Ausgabe 
19.6.1880
 
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Die erste Sitzung der Conferenz Man beschäftigte sich nach einer begrüßenden Ansprache des Fürsten Hohen⸗ lohe zunächst mit Formalitäten, betreffend den Austausch der Vollmachten und der Geschäfts ordnungsfrage. Die Conferenz wählte zum Vorsitzenden Fürst Hohenlohe, zu Secretären den Geheimrath Busch und Graf Mouy Die Conferenz berührte den Punkt der Geheimhal tung, welcher leider bei dem Congreß vielfach durchbrochen worden sei und war einstimmig in Anerkennung der Nothwendigkeit der Geheim haltung materieller Conferenz- Verhandlungen. Wie man trotzdem vernimmt, liegt den Dele⸗ girten der vom Minister Waddington seiner Zeit aufgestellte Entwurf vor, welcher als Ausgangspunkte für die Grenze die Thäler Kalamai und Salambria vorschlägt, im Innern des Landes im Laufe der früheren Verhand lungen aber wohl einige Abänderungen erhalten

16. fand heute statt.

hat. Heute Nachmittag ist Diner beim Fürsten Bismarck, welchem außer den Botschaftern auch die technischen Mitarbeiter der Conferenz bei

wohnen.

Die deutsche CorvetteAriadne ist wegen der politischen Vorgänge in Buenos-Ayres noch

in Montevideo zurückgehalten worden.

Ausland.

Belgien. Brüssel, 16. Juni.

Mehr als 50,000 Personen waren im Kemi

eyklum vor dem Ausstellungsgebäude. Bevor der König erschien, war der greise Veteran von 1830, Staatsminister Karl Rogier, Gegenstand einer Familie Rede des Ministers des Innern sprach noch de Merode

Die königliche

Nach der

rührenden Ovation. wurde begeistert empfangen.

und der Bürgermeister von Brüssel; hierau

folgte die brillante Ausführung desmarche triomphale, von Peter Benoit, dann das höchst

originelle Defils aller Gewerke vor dem Königs paar und hierauf der Besuch der Ausstellung

die höchst gelungen, wenn auch noch unfertig

ist. Der erste Festtag ist ungetrübt verlaufen ganz Brüssel prangt im Fahnenschmuck.

Frankreich. Paris, 16. Juni. Die Senats

gruppe Union Republicaine sprach sich für Am nestie aus. Die republikanische linke Kamme

berieth die Frage, ob die Amnestiefrage zu be

rathen oder abzuwarten sei, bis die Regierun die Initiative ergreift. Berathung, 15 dagegen, 15 ließen den Saal. Das linke

Kammer faßte noch keinen Beschluß, scheint aber

der Amnestie abgeneigt zu sein.

Großbritanien. London. Eine Depesche April consta

des Botschafters Layard vom 27 tirt eine gewisse Gereiztheit des Sultaus gegen England. Die Berichte der Consuln beweisen, daß sich das türkische Reich noch niemals in einem so desorganisirten und kritischen Zustande

Die Eröff⸗ nung der National-Ausstellung, welche gleich zeitig den Prolog der begonnenen Jubiläums- feste bildet, fand heute durch den König, begleitet von der Königin, dem Grafen und der Gräfin von Flandern, unter großem Enthusiasmus statt.

65 stimmten für die Dissidenten ver Centrum der von

befunden hat, wie gegenwärtig. Der Sultan soll auf die Vorstellungen Layard's sters mit Versprechungen geantwortet, aber Nichts erfüllt haben. Die Politik des Sultans und seiner Rathgeber bestehe gegenwärtig darin, ohne Europa zu handeln, ihm Trotz zu bieten.

17. Juni.Daily News meldet aus Kabul von gestern: Abdurrhaman marschirt mit 2000 Manu und 12 Kanonen auf Kubul. DerTimes zufolge richtete Abdurrhaman ein Schreiben an die britische Regierung, in welchem er erklärt, er wolle der Aufforderung, nach Charikar zu kommen, entsprechen.

Türkei. Coustantinopel. Einer vertrau lichen Meldung von hier zufolge ist nach dem Tageblatt die Majorität des türkischen Minister raths für Verweigerung der Abtretung Janinas an Griechenland, selbst wenn die Mächte dies empfehlen.

