des Generals Zentz zum Commandauten des elften Armeecorps an Stelle Cissey's.
— 16. Oct. Die Mitglieder des internatio— nalen Post-Congresses wurden gestern dem Präsi— denten Grevy durch den Minister Cochery vor— gestellt. Grevy beglückwünschte den Congreß zu seiner Thätigkeit, welche dem Verkehre Europas zu Gute komme und das Werk des Friedens und der Freiheit befestigen werde. Die Umbildung der modernen Völker aus Kriegführenden und Eroberungssüchtigen zu Industrie- und Handel— treibenden habe, indem sie die Nationen näher brachte und ihre Interessen solidarisch machte, mehr für den Frieden und die Freiheit der Welt gewirkt, als Philosophie und Politik. Der niederländische Generalpostdirector Hofstede dankte für Frankreichs Gastfreundschaft und gab der Hoffnung Ausdruck, das Werk des Congresses werde zu einem befriedigenden Ergebnisse ge— langen. Der deutsche Delegirte Günther wies auf die in Folge des Pariser Postcongresses von 1878 eingetretenen großen Fortschritte des inter— nationalen Verkehres hin, welche der Annäherung der Völker zum großen Vortheile gereichten.
— 16. Oct. Die Decrete vom 29. März sind heute in ganz Frankreich gegen die Carme— liter-Congregationen zur Ausführung gebracht worden. In Folge davon haben wiederum meh— rere richterliche Beamte ihren Abschied genommen.
Großbritannien. London. Die„Times“ veröffentlicht eine Zuschrift des Lord Hougson, welche besagt, seine Unterhaltung mit dem Kron— prinzen Rudolf von Oesterreich in Potsdam habe sich nicht auf die gegenwärtigen politischen Verhältnisse, sondern auf die schließliche Lösuug der Orientfrage bezogen, wobei der Kronprinz jeden Gedanken an ein über Constantinopel sich erstreckendes Protectorat Oesterreichs zurückge— wiesen habe.
—„Times“ bezweifelt, ob Europa im Stande oder Willens sein werde, Zwang gegen die Türkei zu Gunsten der Ansprüche Griechenlands anzu— wenden, und ermahnt die Griechen zur Geduld. Europa habe noch nicht sein letztes Wort ge— sprochen; die Griechen würden ihre Sache nicht fördern, vielmehr die Sympathien Europa's verwirken, falls sie sich auf verfrühte Unter— nehmungen einließen, zu deren Durchführung sie nicht stark genug seien.
Dublin, 16. Oct. Wie verlautet, befinden sich Parnell, Biggar, Dillon und Oconnor auf der Liste der Agitatoren, welche wegen Ver— schwörung in Anklagezustand versetzt werden sollen. Alle der angeblichen Mitschuld an Mounth— morrie's Ermordung beschuldigten Personen sind wegen Mangels an Beweisen wieder aus der Haft entlassen worden.
Spanien. Madrid. Gegenüber einer Mel— dung des„Impartial“ bemerkt die„Correspon— denzia“, daß zwischen Spanien und Deutschland keinerlei Verhandlung zu einem bestimmten poli— tischen Zweck stattgefunden habe. Die Reise des deutschen Gesandten von Madrid nach Deutsch— land habe nur einen privaten Charakter. Spanien sei entschlossen in den Europa bewegenden Fragen Neutralität zu beobachten und beschäftige sich nur mit der Reorganisation im Innern.
Italien. Rom.„Osservatore“ erfährt, der Papst habe das Gesuch des Cardinalstaats— secretärs Nina um Euthebung von seinem Amte, begründet auf Gesundheitsrücksichten, genehmigt; indeß werde Nina auf Verlangen des Papstes, das Amt des Präfecten der apostolischen Paläste auch ferner bekleiden.— Die„Agenzia Stefani“ meldet, Jacobini sei als Staatssecretär und Vaunutelli an dessen Stelle als Nuntius in Wien in Aussicht genommen.— Die türkische Gesandt— schaft in Rom soll den Rang einer Botschaft erhalten. d
Türkei. Constantinopel, 15. Oct. Die Pforte ergriff auf die Nachricht hin, daß der vor einigen Jahren nach Persien geflüchtete Sohn des Scheiks Übeidullah an der tüurkischen Grenze eine Bande gebildet habe, Maßregeln, um Ein— fälle derselben in das türkische Gebiet zu verhindern.
