dem Preußischen Staat beizuwohnen. Gegen den 9. Juni will sich der Kaiser nach Düssel⸗ dorf zum Besuch der rbeinischen Gewerbe-Aus⸗ stellung und allgemeinen Kunstausstellung begeben, worauf der Kuraufenthalt in Ems folgen wird. Der Aufenthalt in Ems soll, entsprechend den früheren Jahren, drei Wochen andauern. Er würde also Ende Juni oder Anfang Juli seinen Abschluß finden. Es folgt der Ausflug nach der Jusel Mainau im Bodensee, der etwa acht Tage in Auspruch nehmen soll, worauf sich der Kaiser ebenfalls wie gewöhnlich nach Gastein begiebt, und drei Wochen dort verweilt. Der Monarch würde demnächst Ende Juli wieder in Berlin eintreffen, sich jedoch vorwiegend in Babelsberg bei Potsdam aufhalten, wo auch das eigentliche Hoflager sein wird, um von dort aus im Herbst zu den Manövern zu reisen. Berlin, 25. Mai. Im Abgeordnetenhaus fand heute und gestern die Fortsetzung der Berathung des Gesetzentwurfes über die Organi— sation der allgemeinen Landesverwaltung statt. — 25. Mai. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ ibt die Nachricht über die Ablehnung des Airchengesezentwurfes durch die Kurie wieder als Stimme der Presse, ohne darüber urtheilen zu wollen. Die„Nat.⸗Ztg.“ hört, der Reichs— kanzler lege großen Werth auf die Durchbe— rathung des Gesetzes trotz der Ablehnung der Kurie. Die nationalliberale Fraction ist über die Stellung zu dem Entwurf noch nicht schlüssig. Das„Tagebl.“ hört, die Ablehnung der Kurie sei bereits vor der officiellen Mittheilung der Vorlage im preußischen Landtag erfolgt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 22. Mai. Musurus Pascha ist heute eingetroffen.
— 24. Mai. Herrenhaus. Budgetberathung. Ministerpräsident Graf Taaffe betont, der Zweck der Regierung sei, die Versöhnung der Parteien herbeizuführen, deswegen müsse sich die Regier— ung dagegen verwahren, als ob sie irgend eine Nation, am wenigsten die deutsche, unberechtigter Weise zurücksetzen wolle. Die Regierung mache keine unüberlegten Concessionen, um irgend eine Partei oder Person freundlich zu stimmen. Sie achte das Recht des Parlaments, lasse aber auch Niemand in das Recht der Executive eingreifen.
Holland. Haag, 25. Mai. Die erste Kammer berieth gestern über den Vertrag mit Luxemburg. Der Minister des Aeußern erklärte, eine von ihm in der zweiten Kammer gethane Aeußerung habe zu Mißverständnissen Veran— lassung gegeben; er habe bei jener Gelegenheit auf die Gefahren hingewiesen, welche für Holland entstehen könnten, wenn die Luxemburger Frage nicht entschieden werde, wenn Luxemburg wieder alles Erwarten nicht mehr unabhängig sein sollte. Er habe dabei nicht entfernt Zweifel in die Giltigkeit oder Stärke des die Neutralität Luxem— burgs anerkennenden Vertrages ausdrücken wollen. Um jedes Mißverständniß zu beseitigen, erkläre er, daß er die Erklärung über die Neutralität Luxemburgs als vollstaͤndig ebenso gewichtig und stark ansehe, wie diejenige über die Neutralität Belgiens nach dessen Trennung von Holland
Frankreich. Paris, 23. Mai. Einige Volkshaufen, im Ganzen etwa u 600 Personen, zogen heute nacheinander über den Bastillen— platz und begaben sich nach dem Friedhofe Pore Lachaise, um an der Mauer, wo die Communards erschossen worden waren, Kränze niederzulegen. Einige Individuen, die den Polizei- Agenten, welche sie zum Weitergehen aufforderten, den Gehorsam verweigerten, wurden verhaftet. Ein Zwischenfall von Bedeutung fand nicht statt. Die Menge bestand vorzugsweise aus Neu gierigen. Paris ist vollkommen ruhig.
— 24. Mai. Von 16 gestern verhafteten Individuen sind 7 Ausländer und zwar 2 Belgier, 1 Italiener, 1 Deutscher, 1 Grieche, 1 Schweizer und 1 Luxemburger; dieselben werden wahrschein— lich ausgewiesen. 24. Mai. Deputirtenkammer. Es wird Dringlichkeit beschlossen bezüglich des vom Minister
Ferry vorgelegten Gesetzentwurfs wegen Abschaff⸗ ung der sogenannten Obedienzbriefe, durch welche die Mitglieder der Congregationen ermächtigt werden, ohne Befähigungszeugniß Unterricht zu ertheilen. Die heute begonnene Discussion wird morgen fortgesetzt.
