigkeiten auch auf die landwirthschaft— lichen Gewerbe ausdehnen lassen. Die Vorlage sei nicht socialistisch, sondern eine Forderung des praktischen Christenthums. Der Reichskanzler legt die Vorgeschichte der Vorlage dar und er— klaͤrt die Realisirung derselben für unabweisbar. Darauf, daß der Volkswirthschaftsrath sich der Sympathie Richter's und Bamberger's erfreue, habe er von vornherein nicht gerechnet. Stumm erklärt sich Namens der deutschen Reichs-Partei für die Vorlage im Princip, aber gegen die Bei— tragspflicht des Reichs. Lasker ist gegen den ganzen socialistischen Theil der Vorlage, er er— kennt den berechtigten Kern der Vorlage nur in so weit an, als dieselbe das bestehende Haft— pflichtgesetz durch ein Institut der Versicherung ergänze.
— 31. März. Bei einer heute stattgefundenen Besprechung von Reichstagsabgeordneten über die Frage der Sprenggeschosse, welcher Graf Stolberg präsidirte, einigte man sich über den von Windthorst eingebrachten Antrag, den Reichs— kanzler zu ersuchen, auf eine Vereinbarung mit den Regierungen anderer Staaten hinzuwirken, wodurch jeder dieser Vereinbarung beitretende Staat sich verpflichtet, den Mord oder den Mordversuch gegen ein Staatsoberhaupt, auch wenn es zum Beginn des Verbrechens nicht kam, sowie die öffentliche Aufforderung dazu sowohl den eigenen Staats angehörigen, wie den im Staatsgebiete sich aufhaltenden Fremden gegen— über mit Strafe zu bedrohen und den im Staats— gebiete sich aufhaltenden Ausländer, welcher einen Mord oder Mordversuch begangen, der Regier— ung des Heimahtsstaates auf Verlangen auszu— liefern. Die deutsche Reichspartei, die Deutsch— Conservativen, das Centrum, die Nationallibe— ralen und die Polen treten einstimmig dem Antrage Windthorst bezüglich internationaler Maßregeln gegen Mord und Mordversuch auf Staatsoberhäupter bei. Die Fortschrittspartei und die Secessionisten beschlossen, dem Antrage principiell zuzustimmen.
— 2. April. Der Bundesrath nahm heute die Anträge der betheiligten Ausschüsse auf Ge— nehmigung der Anschlußmodalitäten für Altona und Wandsbeck an das Zollgebiet an und über— wies die Frage über Aufbringung der budget— mäßiger Behandlung der Kosten der neuen Grenze aber denjenigen Ausschüssen zur Vorberathung, welche über die bezügliche Resolution des Reichs— tages zu berichten haben.
Frankfurt, 31. März. Die Zeugenver— nehmungen in dem sogenannten Hochverraths— prozesse gegen hiesige Sozialdemokraten haben nach dem„Int.-Bl.“ am Dienstag begonnen und sollen noch mehrere Tage fortdauern. Es werden hier etwa 70 Personen vernommen.
Hanau. Die in Nr. 76 der„Han. Ztg.“ angekündigte, demnächst stattfindende Verlobung der Prinzessin Elisabeth von Hessen, Tochter des Landgrafen von Hessen, mit dem Prinzen Heinrich von Preußen, ebenso das Eintreffen des Kron— prinzen auf Schloß Philippsruhe, beruhen auf einer müßigen Erfindung.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Ver⸗ mählung des Kronprinzen Rudolf mit der Prin— zessin Stephanie ist nunmehr definitiv auf den 10. Mai festgesetzt
— Officiôs stimmt man dem Windthorst'schen Antrage betreffs gemeinsamer Maßregeln gegen Fürstenmord bei, nur seien Cautelen erforderlich, daß nicht angebliche Mordanschläge zum Vor— wand von Auslieferungsbegehren gemacht werden. Eine Anklage allein oder Denunciation könne nicht genügen. Das Asylrecht für rein politische Delicte müsse aufrecht erhalten bleiben, damit Niemand wegen seiner Gesinnungen allein, die irgend welcher Regierung unangenehu sind, ver— folgt werde.
