Interpellation Godelle bezüglich Algeriens ver— handelt. Es wurde eine Tagesordnung ange— nommen, welche das Vertrauen der Kammer in die Regierung ausdrückt und sich zu Gunsten der Civilregierung in Algerien ausspricht. Die Sitzung war eine sehr tumultuarische.
— 23. April. Deputirten⸗Kammer. Paul Bert(Radikaler) beantragt, die dem Dienste der religissen Culte und dem Unterrichte sich Widmenden zum Militärdienst auf mindestens einjährige Dauer heranzuziehen. Mehrere Abge⸗ ordnete bekämpfen den Antrag als dem Concordate zuwiderlaufend. Das Haus beschließt, den Antrag als dringenden zu behandeln, und überweist denselben einer besonderen Commission. Die Kammer setzte sodaun die Tarifberathung fort und genehmigte einen Zoll von Frs. 1.20 für Kohlen, 6 Frs. für Stahlschienen und beendete die Berathung der Tarifsätze für Erzeugnisse des Bergbaues.
Großbritannien. London, 24. April. „Standard“ erfährt, Hartington habe der Königin erklärt, Gladstone sei fähiger als er, ein Cabinet zu bilden, welches das Vertrauen des Unterhauses besitzen würde. Gutem Ver⸗ nehmen nach hat Gladstone die Bildung des Cabinets übernommen. Gladstone ist gestern nach einer Conferenz mit den Lords Granville und Hartington nach Windsor gegangen.
— Telegramm der„Times“ aus Kabul 23. April: die Avantgarde der Division Stewart rückte am 20. April in Ghuzni ein. Am selbigen Tage griffen 15,000 Afghanen verschiedener Stämme Stewart an, wurden aber mit Verlust von 1000 Todten zerstreut. Die Engländer hatten 17 Todte und 115 Verwundete.
Spanien. Madrid. Der päpstliche Nuntius verlangte von Spanien ein Asyl für die aus Frankreich vertriebenen Jesuiten. Canovas ver— sprach, einer bestimmten Anzahl ungehinderten Aufenthalt in Spanien, ausgenommen die bas— kischen Provinzen, zu gestatten.
— 24. April. Die Deputirtenkammer nahm einen Antrag an, welcher dahingeht, die Erhebung eines Zolls auf ausländische Spritwaaren von 60 Pesetas per Hectoliter in Erwägung zu ziehen.
Türkei. Konstantinopel. Die Pforte hat eine Note an die Mächte gerichtet, worin der Zusammentritt einer europäischen Commission für Ostrumelien verlangt wird, um die von der Pforte gemaͤß dem Artikel 23 des Berliner Vertrags für die europäischen türkischen Provinzen ausgearbeiteten Reform-Entwürfe zu prüfen.
Rumelien. Philippopel. Der General— guoverneur hat die Demission des Finanzdirectors Schmidt angenommen.
Rumänien. Bukarest. Das Amtsblatt bringt eine Zusammensetzung der Cadres der Territorial-Armee, welche nunmehr aus 30 Doro— banzen- und 12 Kalaraschi-Regimentern besteht und in 5 Divisionen vertheilt ist. Die Dobrudscha bildet die fünfte Division.
— 224. April. In der Kammer der Deputirten antwortete Bratiano auf eine Anfrage wegen der Gerüchte über Cabinetsänderungen, daß zwei oder drei Minister wegen ihrer Privat— Angelegenheiten demissioniren wollten; dies werde jedoch die politische Faͤrbung des Cabinets nicht ändern. Flera beantragt eine Motion, worin Bratiano aufgefordert wird, das Mini— sterium des Innern zu übernehmen. Der Präsident erklärt, die Motion an die Sectionen verweisen zu wollen, worauf Flera seine Motion zurück— zieht. Eine weitere Debatte wird von der Majorität abgelehnt. Der Justizminister verliest darauf eine Botschaft des Fürsten, welche den Schluß der außerordentlichen Session ausspricht.
