—,
Völker auf die Abnahme des deutschen Einflusses schließen. Ohne auf Rentabilität und Opportunitat einzugehen, bitte er, die Vorlage im Interesse der deutschen Handels- schifffahrt und des deutschen Einflusses im Auslande anzunehmen. Geh. Rath Reulaur, durch ein soeben eingegangenes Schreiben des Reichskanzlers zum Bundes⸗ commissär für die Samoa⸗Vorlage ernannt, hebt hervor, die Vorlage habe vor Allem den Nutzen, dem deutschen Handel einen nationalen Rückhalt und größere Selbst⸗ ständigkeit gegenüber England und Amerika zu geben. Die Vorlage erschließe nicht blos Samoa dem deutschen Handel, sondern ziehe ein Netz von neuen Beziehungen über den ganzen Archipel. Bamberger verharrt bei der Ablehnung, da über allgemeine Gesichtspunkte hinaus nichts Eingehendes und Positives vorgebracht sei, wonach aus der Annahme der Vorlage ein Nutzen zu erwarten
sei. Bei der Abstimmung unter Namensaufruf wird die Vorlage mit 128 gegen 112 Stimmen abgelehnt, womit das Gesetz definitiv beseitigt ist. Centrum und Fortschrittspartei stimmten geschlossen gegen den Entwurf,
ebenso ein Theil der Nationalliberalen. Die Conser
vativen stimmten für die Vorlage, mit wenigen Aus
nahmen. Das Haus beschließt darauf, das Gesetz wegen Abänderung des Muünzgesetzes nicht einer Commission zu überweisen, sondern im Plenum zu berathen. Es folgt hiernächst die erste Berathung des Reichsstempelgesetzes. Schatzsecretär Scholz ist ermächtigt, das Bedauern des Reichskanzlers darüber auszusprechen, daß sein Gesund⸗ heitszustand ihn verhindert, heute die Vorlage persönlich u vertreten; es sei ihm aber jeder Teperaturwechsel ärztlich untersagt. Schatzseeretär Scholz verweist auf die Reichstagsrede des Kaisers vom 2. Mai 1879. Das damals entwickelte Programm bilde noch heute das von ihm erstrebte Ziel und zwar kein ideales, sondern ein Schritt für Schritt zu verwirklichendes. l 4
— 27. April. Nach dem gestrigen Beschluß des Bundesraths soll die Bestimmung, wonach die Substitutionen nie länger als für eine Sitzung gelten und für die nächste Sitzung eine unmittelbare Bevollmächtigung Seitens der Regierung stattfinden muß, nach Ablauf von vierzehn Tagen in Kraft treten.
— In Parlamentskreisen verlautet, dem Reichstage werde wahrscheinlich ein Antrag auf Herabminderung zur Beschlußfähigkeit der nöthi— gen Abgeordnetenzahl für Abstimmungen ohne definitiven Charakter eingebracht werden.
— General v. Tresekow geht mit einem Gratulationsschreiben des Kaisers nach Peters— burg, ebenso begeben sich die Commandeure der drei preußischen Regimenter, deren Chef Kaiser Alexander ist, zur Geburtstagsfeier des Kaisers nach Petersburg.
— Zwei russische Polizeibeamte der dritten Abtheilung befinden sich auf Befehl Loris Meli— koff's in Berlin behufs Aufspürung zweier aus dem Gefängniß von Charkow entwichenen Flücht— linge. Beide Flüchtlinge, Iwan Chirkow aus
„Semibratow und Alexander Tschirnischow aus Birsula, haben ihren Weg nach den gewonnenen Nachrichten nach Berlin genommen.
Wiesbaden, 26. April. Heute Morgen traf der Kaiser hier ein. Er fuhr im offenen Wagen mit einem Adjutanten, trug kleine Ge— nerals-Uniform, das Haupt mit einer Mütze be— deckt, und grauen Militär-Mantel. Von der Eisenbahn längs der Wilhelmsstraße, Burg⸗ straße und Marktplatz hatte sich eine zahlreiche Volksmenge eingefunden, welche den greisen Monarchen mit Hochrufen und Tücherschwenken begrüßte. Alle städtischen und Staatsgebäude sowohl, als viele Privathäuser, namentlich in den Straßen, welche der Kaiser passirte, sind reich geflaggt. In der gewohnten leutseligen Weise dankte der Kaiser nach allen Seiten. Dresden, 26. April. Die deutsche Kaiserin ist heute hier eingetroffen und von dem König, der Königin, Prinz Georg und Prinzessin Mathilde auf's Herzlichste begrüßt worden. Die Kaiserin begab sich nach der Villa bei Strehlen, wo mit der koͤniglichen Familie und dem Prinzen Alexander von Weimar das Diner eingenommen wurde.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 26. April. Abgeordnetenhaus. Bei der Berathung des Bud— gets der Volksschulen widerlegt Unterrichts— minister v. Epbesfeld die Anschauung, daß in seinen Reformplänen ein reactionärer Hinterge danke sei. Dieselben seien lediglich pädagogischer Natur, und nur von der Erfahrung im Interesse der Durchführung der Schulgesetze, aber durch— aus nicht von Partei⸗Interessen dictirt.
