berathung des Antrages über die Wiedereinführ— ung der Listenwahl. Von den gewählten Mit— gliedern dieser Commission ist nur eines für den Antrag. Trotzdem versichert man, der Senat würde, da die Frage speciell die Kammerwahlen angehe, den Antrag im Princip nicht ablehnen. Er werde aber transitorische Bestimmungen unter— drücken, wonach die Zahl der Deputirten um etwa 118 zu vermehren sei. In den Bureaux stimmten für den Antrag 18, dagegen 77. 86 Mit— glieder hatten sich der Abstimmung enthalten. Jules Simon erklärte speciell, er werde den An— trag bekämpfen.
— 31. Mai. Nachrichten aus Beja zufolge wurde Seguin, Redacteur des„Telegraphe“, an den Thoren Beja's von Arabern mit Stein— würfen angegriffen und am Kopfe und Unter— leib durch Messerstiche verwundet. Seguin ist in Folge der erlittenen Verwundungen am nächsten Tage gestorben. Die Mörder sind verhaftet worden.
Großbritannien. London. Aus der Grafschaft Galway wird ein neuer agrarischer
cord gemeldet.
— 30. Mai. Unterhaus. Unterstaatssecre— tär Dilke antwortet Otway, der Minister Bar— thélemy St. Hilaire erklärte dem britischen Bot— schafter Lord Lyons, der französische Comman— deur habe aus Mißverständniß ein oder zwei fremde Schiffe visitirt; es seien neue Instruc— tionen an denselben abgegangen, welche ein der— artiges Mißverständniß in Zukunft verhindern sollten. Ferner erwiedert Dilke gegenüber La— bouchere, die Regierung sei gegenwärtig nicht bereit, über das Verhalten des Fürsten von Bulgarien ihre Ansicht auszudrücken.
—„Times“ will wissen, die Regierung er— wäge auf Anregung der irischen Executive ernst— lich die vollständige Unterdrückung der irischen Bodenliga.
— Einer Meldnung der„Times“ aus Cal— cutta zufolge empfing die indische Regierung den peremptorischen Befehl, das Pischinthal so zeitig als möglich zu räumen. Quetta soll die dußerste Grenzstation bilden. Der Befehl er— folgte trotz des Widerspruchs der indischen Regierung.
Dublin, 3t. Mai. Der Hauptorganisator der Agrar⸗Liga, Kettle, ist am Montag Abend in Naas unter der Beschuldigung der Aufreiz— ung der Bevölkerung verhaftet und gefangen gesetzt worden.
Italien. Rom.„Popolo romano“ meldet: Das Ministerium hat die Bestimmung aufge— hoben, nach welcher alle ausländischen Besitzer von italienischer Rente zur Declaration bei der Couponzahlung verbunden waren.
Serbien. Belgrad, 30. Mai. Die Skup— schtina hat den Handelsvertrag mit Oesterreich— Ungarn mit 112 gegen 22 Stimmen ange— nommen; sechs Mitglieder enthielten sich der Abstimmung.
— 30. Mai. Der serbische Gesandte Petro— niewitsch, bisher in Bukarest, ist nach Berlin abgereist.
Rumänien. Bukarest, 30. Mai. In der heutigen Kammersitzung legte der Finanzminister einen Entwurf zum Umtausch und zur Bezahl— ung der sechsprocentigen Schuld-Verschreibung der Eisenbahn-Actiengesellschaft vor, wogegen 40 Millionen Staats-Obligationen ausgegeben werden. Der Sitz der Gesellschaft soll von Berlin nach Bukarest verlegt werden.
Amerika. Washington. Wegen Reclama— tionen der amerikanischen Fischer über die Be— einträchtigung der Fischerei in der Fortunaty— Bai(Neufundland) sind die zwischen England und den Vereinigten Staaten geführten Ver— handlungen beendet. England willigte ein als Entgelt für die von den Fischern geltend ge— machten Entschädigungsansprüche 15 Mill. Lstr. zu bezahlen.