— 2. April. Das Haus der Abgeordneten verhandelte heute das Gesetz, betr. die Emission von 50 Millionen fünfprocentiger Papierrente, und nahm das ganze Gesetz in der Fassung des Ausschuß-Antrags an.
Dänemark. Kopenhagen. Der Kriegs— minister hat seine Demission gegeben. Der Marineminister übernahm interimistisch die Ge— schäfte des Kriegministers.
Frankreich. Paris. Der Ministerrath beschloß, es liege kein Grund vor, auch das zweite Votum des Pariser Municipalraths vom vorigen Dienstag gegen den Polizeipräfecten zu annulliren. Der Polizeipräfect wird nicht demis— sioniren, vielmehr die erste Gelegenheit ergreifen, um die vom Municipalrath gewünschten Auf— klärungen zu geben.
— 1. April. Der Senat nahm mit 138 gegen 137 Stimmen den Antrag Beranger's an, wonach die Unterdrückung der Obedienzbriefe nicht anwendbar sein soll anf Lehrer und Lehrer— innen, welche bereits vor dem 1. März 1881 fungirten. Jules Ferry hatte den Antrag be— kämpft.
— 1. April. Einer Meldung aus Algier zufolge ist der Khoͤumir-Stamm abermals in das algerische Gebiet eingefallen. General Fargemol hat unverzüglich Vorbereitungen zum Schutze der Grenze getroffen und Befehl erhalten, energisch vorzugehen, ohne die Grenze zu überschreiten.— 2. April. Vier Eingeborene von der Mission des Obersten Platter's, welcher die Aufnahme für die Saharabahn machte, kamen am 28. März nach Ouregla und meldeten, die Mission sei fast vollständig vernichtet und vier Tagereisen von Haurer südlich von Assimu überfallen worden. Platter und sämmtliche Offiziere der Mission seien todt. Ein Mitglied Dianvus und ein Unteroffizier Pobeguin mit 63 Mann entkamen und schlossen sich den Touaregs von Hoggar an, welche versicherten, sie hätten an dem Blut— bade nicht Theil genommeu. Dieselben boten Datteln an, die aber vergiftet waren. Dianvus und 28 Mann starben in Folge dessen. Pobe— guin mit 30 Mann setzten auf dem Rückzuge den Kampf fort, wurden aber südlich von Messe— guem eingeschlossen, und sandte die vier Einge— borenen nach Ouregla. Es ist unverzüglich Hülfe geschickt worden. Man hegt wenig Hoffnung, die 30 Ueberlebenden zu retten, da sie bei ihrer Umzingelung wenig Lebensmittel und Munition besaßen.
Italien. Rom. General Mezzocapo nimmt das Kriegsministerium nicht an, weil er zehn Millionen Mehrausgabe für die Armee ver— langt und die Regierung mit Rücksicht auf die Staatsbilanz dies nicht gewähren kann. Weitere Candidaten für das Kriegs-Portefeuille sind die Generale Ferrero und Avogadro.
Großbritannien. London. Die Staats— einkünfte Englands im abgelaufenen Quartal betrugen 750,000 Lstr. mehr als im März—
Quartal 1880. Die Jahreseinkünfte betrugen 84,041,288 Lstr. somit um 2,776,233 mehr als im Vorjahre.
—„Daily News“ erfährt, die britische Re⸗ gierung habe beschlossen, die internationale Münz⸗ Conferenz nicht zu beschicken.
— Der communistische Arbeiter-Bildungs— Verein hat beschlossen, die„Freiheit“ weiter er— scheinen zu lassen. Derselbe hat ein neues Lokal gemiethet, neue Typen gekauft und einen neuen Redacteur, Namens Marten, engagirt.
