Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien, 8. Juni. Sämmtliche Landtage wurden heute feierlich
unter Hochrufen auf den Kaiser und mit patrio— tischen Ansprachen der Vorsitzenden eröffnet. In Salzburg erklaͤrte die verfassungstreue Minorität, so lange die Ernennung des Landeshauptmann— Stellvertreters nicht erfolgt sei, an den merito— rischen Verhandlungen nicht theilnehmen zu können. In Lemberg sprach der Landesmarschall Wodzicki die Hoffnung auf Gewährung jener Decentralisation der Verwaltung aus, welche nach der Verfassung zulässig sei.
Belgien. Vrüssel, 8. Juni. Nach dem Gesammtresultat der Wahlen zur Legislative beträgt die Majorität der Liberalen, abgesehen von vier Stichwahlen, jetzt 12 statt 10.
Frankreich. Paris, 8. Juni. Deputirten— kammer. Der Kriegsminister theilt mit, daß die Regierung beschlossen habe, die Fahnen der Republik am 14. Juli an alle Armeecorps zu vertheilen; derselbe bringt zugleich einen Gesetz— entwurf ein, in welchem ein Ergänzungscredit für Decorationen zu dieser Ceremonie gefordert wird. Der Entwurf wird an die Budget— Commission verwiesen.— Blachdre(von der Rechten) interpellirt die Regierung wegen ihrer inneren Politik; er tadelt die zahlreichen Absetz— ungen von Beamten in der Armee und im Richterstande als den Dienst desorganisirend und geeignet, das Land mißvergnügt zu machen. Der Kriegs-Minister erwiedert bezüglich der getadelten Absetzungen in der Armee und sagt: Was die Armee desorganisirt, das ist die Ein— führung der Politik in der Armee. Die Inter— pellation hat weiter keine Folge.— Die Kammer nimmt einen Antrag Raspail's an, worin erklärt wird, daß das Nationalfest am 14. Juli als Jahrestag der Erstürmung der Bastille gefeiert wird.
— 9. Juni. Die bisher im Piräus statio— nirte französische Flottenabtheilung hat gestern diesen Hafen verlassen, um nach der Besika-Bai zu segeln, wo sich auch eine englische und eine italienische Flottenabtheilung concentriren werden.
Großbritannien. London. Meldung aus Simla. General Stewart gab Befehl, daß die britischen Truppen sich so rasch wie es möglich und mit Aufrechterhaltung eines guten Gesundheitszustandes verträglich sei, aus Afgha—
nistan zurückziehen sollten. Kabul soll spätestens am 31. October geräumt sein. Es heißt, Gundamuk und Shutargardan blieben die äußersten Posten der englischen Occupation. Türkei. Constantinopel, 8. Juni. Die Botschafter sind heute zusammengetreten, um die Collectivnote an die Pforte zu berathen. — 9. Juni. Kadri Pascha wurde zum
Premierminister unter Beibehaltung des Handels—
portefeuilles und Abeddin Pascha zum Minister des Aeußern ernannt. Die übrigen Minister bleiben. Ein kaiserlicher Hat an den Premier— minister und den Minister des Auswärtigen befiehlt die Ausführung der Reformen in kurzer Frist und Aufrechterhaltung guter Beziehungen
mit den Großmächten unter Wahrung der Souveränetätsrechte. Montenegro. Cettinje, 10. Juni. Der
Fürst von Montenegro ist zur Truppeninspicir⸗ ung in Podgorizza eingetroffen. Mehrere türkische Offiziere sind in Tusi angekommen, um in den Dienst der albanesischen Liga zu treten.
Griechenland. Athen. Gerüchtweise ver— lautet, die griechische Regierung habe von der französischen die Ueberweisung höherer Officiere erbeten, zum Zwecke der Reorganisation des griechischen Heeres.
— 9. Juni. Die griechische Regierung wurde von den Vertretern einiger Großmächte darauf vorbereitet, daß sie eventuell nach den Ergeb— nissen der Berliner Conferenz die Aufforderung gewärtigen könne, die etwa von der Türkei ab— zutretenden Grenzdistricte militärisch zu besetzen. Ministerpräsident Trikupis antwortete darauf, die jetzt 12000 Mann starke griechische Armee könne innerhalb 20 Tagen auf 35000 gebracht werden.
Rußland. Petersburg. Die Beerdigung der Kaiserin in der Peter-Pauls-Kathedrale erfolgte am 9. Juni programmäßig.