Montenegro. Cettinje. 17. Juni. Das Comite der albanesischen Liga in Skutari ist nach Tusi gegangen, um mit den Befehls habern der Truppen zu conferiren. Der britische Consul Green begab sich neuerdings nach Cettinje, was den Verdacht der Liga erregt. Der Gouver neur von Skutari versucht unter dem britischen Einfluß die Liga zu überreden, die Entscheidungen der Mächte anzunehmen.

Aegypten. Cairo, 16. Juni. Verschiedene Paläste und Immobilien Abdim Ghizeh Ghezvich's sind durch amtliches Dekret als Staatseigenthum erklärt.

Amerika. Chicago. James A. Garfield, der zukünftige Präsident, ist aus armer Familie, er ist ein sell made man. Erst Kutscher, Boots führer, Zimmermann, erwarb sich später Kennt nisse und wurde Lehrer, Geistlicher, Abgeordneter zum Repräsentantenhause. Im Bürger-Kriege avancirte er zum Oberst. Später Sachwalter für Eisenbahnen wurde er Lieferant und Spe culant, schließlich ein reicher Mann, bei dem man nicht mehr fragt, wie er das Geld erworben (hat. Als Blaine in den Bundes-Senat trat, wurde Garfield Fuhrer der republikanischen Partei im Repräsentantenhause. Bemerkenswerth ist, daß man eine besondere stittenstrenge Ver waltung von ihm nicht erwartet, und bezeichnend, daß das Deutschthum für diesen Mann keine Sympathien hat.

Aus Stadt und Land. Darmstadt, 17. Juni. Die Verwerfung des Gnadengesuches des Muttermörders Pfaff wurde dem * Delinquenten gestern Morgen um 6 Uhr verkündigt und soll derselbe hierbei seine volle Kaltblütigkeit bewahrt g haben. Pfaff wurde sodann aus seiner bisher inne⸗ e gehabten Zelle in eine im Parterregeschoß des Gefäng

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nisses gelegene Zelle verbracht, von wo er seinen To esgang antrat. Derselbe wurde ununterbrochen zwei Gendarmen bewacht. Die Execution fand

heute früh um 6 Uhr statt, nachdem während der Nacht das Schaffot aufgeschlagen worden war. Zwei Minuten vor 6 Uhr wurde der Verurtheilte vor die anwesenden Richter, welche an einem schwarz überzogenen Tische im Hofe in ihrer Amtstracht Platz genommen hatten, be⸗

gleitet von dem Geistlichen, Stadtpfarrer Dr. Sell, ge⸗ führt. Pfaff sah sehr bleich aus, seit gestern Morgen batte er nur ein Glas Wein zu sich genommen. Am Richtertische angekommen, hielt der Geistliche nochmals

eine sehr ermahnende Ansprache an den Gefangenen, um

ihn zum Bekennen der Schuld zu bewegen, was aber vergeblich war. Worten, daß er unschuldig sei. Staatsanwalt, daß der Großherzog von seinem Be⸗ nadigungsrechte keinen Gebrauch gemacht habe und übergab ihn dem Nachrichter mit den Worten:So über⸗ gebe Henkern, zum Tode. knechten auf das Schaffot geführt, seines Rockes ent⸗ ledigt dasselbe umgekippt in einer Sekunde war sodann der Kopf vom Rumpfe getrennt. Die ganze Prozedur, während welcher das Armensünderglöckchen vom Rathhaus ertönte, machte einen tief-ernsten Eindruck auf die Versammelten. Scharfrichter ist ein noch junger Mann von 26 Jahren und vollzog derselbe heute die 5. Hinrichtung, während sein Vater deren 24 mit dem Schwerte vollzogen. Der⸗ selbe erschien im schwarzen Salonanzug(Frack, Cylinder und weiße Handschuhe) und hatte mit seinen Gehülfen vorher den Mechanismus des Instruments geprüft. Das schwere Fallbeil war gestern neu geschliffen worden. An⸗ wesend waren etwa 70 Personen, darunter 12 von der Stadt entsandte Stadtverordnete und sonstige Einwohner. Sodann von Seiten des Gerichts 2 Richter, der Staats- anwalt, 1 Gerichtsschreiber und 1 Gerichtsdiener. umliegenden Straßen waren von reitender Gendarmerie

abgesperrt, während eine Compagnie Infanterie nächst

des Schaffots Stellung genommen hatte. Die angrenzen⸗

den Häuser hatten ihre nach dem Arresthause Aussicht

habenden Fenster gut verwerthet, sogar die Dächer waren

abgedeckt und dicht besetzt. Um ½10 Uhr wurde der Leichnam auf dem hiesigen Friedhöfe an der Mauer in der Nähe der Holzställe des Leichenhauses beerdigt. Die