Montenegro. Cettinje, 25. April. Die „Pol. Corr.“ meldet von hier unterm Heutigen von authentischer Seite, daß, entgegen der in der türkisch-montenegrinischen Convention stipu⸗ lirten 24 stündigen Frist, für die von den Montenegrinern zu effectuirende Occupation der von türkischer Seite zu räumenden Positionen, der in Podgoritza eingetroffene Adjutant des Gouverneurs von Scutari, Izzet Pascha, nur
eine siebenstündige Frist für den Abmarsch der türkischen Truppen zugestand. Nachdem es den Montenegrinern unmöglich war, innerhalb dieser kurzen, vertragswidrigen Frist die Occupation zu bewerkstelligen, bemächtigten sich die Albanesen nach dem Abmarsch der türkischen Truppen aller früher von türkischer Seite besetzten befestigten Stellungen. Die montenegrinischen Truppen blieben in einer beobachtenden Stellung und erwarteten weitere Ordres.
Rußland. Moskau, 22. April. Das hiesige Militär-Gericht verhandelte gegen 6 poli⸗ tische Verbrecher; es erachtete 3 derselben der Theilnahme an einer geheimen Gesellschaft und der Verbreitung verbotener Schriften schuldig und sprach Zwangs— Arbeitsstrafen aus von 8, 6 und 4 Jahren, verurtheilte zwei andere Angeklagte wegen Verbreitung verbotener Schriften zu zweimonatlicher und einmonatlicher Haft und überwies einen Angeklagten behufs Ermittelung seiner Zurechnungsfähigkeit an eine Irrenanstalt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Von achtbarer Seite geht uns Nach⸗ folgendes zur Veröffentlichung zu:„Die Frankfurter Börsen- Handelszeitung schreibt: Wir werden auf eine Notiz der„Pf. Pr.“ aufmerksam gemacht, der wir gern weitere Verbreitung geben, um officielle Aufklärung zu veranlassen. Während man stets erfährt, wer auch bei nur unbedeutenden Lotterien den Haupttreffer erhalten hat, ist es, so behauptet das genannte Blatt, nie zu er⸗ fahren, wem Fortuna das große Loos der Hamburger oder Braunschweiger Lotterie nebst der großen Prämie in den Schooß geschüttet habe.„Das große Loos“, so schreibt das Blatt,„bald in diese oder jene Gegend gespielt, würde eine größere Zugkraft noch geübt haben als 300,000 Schwindelbriefe, als alle Prospeete, mit denen alle kleineren und größeren Städte, ja hauptsäch⸗ lich auch die Landbevölkerung überschwemmt wird. Wo aber das große Loos bezw. die hohe Präme bleiben, das sollten wir bei der zuletzt ausgespielten Braunschweiger Lotterie erfahren. Einem uns bekannten Agenten waren nämlich durch alle sechs Klassen hindurch die Loosnummern 15,200 bis 15,300 zugegangen und nur die Loosnummer 15,289 allein nicht. War uns dies schon auffallend, so war es uns noch auffallender, daß gerade in der 6. Klasse auf die fehlende Nr. 15,289 die Prämie von 300,000 M. entfallen war. Am allerauffallendsten aber war es uns, als wir uns nach Braunschweig wandten mit der Bitte, uns den Namen und Wohnort des glücklichen Gewinners mitzutheilen, und uns die lakonische Antwort wurde:„Der Gewinn ist in Braunschweig geblieben.“ Das war's, was wir seit einem Jahrzehnt vermutheten und was uns nun zur Gewißheit geworden war— die hohen Treffer mit Prämien bleiben in Braunschweig!“
L. Friedberg. Im hiesigen Recurrenshospitale fand vom 10.— 20. April die Aufnahme nur eines Kranken statt; geheilt abgegangen sind 5, und in Behandlung ver— blieben 7.
Darmstadt. Es wird vielleicht einem Theil ihrer Leser nicht bekannt sein, daß das Großherzogthum Hessen mit dem für das Königreich Sachsen angestellten Scharf⸗ richter einen Vertrag bezüglich der im Großherzogthum rechtskräftig werdenden Todesstrafen abgeschlossen hat. Der vom Schwurgerichtshof der Provinz Starkenburg in diesen Tagen zum Tode verurtheilte Muttermörder Pfaff von Nieder-Ramstadt hat gegen das Urtheil Revision eingelegt und der Criminalproceß wird in Folge davon dem Reichsgericht in Leipzig zur Entscheidung vorgelegt werden. Aus Sachsen also kommt für Pfaff Leben oder Tod, Urtheil und Nachrichter.
