Deutsches Reich.
Darm stadt, 20. Juni. Der Großherzog wird Wien nächsten Mittwoch verlassen.
Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 21 enthält das Gesetz über den Verkehr mit explo⸗ siven Stoffen.
Jugenheim, 21. Juni. Prinz Alexander ist gestern Abend aus Petersburg wieder hier
eingetroffen.
Berlin, 21. Juli. Abgeordnetenhaus. Fort⸗ setzung der zweiten Berathung der kirchenpolitischen Vor⸗ lage. Es sind 6 Redner gegen und 12 für Artikel 4 gemeldet. v. Bennigsen erklärt im Namen seiner politischen Freunde, dieselben würden für Artikel 4 oder für das entsprechende Gesetz, welches einen solchen Artikel enthält, nicht stimmen. Es handle sich darum, vor allem Frieden zwischen den Confessionen zu schaffen. Wir halten es sür ausgeschlossen, daß Bischöfe, welche wegen Wider⸗ standes gegen die Gesetze ihr Amt durch Richterspruch verloren haben, wieder zurückberufen werden können. Wenn die Regierung solche Männer zurückriefe, es wäre der größte Triumph der ceclesia militans, die größte Niederlage des Staats. Wir können dazu die Hand nicht bieten. Der Vergleich mit der französischen Amnestie trifft nicht zu. Ist denn jemals bei Amnestien eine Rückberufung der Amnestirten in ein Amt vorgekommen? Cultusminister v. Puttkamer erklärt: Er habe des Vorredners Rede mit Bedauern vernommen, da danach die Nationalliberalen nicht für Artikel 4 stimmen. Trotz dem empfehle er den Artikel 4 auf's Nachdrücklichste. Der gegenwärtige Zustand bedürfe auf's Dringendste der Abhülfe. Da man noch keine umfassende Verständigung über einen modus vivendi schaffen könne, müsse man wenigstens die Diöcesanverwaltung wieder einrichten und so den herrschenden geistlichen Nothstand durch einen theilweisen Wiederaufbau des Gerüstes der katholischen Hierarchie mildern. Artikel 4 sei der Mittelpunkt der ganzen Vorlage. Der Minister empfiehlt möglichst unver— änderte Annahme des Artikels unter Ablehnung von Amendements. Justizminister Friedberg befürwortet den Artikel 4 von der juristischen Seite und constatirt namentlich, daß das Begnadigungsrecht der Krone durch Artikel 4 nicht geschmälert werde. Gneist erklärt fich gegen Artikel 4, da die Rückberufung der Bischöfe ein Sieg der römischen Kirche wäre, wie er seit 100 Jahren noch nicht erfochten, ein Sieg Roms über den Prote— stantismus und den protestantischen Kaiser. Gegen Rom, dessen ganze Kraft nur auf seinen unerschütterlichen Grundsatzen ruhe, habe der Staat nur den Schutz der Unerschütterlichkeit seiner Gesetze und der moralischen Kraft seines Richterstuhles. Die Autorität der Gesetze werde aber verletzt durch die Zurückrufung der Bischöfe. v. Zedlitz-Neukirch befürwortet den Antrag Stengel und mit demselben den Artikel 4. Virchow spricht in längerer Darlegung gegen Artikel 4, da es nicht mit der Staatsautorität vereinbar sei, wenn die Träger so einflußreicher Aemter wie die Bischöfe passiven Wider— stand gegen die Staats-Gesetze unbehindert leisteten. v. Windthorst erklärt zunächst, daß die Abstimmungen des Centrums in jetziger Situation rein eventuelle und interimistische sein würden, während das definitive Votum der Partei erst dann ergehen würde, wenn man wisse, welche Form das Gesetz schließlich erhalten habe. Redner bekämpft die Ausführungen von Gneist, Bennigsen und Zedlitz und rechtfertigt das Verfahren der Bischöfe, namentlich des Erzbischofs Melchers, gegenüber den von den Vorrednern gegen sie erhobenen Angriffen. Er erklärt, daß das Gesetz ohne die Möglichkeit, die Bischöfe zurückzurufen, für ihn völlig werthlos sei, daß er aber gegen Artikel 4 stimmen werde, wenn derselbe dem Antrag Stengel-⸗Zedlitz zufolge die Clausel von der Anzeigepflicht bekäme; andernfalls werde er für Artikel 4 stimmen. Der Antrag Stengel(Anzeigepflicht der Bischöfe) wird