Pest, 26. April. Abgeordnetenhaus. Nach Erledigung des Budgetvoranschlages bringt der Finanzminister das Finanzgesetz pro 1880 zur Vorlage; dasselbe weist ein Deficit von 19/0 Millionen aus, welches gedeckt werden soll durch noch restirende 15 Millionen Goldrente und den Erlös aus zu verkaufenden Eisenbahn— Prioritätsobligationen.
Frankreich. Paris, 25. April. Anläßlich einer Reise des Unterrichtsministers Ferry nach Lille sind mehrere öffentliche Kundgebungen vor gekommen, wovon einige auch gegen die Decrete vom 29. Marz gerichtet waren. Großbritannien. London, 26. April. Lord Granville wurde zum Minister des Aus⸗ wärtigen, Lord Hartington zum Minister für Indien, Childers zum Kriegsminister, Northbrook zum Marineminister, Selborne zum Lordkanzler ernannt.— 27. April. Zum Lordpräsidenten des Geheimen Raths wurde der Herzog von Argyll, zum Minister des Junern Harcourt er— nannt. Goeschen, Lord Rosebery und Lord Derby lehuten es ab, Posten in dem nauen Cabinet zu übernehmen. Die vollstängige Bildung des Cabinets scheint auf Schwierigkeiten zu stoßen, weil die fortgeschrittenen Liberalen Vertretung im Cabinete beanspruchen.
Rumänien. Bukarest, 26. April. Cogol⸗ nizeauu hat seine Entlassung gegeben. Boerescu dürfte diesem Beispiele folgen, um Bratiano die Bildung eines homogenen nationalliberalen Cabinets zu erleichtern.
Serbien. Belgrad, 25. April. Oberst Zdraokowjes soll an Stelle des von einem Schlaganfalle betroffenen Generals Alimpie zum Bautenminister ernannt werden.
Aus Stadt und Land.
—l— Friedrichsdorf. In der Nacht vom 22. auf den 28. d. M. wurde bei Holzhausen v. d. H. ein Steg demolirt, die eine der dortigen beiden Friedenslinden gänzlich abgebrochen, die andere mittelst eines Messers ihrer Rinde beraubt, das dabei befindliche Kriegerdenkmal beschädigt und ein Stock am Wege zwischen Holzhausen und Friedrichsdorf umgerissen und von seinem Platze entfernt. Ob Nachforschungen nach den Helden, die diese Thaten verrichteten, stattfinden und mit welchem Erfolg, bleibt abzuwarten.
R. Södel. Dem Comite für Erbauung einer Se⸗ kundärbahn von Hungen über Berstadt, Wölfersheim, Södel, Melbach und Dorheim nach Friedberg, welches nächsten Sonntag in Wölfersheim bei Bürgermeister Heyer eine Sitzung abhält, ist auf eine Eingabe des Vorsitzenden, des hiesigen Bürgermeisters Reitz, vom Großh. Ministerium die Erlaubniß ertheilt worden, generellere Vorarbeiten und Vermessungen vorzunehmen.
Alsheim, 24. April. Eine große Aufregung hat sich bier der Gemüther bemächtigt. Ein bei einem hiesigen Landwirth in Dienst stehendes Mädchen starb plötzlich unter den Symptomen einer Vergiftung. Als gestern zur Feststellung des Thatbestandes und zu weiterer Untersuchung die Gerichtseommission von Mainz hier
eintraf, fand man jenen Landwirth in seinem Hause erhängt. Allerlei. Bockenheim, P. April. Gestern Abend wurde
auf dem Schönhof der Taglöhner Heeres von einem Knecht Namens Billing aus Wehrda im Streit todtge⸗ schlagen.
Frankfurt, 26. April. Zwischen Fulda und Elm erschoß sich gestern Abend im Berliner Schnellzug ein Petersburger Kaufmann Namens Behaghel. Hinter Fulda betrat er ein Kabinet des Zugs, das er von innen ver⸗ riegelte; als er zu lange ausblieb, wurde die Thür geöffnet wo sich berausstellte, daß sich der Lebensmüde eine Kugel durch den Kopf geschossen hatte. Die Leiche wurde mit nach Frankfurt genommen.
