Ausgabe 
30.11.1880
 
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Hamburg, 2. Nov. Gestern hat eine

von ca. 1500 Personen besuchte Versammlung

der Hamburger Zollanschlußpartei stattgefunden, welche sich gegen das von den Faktoren der hiesigen Gesetzgebung seit 1867 und 1871 ge⸗ übte und in jüngster Zeit fortgesetzte Verfahren aussprach, ihre volle Zustimmung zu dem für das Wohl Hamburgs unternommenen Schritte der 32 Unterzeichner der Adresse an Fuürst Bismarck aussprach und erklärte, alle weiteren Maßnahmen der Unterzeichner nicht nur sym⸗ pathisch begleiten, sondern auch thatkräftig unter stützen zu wollen.

Stuttgart. Der Verein für das Wohl der arbeitenden Classen hat 6000 Mark zur Prämiirung von Arbeitern auf der nächst⸗ jährigen Landesausstellung und 1500 Mark für Unterstützung von Arbeitern zum Besuche der Ausstellung ausgeworfen.

Ausland.

Frankreich. Paris, 27. Nov. Baudry d'Asson richtete an Gambetta ein Schreiben mit dem Gesuch, daß die Präsidenten und Quästoren der Kammer wegen eigenmächtiger Freiheitsberaubung nach Artikel 341 des Code penal zur Rechenschaft gezogen würden.

26. Nov. Im Senat begann die General discussion über das Budget. Derselbe vertagte sich nach einer langen Rede Gaverdi's, welcher die Regierung angriff und die Weiterberathung für morgen vorschlug. 27. Nov. Gaverdie setzt seine Angriffe gegen verschiedene Minister fort. Der Senat genehmigte das Budget des Ministeriums des Innern. Auf den Antrag Brogli's wird die Berathung des Budgets des Ministeriums des Aeußern auf Dienstag ver schoben.

27. Nov. Das Zuchtpolizeigericht ver urtheilte in der Affaire Cissey unter Annahme mildernder Umstände wegen Beleidigung und Verläumdung den Abg. Laisant und den Redac teur und Geranten des JournalsLe Petit Parisien, Chauvin, Ersteren zu 4000 Fr. und den Letzteren zu 200 Fr. Geldbuße, beide soli darisch zu 8000 Fr. Entschädigung und zur Veröffentlichung des Urtheils in 10 Journalen. Eine gleiche Verurtheilung wurde gegen Rochefort und Delpierre, Redacteur und Gerant desIn transigeant, ausgesprochen.

Großbritannien. London, 26. Nov. Der gestrige Cabinetsrath beschloß in der December Session des Parlaments keine Zwangsmaßregeln für Irland vorzuschlagen, da hierfür eine Noth wendigkeit nicht vorliege. Sobald das Par lament zusammengetreten ist, beabsichtigt die Regierung eine irische Bodenreformbill einzu bringen. DieTimes bezeichnet die Minister krisis als beseitigt.

27. Nov. Ein unter dem Vorsitz der Königin in Windsor abgehaltener Geheimrath beschloß, das Parlament am 6. Januar einzuberufen.

Reuter's Bureau meldet vom 27. Nov.: Nachrichten aus Herat vom T. d. zufolge be findet sich Ayub Khan in einer sehr schwierigen Situation; von Hülfsmitteln entblößt und nur wenig Anhängern, erhielt er keine Unterstützung von Seiten Persiens.

Dublin. Das Gericht hat den Beginn des Staatsprocesses gegen Parnell und Genossen auf den 28. December anberaumt.

Italien. Rom, 25. Nov. Deputirten kammer. Bei Berathung von Interpellationen über auswärtige und innere Politik weist Mi nisterpräsident Cairoli den Vorwurf, daß die Regierung eine unsichere Politik habe, zurück Italien habe die vom Parlament vorgezeichnete Friedenspolitik befolgt. Die Politik Italiens sei stets eine versöhnliche gewesen. Italien sei nicht zu tadeln, daß es sich ohne Weiteres der Politik Englands anschloß; denn Italien durfte nicht isolirt werden. Der Minister hofft be züglich der griechischen Frage, daß die Türkei die Nothwendigkeit erkennen werde, die Con greßbeschlüsse auszuführen.

