verhindert sei, die Antwort auf so schweren Angriff zu hören. Das Centrum empfinde für das Reich ebenso warm wie der Reichskanzler. Wir vertheidigen den förderirten Character des Reichs gegen jeden Angriff. Für unsere Reichsfreundlichkeit spricht unsere Bewilligung von 130 Millionen Mk. neuer Steuern. Wir haben bis⸗ her nach unserer Ueberzeugung von der Sache votirt, im Einklange mit den Anschauungen unserer Wähler. Wenn der Reichskanzler einen Appell an des Volk machen will, werden unsere Wähler es bestätigen. Wird der Streit nicht beendet, so wird das Reich in seinen Funda— menten erschüttert. Die Samoa-Vorlage baben wir aus finanziellen Gründen abgelehnt. Der Reichskanzler hat nicht mit uns, sondern mit dem römischen Stuhl Frieden zu schließen. Das Haus vertagt die weitere Berathung bis Montag.
— Die Stempelsteuercommission des Reichs— tages beschloß die Besteuerung der inländischen und ausländischen Actien mit 5 pro Mille, lehnte dagegen mit 11 gegen 9 Stimmen die Besteuerung der Lombard-Darlehen und mit 15 gegen 5 Stimmen die Besteuerung der Checks und Giroanweisungen ab. Die Commission vertagte sich darauf bis Mittwoch.
— Der„Reichsanz.“ enthält einen Erlaß des Fürsten Bismarck an die preußischen Gesandten bei den Bundesstaaten, betreffend die Hamburger Frage. Der Erlaß constatirt den einstimmigen Beschluß der Bundesrathsausschüsse, nur über die technische, nicht über die verfassungs rechtliche Seite der Frage dem Bundesrathe Bericht zu erstatten. Der Erlaß betont ferner die Noth— wendigkeit, verfassungsrechtliche Interpretationen im Interesse der Eintracht möglichst zu ver— meiden. Die Ausscheidung preußischer Gebiets— theile aus dem Hamburger Freihafeubezirk sei ein unbestrittenes Recht Preußens. Die beab— sichtigte Ausscheidung von St. Pauli sei kein preußisches Interesse, da im Interesse Altonas das Verbleiben von St. Pauli außerhalb des Zoll-Vereins wünschenswerth sei. Mehr im Interesse Hamburgs sei jene Zolllieuie vor⸗ geschlagen. Der Bundesrath könne eine Zoll— linie beschließen, ohne die Verfassungsinter— pretation bis zum Conflict zu verschärfen. Die Regierungen, welche durch Abtrennung St. Paulis das Verfassungsrecht verletzt oder berührt glauben, können gegen den Antrag stimmen. Die Zoll— linie fällt alsdann, wenn die Majorität dafür ist, mit der Preußisch-Hamburger Landesgrenze zusammen. Der Erlaß legt entschieden Ver wahrung ein gegen Begründung der Vota durch unrichtige Auslegung der Reichsverfassung.
— Der„Nordd. Allg. Ztg.“ zufolge ist dem Wunsche der deutschen Handelskammern entsprechend ein Berufs-Consulat in Genua errichtet und der bisherige Generalconsul in Messina, Bamberg, zum Berufsgeneralconsul in Genua bestellt
— Wie man der„Voss. Ztg“ zufolge in Reichstagskreisen bestimmt wissen will, hat der hiesige baierische Gesandte, Rudhart, auf der letzten parlamentarischen Soiree des Reichs— kanzlers sich von diesem wegen der Haltung Baierns gegenüber der Hamburger Frage sehr herbe Worte sagen lassen müssen. Es erregt diese Affaire großes Aufsehen und hat, wie ver— lautet, Rudhart seine Demission als Gesandter gegeben. Der am Mittwoch stattgehabten Sitzung der Bunde sraths-Ausschüsse hat Rudhart nicht angewohnt..
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. Mai. Abgeordnetenhaus. Es wird ein Gesetzentwurf vorgelegt, wonach zur Bedeckung des diesjährigen Abganges von 24,559,046 fl. den Erlös der bewilligten Emission von nominell 20 Millionen Goldrente per 17,843,000 fl. und die bisherigen diesjährigen Einzahlungen auf Activforderungen des Staates an die bestandenen Staatsvorschuß— cassen im Betrage von 5,883,918 fl. verwendet werden sollen.— 8. Mai. Das Abgeordnetenhaus beendigte die Budgetdebatte und nahm die Arl— bergbahn-Vorlage, die serbische Eisenbahn-Con— vention, die Begünstigungen für die Etschregu lirungs Genossenschaften und die Gewährung eines Staatsdarlehens für die Dux-Ossegger Kohlenwerksbesitzer an. f
Prag, 8. Mai. Der„Politik“ zufolge beab—
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sichtigen etwa 15 tschechische Abgeordnete dem⸗ nächst ihre Mandate niederzulegen
Pest, 8. Mai. Der volkswirthschaftliche Ausschuß des Unterhauses hat die Handels— convention mit Deutschland unverändert ange— nommen. Betreffs Regelung des Appretur⸗ verkehrs erklärte die Regierung die Absicht, die auf das Appreturverfahren bezüglichen Erleichter— ungen aufrechtzuerhalten. Auch die hierauf bezügliche Vorlage wurde angenommen.