Amerika. Chicago, 8. Juni. In der 36. Abstimmung wurde Garfield zum republi— kanischen Präsidentschafts-Candidaten erwählt. Garfield hat die Ernennung angenommen. Dem Vernehmen nach wurde Garfield's Er—
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Am 10. d. Mts. fand im Hotel Trapp dahier in Folge ergangener Einladung eine Ver⸗ sammlung von Vertretern der Orte Homburg v. d. H., Friedberg, Friedrichsdorf, Rodheim v. d. H., Ober- und Nieder-Rosbach statt, in welcher durch einen Vertreter der Firma Paulsen und Ruppel in Siegen die Mittheilung gemacht wurde, daß ein zum Zwecke der Erbauung von Eisenbahnen, inbesondere von Verbindungs- und Sekundär⸗ bahnen zusammengetretenes Consortium(Syndikat) von Bankhäusern die Absicht habe, unter gewissen Voraussetz⸗ ungen eine Bahn von hier nach Homburg zu bauen. Als solche Vorausetzungen wurden bezeichnet: daß von Seiten der dabei interessirten Gemeinden die Kosten für Projektion und Vermessung der Bahnlinie, nebst Aufstellung vor— läufiger Ueberschläge der Baukosten vorlagsweise bestritten, und— wenn auf Grund des Ergebnisses dieser Vorarbeiten und der daran zu knüpfenden weiteren Verhandlungen das Syndikat sich veranlaßt sehen sollte von der Ausfüh— rung des projektirten Bahnbaues abzustehen— definitiv
übernommen würden; ferner sollen die Gemeinden das in die Bahnlinie fallende Gelände auf ihre Kosten er⸗ werben und unentgeltlich zum Bahnbau hergeben und endlich sollen dieselben(oder an deren Stelle der Kreis oder wer sonst) den dritten Theil der Baukosten(nach
(vorläufiger Berechnung etwa eine halbe Million Mark)
als fonds perdu bezahlen. Aus den an diese Mittheil⸗ ungen anknüpfenden Verhandlungen war zu entnehmen, daß die Gewährung der Kostenvorlage für die Projektions; und Vermessungsarbeiten keinem Anstand unterliegen dürfte und auch bezuͤglich des Geländes keine Schwierigkeiten erwachsen möchten, was dagegen den letzten Punkt, das Drittel der Baukosten, anbelangt, so war aus dem allge— meinen Kopfschütteln, welches diese Forderung erregte, zu entnehmen, daß die Gewährung desselben so ganz ohne Anstand nicht von Statten gehen wird.
Darmstadt. Der vor einiger Zeit durch den hiesigen Schwurgerichtshof zum Tode verurtheilte Muttermörder Pfaff von Oberramstadt hat, nachdem das Reichsgericht die von ihm verfolgte Revision als unbegründet verworfen, den Gnadenweg beschritten. Sicherem Vernehmen nach haben sich indessen die über das Gesuch des Verurtheilten mit Bericht gehörten Behörden gegen eine Gewährung ausgesprochen. Sowohl in dem Gnadengesuche, wie dem Gefängnißgeistlichen gegenüber, beharrt Pfaff auf seiner Unschuld, indem er, entgegen dem objectiv und subjectiv festgestellten Thatbestande des Erwürgens und darauf folgenden Aufhängens seiner Mutter, einen Selbstmord der letzteren behauptet. Bezeichnend ist, daß die Ver— wandten Pfaffs das Ansinnen des Vertheidigers desselben, sich für eine Begnadigung zu verwenden, ablehnten.
Darmstadt. Endlich ist die Person, welche den großen Postdiebstahl an Werthpapieren im vorigen Jahre auf der Strecke Darmstadt-Frankfurt verübt hat, entdeckt
worden. Es ist ein dermalen in Mannheim domieilirter Hilfspostschaffner. Den entwendeten Betrag fand man
fast noch vollzählig vor.
Nordheim, 7. Juni. Gestern Abend wurde der
Arbeiter Valentin Brodnich durch den 55 Jahre alten Adam Wohlfart erstochen.
Der Thäter ist flüchtig, man hofft jedoch, dessen heute noch habhaft zu werden. Ander Nachrichten behaupten, der Thäter habe sich erhängt.
Allerlei.
Weinheim. Der wegen des Raubmordes an dem Goldarbeitergehülfen Pollack verhaftete Handwerksbursche ist, wie es sich jetzt herausstellte, der Thäter nicht und hat man bis jetzt von den beiden Mördern keine Spur.
Dortmund, 8. Juni. Die„Westfälische Zeitung“ meldet: Heute Morgen fand im Schacht 2 der benach⸗ barten Zeche„Neu-Iserlohn“ eine Entzündung schlagender Wetter statt. Todt sind 19 und verwundet 7 Bergleute. Die Ursache der Explosion ist nicht bekannt.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 3. Sonntag nach Trinit. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Stadtkirche: Vormittags 10¼ Uhr? Herr Pfarrer Baur. Nachmittags 1½¼ Uhr: Herr Candidat Nies. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Köhler. Nachmittags 1 Uhr: Herr Pfarrer Baur. Katechismuslehre. Sonntage nach Trin.
Am 4. Burgkirche.
Abendmahl in der Katholische Gemeinde. 4. Sonntag nach Pfingsten. Samstag 6 Uhr: Beicht. Sonntag ½9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Andacht.
Bekanntmachung.
2030 Unter Bezugnahme auf die Art. 34 und 35 u des Berggesetzes vom 28. Januar 1876 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Georg Kaiser zu Butzbach unterm heutigen Tage mit dem Eisenerz Bergwerke„Juno“ in der Gemarkung Fauerbach v. d. H., Kreises Friedberg, mit einem Felde von 1165019 Qua- dratmetern beliehen worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihung müssen bei Vermeidung des Ver lustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den Bergwerkseigenthümer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Einsicht des Situationsrisses bei der Bergmeisterei Gießen Jedem gestattet. Darmstadt den 18. Mai 1880. Großherzogliche Obere Bergbehörde. J a u p. Tecklenburg.
Tapeten.
906 Wir beehren uns hiermit anzuzeigen, daß wir die neue Musterkarte unserer diesjährigen Tapeten und Borden bei Herrn Friedr. Streckfuß in Friedberg zur gefälligen Einsicht und Auswahl aufgelegt haben. Aufträge werden daselbst jederzeit gerne für uns ent gegengenommen und zu den in den Karten beigedruckten Fabrik Preisen rasch und frachtfrei ausgeführt. Darmstadt. 8 C. Hochstätter& Söhne.
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