Spauien. Madrid, 26. Nov. Das JournalCorreo erfährt: Der Ministerrath unter Vorsitz des Königs berieth über eine Be schwerde der französischen Regierung wegen schlechter Behandlung von aus Frankreich aus gewiesenen Kapuzinern, welche sich in Barcelona ausschifften.

Türkei. Konstantinopel, 26. Nov. Derwisch Pascha erließ eine Proclamation an die Be wohner Dulcigno's, worin es heißt: Die Ab tretung Dulcigno's ist eine vertragsmäßige Ver pflichtung. Euere Interessen, Euer Wohl rathen zur schleunigen Unterwerfung. Ich fordere Euch somit auf, Euch der endgültigen Entscheidung der Pforte zu fügen, widrigenfalls ich gemäß der mir durch den Belagerungszustand und das Gesetz eingeräumten Gewalten sofort strenge einschreiten werde. Ich werde die Auswander ung erleichtern und Trausportmittel und Wohn ungen auf türkischem Gebiete auweisen, sowie Geldunterstützungen gewähren.

Rumänien. Bukarest, 27. Nov. Die Thronrede, mit welcher der Fürst die Kammern eröffnete, constatirt die guten Beziehungen zum Auslande, sowie das Vertrauen und die Achtung, welche die Mächte dem jungen Staate Rumänien bezeigen. Die Thronfolgerfrage wird nach den Vorschriften der Verfassung geregelt und den Kammern zur Keuntniß gebracht werden. Die übrigen angekündigten Fragen betreffen innere Angelegenheiten. Die Thronrede hebt bezüglich der Armee hervor, daß es dieses Jahr möglich ge wesen, das Princip der allgemeinen Wehrpflicht anzuwenden und das gesammte Jahres-Con tingent einzuberufen, so daß 1880 30,000 Con scriptionspflichtige eingereiht werden konnten.

Galatz. Die Delegirten Serbiens und Bulgariens werden am 29. d. Mts. zur Theil nahme an den Berathungen der Donau-Com mission zugelassen werden. Die Commission wird die Ausarbeitung eines neuen Entwurfs behufs Regelung der Donauschifffahrt beschließen; das österreichische Avantproject wird nicht erster Gegen stand der Berathung sein.

Montenegro. Cettinje, 27. Nov. Die Militär-Couvention betreffs Duleignos wurde vorgestern Nachts unterzeichnet. Die montene grinische Occupation begann gestern Mittag 6 Uhr und Abends war die Besetzung Duleignos und der umgebenden Positionen vollzogen.

Amerika. Washington. Nach einem Tele gramme der amerikanischen Commission in Peking an Staatssecretär Evarts sind von den Bevoll mächtigten der Vereinigten Staaten und China's ein Handelsvertrag und ein Vertrag betr. die Auswanderung am 17. November unterzeichnet worden. Letzterer Vertrag gesteht der Union die Controle nach Maßgabe der amerikanischen Gesetze über die Einführung chinesischer Arbeiter zu. Die Details des Handelsvertrages sind noch nicht bekannt.

Die Regierung beschloß, monatlich für 10 Millionen Dollars Goldmünzen zu prägen und dürfte so lange damit fortfahren, bis die in der Schatzkammer vorhandenen Barren im Werthe von 85 Millionen erschöpft sind.

Aus Stadt und Land. Darmstadt, 28. Nov. Heute Mittag hat sich hier ein entsetzlicher Unglücksfall ereignet, indem der an der Schloßkirche beschäftigte Schlosser Schmidt aus bedeuten der Hoͤhe in den Schloßhof herabstürzte. Er war sofort eine Leiche.

Allerlei.

