Ausgabe 
22.7.1880
 
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die Ausweisungsbefugniß des Berliner Polizei⸗ Präsidenten sich auch nicht über das Weichbild Berlins hinaus erstrecke.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Die tenden⸗ ziös wiederkehrende Behauptung, daß in Folge schlechter Ernten ein Getreide-Ausfuhr-Verbot bevorstehe, ist ohne jede Unterlage, ebenso sind die Mittheilungen über einen schlechten Ausfall der Ernte recht übertrieben.

Aufgeregte slavonische Bauern überfielen gestern Abend die internationale Laibacher Lieder⸗ tafel und verwundeten sechs Mitglieder erheblich.

Belgien. Brüssel, 18. Juli. Der König, der Graf von Flandern und Erzherzog Rudolph hielten heute Revue über die Armee und Bürgergarde, 25,000 Mann stark: Das Defilé fand vor dem Palast statt unter ungeheurem Enthusiasmus. Die Königin, die Gräfin von Flandern und Prinzessin Stephanie wohnten dem Schauspiel vom Balkon des Palastes bei. Der König wurde bei seinem Erscheinen von der Menge stürmisch begrüßt.

Frankreich. Paris. Die Regierung der Repu⸗ blik hat ihre Vertreter im Auslande dahin instruirt und ermächtigt, bedürftige Amnestirte, welche sich wegen ihrer Rückkehr nach Frankreich an sie wenden, mit dem Nöthigen zu versehen.

Großbritannien. London. Meldung der Tim. aus Kabul vom 18. d. M.: Die Räumung Kabuls hat begonnen. Meldung derDaily News aus Constantinopel vom 18. ds. Mts.: In Adena(Kleinasien) hat eine Christenmetzelei stattgefunden. Details fehlen.

20. Juli. Unterhaus. Die Berathung der irischen Pächter-Entschädigungsbill im Einzelnen wurde unter Verwerfung sämmtlicher opposi⸗ tioneller Amendements fortgesetzt und beendigt.

Türkei. Constantinopel, 19. Juli. Aus Philippopel wird gemeldet, daß die Frau, nach Anderen die Mutter des Generals Skobeleff auf einem Ausfluge nach Tzirpan, welcher die Unterstützung von Spitälern zum Zwecke hatte, gestern Abend nebst einer Kammerfrau und einem Adjutanten beraubt und ermordet ward. Der Moͤrder ist ermittelt; derselbe entleibte sich, als er sich von Soldaten umzingelt sah. Drei andere der Theilnahme verdächtige Personen sind ver⸗ haftet; es soll sich bei dem Verbrechen um Raub⸗ mord handeln. Der Mörder ist ein russischer Lieutenant in rumelischen Diensten mit Namen Uzatis, welcher die Frau auf ihren Aus⸗ fluͤgen begleitete. Die Ergreifung Uzatis erfolgte in der Schlucht von Dermendere.

Die albanesische Liga beschloß, von den Ligageinkünften aus Epirus seien 15,000 Piaster zur Befestigung Mezzovos, 125,000 für Prevesa und 80,000 für Aria zu verwenden.

Bulgarien. Sofia. Bulgarien concen⸗ trirte nach derPresse 8000 Mann an der Südostgrenze, angeblich behufs Cooperirung mit der ostrumelischen Miliz gegen Raͤuber; wahr⸗ scheinlicher ist, daß ein Handstreich behufs Verwirk⸗ lichung Großbulgariens beabsichtigt wird. Nach demFremdenblatt sind bisher 8000 thessalische und epirotische Freiwillige in die Griechen-Armee eingetreten. Bei Arta wurde ein Türkenlager errichtet.

Rumänien. Bukarest. Die rumänische Regierung führte in einer Note an die russische Regierung Beschwerde über das agitatorische Treiben des russischen Consuls in Jassy.

Rußland hat über die Duldung von Nihilisten in Rumänien Vorstellungen hierher gerichtet und die Ausweisung derselben verlangt.