Belgien. Brüssel, 7. Mai. In der Kammer entspann sich heute eine stürmische Discussion wegen Verlängerung des Fremden— gesetzes in Folge einer Erklärung des Justiz— ministers, dasselbe sei gegen diejenigen Jesuiten und Mönche in Anwendung zu bringen, welche mit Umgehung ihrer Landesgesetze neue Genossen— schafteu gründen wollen. Die Rechte war leiden— schaftlich erregt und es gab zablreiche Zwischen— fälle. Der Schluß der Debatte wurde ver— worfen; morgen ist Fortsetzung.
Schweiz. Bern, 8. Mai. Der Bundes— rath hat die Direction der Gotthardbahn ersucht, die Bauunternehmung anzuhalten, die im großen Rückstand befindlichen Stollenarbeiten des Kehr— tunnels auf der Südseite so zu fördern, daß die programmmäßigen Durchschlags-Termine gesichert bleiben.
Frankreich. Paris, 7. Mai. Deputirten⸗ Kammer. Das Haus beschließt die Interpellation Mitchell, über Anwendung der Censur bei Jour— nalen, und die Interpellation Baudry d' Asson über die Annullirung des gegen die Marzdecrete gerichteten Beschlusses des Generalraths der Vendée auf einen Monat zurückzustellen. Die von der Regierung für Leinengarn beantragten Zollsätze werden genehmigt. Ein Antrag auf Aufhebung des Gesetzes, welches die Sonntags— und Festtags-Arbeit untersagt, wird in erster Lesung angenommen.
8. Mai. Die Vorstehber der nicht autori— sirten Congregationen scheinen entschlossen, keiner— lei Autorisationen nachzusuchen und im Falle sie durch militärische Gewalt ausgewiesen sein sollten, Verletzung des Domicils und Privat-Eigenthums geltend zu machen. Die Regierung hat diese Eventualität vorgesehen. Es wird versichert, daß die Präfekten nach Paris berufen werden sollen, um mündliche Instructionen bezüglich der Ausführung der Decrete vom 29. März ent— gegenzunehmen.
Großbritannien. London.„Daily News“ zufolge erließ das britische Cabinet eine Circular— note, worin die Cooperation der europäischen Mächte zur Sicherung der Ausführung der unerfüllten Theile des Berliner Vertrages nach— gesucht wird.
— Goeschen geht als Specialbotschafter für den auf einen beschränkten Zeitraum beurlaubten Layard nach Constantinopel.
Türkei. Konstantinopel, 7. Mai Das Kriegsgericht verurtheilte den Mörder des Oberst— lieutenants Kommaroff zum Tode.
— Die Pforte beabsichtigt in der Monte— negro-Angelegenheit eine internationale Enquete an Ort und Stelle zu beantragen. Die Pforte würde nach dem Ergebniß der Enquete bereit sein, im Einvernehmen mit den Mächten weitere Maßregeln zu beschließen.
Montenegro. Cäettinje, 7. Mai. Der Fürst beschloß die Aufstellung des aus 18 Batail— lonen in voller Kriegsstärke bestehenden Obser— vationscorps an der montenegrinisch-albanesischen Grenze.— Aus Scutari wird gemeldet: Der Miriditenfürst Prenk ist mit 2600 Miriditen hier angekommen.
Rußland. Petersburg, 6. Mai. Nach einem heute ausgegebenen officiellen Bulletin ist der Zustand der Kaiserin unverändert. Die krankhaften Symptome sind nahezu dieselben 8 der vorigen Woche.— Der französische Botschafter, General Chanzy, hat gestern seine Urlaubsreise angetreten 8
— Der„Regierungsbote“ veröffentlicht drei kaiserliche Ukase, wonach der bisherige Unterrichts— minister und Oberprocureur der heiligen Synode,
Graf Tolstoi, seiner Bitte gemäß beider Aemter
enthoben wird unter Ernennung zum Mitgliede des Reichs ratbes, ferner der Geheimrath Senator Pobedonoszzeff zum Oberprocureur der Synode und Curator des Dorpater Lehrbezirks und Geheimrath Saburoff unter Erhebung zum Staats⸗Secretär zum Leiter des Unterrichts— ministeriums ernaunt wird.