— 16. Oct. Die Pforte wird zur unver⸗
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züglichen Durchführung der Reformen in Arme⸗ nien auf Grundlage der von Baker Pascha ge⸗ machten Vorschläge zwei Commissarien ernennen. Die erste in Konstantinopel tagende Commission wird sich theoretisch mit den Reformen beschäftigen, während der anderen Commission die Ausführung an Ort und Stelle obliegen wird. Die Pforte erneuerte gestern Riza Paschas Weisungen zur friedlichen Uebergabe Dulcigno's in dringlicher Weise, indem sie die hervorragende Wichtigkeit dieser Uebergabe betonte.
Montenegro. Cettinje, 16. Oct. Ad⸗ miral Seymour erhielt die Nachricht, daß die Türken im Hafen von Smyrna Torpedos ver— senken.— Der montenegrinische Obercomman— dirende hat mit der fürstlichen Garde und den regulären Truppen ein Lager in der Sutorina bezogen.
Griechenland. Athen. Die Regierung hat mit der griechischen Nationalbank eine An— leihe von 60 Millionen Francs abgeschlossen und die Bank ermächtigt, weitere 60 Millionen in Noten mit Zwangscurs zu emittiren. Die Bank soll diese 60 Millionen neuer Noten zu einer 7procentigen Hypothekar-Anleihe verwenden können. Die Regierung beansprucht einen Theil des Gewinnes aus der Operation und wird den Vertrag der Kammer vorlegen.
Rußland. Petersburg, 15. Oct. In den ersten Octobertagen wurde der Kaiser Alexander aber— mals von starken Athembeschwerden heimgesucht. Er gebraucht auf Aurathen des Leibarztes Botkin Juhalationen von Luftgas, dasselbe Mittel, welches bei der entschlafeneu Kaiserin angewandt worden. Großfürst Sergei reiste gestern nach Livadia ab. Der Großfürst Thronfolger und seine Gemahlin übersiedeln am 22. Oct., von Peterhof nach der Stadt Anischkow. Ein seit vorgestern cur— sirendes Gerücht, daß Kaiser Alerander von einem Schlaganfall betroffen worden sei, wurde von unterrichteter Seite als falsch bezeichnet. Dagegen wurde zugegeben, daß die Aerzte bei dem in diesem Herbst verstärkt auftretenden Asthma sehr wünschen, daß der Kaiser den Winter über in Livadia bleibt.
— Der Minister des Innern ertheilte dem Journal„Nowoje Wremja“ eine zweite Ver— warnung wegen eines die finanziellen Verhältnisse Rußlands besprechenden Artikels.
— 16. Oct. Dem Vernehmen nach reist Loris Melikoff heute nach Livadia.
— 17. Oct. Der Großfürst- Thronfolger mit Gemahlin und Kindern, sowie der Minister des Innern, Loris-Melikoff, sind gestern nach Livadia abgereist.
Amerika Washington. Der Bericht des Finanzdirectors veranschlagt den Gesammtbetrag der im Lande umlaufenden amerikanischen Münze auf 370 Millionen Dollars in Gold und 150 Millionen Dollars in Silber, was einer Zunahme von 83 Millionen in Gold und 37 Millionen in Silber seit Juni 1879 gleichkommt. Außer— dem befänden sich in Barren 68 Millionen in Gold und 5½ Millionen in Silber im Staats— Schatze.
Buenos-Ayres. Der Präsident Avellaneda hat sein Amt in die Hände seines Nachfolgers, des Generals Roca niedergelegt Letzterer er— klärte, er werde bestrebt sein, den Frieden im Innern und nach Außen aufrechtzuerhalten, die Industrie zu ermuthigen und die Einigkeit aller Theile der Conföderation zu befestigen. Das Ministerium demissionirte. Das neue Cabinet ist bereits gebildet.