angenommen. Alsdann wird Artikel 4 in der nun⸗ mehrigen Fassung mit 252 gegen 150 Stimmen ange— nommen.— 22. Juni. Für den Artikel 5 haben sich
3, gegen den Artikel 8 Redner gemeldet. Jazdzewski spricht gegen den Artikel. Mindestens müsse die Ver— pflichtung zur Eidesableistung völlig beseitigt werden. Schorlemer-Alst: Die Mai⸗Gesetze enthielten das Gegentheil davon, was vorher Bischöfe und Geistliche beschworen hätten. Was die Absichten wegen Brechens des Widerstandes des Centrums anbetreffe, so sei gerade die Festigkeit des Centrums dasjenige, wofür einst das gesammte Land demselben dankbar sein werde. v. Sybel ür Artikel 5, weil er geeignet sei, den Art. 4 unmöglich zu machen, dessen schwere Uebelstände zu beseitigen. Seine Partei habe von Anfang des Kampfes an an dem Prineip festgehalten: Freiheit der Kirche, soweit Erbau— ungsanstalt, Unterwerfung, soweit Rechtsinstitut. Er hoffe auf eine Vereinbarung, die das Gesetz möglich mache und zwar ohne Artikel 4. Er sei mit dem Grund— satze des Artikel 5 einverstanden, halte aber die obliga⸗ torische Bestimmung des Verzichts auf den Eid nicht für angemessen. Klotz erklärt sich gegen den Artikel. Derselbe sei wie die ganze Vorlage von einer Nach⸗ giebigkelt gegen die Curie, welche diese in ihrem Wider⸗ stande gegen die Frage nur bestärken müsse. Regierungs- commissiär Hübler ist gegen den Antrag Bruel's.
vorgeschriebene Eid koͤnne doch nicht moralisch unhaltbar und zu beseitigen sein, wenn er anstandslos in Bayern, Eynern gegen den Entwurf, die nationalliberale Partei lebe nicht vom Sie babe im Interesse des Reiches und
Oldenburg ze. geleistet werde.
Culturkampfe.
Der
geleistet zu dem Kampfe gegen die Anmaßungen der Curie. Die Vorlage werde als verlorene Schlacht in diesem Kampfe bezeichnet, er müsse sich dem durchaus anschließen. Artikel 5 wird mit dem Zusatze Stengel angenommen, Artikel 6 ohne Debatte genehmigt. Nach einer weiteren kurzen Debatte werden schließlich die Artikel 7 und 8, sowie alle dazu gestellten Anträge abgelehnt.
— 20. Juni. Die Delegirten-Commission hat sich erst gestern constituirt. Den Vorsitz führt Oberst Blume, als Secretär fungirt Capitän Laferonnays. Die Commission beschäf—⸗ tigte sich theilweise mit der Prüfung des Karten— materials. Unter den Bevollmächtigten erscheint die völlige Uebereinstimmung über die Haupt⸗ frage bereits so gut wie hergestellt.
— 21. Juni. Nachden heute Vormittag 10 Uhr die Delegirten-Commission zur Be⸗ rathung zusammengetreten war, fand Nachmittags 3 Uhr eine Sitzung der Conferenzbevollmächtigten statt, welche bis 5 Uhr dauerte. Wie das „Tgbl.“ hört, hat der hiesige türkische Bot⸗ schafter in den letzten Tagen der deutschen Re⸗ gierung die bündigsten Versicherungen gegeben, daß die Regierung des Sultans nicht nur den festen Willen habe, durchgreifende Reformen in der inneren Verwaltung einzuführen, sondern auch die beste Absicht hege, sich einer friedlichen Lösung der griechisch-türkischen Grenzfrage zu unterziehen, nur müsse die Pforte dringend er⸗ suchen, daß die griechischen Aspirationen so ein⸗ geschränkt werden, daß die Turkei dieselben auch acceptiren könne. Im Uebrigen ist die Pforte beruhigt, weil die Conferenz sich nur auf eine Vermittelung beschränken wolle.
Ems, 21. Juni. Der Kaiser wohnte gestern Abend der Vorstellung des Kursaaltheaters bei und setzte heute früh seine Brunnenkur fort.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 21. Juni. Die Reichstagssession ist geschlossen. Die nächste Session beginnt am 25. September.
Belgien. Brüssel. Die von der„Agence Havas“ der„Indenpendance belge“ entnommene Nachricht betr. einer Versammlung von Bischöfen, die angeblich beschlossen, sich dem Schulgesetz anzupassen, bezeichnet„Bien public“ als Mysti⸗ fication.