Bei den im August stattfindenden großen militärischen Uebungen werden zwei Lager ge bildet und zwar das erste bei Tzikatschti, be stehend in 20 Bataillonen Infanterie, 12 Es⸗ cadrons Cavallerie und entsprechender Artillerie; das zweite, weniger stark, an der Moldau und am Serath.

Rußland. Petersburg. Officiell. Einem Berichte des General Skobeleff zufolge wurde

commandirte Arzt Staditzky mit einer Escorte von zwölf Kosaken von 300 Tekkinzen überfallen. Die Kosaken vertheidigten sich acht Stunden hin⸗ durch, bis endlich eine herbeigeeilte Compagnie Jufanterie die Tekkinzen zerstreute. Der Arzt Staditsky und 2 Kosaken sind todt, 5 Kosaken verwundet. Die Tekkinzen ließen 4 Todte und eine bedeutende Anzahl Waffen zurück. Dieselben waren von einer unbekannten europäisch geklei⸗ deten Persönlichkeit befehligt. Der Kaiser verlieh sämmtlichen Kosaken den Militär⸗Verdienstorden. Die russische Regierung verwahrt sich auf's Entschiedenste dagegen, daß dem russischen Botschafter Labanoff in London der Auftrag geworden sei, Granville 20,000 Mann Hülfs⸗ truppen zu einer Demonstration gegen die Türkei anzubieten. Dagegen wird in hiesigen maß⸗ gebenden Kreisen das Faktum jenes Angebots nicht geleugnet, die Schuld aber auf die etwas sanguinische Art des Botschafters geschoben, der ganz beiläufig als seine eigene Ansicht die Worte habe fallen lassen, daß Rußland gewiß auch zu einer activen Hülfe bereit sein werde. Aegypten. Alexandrien, 18. Juli. Der Khedive unterzeichnete heute das Liquidationsgesetz. Amerika. New⸗Pork. Die Mittheilungen über den Stammbaum des Präsidentschafts⸗ Candidaten Garfield hat dieser selbst jetzt in einem Schreiben widerlegt, in welchem es heißt: Die Theorie der deutschen Zeitungen hinsichtlich meines Stammbaumes ist eine irrige. Ich bin der neunte Nachkomme Eduard Garfield's, der sich im Jahre 1636 in Watertown, Massachusetts, niederließ. Diese ersten Vorfahren kamen, wie wir glauben, von der Grenze von Wales. Ob der Name ein ursprünglich deutscher war, der nach England verpflanzt wurde, ist nicht bekannt.

Aus Stadt und Land.

S. Friedberg, 20. Juli. In der gestern statt⸗ gehabten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde auf eine wiederholte Verfügung des Großh. Kreisamtes beschlossen, drei vollständige neue Ortstafeln anzuschaffen. Die Lieferung eines neuen Heerdes für die Wohnung des Realschuldireetors wurde, da die eingelaufenen Sub⸗ missionsofferten keine erheblichen Abweichungen ergaben, durch das Loos für M. Henkel hier entschieden. Eine Mittheilung des Großh. Ministeriums der Fanzen, ob seitens des Stadtvorstandes keine Bedenken gegen die bei dem Bau der Friedberg-Hanauer-Bahn projektirte Verlängerung der Unterführung der sogenannten Juden⸗ hohle erhoben werden, soll dahin beantwortet werden, daß gegen den fraglichen Bau unsererseits keine Bedenken vorliegen. Verschiedene Gesuche um Nachlaß oder Befrist⸗ ung städtischer Abgaben wurden erledigt. Auf ein Gesuch des R. Reibstein um zeitweilige Ueberlassung mehrerer leerstehenden Räumlichkeiten im sogenannten Knorr'schen Hause wurde beschlossen, dieselben gegen eine kurze Kün⸗ digungsfrist für eine monatliche Miethe von 6 Mark demselben zu vermiethen, im Falle sie nicht für die Klein⸗ kinderschule nöthig sind. Ein Gesuch des Major Römheld dahier, wonach die Stadt das zur Fortsetzung des Trottoirs zwischen der Taubstummen-Anstalt und dem Hofthor des neuerbauten Hauses desselben erforderliche Material liefern soll, wurde genehmigt. Die Rechnung des letzten Frühjahrs-Pferdemarkts wurde nach erfolgter Prüfung gutgeheißen. Das Aus weißen der Säle und Gänge im vorderen Schulhause wurde dem Wenigst⸗ fordernden, Johannes Zimmermann dahier, auf Grund der Akkordbedingungen genehmigt.

