Ausgabe 
20.4.1880
 
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die Mitglieder Schlumberger und Freiherr v. Zorn zu Mitgliedern des Staats rathes in Vorschlag gebracht waren, heute durch den Staatssecretär Herzog geschlossen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Pest. Das Unter⸗ haus hat die vier Gesetzvorlagen, betreffend die Reconstruction Szegedins, in der General- und Special⸗Debatte ohne wesentliche Aenderung angenommen.

16. April. Abgeordneten-Haus. Ein Antrag Iranyis, betreffend Einführung der Civilehe, wurde angenommen. Der zweite Theil des Antrags, betreffend die Religionsfreiheit, wurde mit 107 gegen 94 Stimmen abgelehnt. Im Lauf der Debatte erklärte Tisza, die Religionsfreiheit bestehe in Ungarn ohnehin. Tisza will den Gesetz-Entwurf bezüglich der Civilehe womöglich noch in dieser Session unter breiten, weist aber auf die großen bestehenden Schwierigkeiten hin.

17. April. Der Communicatiousminister Pechi ist auf eigenes Ansuchen seines Amtes enthoben worden. Der Finanzmimister Szapary wurde provisorisch mit der Leitung des genannten Ministeriums betraut.

Belgien. Brüssel, 16. April. Woeste, Deputirter der Rechten, interpellirte in der Kammersitzung die Regierung über die projectirte Befestigung des Maasthals. Die Debatte ergibt, daß das Geniecorps die Befestigung des Maas thals studirt, daß aber weder der Regierung noch selbst dem Kriegsminister ein derartiges Project unterbreitet worden ist.

Frankreich. Paris. Gambetta scheint wegen der Angriffe der Radicalen auf seine Person bei dem Ministerium auf Beschleunigung der Neuwahlen und der Auflösung der Kammern zu drängen. Das Kammermandat würde erst Oktober 1881 ablaufen. Gambetta wünscht bereits Ende dieses Jahres die Neuwahlen.

16. April. Der Erzbischof von Reims und der Bischof von Soissons haben gegen die März-Decrete der Offentlichkeit übergebene Schreiben gerichtet. Die ausgewiesenen fremden Socialisten verlassen heute Paris.

17. April. Der Ministerconseil beschloß endgültig die Ernennung Say's zum Botschafter in London und Duchatel's zum Botschafter in Wien. Die Ernennung John Lemoinne's zum Gesandten in Brüssel wird erfolgen, sobald die belgische Regierung ihre Meinung diesbezüglich zu erkennen gegeben hat.

Großbritannien. London, 16. April. Die Kaiserin Eugenie ist heute in Kapstadt eingetroffen.

Italien. Rom, 17. April. Die Deputirten kammer berieth heute das Budget des Kriegs ministeriums.

Türkei. Constantinopel, 16. April. e Pforte erhielt Nachricht vomErscheinen bewaffneter albanesischer Banden in der Nähe von Prizrend. Mukhtar Pascha brach von Prizrend behufs Zerstreuung derselben auf.

Serbien. Belgrad. Es fand ein Einfall von Arnauten auf serbisches Gebiet statt, wobei dieselben in Wutschitze das dortige Waffen- und Proviant-Depot erstürmten. Serbien richtete einen energischen Protest nach Constantinopel.

Rußland. Petersburg, 16. April. Auf Vortrag des Ministers des Innern ordnet der Kaiser an, dem General-Gouverneur Ostsibiriens dieselben Rechte bezüglich der Ausweisung ver dächtiger Personen auf administrativem Wege zu übertragen, welche der kaiserliche Ukas vom 15. April 1879 den zeitweiligen General Gouverneuren verlieh. 17. April. DerRegierungsbote ver öffentlicht eine amtliche Bekanntmachung, wonach die höchste Executiveommission eine Revision der Documente bezüglich der auf administrativem Wege ausgewiesenen, sowie polizeilicher Aufsicht unterzogenen Personen angeordnet hat. Diese Revision ist dadurch veranlaßt worden, daß mehrere der gedachten Personen, besonders der studirenden Jugend Angehörige, ihre Schuld

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bereits bereut und durch gutes Verhalten günstige Atteste von den örtlichen Gouverneuren erwirkt haben. Auf den Vortrag Loris-Mellkoff's genehmigte der Kaiser die obige Anordnung.

Fürst Gortschakoff hatte in der letzten Nacht heftiges Fieber und wenig Schlaf. Das Allgemeinbefinden war aber heute Vormittag besser.

Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wird in Turkestan, an der chinesischen Grenze, ein russisches Observations-Corps aufgestellt werden. Einen Theil desselben wird Oberst Kuropatkin commandiren, der während des letzten Krieges Generalstabs-Chef bei General Skobeleff war und bereits zu derselben Stellung für die Expedition gegen die Teke-Turkmenen designirt war. In die chinesischen Gewässer werden nach uns heute zugegangenen Meldungen nicht fünf, sondern eine bedeutend größere Anzahl Kriegsschiffe, wie man sagt zehn oder fünfzehn abgehen. Die gesammte dortige Flotille soll unter das Commando des Admirals Butakoff treten.

Charkow. Auf Vorstellung Loris-Melikoffs gewährte der Kaiser den drei wegen verbreche rischer Propaganda zur Verbannung nach Sibirien verurtheilten Studenten der hiesigen Universität, Wantschakoff, Sudejkin und Tschugujewetz, voll ständige Begnadigung

Amerika. Washington, 17. April. Der Bericht des Ausschusses des Repräsentantenhauses für auswärtige Angelegenheiten beantragt, Prä sident Hayes solle unverzüglich Maßregeln ergreifen, um den Clayton-Bulver-Vertrag mit England aufzuheben und stimmt der jüugsten Botschaft des Präsidenten an den Senat zu, welche die Aufrechterhaltung der Monroedoctrin befürwortete. Der Bericht erklärt, der Vertrag sei der Monroedoctrin hinderlich und gefährlich, und geeignet, eine gerechte Politik der Union staaten gegenüber den interoceauischen Canalen zu hemmen. 7

Aus Stadt und Land.

Darmstadt. Am 13. April Abends zeigte F. Heckel aus Neustadt a. H. im Locale des hiesigen Gewerbevereins den ihm patentirtenApparat zur Erzeugung von Gas auf kaltem Wege vor. Dieser Apparat erfordert sehr wenig Raum, ist einfach construirt und sehr leicht zu be handeln. Derselbe kann, da eine Feuerungsanlage nicht nöthig ist, allenthalben aufgestellt werden und liefert ein schönes, hellbrennendes Gas, das auch zum Kochen, Heizen und zum Betrieb von Motoren verwendet werden kann. Röhrenleitung und Brenner sind dieselben wie beim Stein kohlengas. Durch diese neue Erfindung ist für solche Orte, die kein Gaswerk anlegen können, für einzelstehende Villen ꝛc. einem längst gehegten Bedürfniß abgeholfen und die Möglichkeit zur Beschaffung einer schönen und billigen Beleuchtung gegeben.

Erbach. Im Odenwalde vollzieht sich in aller Stille ein Werk, das unter den zahlreichen großartigen Ingenieur- bauten unserer Gegenwart eine hervorragende Stelle ein nimmt; es ist dies der sogenannte Krähberg-Tunnel auf der Strecke Erbach-Eberbach der hessischen Ludwigsbahn. Der Tunnel wird eine Länge von 3100 Meter erhalten und nach seiner Vollendung der zweitlängste Tunnel Deutschlands sein, indem er in dieser Beziehung nur von dem im Jahre 1877 vollendeten Kaiser-Wilhelms-Tunnel der Moselbahn bei Cochem übertroffen wird.

Mainz, 15. April. DerIsraelit veröffentlicht ein Telegramm der israelitischen Gemeinde zu Bagdad, nach welchem in der Stadt und deren Umgegend die schrecklichste Hungersnoth herrscht. 9000 Israeliten sind in Gefahr, Hungers zu sterben, täglich eilen unzählige Nothleidende dorthin, um Hülfe zu suchen. Die israel itische Gemeinde zu Bagdad bittet Dr. Lehmann einen Aufruf um Unterstützung an die mildthätigen Glaubens- genossen in Deutschland zu erlassen. Die Redaction des Israelit hat sofort diesem Wunsche entsprochen, und

erklärt sich bereit, Spenden entgegen zu nehmen, und schleunigst zu befördern. Allerlei. Stuttgart, 15. April. Der Raubmörder Rapp

wurde heute früh in Ravensburg enthauptet; seit 1866 ist dies die erste Hinrichtung in Württemberg.

Neu Der DampferVizeanio ist in Folge einer Collision mit einem Eisberge auf der Höbe von Neufundle ntergegangen. Er befand sich auf der Reise von s nach Antwerpen und war mit 74,000 Bushel Getreide und 3000 Säcken Getreide be

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Die Mannschaft wurde gerettet.

frachtet.

Die Wichtigkeit des Waffers als diätetisches Mittel.