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg, 31. Mai. In der gestern statt⸗ gehabten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde auf die Beschwerde eines Hauseigenthümers auf dem Haak wegen mangelhaften Wasserabflusses beschlossen,
durch Abänderung der Einsturzvorrichtungen Abhülfe zu versuchen. Durch die Kündigung eines städtischen An— leihens und die Kosten der Erbauung der Kleinkinder— schule und Geländeerwerb ist die Ausgabe einiger städtischen Obligationen erforderlich geworden; dieselben sollen zu 4 pCt. ausgegeben und demgemäß abgestempelt werden. Bezüglich Herstellung einer Brückenwaage in der Nähe des Bahnhofes wurden neue Vorschläge des G. H. Freundlieb zur Kenntniß des Gemeinderathes gebracht, wonach der Genannte die Brückenwaage auf eigene Rechnung bauen und die Stadt an dem Ertrag derselben betheiligen will, wenn letztere auf Erbauung einer eigenen Waage verzichtet. Der Ge— meinderath beschloß, auf seinem früheren Beschlusse, eine städtische Waage zu erbauen, über Art und Zeit der Erbauung jedoch weitere Entschließung vorzubehalten, zu beharren. Auf eine Eingabe des J. Bender bezüglich Herstellung der Seitenmauer am Capellenwege wurde vom Stadtbaumeister ein Kostenvoranschlag vorgelegt und beschlossen, da für dieses Jahr keine disponibeln Mittel vorhanden sind, die Herstellung im nächsten Vor— anschlag vorzusehen. Der Voranschlag der Realschule für die Budgetperiode 1882— 1885 wurde vorgelegt, ge— prüft und der Bürgermeister beauftragt, verschiedene Bedenken und Wunsche des Gemeinderathes bei der vor— gesetzten Behörde geltend zu machen und näher zu moti— viren. Der Entwurf eines Polizeireglements zur Feuer— wehrlöschordnung der Stadt Friedberg wurde im Ganzen genehmigt, es sollen jedoch einige Abänderungen bei dem Großh. Kreisamt beantragt werden. Die Verbreiterung der Straßbach soll, wenn mit den anstoßenden Grund— besitzern eine Verständigung zu erzielen ist, alsbald aus geführt werden. Die von dem Stadtbaumeister ange— fertigten Pläne und Kostenüberschläge für den Bau von Pferdeställen und sonstigen Räumen für öffentliche Zwecke auf dem Platze des alten sog. Knorr'schen Schulhauses wurden vorgelegt und die Baucommission mit der Prüfung derselben und demnächstigen Berichterstattung beauftragt.
B. Friedberg. Vor etwa 8 Tagen hat der Taunus— elub„Wetterau“ angefangen, in den Wäldern nach dem Winterstein Wegweiser-Tafeln anzubringen und schon am Freitag trafen Meldungen ein, daß bereits 2 Tafeln von ruchloser Hand zerstört worden sind. Der Taunus— elub hat auf die Ergreifung des Thäters 5 M. Belohnung gesetzt. Hoffentlich wird es gelingen, dem Buben die ihm gehörende Bestrafung zu Theil werden zu lassen, damit ein abschreckendes Beispiel an ihm statuirt werde. An Alle, die für die gemeinnützigen Bestrebungen des Taunuselubs ein Verständniß haben, insbesondere aber an die Lehrer und Ortsvorstände, richtet man die dringende Bitte, mit dahin zu wirken, daß dergleichen Rohheiten nicht mehr vorkommen können. Der von dem Taunus— elub auf Himmelfahrttag veranstaltete Ausflug in den Wald hinter dem Franckenstein'schen Tempel verlief, von schönstem Wetter begünstigt, in gelungenster Weise. Ein⸗ stimmig wurde der Wunsch nach öfterer Veranstaltung derartiger Parthien ausgesprochen und wird der Vor— stand diesem Wunsche gerne nachkommen. Mehrere Mit— glieder benutzten den schönen Tag zu einer größeren Fuß— tour nach Ziegenberg, Cransberg, Pfaffenwiesbach und von da auf den Vereinsfestplatz. Von Seiten des Vor— standes sind für größere Fußtouren in diesem Sommer vorgesehen: Tour 1: Butzbach, Hausberg, Oes, Bodenrod, Waldmichelbach-Thal, Maibach, Ziegenberg. Tour 2: Winterstein, Cransberg, Pfaffenwiesbach, Lochmühle, Köpperner Thal, Bainhards. Tour 3: Capersburg, Lochmühle, Saalburg, Feldberg(daselbst übernachten), Rückmarsch: Königstein, Falkenstein, Cronberg, Frankfurt. Tour 4: Nauheim, Steinfurth, Münzenberg, Butzbach. Erwünscht wäre, wenn sich unsere Gesangvereine als solche an einer oder der anderen Tour betheiligen würden.