Aus Stadt und Land. St. Friedberg. Unser dies jähriger Fohlen- und Pferdemarkt scheint ein sehr freguenter zu werden; außer den schon seit Jahren die biesigen Märkte besuchenden aus—
Stande kommt, am Vormittag des anderen Tages be⸗ endigt. Am Nachmittag des zweiten Markttages findet auch eine Prämiirung von selbstgezüchteten Fohlen statt; für beide Geschäfte, sowohl für den Ankauf, als für die Prämiirung sind, wie bereits in vorletzter Nummer gemeldet, besondere Commissionen bestimmt, welche von den in den letzten Tagen zu einer größeren Versammlung hier vereinigt gewesenen Landwirthen der Wetterau und der Umgegend aus ihrer Mitte als unbetheiligte und unparteiische Richter gewählt worden sind. Der Landes⸗ Pferdezuchtverein wird, wie ebenfalls schon gemeldet, am Vormittag des ersten Marktages eine Vorführung der im Besitze einzelner Züchter befindlichen Stuten veran⸗ lassen, was voraussichtlich zur Belebung des Marktes nicht unwesentlich beitragen und für Manchen von In⸗ teresse sein wird. Der Verkauf der Loose zu der mit dem Pferdemarkte verbundenen Lotterie,— obschon die bei den Königl. Preußischen Behörden für die Provinz Hessen⸗ Nassau schon vor längerer Zeit nachgesuchte Erlaubniß zum Verkauf unserer Loose in diesen unser Oberhessen rings einschließenden preußischen Landestheilen in nicht sehr entgegenkommender Weise bis jetzt verzögert, und unsere Provinz mit den Loosen der Frankfurter Pferde⸗ markt⸗Lotterie(deren Verkauf von unserer Regierung in liberalster Weise gestattet war) vor Kurzem wahrhaft überschwemmt worden ist,— geht dennoch in wünschens⸗ werther Weise von statten, was wohl hauptsächlich der bekannten Solididät, welche unserer Pferdemarktlotterie zu Grunde gelegt ist, zu verdanken sein dürfte.
j. Friedberg. Sonntag den 10. d. Mts. fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des landwirthschaft⸗ lichen Bezirksvereins, Kreisrath Dr. Braden, und in Gegenwart des Präsidenten des landw. Provinzial Ver⸗ eins, v. Nordeck zur Rabenau, im Rathhaussaale dahier eine zahlreich besuchte General-Versammlung des landw. Bezirks-Vereins Friedberg statt. In derselben referirte der Dirigent hiesiger Ackerbauschule, Prof. Dr. Tobisch, im Namen des hiefür bestellten Comité's über die Er— richtung einer Zuckerfabrik und die Gründung von Molkerei-Genossenschaften innerhalb des Vereins-Bezirks. Diesen Berichten folgten lebhafte Discussionen, deren Endresultat war, daß die Versammlung gemäß den Com⸗ missionsanträgen beschloß, die Frage der Errrichtung einer Zuckerfabrik zu vertagen, bis die Zusammenlegung der Grundstücke weitere Fortschritte gemacht hat, bezüg— lich der Bildung von Molkerei-Genossenschaften aber den Interessenten ein selbstständiges und klares Urtheil da⸗ durch zu ermöglichen, daß Seitens des landw. Bezirks⸗ Vereins Kostenanschläge, Rentabilitätsberechnungen und Statutenentwürfe ausgearbeitet und in den betreffenden Kreisen verbreitet werden. In die hiermit beauftragte Commission wurden Pachter Rullmann zu Stammheim, Bürgermeister Reitz zu Södel, Steuerrath Hechler zu Butzbach, Prof. Dr. Tobisch und Landwirthschaftslehrer Dr. Ludloff zu Friedberg, Oeconom Fr. Keil zu Melbach, Gemeinderechner Feuerbach zu Ockstadt, Pachter Puth zu Okarben, Verwalter Stahl zu Kloppenheim, Oeconom Schudt zu Rockenberg und Bierbrauer Melchior zu Buß⸗ bach gewählt.