Frankreich. Paris, 21. Juni. Die Deputirtenkammer hat nach einer Rede Gam⸗ betta's die Amnestievorlage mit 333 gegen 140 Stimmen angenommen. Der Senat hat mit 140 gegen 119 Stimmen die Dringlichkeit be⸗ züglich der Vorlage wegen Abschaffung der Militärgeistlichkeit angenommen. In einer Ab⸗ theilungssitzung der Deputirtenkammer erklärte der Polizeipraͤfect Andrieux: Wenn die Amnestie erlassen ist, so wird die Regierung, gestützt durch die Kammern und das Land, gegen die Partei der Commune entschlossen auftreten müssen. Die Regierung macht die Amnestie nicht für, sondern gegen die Männer der Commune.
Großbritannien. London, 21. Juni. Unterhaus. Unterstaatssecretär Dilke erklärt auf Befragen Wolff's: Die Conferenz verhandelt nur über die griechische Grenzfrage. Die Frage, ob ein Theil der ottomanischen Schuld zu über— nehmen sei, wird den Gegenstand zukünftiger Arrangements bilden müssen. Staatssecretär Hartington erwiedert auf eine Anfrage Leighton's: Es ist kein Grund anzunehmen, daß Abdurrhaman von russischen Offizieren begleitet sei.
Türkei. Constantinopel. In biesigen gou— vernementalen Kreisen wird bezüglich der griechi— schen Grenze noch immer geltend gemacht, daß es weniger darauf ankäme, türkischerseits im Innern des Landes Zugeständnisse zu machen, als vielmehr den Weg zum Meere durch die Golfe von Arta und Volo für die Türkei zu behalten. Offiziell wird man sich erst zu äußern haben, wenn die Beschlüsse der Berliner Con— ferenz zur Keuntniß der Pforte gebracht sind. Nach diesseitiger Auffassung wird sich dann die Pforte auszusprechen haben. Erst nachdem von
neuen Grenze erfolgt wäre, könnte die Lokal⸗
der Pforte prinzipiell die Zustimmung zu der
die identischen Noten der Mächte vom 4. Juni erklärt hat.
Amerika. Buenos-Ayres, 22. Juni. Lloyds⸗Depesche meldet volution ausgebrochen, der Hafen blockirt sei.
8 Aus Stadt und Land. Friedberg, 22. Juni. In der gestern stattgehab⸗ ten Sitzung des Gemeinderathes wurden als Ersatzmitglie⸗
1
die Stadt belagert und
Steinhäußer und die Gemeinderathsmitglieder Hecht und Hirsch gewählt. Es kam darauf ein Schreiben der Staats- schulden⸗Tilgungscommission zur Mittheilung, wonach diese vom Großherzogl. Ministerium beauftragt ist, die auf der Staatskasse ruhenden Renten abzulösen. Sie fragt des halb an, ob die Stadt geneigt sei, die ihr zustehenden Renten für verlorenes Ohm- und Pflaster-Geld, im Gesammtbetrage von Mark 1639 14 Pf. zu dem 22½ fachen Betrag abzulösen; das Ablösungskapital soll in 4 proc. Hessischen Obligationen oder in baar bezahlt werden. Der Gemeinderath beschloß den Gegenstand an die Finanzeommission zu verweisen, welche in der nächsten Sitzung darüber Bericht erstatten soll. Dem Martin Mondigler II. soll, vorbehaltlich der kreisamtlichen Geneh⸗ migung, ein hinter seinem Wohnhause liegendes Stück
für 400 Mark verkauft werden. Dem Eisenbahn-Comite Grünberg- Friedberg mit der Abzweigung Berstadt— Wölfersheim-Friedberg soll für die Vermessung der letz. teren Theilstrecke ein Beitrag von 100 Mark bewilligt, werden. Erbauung einer Kleinkinderschule wurden vorgelegt, genehmigt und sollen die Arbeiten alsbald ausgeschrieben werden.
Allerlei.
Frankfurt. Die Gebrüder Sachs befinden sich keineswegs, wie hiesige Blätter mittheilten, in Spanien;
bekannt. Uebrigens existirt zwischen Spanien und Deutsch⸗ land ein am 2. Mai 1878 abgeschlossener Auslieferungs⸗ vertrag.
Hof, 17. Juni. Gestern Vormittags entgleiste der hier um 10 Uhr 30 Min. abfahrende Personenzug bei der Station Holenbrunn. Einige Wagen sind beschädigt, der Verkehr erlitt keine nennenswerthe Störung. Die Ursachen des Unglücksfalles(die Maschine und zwei Wagen entgleisten) sind noch nicht bekannt.