Worms. Die Blatternepidemie in dem benachbarten Abenheim hat in den letzten Tagen eine stärkere Ver breitung erfahren. Unter den neuerdings daselbst Erkrankten befanden sich 5 Frauenspersonen, welche in der dortigen Lumpenschneiderei mit dem Sortiren und Zerschneiden von Lumpen, und zwar in einem und demselben Arbeitssaale beschäftigt gewesen waren. Alle waren an dem gleichen Tage von der Krankheit befallen worden, ein Umstand, der auf eine für Alle gemeinschaftliche Ansteckungsursache hinweisen mußte. Da nun ein Verkehr mit einem der im Orte vorhandenen, genügend abgesperrten Blatternkranken aus⸗ geschlossen werden mußte, so durfte der Verdacht nur allzu begründet sein, daß die Infektion in der fraglichen Fabrik, und zwar durch daselbst verarbeitete Lumpen statt⸗ hatte, von welchen eine große Partie auch wirklich aus Warseille bezogen worden war, in welcher Stadt, den amtlichen Veröffentlichungen zufolge, Blattern seit Jahres⸗ frist ziemlich weit verbreitet herrschen; es sind daselbst im Jahre 1879 von 10,327 Verstorbenen 509, und im ersten Quartal des laufenden Jahres von 3632 Verstorbenen 264 dieser Krankheit erlegen.
Allerlei. Stockholm, 24. April. Vega⸗Expedition ist Nordenskjöld in
Von den Theilnehm Freiherrnst and, Palander und Oskar Dickson in den Adelstand erhoben. Dickson ha gleich das Großkreuz des Norvsternordens erhalten, S koff ist zum Commandenr dieses Ordens
den
ernannt. e„Vega“ trifft heute Abend ein. Gegen 30,000 Fremde sind anwesend.
Handel und Verkehr.
Fried per Pfd. M. 1.30—1.40, Eier 2 Stück 9 Pf.
Gießen, 24. April. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.10— 1.20, Eier 1 Stück 4—5 Pf., Käse per Stück 4—9 Pf., Tauben per Paar 65—85 Pf., Hühner per Stück M. 1.20— 1.50, Hahnen per Stück M. 1.30 bis 1.70, Wälsche M. 6—7, Enten per Stück M. 2.50—3. Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.—6. Ochsenfleisch 66 bis 68 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 48—56 Pf., Kalbfleisch 38— 46 Pf., Hammelfleisch 60— 70 Pf., Schweinefleich 60 Pf.
Frankfurt, 24. April. Marktbericht. Heu⸗ und Strohmarkt. Heu kostete der Centner je nach Qual. M. 2.—3.40, Stroh M. 2.— 3.30. Eier das Hundert deutsche M. 4.50,—5.50. Butter im Großen erste Qual. M. 1.15, zweite Qual. M. 1.10, im Detail erste Qual. M. 1.30, zweite Qual. M. 1.20. Ochsenfleisch erste Qual. das Pfd. 65—70 Pf., Kuh⸗, Rind⸗ und Farrenfleisch 45 bis 60 Pf., Kalbfleisch 45—55 Pf., Hammelfleisch 45 bis 65 Pf., Schweinefleisch 65—70 Pf. Kartoffeln M. 7., Weißkraut 20—30 Pf., Rothkraut 30-35 Pf., Gelbe Rüben der Bund 15 Pf., Kopfsalat 15— 20 Pf., Tel⸗ tower Rübchen das Pfd. 40 Pf., Spargel das Pfd. 40 bis 60 Pf., Lattich per Portion 20— 30 Pf. Huhn M. 1.90— 2.50, Hahn M. 2.— 2.50, Ente M. 2.70— 3.20, Taube 50—60 Pf., Kapaun M. 3., Wälscher Hahn M. 5 bis 11, italienische Ente M. 3.— 3.50.