— 24. Mai. Die Plenarversammlung der Fractionen der Linken des Senats hat mit 56 gegen 53 Stimmen, die für Leroyer waren, die Candidatur Say's für das Senatspräsidium an⸗ genommen. Pelletan hat zu Gunsten Leroyer's auf die Candidatur verzichtet. Die Versamm— lung der Fractionen der Rechten des Senats hat die Candidatur Jules Simon's für das Präsidium angenommen.
— 25. Mai. In Betreff der an die Pforte zu richtenden identischen Aufforderung regte die französische Regierung an, für die griechische Grenzregulirung die in Aussicht genommene Comission fallen und zur Erledigung der Frage die Nachconferenz der Mächte sofort eintreten zu lassen. England und andere Mächte haben bereits diesem Vorschlage zugestimmt. Die formelle Zustimmung einiger Mächte steht noch aus, ist aber auch hier mit Sicherheit zu erwarten.
Marseille, 24. Mai. Die anläßlich des Rücktrittes von 18 Municipalräthen vollzogenen Gemeindewahlen blieben resultatlos, weil die Zahl der erschienenen Waͤhler weniger als ein Viertel der eingeschriebenen Wahlberechtigten ausmachte.
Großbritannien. London, 23. Mai. Man erwartet, daß Göschen am Donnerstag oder Freitag in Constantinopel eintrifft und sich unverzüglich seiner Aufgabe widmet. Die Pro— cedur wegen der identischen Aufforderung der Mächte an die Pforte geht vor sich, nachdem sich Göschen noch an Ort und Stelle informirt hat. Man vernimmt, daß die Feststellung des Textes der identischen Aufforderung in Constanti— nopel gemeinsam von den Botschaftern erfolgt. Dieselbe wird von der Pforte die Ausführung des Berliner Vertrages in Betreff Armeniens und Montenegros und bezüglich Griechenlands verlangen, daß die Pforte für eine an Ort und Stelle zusammentretende Grenzregulirungs— Commission die Sicherheitsgarantie jetzt über— nehme, welche sie zur Zeit der Verhandlungen auläßlich der früheren Salisbury'schen Note ablehnte. Sollte die Pforte eine solche Garantie nicht übernehmen, so würde bezüglich der grie— chischen Frage eine Nachconferenz der Mächte, welche hierüber, sowie in allen den Berliner Vertrag betreffenden Fragen fich in voller Ueber— einstimmung befinden, stattfinden, wovon die Pforte verständigt werden wird. Für die Con— ferenz ist allseitig Berlin in Aussicht genommen.
— 25. Mai. Im Unterhause erklärte Meen— della auf eine Anfrage Howard's, die Regierung beabsichtigte weder das ganze Gesetz, betreffend die Verhinderung einer Einschleppung von Vieh— seuchen, noch einen Theil desselben aufzuheben.
Spanien. Madrid, 22. Mai. Die auf— ständische Bande in der Provinz Castellon hat sich gegen Chelva gewendet. Von verschiedenen
Seiten sind Truppen zu deren Verfolgung abmarschirt. — 24. Mai. In einer gestern gehaltenen
Versammlung von gegen 100 Mitgliedern der vier Gruppen der Opposition beantragte Sagasta die Ernennung einer Commission von 6 Mit— gliedern behufs Aufsetzung eines Programms, welches geeignet sei, eine einheitliche Action sämmtlicher Gruppen der Opposition herbei— zuführen. Die Commission wurde unverzüglich ernannt. 131 monarchistische Senatoren und Deputirte schlossen sich der Coalition gegen das Ministerium an, darunter 3 Marschälle und 15 Generale.
Italien. Rom, 24. Mai. Nach den nun⸗ mehr vorliegenden Resultaten der Nachwahlen zur Deputirtenkammer gingen aus denselben her— vor: 45 Constitutionelle, 75 Ministerielle und 20 Dissidenten; 13 sind unbekannt. Die Con— stitutionellen verloren 4 und gewannen 17 Sitze, die Ministeriellen verloren 18 und gewannen
17, die Dissidenten verloren 15 und gewannen 3.
14
Zwölf Doppelwahlen sind vorgekommen, 51
Wahlcollegien ersetzen ihre bisherigen Deputir— ten durch neue.
Serbien. Kragujewacs, 25. Mai. Die Skupschtina wählte einen Ausschuß von 27 Mit— gliedern für die österrreichisch-serbische Eisen⸗ bahnconvention, worin die Regierungspartei die Majorität besitzt. Die nächste Plenarsitzung der Skupschtina findet am Samstag statt.
