Ausgabe 
4.1.1881
 
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Einladung

zu der Montag den 17. Januar kommenden Jahres, Vormittags 9 Uhr, zu Friedberg 1 dem Rathhaussaale daselbst stattfindenden General⸗ ersammlung des Mathildenstifts Friedberg-Butzbach, in welcher zur Verhandlung kommen: 1) Feststellung des Voranschlags pro 1881, wobei über Gesuche um Gehaltserhöhung Seitens der Rechner und Controleure, sowie des

Kassedieners zu Butzbach zu entscheiden ist.

2) Erstattung des Verwaltungsberichts der Mathildenstiftung fur verwahrloste Kinder im Kreise Friedberg. 5 3) Wahl von je 6 Mitgliedern der beiden Verwaltungsräthe. 4) Aufnahme-Gesuch der Gemeinde Ober-Hörgern. N 5) Bestimmung über Höhe des Zinsfußes von Einlagen und Darlehen,§. 23 und 31 der Statuten.

6) Verfahren bei Zinsenrüͤckständen.

7) Mittheilung über Aufnahme neuer Mitglieder.

Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein Friedberg den 31. Dezember 1880.

Der Präsident des Mathildenstifts. Dr. Braden.

Dentsches Reich. Darmstadt. Die Schloßbeschließer Dönges

zu Friedberg und Roß zu Wolfsgarten wurden

zu Schloßverwaltern ernannt.

Ausland.

Großbritannien. London, 31. Dec. 1880. Dem heutigen Cabinetsrathe wohnten sämmtliche Minister bei.Pallmall-Gazette zufolge würden von den Truppen in Irland, wie bei der fenischen Bewegung, neun mobile Colonnen gebildet, welche das Land nach allen Richtungen durchstreifen sollen.

Eine amtliche Depesche aus Pietermaritz burg vom 30. Dec. 1880 meldet gerüchtweise, die Boers hätten Pretoria occupirt, die britischen Truppen seien nach dem Fort retirirt.

Spanien. Madrid, 30. Dec. 1880. Die Thronrede betont ferner die Nothwendigkeit, die Kriegsmarine für die nationale Vertheidigung zu vermehren, gleichzeitig aber vas Deficit zu beschränken, die jetzigen Verbindlichkeiten zu ver ringern und die Hülfsquellen durch neue Abgaben zu vermehren, ohne den nationalen Boden zu überlasten.

Türkei. Constantinopel, 31. Dec. 1880. Ein Rundschreiben der Pforte an ihre Vertreter im Auslande lehnt das Schiedsgericht ab, ohne irgend einen anderen Vorschlag in Aussicht zu stellen.

DiePetersb. Ztg. erfährt, die Pforte stehe den von britischen Blättern gemeldeten massenhaften Transportirungen bulgarischer Fa milien von Macedonien nach Kleinasien nicht gleichgültig gegenüber, schiebe aber die Verant wortung für diese Ausschreitungen den localen Behörden zu; letzteren seien strenge Instructionen wegen Abstellung des Uebels zugegangen.

Griechenland. Athen, 31. Dee. 1880. Die Kammer genehmigte in erster Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Convention über die 12⸗Millionen-Anleihe. Ministerpräsident Kummunduros trat lebhaft für den Gesetzentwurf ein, indem er die Nothwendigkeit der Anleihe im Interesse der Landeswohlfahrt und Größe Griechenlands darlegte. Die Budgetcommission sprach sich einstimmig für rasche und wirksame Vorbereitungsmaßregeln aus; die Nation erwarte den bestimmten Beschluß der Kammer zur Aus führung der Beschlüsse der Berliner Conferenz.

Rußland. Petersburg, 31 Dec. 1880. DerAgence russe zufolge sollen die Verhand

lungen mit dem chinesischen Gesandten Tseng

beendet sein; die Entscheidung der chinesischen Regierung werde erwartet.

Amerika. Newyork, 30. Dec. 1880. Das Schatzamt hat am Donnerstag 1,675,000 Dollars in Checs für Amortisirung der 6procentigen Bonds von 1880 ausbezahlt. Etwa sieben Millionen dieser Bonds restiren noch.

Aus Stadt und Land.