Mainz, 23. April. In Folge des schönen Wetters war Getreide Anfangs der Woche flau, doch hat sich die Stimmung auf höhere auswärtige Notirungen wieder be⸗ festigt. Heute war es ziemlich fest und notirt: Waizen effektiv M. 23.25— 24, per Mai M. 22.90. Korn effektlv M. 18.70— 20, per Mai M. 18. Gerste, Pfälzer, M. 19.20 bis 19.60, Franken M. 19.70— 20.50. Hafer effektiv M. 14— 15.60, per Mai M. 15.15. Reps effektiv M. 27. bis 27.50. Rüböl effektiv M. 28, per Mai M. 27.70. Marktpreise. Kartoffeln 100 Kilo M. 6.80— 7.50, Heu 50 Kilo M. 2.90— 3.20, Stroh 50 Kilo M. 2.50 bis 2.70, Butter 1 Pfd. M. 1.05 1.15, in Parthien M. 0.90—0.95, Eier/ Hundert M. 1.10— 1.20, Hand⸗ käse 1 Stück 5—7 Pf., Rothkraut 25—30 Pf., Meer⸗ rettig 10—12 Pf., Zwiebeln das Pfd. 12— 14 Pf., 1 Hahn M. 1.80—2., 1 Huhn M. 1.80—2., 1 Ente M. 2.— 2.50, 1 junge Taube 35—45 Pf.— Viehmarkt. Ochsen 1. Qual. M. 68., 2. Qual. M. 60., Kühe 1. Qual. M. 60., 2. Oual. M. 45—50., Kälber das Pfd. 50—65 Pf., Schweine das Pfd. 58—61 Pf.
Marburg, 24. April. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.05— 1.30, Eter 10—11 St. 40 Pf., Käse per Stück 8— 10 Pf. Zwiebeln per Pfd. 12— 14 Pf. Hahnen per Stück M. 1.50— 2. Hähnchen das Stück
M. 1.— 1.20. Hühner das Stück 80— 100 Pf. Tauben das Paar 80—100 Pf. Salat per Kopf 10—15 Pfg. Geld⸗ Cours.
Frankfurt am 24. April 1880. 20-Frankenstücke M. 16 18—21
do. in ½„ 16% Englische Sovereigns. 5 0 0 Russische Imperiales.„ 16 67—71 Dutgten„ 9 52—53
do. al mareo„ 960. Dollars in Gold 8
Auszug aus dem Civilstands-Register der Stadt Friedberg. Berichtigung. Unter den Geborenen in Nr. 49 des Anzeigers soll es heißen:
2. Febr. Dem Messerschmied Heinrich Karl Schäfer ein Sohn.
Verloosungen. Die Ziehungs-Listen der Frankfurter⸗
Pferdemarkt-Lotterie und der Oppen⸗ auf
heimer Dombau- Lotterie können unserem Bureau eingesehen werden.
Submission.
1465
Der Verkauf erfolgt im Wege der öffentlichen Sub⸗ mission. auf Eichen ⸗Lohrinden“ sind bis zum 2. der unterzeichneten Behörde abzugeben. Bergheim den 20. April 1880. Großherzogliche Bürgermeisterei Bergheim. Eichenauer.
Mai l. J. bel
Holz-Versteigerung. 1482 Freitag den 30. April l. J., Vormittags 9 Uhr anfangend, soll im hiesigen Gemeindewalde, Distrilt Eichkopf und Bodenberg, nachbezeichnetes Gehölz ver steigert werden: 5 4,4 Raummeter Nadel⸗Scheitholz, 2 7„ Knüppelholz, 21038 Stück Nadel-Weichholz⸗Wellen, 6249 Ginstern-⸗Wellen. Zahlungstermin: Martinitag 1880. Ober-Mörlen am 22. April 1880. Großherzogliche Bürgermeisterei Ober-Mörlen. Jr
Bei der unterzeichneten Bürgermeisterei sollen circa 250 Centner Eichen-Lohrinden zum Verkauf kommen.
4
Gebote versiegelt mit der Aufschrift:„Gebote
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