Stockholm, 25. April.„Vega“ ist gestern Abend, von ungefähr 200 Dampfern geleitet, hier ein⸗ getroffen. Die Küsten zeigten sich meilenweit beleuchtet, die Stadt war auf's Glänzendste illuminirt. In der Nähe der Landungsbrücke war eine Estrade erbaut, wo die städtischen Behörden zum Willkomm versammelt waren. Im Schlosse begrüßte der König die Mitglieder der Expedition. Zu Ehren der„Vega“⸗Jabrer fand 60 Morgen Dankgottesdienst in der Schloß⸗Capelle statt. Hierauf besuchte der König die„Vega“ und erfolgte die Vertheilung der„Vega“-Medajllen an alle
Die
Theilnehmer der Expedition Am Abend war Bankett ran! 9— 7 7 7 im königlichen Schlosse, woran alle Mannschaften der
gefüllte Patrone, welche von verbrecherischer Seite unter
eine Pendeluhr gelegt worden war. Es fanden zahl⸗ reiche Beschädigungen statt. Mehrere Personen wurden leicht verwundet. Das Motiv des Verbrechens scheint Beraubung der Bank gewesen zu sein, aber in Folge der Achtsamkeit des Dienstpersonals konnte eine solche nicht ausgeführt werden.
Ottawa(Hauptstadt in Canada), 21. April. In dem gegenüber der Stadt am Ufer des Flusses belegenen Flecken Hull brach heute eine Feuersbrunst aus, welche 800 Häuser, d. i. die Häfte der Stadt einäscherte, und 400 Personen obdachlos machte. Mehrere Personen büßten ihr Leben ein und einige werden vermißt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, N. April. Fruchtbericht. Weizen M. 23.50, Korn M. 20., Gerste M. 18., Hafer M. 14. bis M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo = 200 Zollpfund. Friedberg, 28. April. per Pfd. M. 1.30—1.40, Eier 2 Stück 9 Pf. Gießen, N. April. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.10—1.40, Eier 1 Stück 4—5 Pf., Käse per Stück 4— 12 Pf., Tauben per Paar 80—100 Pf., Hühner per Stück M. 1.20— 1.50, Hahnen per Stück M. 1.30 bis 1.70, Wälsche M. 6—7, Enten per Stück M. 2.50—3. Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.—6. Ochsenfleisch 66 bis 68 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 48—56 Pf., Kalbfleisch 38— 46 Pf., Hammelfleisch 60— 70 Pf., Schweinefleisch 60
Grünberg,
Wochenmarkt. Butter kostete
Pf.
24. April. Auf heutigem Wochenmarkt kostete der Centner Waizen M. 11.46, Korn M. 9.27, Gerste M. 8.73, Hafer M. 7.55, Erbsen M. 10.62, Samen M. 10.50. Kartoffeln M. 2.57.
Lauterbach, 24. April. Am heutigen Fruchtmarkt kostete das Malter Waizen M. 22.50, Gerste M. 17.88, Hafer M. 14., Erbsen M. 21.50, Kartoffeln M. 7.09.
Frankfurt, 26. April. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 42., Nr. 2 M. 40., Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30., Nr. 5 M. 24., Roggenmehl%(Berl. Marke) M. 26., do. 1.(Berliner Marke) M. 24.50, do. 2. (Berliner Marke) M. 20. Waizen, effeetiv hiesiger, ab Bahnh. hier M. 24.— 24.25, ab unserer Umgegend M. 23.25 bis M. 23.75, do. fremder, je nach Qual. M. 23.25—24.25, Roggen je nach Qual. M. 19.— 20.50, Gerste M. 17.50 bis 20.50, Hafer M. 12— 16.25, Erbsen M. 19.—27., Wicken M. 16.—18., Linsen M. 20.—40., Bohnen, weiße, M. 23.—25., Nüböl, detail M. 60. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo.
Frankfurt, 26. April. Viehmarkt. Angetrieben waren etwa 400 Ochsen, 260 Kühe, Stiere und Rinder, 250 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 67.—69., 2. Qual. M. 62.—64., Kühe 1. Qual. M. 58.—60., 2. Qual. M. 50.—52., Kälber 1. Qual. M. 55—56., 2. Qual. M. 45.—50,,
Hämmel 1. Qual. M. 58.—60., 2. Qual. M. 45.— 54. per 100 Pfund Schlachtgewicht. Geld⸗Cours. Frankfurt am 27. April 1880.
20 Frankenstücke M. 16 16— 20 do. in/„„, Englische Sovereigns ss 20 40 G. Russische Imperiales.„ 16 69—74 Duca„ 9 52—56 Dy al maro„ 9 80 G. Dollars in Gold„.
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Ne er Hof und— 8 Urdentra 1 1 „Vega“, der Hof und die Staatswürdenträger theilnahmen Bukarest, 25. April. Eine Feuersbrunst zerstörte
über 30 Häuser in Fokschani. Folge dessen e Monaco, 25. April.
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