Wenige Personen vermögen die Thatsache

gehörig zu würdigen, daß, nach den besten Schätzungen, Wasser im normalen menschlichen

Körper beiläufig ssiebenzig Procent des ganzen Gewichts desselben bildet. Dieses Wasser wird

aber demselben hauptsächlich von Außen zugeführt.

Es wird nicht allein den verschiedenen Getränken entnommen, sondern bildet auch einen reichlichen Bestandtheil der verschiedenen Nahrungsmittel. Wasser ist ausnahmslos in allen Geweben und Flüssigkeiten des Körpers zugegen. Es ist reich⸗ lich im Blut und allen anderen Absonderungen vorhanden, wo es unentbehrlich ist, um ihnen die zur Vollziehung ihrer Funktionen nothwendige Flüssigkeit zu geben. Wasser bildet auch einen Anthell der festen Bestandtheile, der Muskeln, Sehnen, Knorpel, Knochen, Zähne, der Drüsen, der Haut ꝛc. Deßhalb, wenn das Wasser der Haut, der Muskeln ꝛc. verflüchtigt ist, so werden sie gelb, schrumpfen ein und werden untauglich zur Vollziehung ihrer Funktionen.

Wasser nimmt an allen Lebensthätigkeiten des Körpers, hauptsächlich durch seine physika lischen Eigenschaften, Antheil. Es ist das allge meine Lösungsmittel für alle Bestandtheile der thierischen Flüssigkeiten, indem es sie entweder durch seine direkte auflösende Kraft, oder mit Hilfe anderer Bestandtheile, welche ebenfalls löslich sind, in Lösung erhält. Auf diese Weise setzt es die nährenden Stoffe der Nahrungs⸗ mittel in den Stand, ihren Weg in den Kreis lauf zu finden und die Substanz der festen Organe zu durchdringen. Es vermittelt ferner auch die Erscheinungen der Aufsaugung und Ausscheidung, sowie alle jene Funktionen, welche mit der Ernährung des thierischen Organismus verknüpft sind.

Der Hauptbestandtheit des eingenommenen Wassers geht nicht einfach durch den Darm⸗ kanal, sondern wird von den Schleimhäuten auf genommen und tritt in den Kreislauf über, Wenn es dann zuletzt in Harn und Stuhl, in den Ausdünstungen der Haut und der Lunge abgesondert wird, so führt es allerlei Aus scheidungen und verbrauchte Stoffe mit sich, welche außerdem dem Organismus schädlich werden könuten.

Bei Erwägung dieser Thatsachen läßt sich leicht begreifen, daß die ungenügende Darreich ung von Wasser allerlei, wenn auch Anfangs oft unmerkliche Funktionsstörungen im Körper hervorrufen kann, wie Stuhlstopfung, rothen Urin, trockene und gelbe Haut, kalte Füße c. Wo das nothwendige Maß von Flüssigkeit fehlt, gehen alle Verrichtungen des Körpers langsamer und schwieriger von statten. Mauche Beschwerden von Unverdaulichkeit sind dem Mangel an Wasser zuzuschreiben. Manche Fälle von Ver stopfung könnten geheilt werden, wenn man Morgens nüchtern und zwischen den Mahlzeiten ein Glas Wasser nehmen wollte. Manche Fälle von Reizung der Harnwege könnten erleichtert werden, wenn man den Urin flüssiger und dadurch zugleich milder machte. Manche Fälle von Kopfweh könnten durch Vermehrung der Flüssigkeit des Blutes gebessert, mancher Fall von Herzklopfen gemildert werden. Manche Fälle von Rückenmarksreizung und schwäche sind einem Mangel der Qualität und Quantität des Blutes zuzuschreiben, das circa 80 pCt. Wasser enthält. Magere, trockene Personen sollten ganz besonders auf diese Verhältnisse Rücksicht nehmen.

Ich verordne gewöhnlich/ bis ½ Liter frisches Wasser, das viermal des Tages zu nehmen ist, nämlich: 1) früh nüchtern; 2) um

10 Uhr; 3) um 4 Uhr Nachmittags und 4) vor Wenn die Eingeweide zur

dem Niederlegen. Verstopfung neigen, so lasse ich dem ersten Glase früh eine Prise Kochsalz zusetzen, bis Veränderungen in der Diät das flüssig machen.

Ich verbiete, kaltes Wasser während der Mahlzeiten zu nehmen aus dem einfachen Grunde,

weil zu dieser Zeit der Magen in seiner größten Thätigkeit ist, und Kälte die Temperatur des selben herabsetzt, die Verdauung verlangsamt und zur Erzeugung von Gasen Veranlassung gibt. Warme Flüssigkeiten erleichtern die Auf⸗

Nerven⸗

die anderen Salz über⸗

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Assim

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