Angehörigen versuchten gestern noch, ein Erbbegräbniß,

dann ein Reihengrab zu kaufen, was aber von der

Bürgermeisterei selbstverständlich abgeschlagen wurde.

Der Delinquent versicherte mit trockenen Darauf verlas der

ich den Philipp Pfaff aus Niederramstadt Euch ihn dem Urtheil gemäß zu richten vom Leben Er wurde nun von den beiden Henkers

und an das aufrechtstehende Brett festgeschnallt, und in die Guillotine eingeschoben,

Der

Die

S. Darmstadt. Der Ausschuß des Landespferde

zucht⸗Vereins im Großherzogthum Hessen tagte in Frank furt am 11. Juni im Hessischen Fürstenhofe auf der Zeil. Der Hauptgegenstand der Verhandlungen betraf die Auf stellung einerOrdnung zum Ankauf von Füllen in Hannover und Oldenburg, welche im Entwurf von dem auf weitere 3 Jahre wiedergewählten Vorstande des Ver⸗ eins zur Berathung und Beschlußfassung gebracht wurde. Die Ankaufs-Commission wird unter Leitung des Hof⸗ stallmeisters von Schaeffer Bernstein, nachdem der Be⸗ stellungstermin(ausschließlich für Mitglieder des Ver eins) am 15. Juli geschlossen ist, im Spätsommer die Pferdezucht-Bezirke zwischen Ems und Elbe bereisen.

Eberstadt. Die Untersuchung der kürzlich hier auf

gefundenen Leiche eines Knaben hat die erfreuliche That sache geliefert, daß kein Mord vorliegt. daß an der fraglichen Stelle zur damaligen Zeit Sand; kauten waren und ist man darnach zu der vollen Annahme berechtigt, daß der Junge in einer der Kauten verschüttet wurde.

Es ist erwiesen,

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 4. Sonntag nach Trinit. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Baur. Gottesdienst in der Stadtkirche:

Vormittags 10½ Uhr: Herr Candidat Wegfahrt. Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer Meyer.

Gottesdieust in der Burgkirche:

Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Diegel.

Abendmahl. Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer Diegel. Katechismuslehre.

Katholische Gemeinde. 5. Sonntag nach Pfingsten. Samstag 6 Uhr: Beicht. Sonntag 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Andacht.

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Ergänzungs- Wahl für die Airchengemeindevertretung.

2148 erschienene Bekanntmachung werden die stimmberechtigt Mitglieder der evang. Gemeinde zur Wahl von 30 M

gliedern der Kirchengemeindevertretung eingeladen. Die

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Abstimmung wird Dienstag den 29. Juni, Vormittags 10 bis 12 Uhr und Nachmittags 2 bis 4 Uhr, in der können im

Stadtkirche stattfinden. Die Stimmzettel Wahllocale in Empfang genommen und ausgefüllt,

können aber auch außerhalb desselben geschriebene, sowie

gedruckte Stimmzettel abgegeben werden. Stimmbere

tigt sind alle confirmirte selbstständige Männer der Ge g g Lebensjahr zurückgelegt haben, in derselben wohnen, nicht vom Stimmrecht ausgeschlossen

meinde, welche das 28.

*

und deren Namen in die Wählerliste eingetragen sind.

Wählbar sind nar solche stimmberechtigte Männer v

bewährtem kirchlichem Sinn und ehrbarem Lebenswand

welche das 30. Lebensjahr überschritten haben. Friedberg am 17. Juni 1880.

Unter Hinweisung auf die in Nr. 69 d. Anz.

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Mittwoch den 23. d. Mts., von Morgens 9 Uhr ab, wird der diesjährige Ertrag der Grasnutzungen von eirca 70 Morgen gemeinheitlichen Wiesen an Ort und Stelle an den Meistbietenden versteigert und der Anfang

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