Rußland. Petersburg, 23. Mai. Der Großfürst Michael Nikolajewitsch ist nach dem Kaukasus abgereist.
— 25. Mai. In der gestrigen Verhand— lung des Processes Dr. Weymar fand das Plai— doyer der Staatsanwälte statt. Die Anklage richtete sich zunächst gegen Raburoff, Berdnikoff, Löwenthal, Bulanoff, Traftschansky, sowie die Frauen Natanson und Mitanjawa und wies den engen Zusammenhang nach zwischen Traft— schansky und der Nihilistenpartei. Mitanjawa habe sich durch ihren Verkehr mit Kolenkina und Malinowskaja der Verbindung mit der repolutionären Partei schuldig gemacht. Bezüglich Wilkailoffs wies die Anklage nach, daß er bei der Flucht des Mörders des Generals Menzenzeff als Kutscher fungirte. Hierauf trat eine ein— stündige Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung führte der andere Staatsanwalt aus,
daß Kolenkina und Malinoffskaja an der nihili-
stischen Propaganda betheiligt seien. Kolenkina sei der strafbarere, der zwei Schüsse auf die Gensdarmen abgegeben und das Ziel verfehlt zu haben bedauert habe. Zum Schlusse schritt der Staatsanwalt zur Anklage gegen Weymar, welchen er als Hauptschuldigen bezeichnete. Er bewies, daß das Pferd, welches den politischen Mördern zur Flucht gedient, ebenso wie der Revolver, womit zwei politische Attentate verübt worden, Eigenthum Weymar's waren, erwähnte auch der politischen Beziehungen Weymar's zu den Nihilistenführern in Paris. Die Rede des Staatsanwaltes gegen Weymar machte großen Eindruck. In der Abendsitzung sprachen sodann die Vertheidiger.
Aus Stadt und Land.
8 5 Friedberg, 25. Mai. In der gestern statt⸗ gehabten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes theilte der Bürgermeister mit, daß in Folge des Gemeinderaths beschlusses vom 10 d. Mts. ein Kaufvertrag mit Christian Waas Wittwe über die in der Bahnhofstraße gelegene Besitzung derselben abgeschlossen worden sei, wonach die Stadt die Scheuer mit Garten für 5000 M. erworben hat. Da das Grundstück behufs Erbauung eines neuen Klein— kinderschulhauses gekauft worden ist, wurde die Bau— commission und der Stadtbaumeister beauftragt, Einsicht von den Lokalitäten zu nehmen, bezw. Situationsplan anzufertigen und demnächst Vorschläge zu machen. Das Gesuch des Heinrich Hanstein V. um Verpflichtung auf den Garten- und Feldschutz wird vom Gemeinderath ge— nehmigt und soll beim Großh. Kreisamt die Verpflichtung desselben beantragt werden. Ein Gesuch der Garten— schüzen um Befreiung vom Fest⸗Läuten wurde abschläg⸗ lich beschieden. Die Baugesuche der C. Chr. Weis Wittwe und des M. Reis wurden genehmigt, ebenso ein Gesuch des Raths diener Wagner und Genossen um unentgeltliche Ueberlassung einiger Wagen Kies zur Verbesserung des Banquetts an der neuen Chaussee. Von der Baucommis⸗ ston wurde ein Plan bezüglich Eröffnung einer neuen Straße vorgelegt und soll demnächst über diese Angelegen— heit weiter verhandelt werden.
r. Friedberg. Sonntag den 30. Mai wird in dem Saale des Hotel Jacobi(Stiftsstraße) in Frankfurt ein Parteitag der deutschen Fortschrittspartei für Südwest⸗ Deutschland stattfinden. Neben einem Vortrage des Ab— geordneten Alb. Traeger über die gegenwärtige poli⸗ tische Lage und die Stellung der Fortschrittspartei stehen Partei-Organisationsfragen auf der Tages ordnung.
Darmstadt. Am Schlusse des Jahres 1879 waren nach Ausweis der von den Kreisgesundheitsämtern auf gestellten Uebersichten im Großherzogthum 349 Aerzte thätig. Von Wundärzten übten am Schusse des Jahres 1879 nur 8 im Großberzogthum Praxis aus. Appro⸗ birte e den wurden 11 gezählt. Veterinärärzte ein⸗ schließlich der aetiven Militär-Roßärzte waren 60 vor⸗ handen. Die Zahl der Apotheken war 107. Hebammen waren im Großberzogthum 1315 angemeldet, geprüfte Heilgehülfen 206.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 26. Mai. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.90—1.00, Eier per Stück 5 Pf.
Friedberg, 25. Mai. Fruchtbericht. Weizen M. 23.50, Korn M. 20., Gerste M. 18., Hafer M. 14.
—
1804 Hett Kirdoi besitzu Mühl
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