R. Friedberg. Der Gemeindevorstand in Bremthal (Amt Idstein) hat dieser Tage einen Beschluß gefaßt, der allen Stadt- und Gemeindevorständen zur Nach⸗ ahmung dienen möge. Einer Wittwe, welche Jahre lang Armenunterstützung aus der Gemeinde-Armenkasse er⸗ halten, wurde dieselbe vom 1. Oct. c. an versagt, weil die Tochter der Frau sich mit ungewöhnlichem Aufwande kleidete.
b. Dorheim. Trotz aller Warnungen immer und immer wieder der geladene Revolver da, wo er nicht sein sollte. In einem hiesigen Hause liegt der geladene Revolver auf dem Tisch, der schon ziemlich erwachsene Junge kommt dazu, spielt mit dem Dinge und schleßt dem Oeconomieverwalter eine Kugel durch den Kopf. Der Verletzte wurde sofort in die Klinik nach Gießen verbracht, man zweifelt an seinem Aufkommen. Wer einen Revolver bei seinen Gängen zu seiner Sicherheit nöthig hat, der versäume doch nicht, ihn bei der Nach⸗ hausekunft zu entladen und das gefährliche Spielzeug so aufzuheben, daß Unbefugte nicht dazu kommen konnen,
s. Ober-Mörlen. Unsere Gemeinderathswahlen sind unter sehr starker Betheiligung der Wähler verlaufen. Es wurden wiedergewählt: K. Scherer mit 184 St., J. König 3ör mit 168 St., H. K. Schweitzer mit 154 St., ein Beweis, wie sehr man die seitherige Thätigkeit dieser
Männer anerkannte. Der Nächsthöchstbestimmte hatte 137 Stimmen erlangt. Vilbel. In Nr. 121 des Oberh. Anzeigers wurde
von Fauerbach b. Fr. gemeldet, daß in einem Garten daselbst ein Kürbis von 51 Pfd. gewachsen sei. Von hier kann nun mitgetheilt werden, daß in dem Garten „Zur alten Post“ dahier drei Kürbis gezogen wurden, wovon der eine ca. 100 Pfd., der andere 75 und der dritte 50 Pfd. wiegt.
—d. Rodheim v. d. H. In der am 13. d. Mts am Amtsgericht Vilbel stattgefundenen Forstgerichtsver⸗ bandlung wurde der des Forstfrevels- beschuldigte Balthasar Jakobi V. von hier von Strafe und Kosten gänzlich frei⸗
wärtigen Handels leuten sind mehrere neue angemeldet, die gesprochen, was hier die 3 2 Theilnahme erregt,
noch nicht hier waren und an dem bevorstehenden Herbst- da der Beschuldigte in den weite
en Kreisen sich der all⸗
markte mit dem Besuche unserer Märkte den Anfang machen gemeinen Achtung erfreut.
wollen; es steht hiernach zu erwarten, daß Kauflustige diesesmal eine noch größere Auswahl an Fohlen und Pferden finden, als früher und in dieser Voraussicht den Markt zahlreich besuchen werden. Am ersten Markt⸗ tag den 25. October werden die zur Verloosung kom⸗ menden Fohlen verschiedenen Alters, 30 Stück, angekauft und dieses Geschäft, soweit es am ersten Tage nicht zu
Offenbach, 15. Oct. Der steckbrieflich verfolgte muthmaßliche Mörder der Ehefrau Kamberg zu Heusen⸗ stamm, Wolf Kahn, wurde gestern auf dem dortigen Kirchhofe erschossen aufgefunden.
Alzey. Die Einweihung unseres neuen Schullehrer⸗ seminars wird am 27. d. M. in Gegenwart der Spitzen der Behörden stattfinden.
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