Mainz, 30. Dez. 1880. Gefänglich eingebracht wurde estern Abend per Gendarmerie ein 17jähriger Fortbildungs⸗ schüler aus Hochheim bei Worms, welcher einen Kameraden mittelst mehrerer Messerstiche lebensgefährlich verwundete. Alzey, 30. Dez. 1880. Bei einer gestern im Vorholze bei Alzey stattgefundenen Treibjagd, welche von dem herr lichsten Wetter begünstigt war, fanden sich auf einer großen Waldblöße eine ziemliche Anzahl großer gelber Schmelterlinge(Citronfalter), welche im Sonnenschein umherflatterten. Gewiß eine seltene Erscheinung für die

Vorneujahrswoche, besonders im Vergleich zu der außer ordentlichen Kälte, welche um diese Zeit im vorigen

Jahre herrschte.

Allerlei.

Crefeld, 29. Dez. 1880. Gestern starb nach zwei tägiger Krankheit ein Mitglied der zur Zeit im hiesigen Thiergarten weilenden Eskimotruppe, die den Namen Bängnu führende Ehefrau des heidnischen Eskimo Teggianjak, nachdem ihr vor 14 Tagen während der Rundreise der Truppe in Darmstadt ihre 15jährige TochterNogosak im Tode vorausgegangen war. Be handelt wurde FrauBängnu durch zwei hiesige Aerzte. Die Todesursache war wohl Altersschwäche.

Bremen 31. Dez. 1880. Die Weser, die schon in stetigem Fallen gewesen war, verursachte durch einen Deichbruch in Niederblockland wieder Ueberschwemmung und wuchs in der Nacht abermals erheblich, so daß ein Theil der Häuser der Vorstädte Wasser im Souterrain haben. Es erscheint jedoch die Hoffnung begründet, daß die Ueberschwemmung ihren Höhepunkt bald erreicht haben wird und größere Gefahren von den Vorstädten abgze wendet bleiben.

Kopenhagen, 30. Dez. 1880. Der deutsche Post dampferKronprinz Friedrich Wilhelm? ist gestern Abend bei dickem Nebel auf dem Halkov-Riff bei Korsör ge strandet. Das Vorderschiff ist voll Wasser, Passagiere und Post sind geborgen.

Athen, 31. Dez. 1880. Der Vorstand der Stadt verwaltung telegraphirt dem Lordmayor in London: In dem Augenblicke, wo ganz Griechenland unter Waffen steht, haben wir die freudige Nachricht zu verkünden, daß die Statue der siegreichen Minerva, ein Meisterwerk des Phidias, vollständig wieder aufgefunden worden ist.

New⸗Nork, 30. Dez. 1880. Der Schneefall hat nachgelassen, die strenge Kälte dauert fort.

Die Schwindsucht eine ansteckende Krankheit.

Daß die Schwindsucht eine ansteckende Krank heit ist, wird jetzt wohl allgemein anerkannt; soll doch sogar die sogenannte Perlsucht der Rinder durch Genuß ungekochter Milch auf Menschen übertragen werden können. Mehr wie bei anderen Krankbeiten scheint es in Bezug auf die Ansteckung bei der Tuberculose auf erb liche Anlage und augenblickliche Disposition anzukommen. Als wirksamer Schutz gegen diese Krankheit und eventuelle Heilung derselben in den ersten Stadien wurde außer den bekannten Mitteln rationeller Ernährung neben ruhiger regelmäßiger Lebensweise in guter Luft, be sonders die sogenannte Athemgymnastik, d. h. öfteres, tiefes, gleichmäßiges Athemholen durch die Nase in möglichst reiner Luft empfohlen. Das Athemholen durch den Mund sei sowohl bei Tage als in der Nacht zu vermeiden. Daß es wünschenswerth erscheint, die von Schwind süchtigen im letzten Stadium der Krankheit ge brauchten Sachen, wie bei allen übrigen an