Homburg v. d. H., 24. Heute fand man zufällig auf dem Boden des Kurhaustheaters einen seit acht Tagen vermißten Spenglerlehrling, den Sohn einer unbemittelten Wittwe, an einem Balken erhängt. Erst anfangs dieser Woche wurde Anzeige darüber er nattet, daß der Vermißte schon seit Donnerstag voriger Woche fehle. Es ist noch nichts Näheres, wenigstens nichts Bestimmtes, über diesen Fall in die Oeffentlichkeit ge⸗ drungen, ebenso wenig kennt man die Motive, welche den 15jährigen Menschen zu der That verleiteten.

Frankfurt. Die Eskimo⸗Familie, welche bisher in Berlin sich produzirte, wird vom 1. bis 12. Dec. mit ihren Hunden, Booten und Geräthschaften sich hier im Zoologischen Garten sehen lassen.

Nov.

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Bochum. Morde schreibt man derTribüne:Man glaubt, den Verbrecher entdeckt zu haben und derselbe dürfte in diesem Augenblicke wohl schon in den Händen der Behörde sein. Der muthmaßliche Mörder gehört nicht etwa der untersten Volksklasse, sondern den besseren Ständen an und ist ein Techniker, der in den letzten Jahren sich öfter in der Gegend von Bochum aufhielt. Um die Zeit des Mordes an der Hebamme Becker war er ebenfalls in Bochum. Nach seiner Abreise bemerkte der Wirth, bei dem er logirt hatte, einen Regenschirm, den er als seinem Gaste gehörig erkannte. Er stellte denselben zurück, um ihn dem Gaste gelegentlich wieder einzuhändigen. Vor einigen Tagen nahm der Wirth diesen Schirm zufällig in die Hand und bemerkte, daß derselbe über und über mit Blut befleckt war. Es stieg nun in ihm der Verdacht gegen seinen Gast auf, daß er der längst gesuchte Mörder sein könne und in diesem Verdacht wurde er um so mehr bestärkt, als er den Verdächtigen als einen mürrischen, verschlossenen und alle Gesellschaft meidenden Menschen kannte. Er machte Anzeige und es gelang der Bochumer Polizei, sich ein Paar Stiefel des Verdächtigen aus seinem jetzigen Aufenthaltsorte zu verschaffen. Dieselben paßten genau in die Fußspuren, welche man an der Stelle gefunden, wo die Hebamme Becker ermordet worden war und von denen man am Tage der Entdeckung sofort Gipsabgüsse genommen hatte. Auch der Milchbauer, welchem der Mörder mit der Frau Becker vor der That begegnet war, will sich jetzt ganz genau erinnern, daß der Begleiter der Frau Becker jener Techniker gewesen sei. Auf diese Ver⸗ dachtsgründe hin erfolgte der telegraphische Befehl zur Verhaftung und in diesem Augenblick dürfte der Mörder wohl schon gefaßt sein. Von anderer Seite wird jedoch diese Mittheilung vollständig dementirt.

Hamburg. Die hiesige Rhederei hat wieder den Verlust eines Dampfers NamensCarlos an der afrikanischen Küste zu beklagen. Derselbe sollte in Lagos Rückfracht nehmen und strandete; glücklicherweise ist die ganze Besatzung, aus 21 Mann bestehend, gerettet. Das Schiff war mit 300,000 M., die Ladung mit 250,000 M. versichert und wird die Hamburger Assekuranzbörse am meisten betroffen.

München, 24. Nov. Als gestern auf dem Landge⸗ richte 1. dahier dem wegen des Vergehens wider die per sönliche Freiheit angeklagten Metallgießer Scholler das Urtheil(1 Monat Gefängniß) verkündigt wurde, ließ sich der Verurtheilte dasselbe von seinem Vertheidiger noch⸗ mals wiederholen, zog dann einen Revolver aus der Tasche und gab zwei Schüsse auf den als Zeugen an⸗ wesenden Gußmeister Halbritter ab, ohne ihn jedoch zu treffen. Selbstverständlich war die Aufregung eine allge⸗ meine und große, das zahlreich anwesende Publikum ver⸗ ließ in größter Eile die eingenommenen Plätze, ein Theil flüchtete rasch aus dem Saale, die anderen suchten Schutz unter den Bänken. Scholler wurde sofort gefesselt und abgeführt. Die eine der Kugeln war unter die Zeugen⸗ bank, die andere hart an Halbritter vorüber durchs Fenster geflogen.