— 31. März. Einer Meldung des„R. B.“ aus Neweastle zufolge, haben die Boers vor Prätoria sich verstärkt durch die Boers, welche Potschefstroom belagerten, zwei Kanonen dort eroberten und die Kanonen mit sich führen.— Ein Ausfall der britischen Garnison von Prä— toria wurde unter schweren Verlusten bis in das Fort verfolgt.
Rumänien. Bukarest, 2. April. Die Kammer der Deputirten genehmigte mit 62 gegen 17 Stimmen die Regierungsvorlage betr. die Convertirung eines Theiles der Staatsschuld.
Ein aus der Initiative der Senatoren gestern
im Senate eingebrachter Gesetzentwurf enthält als hauptsächlichste Bestimmung, daß jeder in Rumänien ansässige oder wohnende Ausländer, der durch sein Verhalten die Sicherheit des Staats im Innern oder nach Außen compromit— tiren, die öffentliche Ordnung stören oder an Handlungen Theil nehmen sollte, deren Tendenz auf Umsturz der socialen Ordnung des Landes oder eines auswärtigen Staates gerichtet sind, durch einfaches Decret oder ministerielle Ver— fügung von den Localbehörden ausgewiesen oder in einem anderen Orte internirt werden kann—
Rußland. Petersburg. Der Proceß gegen Ryssakoff, Jeliaboff, Michailoff, die Hesse Helf— mann und Sophie Perowskaja ist nunmehr officiell auf den 7. April anberaumt.
— Die fortgesetzte Untersuchung wegen des Attentats vom 13. März gegen die noch nicht ge— richtlich Belangten führte zu der Verhaftung eines gewissen Nicolai Kilbatschitsch, des Sohnes eines Priesters, der ein volles Geständniß ablegte und unter Anderem aussagte, daß Sprenggeschosse, wie die am 13. März geschleuderten und in der Telescheastraße aufgefundenen, von ihm ange— fertigt seien.
— 2. April. Bei dem Stadthauptmann fand gestern eine Versammlung der am Donnerstag für den zeitweiligen Rath gewählten 228 Wahl— männer statt, welche 25 Mitglieder und 25 Stell— vertreter zu Räthen wählten. Auf allen nach der Hauptstadt führenden Wegen sollen Schlag— bäume errichtet werden, an welchen alle nach der Stadt Reisenden aufgezeichnet werden. Die Reisenden sind verpflichtet, hierbei alsbald ihr Absteigequartier anzugeben. Auf den Bahnhöfen soll eine polizeiliche Controle eingeführt werden. Alle ankommenden Perfonen können nur durch Vermittelung von Polizeibeamten Fuhrwerk nach der Stadt erhalten. Aus der Mitte der ver— sammelten Wahlmänner wurde der Vorschlag gemacht, daß die Mitglieder des zeitweiligen Rathes der Reihe nach auf den Straßen, welche der Kaiser zu passiren hat, die Aufsicht mitführen. Dieser Vorschlag wurde mit lebhaften Hurrah— rufen aufgenommen.
Amerika. Washington. Die Abnahme der Staats-Schuld im Monat März betrug 6,190,000 Dollars. In der Staatscasse be— fanden sich am Ende des vergangenen Monats 230,810,000 Dollars.
Aus Stadt und Land.
— Bad-⸗Nauheim. Hier constituirte sich am 2. ds.
der Taunuselub„Wetterau“. Es fand unter dem Vorsitz des Postmeisters Fouear von Nauheim Berathung der Statuten und Wahl eines aus sechs Mitgliedern be— stehenden Vorstandes statt. Die Betheiligung war des schlechten Wetters wegen verhältnißmäßig gering. Am 8. Mai wird der Verein, in dem bis jetzt unseres Wissens nur Friedberg und Nauheim vertreten sind, seine erste Generalversammlung auf dem Johannisberg abhalken; wir wünschen hierzu gutes Wetter und eine so rege Theil— nahme, wie sie dies gemeinnützige Unternehmen in reichstem Maaße verdient.
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