steckenden Kranken, zum Mindesten vor dem

Weitergebrauch genügend zu desinficiren, läßt sich aus dem kürzlich veröffentlichten Bericht eines Arztes, des Sanitätsrathes Dr. Davosky zu Celle, ersehen. Es heißt dort:Wie erschreck lich die Verheerungen sind, welche die Schwind sucht anrichtet, mag man daraus ersehen, daß in England jährlich fünfzigtausend Menschen, in Deutschland jährlich hundertachtzigtausend Menschen dieser Krankheit erliegen. Weder die Pest noch die Cholera haben so viele Opfer ver langt, denn in den fünf Cholerajahren erlagen in England dieser Krankheit zweiundsechszig tausend Menschen, der Schwindsucht hingegen viermal so viel. Nun steht es fest, und neuere Forschungen haben es wiederum erwiesen, daß die Schwindsucht zu den austeckenden Krank heiten gehört, daß dieser Ansteckungsstoff, mag

man ihn Monas tuberculosum oder anders be

nennen, eine ungeheure Keimfähigkeit besitzt, daß er selbst in millionenfacher Verdünnung noch im Stande ist, den Körper zu inficiren und den selben Krankheitsproceß hervorzurufen. Nur darin unterscheidet er sich von den anderen zymotischen Krankheiten, daß nach erfolgter Ansteckung die ersten Symptome der übertragenen Tubereulose nicht in so kurzer Zeit, wie nach Typhus-, Ruhr-, Scharlach-Austeckung sich zeigen, daß vielmehr oft mehrere Monate hingehen, bevor die gefahr drohenden Krankheitserscheinungen sich einstellen. Darin ist auch der Grund zu suchen, warum noch heute Viele die Ansteckungsfähigkeit der Schwindsucht leugnen und die Uebertragbarkeit des Tuberkelstoffes in Abrede stellen, warum aber auch namentlich die Laienwelt an eine erst so spät sich äußernde Ansteckung nicht glaubt. Wir haben Vereine zur Verbesserung unserer Gesundheitsverhältunisse, wir suchen durch Rein haltung des Bodens unter unseren Wohnstätten den Herd von zymotischen Krankheiten zu zer stören, es werden Millionen zur Kanalisation der Städte, für Liernoursches, für Tonnen System verausgabt, sollte sich zur Zerstörung des Tuberkelstoffes, zur Desinficirung der Betten und Kleidungsstücke Schwindsüchtiger nicht ein wirksames Verfahren in's Leben rufen lassen? Uns stehen über die Benützung von Kleidungs stücken, Betten ꝛc., die Schwindsüchtige im letzten Zeitraum ihrer Krankheit im Gebrauche hatten, die traurigsten Erfahrungen zu Gebote; möchten diese Warnungsrufe die gebührende Beachtung finden.

Landwirthschaftliches.

Im Kreise Friedberg werden die Milzbrand Verordnungen stramm gehandhabt. Man thut wenigstens von Seiten der Verwaltungsbehörde das Möglichste, um der Ausbreitung des Milz brandes entgegen zu wirken. Wir Landwirthe müssen das anerkennen, wir müssen aber auch zum guten Gelingen mitwirken.

Nach meiner Ansicht gibt es noch zwei recht wunde Punkte in der Sache. Zum ersten brauchen wir in jeder Gemeinde eine Controle über Ab und Zugang von Vieh, namentlich auch der Schafe. Man spricht trotz der Milzbrandver ordnungen von Orten, in denen auch krepirtes Großvieh, also nicht nur Schafe, ohne Zuzieh ung von Veterinärärzten noch gehaͤutet werden. Daß das absolut unmöglich wird, dazu gehört eine scharfe Controle von vielleicht verpflichteten Leuten in jeder Gemeinde.

Der zweite Uebelstand betrifft das Trans portiren der Milzbrandcadaver. Die Trausport wagen, die ich bis jetzt sah, sind sich alle gleich. Die Cadaver werden, mit dem Hinter⸗ theil zuerst, auf die Wagen gerollt, liegen mit dem Theil hoch, der Kopf hängt am hinteren Wagen nach unten. Beim Transport läuft dann Blut und Exudatwasser ost in Masse aus; ich sah vom Abgangsort bis zum Wasen in einer Länge von über einer Viertelstunde einen an haltend breiten Streifen von dem Auslauf, und der ging durchs Ort über Weg, Weide und Wiese. Nach Dr. F. Roloff(Archiv V und VI) sind an den Milzbrandcadavern neben dem Blute auch die flüssigen Ausscheidungen, Nasenschleim ꝛc. voller Milzbrandbakterien. Diese werden also in kolossalen Massen verstreut, vom Regen nach

den Niederungen verschwemmt, bei Trockenheit

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