R. Friedberg. In Kronach in Baiern ist unter den Metzgern ein dem Publikum sehr angenehmer Wett⸗ streit bezüglich der Herabsetzung der Fleischpreise entstanden. Einige Metzger kündigten an, daß sie den Preis des Ochsenfleisches von 60 Pf. auf 54 Pf. redueiren, darauf⸗ hin machen mehrere Metzger bekannt, daß sie für diese Woche fettgemästetes Och senfleisch um 40 Pf. abgeben. Wenn nun dort es möglich ist, das Fleisch so billig zu geben, so müßte es doch anderwärts ebenso sein, sollte man denken.

Friedberg, 21. Juli. Die Gewitter, die am Sonn⸗ tag Vor⸗ und Nachmittags hier ziemlich spurlos vorüber⸗ zogen, haben anderwärts ziemlich arg gehaust. So berichtet män von Butzbach: In den umliegenden Fluren hat ein Hagelschlag großen Schaden angerichtet. Im sogenannten Degenfeld und Röderfeld bat die Ernte besonders stark gelitten. Nach Mittheilung von Oeconomen ist in den genannten Distrieten durch dieses Unwetter theilweise die halbe Ernte vernichtet worden. Ferner berichtet man, daß in den Fluren der Orte Ebers-Göns, Pohl-Göns, Kirch⸗ Göns, Lang⸗Göns und Münzenberg durch den starken Hagelschlag theils mehr, theils weniger Schaden angerichtet wurde. In Ebers⸗Göns soll Hagel in der Größe von Tauben ⸗Eiern gefallen sein. In Münster schlug es Morgens mit einem sogen. kalten Schlage ein. In Langsdorf traf ein von Westen nach Osten ziehendes Hageiwetter die nördlichen Fluren der Gemarkung und

der am 3. Juli aus Bami nach Bendessen

zerstörte einen großen Theil der Winter- und Sommer⸗

14 ernte. In Schotten zogen zwei schwere Gewitter über

die Stadt, die sich bis über den Oberwald ausbreiteten. Die beiden Gewitter brachten Hagel. stein an und schlug der Blitz in Schotten in ein Haus, jedoch ohne zu zünden. In Semd zog ein schweres Gewitter über den Ort, begleitet von einem fürchter⸗ lichen Sturmwinde, welcher mehrere Dächer abdeckte und viele Bäume entwurzelte. Aus Groß⸗Umstadt be⸗ richtet man Aehnliches. Aus Rheinhessen und Starken⸗ burg wird mehrfach von erschlagenen Menschen berichtet.

J. Nieder⸗Florstadt, 19. Juli. Am heutigen Morgen gerieth ein achtjäbriger Knabe beim Baden in eine Untiefe der Nidda. Auf die Hülferufe der mit⸗ badenden Knaben eilte ein des Weges kommender junger Mensch herzu, entkleidete sich, sprang in das Wasser und gelang es seiner Entschlossenheit wie der für sein Alter großen Körperkraft, den bereits unter dem Wasser liegenden Knaben aufzufinden und an's Land zu bringen. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche, welche der rasch herzugerufene hiesige Arzt fortführte, hatten den glücklichen Erfolg, daß der Knabe dem Leben zurück; gegeben wurde. Die That des 15jährigen Heinrich Walther von hier verdient alle Anerkennung.

Darmstadt. Verschiedene Blätter brachten die Nach⸗ richt, daß die hiesige Staatsanwaltschaft im Auftrage der Großherzogl. Regierung Schritte gethan habe wegen Anschaffung von Fallbeilmaschinen. An dieser Nachricht, welche durch die mit ihr verknüpften Uebertreibungen schon unglaublich erscheinen mußte, ist nach eingezogener Erkundigung kein wahres Wort.