Verloogsung. Kanton Freiburg Fr. 15⸗Loose von 1860. Gewinnziehung vom 15. Nov. 1880. Heimzahlung

am 15. Febr. 1881. Serie 6415 Nr. 48 à Fr. 40000. S. 533 Nr. 22 à Fr. 4000. S. 1438 Nr. 8 à Fr. 1000. S. 826 Nr. 8, S. 979 Nr. 7, S. 3727 Nr. 49, S. 5807 Nr. 24 45, S. 6415 Nr. 14 a Fr. 250. S. 223 Nr. 10, 590 Nr. 33, S. 979 Nr. 3, S. 1375 Nr. 29, 1612 Nr. 39, S. 1820 Nr. 2, S. 2346 Nr. 28, 2826 Nr. 39, S. 3038 Nr. 25, S. 3903 Nr. 47, 4256 Nr. 5, S. 4739 Nr. 24, S. 5309 Nr. 10, 5807 Nr. 13, S. 6447 Nr. 12, S. 7942 Nr. 3 Fr. 125. S. 223 Nr. 14 19, S. 280 Nr. 94 36, 590 Nr. 26, S. 2100 Nr. 3, S. 2346 Nr. 18, 3038 Nr. 20 23, S. 3046 Nr. 24, S. 3318 Nr. 19, 3785 Nr. 3, S. 3903 Nr. 46, S. 4160 Nr. 18 40, 4230 Nr. 26, S. 4371 Nr. 31, S. 4739 Nr. 49, 4875 Nr. 34, S. 5139 Nr. 5206 Nr. 48, 5427 Nr. 28, S. 6078 Nr. 18, S. 6377 Nr. 19, 6536 Nr. 19, S. 6768 Nr. 15, 7218 Nr. 30 7421 Nr. 15, S. 7498 Nr. 17, S. 7973 Nr. 46 Fr. 75. S. 533 Nr. 10 29 45, S. 590 Nr. 28 30 S. 684 Nr. 8 17 41, S. 826 Nr. 1, S. 979 Nr. 30, 1612 Nr. 23 29, S. 1820 Nr. 36 37, S. 2100 Nr. 6, 2306 Nr. 48, S. 2346 Nr. 5, S. 3038 Nr. 34, 3046 Nr. 9, S. 3785 Rr. 24, S. 3850 Nr. 15, 3903 Nr. 13, S. 4160 Nr. 8 27, S. 4565 Nr. 22, 4875 Nr. 7 25, S. 5206 Nr. 32, S. 5309 Nr. 7 40, S. 5427 Nr. 40, S. 5807 Nr. 10 43 49, 6078 Nr. 3, S. 6447 Nr. 26 43, S. 6536 Nr. 50, 6768 Nr. 2, S. 7138 Nr. 7, S. 7421 Nr. 1 32, 7973 Nr. 32 à 50 Fr. Auf alle übrigen Nummern den am 15. Oet. 1880 gezogenen Serien entfällt der geringste Gewinn von Fr. 19.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 7. Nov. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.00 1.10, Eier per St. 8 Pf., 2 Stück 15 Pf.

Gießen, 27. Nov. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.15 1.20, Eier 1 Stück 7 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 5 9 Pf., Tauben das Paar 6000 Pf., Hühner per Stück M. 0.80 1.00, Hahnen per Stück M. 0.70 1.00, Gänse per Pfd. 40 55 Pf., Enten per Stück M. 1.40 1.70, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 45 50 Pf., Kalbfleisch 50900 Pf., Hammelfleisch 5066 Pf., Sch weinefleisch 64-68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 3.50 4.00, Zwiebeln per Ctr. M. 10., Weißkraut 100 Stück M. 3.004.

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