Friedberg. Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ernannte in ihrer am 29. Mai in Kiel abgehaltenen Generalversammlung den Prinzen Heinrich einstimmig zum Ehrenpräsidenten. Der Jahresbericht der Gesellschaft eonstatirt die erfreuliche Entwickelung des deutschen Rettungswerkes und die guten Beziehungen zu den auswärtigen Gesellschaften. Der bisherige Vorstand wurde wledergewählt. Die nächste Jahresversammlung findet in Mainz statt. Es wäre sehr zu wünschen, daß immer noch mehr Mitglieder beiträten. Anmeldungen nehmen bekanntlich Fabrikant Carl Trapp hier und Salinenrentmeister Nebhuth in Bad-Nauheim entgegen.
Bad⸗Nauheim. Endlich ist die Weisung zur Niederlegung des alten Spielsals ergangen. Aus dem noch brauchbaren Material wird eine Baracke für das hiesige Kinderhospital hergestellt.
Reichelsheim. Gelegentlich der am 15. Mai hier abgehaltenen Versammlung des Landespferdezuchtvereins wurde, dem„W. B.“ zufolge, unter anderm auch die behufs Anlage einer Fohlenwelde für die Provinz Ober⸗ hessen, event. für den Kreis Friedberg und die benach— barten Kreise nöthige Vorlage gemacht, mit welcher Bürgermeister Küchel in Butzbach in der letzten land⸗ wirthschaftlichen Bezirksvereinssitzung betraut wurde. Die von Pferdezüchtern und Pferdekennern sehr zahlreich be— suchte Versammlung sprach sich einstimmig fur die Noth— wendigkeit einer Weide aus und wurde deren Anlage auf der Oes so warm empfohlen, daß die Inbetriebsetzung der Anlage für nächstes Jahr sicher gestellt erscheint. Ein zweites von Oeconom Rullmann vor Jahren schon vorgeschlagenes Project zu einer Fohlenweide wurde von demselben abermals der Berücksichtigung empfohlen. Im Allgemeinen sprach man sich jedoch dahin aus, daß dieses Projeet seither energischer zu betreiben gewesen wäre, daß man jetzt aber, um nicht abermals wieder lange Zeit zu verlieren, die für die Gemarkung Oes sprechende Vorlage weiter verfolgen möge.
Allerlei.
Homburg v. d. H., 30. Mai. Die Kahlbach Bevölkerung wurde gestern durch einen Mord in groß Aufregung versetzt. Schon seit geraumer Zeit leblen zwei Nachbars⸗Familien Namens Kornel und Bergmann in Streit, der bei der Gemeinde beinahe sprüchwörtlich geworden war. Gestern Abend nach 7 Uhr kehrte Berg⸗ mann, ein Familienvater und etwa 40 Jahre alt, von einem Ausgange zurück und wurde zu Hause mit der
ungen ausgestoßen und sei aggressiv gegen die Kinder vorgegangen. Sofort stellte ihn Bergmann zur Rede es gab einen Wortstreit, dann setzte es Prügel ab, und
es dem Manne in die Brust. Ein großer Blutstrahl spritzte aus dieser hervor, der Unglückliche sank zusam⸗ men und war in kurzer Zeit eine Leiche. Den Jammer der Frau und ihrer 5 armen Kinder kann man st
und heute Morgen in das hiesige Amtsgefängniß ein— gebracht.
London, 26. Mai. Der Bildhauer Böhm ist mit der Herstellung einer prachtvollen Gruppe aus weißem Marmor, die verstorbene Großherzogin Aliee von Hessen⸗ Darmstadt und deren Tochter darstellend, beschäftigt. Die Fürstin und ihre Tochter liegen schlummernd auf einem Ruhelager, das Kind vom linken Arm der Mutter umschlungen. Das Skulpturwerk, welches Aehnlichkeit mit dem jüngst im Mausoleum in Frogmore errichteten Denkmal der verewigten Fürstin hat, ist für den Groß⸗ herzog von Hessen-Darmstadt bestimmt und wird nach seiner Vollendung nach Darmstadt gesandt werden.