Darmstadt. DieZeitschrift für die landw. Vereine im Großh. Hessen veranschlagt den durch Frost im ver⸗ gangenen Winter verursachten Schaden an den Obstbäu⸗ men im Großh. Hessen auf 6 bis 7 Millionen Mark; mehr als der dritte Theil sämmtlicher Obstbäume sei erfroren und es werde eine Zeit von 14 bis 16 Jahren erforderlich sein, um den Verlust zu ersetzen. Nach der Karlsr. Ztg. soll das Großh. Baden kaum besser durch⸗ gekommen sein.

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Allerlei.

Nordhausen, 18. Juli. Der heute hier statt⸗ gefundene Verbandstag der thüringischen Gewerbeverein berieth einen Antrag des Gewerbevereins von Nordhausen, den Bundesrath um die Ablehnung des Reichstags Beschlusses zu ersuchen, wonach die Gewerbe-Ordnung dahin abzuändern sei, daß nur die Innungsmeister Lehr⸗ linge halten dürfen. Der Antrag wurde namentlich von dem Delegirten der deutschen Baugewerke bekämpft und schließlich abgelehnt. Zum nächstjährigen Verbandsort wurde Jena gewählt.

Bromberg, 10. Juli. Gestern entgleiste vor Bahn- hof Marienburg der Königs berg-Berliner Tages⸗Courier⸗ zug. Drei Wagen wurden vom Zuge losgerissen, ein Wagen erster Klasse umgeworfen. Dem Schaffner wurden beide Beine zerschmettert; sonst sind erhebliche Verletzungen nicht vorgekommen.

Berlin. Die auf dem königl. Hof-Postamte ver⸗ schwundenen 21,000 Mark Werthzeichen sind in einem der Papierkörbe gefunden worden. Räthselhaft ist es immer, wie dieselben dort hingekommen und bei der Revision nicht schon gefunden wurden.

Wien, 19. Juli. Das erste österreichische Bundes⸗ schießen wurde heute eröffnet. Der Festzug der Schützen nach dem Schützenfestplatze fand in programmmäßiger Ordnung inmitten der begeisterten Zurufe des zahlreich versammelten Publikums bei herrlichstem Wetter statt. Die Majestäten, welche der Fahnenweihe beiwohnten, wurden enthusiastisch begrüßt und ließen den Schützen⸗ zug vorbei defiliren. Die Deputationen der ausländischen Schützen wurden in sympathischer Weise begrüßt.

Wien, 20. Juli. In der Schützenfesthalle hat gestern Abend ein heftiger Gewittersturm große Verwirrung durch herabfallendes Gebälk angerichtet. Vier Personen wur⸗ den verletzt.

Madrid, 19. Juli. Nach einem Telegr. hat gestern in Manila auf den Philippinen ein heftiges Erdbeben statt⸗ gefunden Der Gouverneurpalast und viele andere Ge⸗

bäude sollen zerstört sein; doch liegt noch keine genauere

Nachricht vor. Eine große Insel tauchte aus dem Meere auf.

Das Sächsische System der Sekundär⸗Eisenbahnen.

entwurfe über Secundär-Eisenbahnen zu befassen haben, welcher von prinzipieller Bedeutung ist, und somit namentlich der großentheils treffen⸗ den Motivirung wegen auch außerhalb der weiß grünen Grenzpfähle alle Beachtung ver⸗ dient. Die sächsische Regierung geht von der

unzweifelhaft richtigen Ansicht aus, daß möglichst 0

allen Landestheilen die Wohlthat der Schienen⸗ wege verschafft werden soll, daß dies aber nut möglich sei, wenn man bezüglich Herstellung und Betrieb ein ganz anderes, als das bis jetzt angenommene und für große Verkehrsstraßen auch wirklich nothwendige System in Anwendung bringe. Sie will daher ein Netz wirklicher Secundär⸗ oder Lokalbahnen herstellen, sich dabei nicht(wie es eben in Baiern beliebt wird) in

Das letzte nach 7 Uhr Abends richtete beträchtlichen Schaden bei Ulrich⸗

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N ache Der sächsische Landtag wird sich demnächst mit einem von der Staatsregierung bereits im vorigen Monat zur Vorlage gebrachten Gesetz⸗

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