Lorch, 21. Juni. Ein wolkenbruchartiger Gewitter regen hat gestern Abend großen Schaden an den Häuserm und Weinbergen angerichtet.
Wilbelmshafen. Die„N. St. Ztg.“ entnimmt einer ihr zugehenden Privatmittheilung aus Callas vom 24. April, daß bei der Beschießung eines peruanischen Torpedobootes durch das chilenische Kriegsschiff„Union“ auch uusere auf der dortigen Rhede zur Wahrung deutscher Interessen vor Anker liegende Panzereorvette „Hansa“ insofern in Mitleidenschaft gezogen wurde, als mehrere Geschosse dieselbe trafen. Eines derselben durch— schlug ein Dampfrohr, 2 Kugeln trafen einen Schorn— stein, andere prallten au der Seite des Schiffes wirkungs los ab. Von den Mannschaften, die sofort unter Der beordert wurden, war Niemand verletzt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 22. Juni. Fruchtbericht. Weizen M. 25.25, Korn M. 23., Gerste M. 18., Hafer M. 15, bis M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kils — 200 Zollpfund.
Friedberg, 23. Juni. Wochenmarkt. Butter kostet“ per Pfund M. 0.85—0.95, Eier per Stück 5 Pf.
Gießen, 22. Juni. Wochenmarkt. Butter per Pfd, 80—85 Pf., Eier 1 Stück 5 Pf., 2 Stück 9 Pf., Käß per Stück 5—11 Pf., Tauben das Paar 60—80 Pf. Hühner per Stück M. 1.25— 1.50, alte Hahnen per Stüc M. 1.— 1.80, junge Hahnen M. 0.90— 1.50, Wälsch⸗ M. 8.—9, alte Enten per Stück M. 2., junge Enten M. 1.30— 1.70, Kartoffeln per 100 Kilo M. 8., Zwiebel per Gtr. M. 18.—20. Ochsenfleisch 68 Pf. per Pfund Kuh- und Rindfleisch 50—56 Pf., Kalbfleisch 40—46 Pf, Hammelfleisch 60—70 Pf., Schweinefleisch 60 Pf. Kirsche! per Pfd. 22—25 Pf.
Grünberg, 19. Juni. Auf heutigem Wochenmarl. kostete der Centner Walzen M. 12.57, Korn M. 11.05, Gerste M. 9.67, Hafer M. 8.06, Erbsen M. 11.00, Samen M. 11.12, Kartoffeln M. 4.06.
Frankfurt, 21. Juni. Frucht bericht. Wel Nr. 1 M. 42., Nr. 2 M. 40., Nr. 3 M. 34, M. 30., Nr. 5 M. 24., Roggenmehl%(Berl. M. 29 ½— 29.30, do. 1.(Berl. M.) M. 28.50 29. de. 2.(Berl. Marke) M. 22. Waizen, effectiv hiesiger, ab Bahn bof hier M. 25.25—26., ab unserer Umg. M. 25.5, bis 25.75, do. fremder, je nach Qual. M. 25.—20.78 Roggen je nach Qual. M. 21.— 22.50, Gerste M. 12. bis 21., Hafer M. 13.50— 16.50, Erbsen M. 19.—7, Wicken M. 16.—18., Linsen M. 20.—40., Bohnen, weiß! M. 23.—25., Rüböl, detail M. 63. Die Preise verstehe⸗ sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.
D. Frankfurt, 22. Juni. Das Animo, welcher die Börse gestern belebt hatte, war heute fast vollständ!
eines Aufbaues dem Rufe des Reichskanzlers Folge 3 9
Commission die Grenze selbst abstecken, wie dies
geschwunden und gleichzeitig die Tendenz eine wenigen günstige. Als Ursache der eingetretenen Lustlosigken
die Pforte ihrerseits in ihrer Erwiederung auf
Eine von hier, daß eine Re-
1 9
der zur örtlichen Einschätzungscommission der Beigeordnete
15 1877 lier ma föckelnd. handelt. schaf Lehel ff 1— U d u Beitr shoftliche resse
dicht K
des kürzlich von der Stadt gekauften Waas'schen Gartens
Die Pläne und Kostenvoranschläge bezüglich wiederholt
über den Aufenthalt der Durchgänger ist noch Nichts
uchtlich! Nagdebu Aundwirt
n 20. dell wi
Us berge
ifentli Schalk heutige berg! berg, belieh Verle Vorz Klaz werk tion;
1