Athen. Lesseps übernahm die Durchstechung des Isthmus von Korinth nach den Bedingungen des Ge— setzes von 1879.
Alexandrien. Von hier wird gemeldet, daß der Nil bei Khartum zu steigen angefangen hat.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 1. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.25— 1.30, Eier per St. 5 Pf., 2 St. 11 Pf. Frtledberg, 31. Mai. Fruchtbericht. Waizen M. 24.00, Korn M. 22.50, Gerste M. 16.—18., Hafer M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfd. Gießen, 31. Mai. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.00— 1.10, Eier 1 Stück 4 bis 5 Pf., Käse per Stück 4—10 Pf., Tauben das Paar 6080 Pf., Hühner per St. M. 1.20— 1.50, Hahnen per St. M. 1.00— 1.20, Enten per St. M. 2.— 0.00, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 48— 50 Pf., Kalbfleisch 40—44 Pf., Hammelfleisch 68—70 Pf., Schweineflelsch 62—68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00— 6., Zwiebeln per Ctr. M. 25.—30., Kirschen das Pfd. 1 M. Frankfurt, 31. Mai. Viehmarkt. Angetrieben waren 400 Ochsen und Stiere, 320 Kühe, 280 Kälber und 150 Hämmel. Die Preise stellten sich per 100 Pfd. Fleischgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 62.—64., 2. Qual. M. 58.— 60., Kühe 1. Qual. M. 52.—54., 2. Qual. M. 45.— 50., Kälber 1. Qual. M. 56.—57.,
2. Qual. M. 40.—50. Schweine wurden 610 eingeführt und mit 65 Pf. bezahlt.
Frankfurt, 30. Mai. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39.50, Nr. 2 M. 37.50, Nr. 3 M. 32.50, Nr. 4 M. 28.50, Nr. 5 M. 25.50, Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 31—31.50, do. 1.(Berl. Marke) M. 29.50, do. 2.(Berl. Marke) M. 24.50, Weizen, eff. hies., ab Bahnhof hier M. 24.75— 00., ab unserer Umgegend M. 24.25— 24.50, do. fremder je nach Qual. M. 23.50 bis 24.50, Roggen je nach Qual. M. 22.60— 70, Gerste M. 18.50 20.00, Hafer M. 15.50 16.25, Kohlsamen M. 29.00— 30.00, Erbsen M. 19— 27, Wicken M. 16.50 bis 17.50, Linsen M. 20.—40., Bohnen, weiße, M. 23. bis 25., Rüböl, detail, M. 64. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht— 100 Kilo.
Geld⸗Cnurs. Frankfurt am 31. Mai 1881. 20 ⸗Frankenstücke ee M. 46 1721
do. u/ Englische Sovereignsz.„% 820 39—44 Russische Imperiales„ 16 71—76 Ducatenn.„ 9 55—59 1 al mige;,;„ 9 58—63 Dollars in Gold. N48„ 425—28 Volksbad.
Wasserwärme am 31. Mai: 160 Reaumur.
Walter.
Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. Pfingstfest.
Donnerstag Abends 7¼ Uhr. Freitag Morgens 8 Uhr.
Aufforderung.
2010 Forderungen und sonstige Ansprüche an den unter der Rechtswohlthat des Inventars angetretenen Nachlaß der Magdalena Ritzel Wittwe in Friedberg sind binnen 8 Tagen, insoweit nicht geschehen, bei Meidung Nicht⸗ berücksichtigung dahier anzumelden. Friedberg den 28. Mai 1881.
Großherzogliches Amtsgericht Friedberg.
Herzberger. Hohenstein,
Hülfsgerichtsschreiber.
Mittheilung empfangen, der Nachbarssohn habe Droh⸗
schließlich zog der 17jährige Bursche ein Messer und stieß
denken. Der ruchlose Mörder wurde sofort verhaftck
2. Qual. M. 35.—48., Hämmel 1. Qual. M. 60.—62.,
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