— Das„Journ. de St. Petersb.“ schreibt bezüglich der Meldung aus Shanghai vom 7. April, daß diese vier Wochen alte Nachricht der gegenwärtigen Sachlage durchaus nicht entspreche. Man sei von gewisser Seite bestrebt, die Beziehungen Rußlands zu China im schlech— testen Lichte darzustellen. Die Nachrichten über chinesische Kriegsprojecte und über eine Allianz mit Japan seien durchaus unbegründet.
— Entgegen den Combinationen der Blätter über Wiedererstehen des Dreikaiserbundes wird in competenten Kreisen betont, die zwischen einem herzlichen Einvernehmen der drei Kaiser und deu politischen Zielen der Kaisermächte liegende Kluft wurde durch die Vorgänge der letzten Tage keineswegs überbrückt. Es wäre rathsam, abzuwarten, ob nicht Rußland sich gewißermaßen die Politik der„freien Hand“ reservirt.
— 8. Mai. Der Prozeß des Dr. Weymar ist auf den 18. Mai verschoben worden. Der Präsident des Gerichts ist Generalmajor Leicht und die beständigen Mitglieder desselben die General-Majors Welikschowsky und Wrubel— Außerdem sind 6 Obersten der hiesigen Garde— regimenter zeitweilige Mitglieder des Gerichts.
Amerika. Washington, 7. Mai. Der Finanzausschuß des Repräsentantenhauses hat beschlossen, Abänderungen des Zoll-Tarifs zu beantragen, durch welche bestimmte Artikel von dem Einfuhrzoll befreit werden.— Die Republi— kauer von Newhampshire wiesen ihre Delegirten für die in Chicago zusammentretende Convention an, für Blaine als Präsidentschafts-Candidaten zu stimmen. Die republikanische Convention in St. Louis hat eine Resolution angenommen, welche sich gegen Graut's Candidatur ausspricht.
Aus Stadt und Land.
Darmstadt. Der Großherzog hat, einer Bitte des Vorstandes des evangelischen Kirchengesangvereins zu Darmstadt stattgebend, das Protectorat über diesen Verein, sowie über die mit demselben unter dem Namen des„evangelischen Kirchen-Gesang-Vereins für Hesser! verbündeten Vereine übernommen und dabei den Wunsch ausgesprochen, daß die Bestrebungen des Vorstandes, die Erreichung der Vereinszwecke im ganzen Lande zu ermög⸗ lichen und dereinst vielleich die Gründung eines evange⸗ lischen Kirchen-Gesang-Vereins für ganz Deutschland herbeizuführen, von Erfolg sein möchten.
Offenbach, 4. Mai. In der Gießerei der Schmalz'schen Maschinen-Fabrik hier befindet sich ein Trockenofen, dessen große eiserne Schiebthür Abends, um den Luftzutritt zu verhindern, mit Lehm verschmiert wird. Als nun heute Morgen der Ofen aufgemacht wurde, fand man einen zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichnam, der einen wahrhaft entsetzlichen Anblick darbot. Recherchen ergaben, daß es die Leiche eines 19 jährigen Arbeiters aus Cassel sei, der seit 14 Tagen in der Fabrik arbeitete. Wahrscheinlich ist derselbe kurz vor Feierabend in den Ofen gegangen, wurde von Kohlenoxpydgas betäubt und beim Schließen des Ofens von seinen Mitarbeitern nicht bemerkt.
Worms. In Folge einer aus Amerika bei der Staatsbehörde in Mainz eingegangenen Denunciation wurde heute ein hiesiger Bürger verhaftet, gegen welchen die Untersuchung wegen vor einigen Jahren an der Neu⸗ hauser Straße stattgehabter Ermordung seines Schwieger vaters, eines Mühlenbesitzers aus Neuhausen, eingeleitet wurde.
Allerlei.
Frankfurt. In hiesiger Stadt eirculiren falsche Zwanzig⸗Markscheine. Die Polizei macht die Besitzer öffentlicher Lokalitäten darauf aufmerksam.
Düsseldorf, 5. Mai. Ein entsetzliches Unglück er⸗ eignete sich gestern Nachmittag auf der Köln- Mindener Bahn. Der Stationsassistent R. war auf einer Loko⸗ motive bis an den Uebergang der Pionierstraße gefahren, wollte dort, während die Maschine noch im Gange war, berabspringen und blieb mit seinem Mantel hängen. Er fiel, gerieth unter die Räder und wurde buchstäblich zer? malmt. Der vom Rumpfe getrennte Kopf war allein noch erkenntlich. Die Stücke der Leiche wurden in einem Korb gesammelt. Der Verunglückte binterläßt eine Frau und zwei Kinder.
Hannover, 7. Mai. Justizminister Leonhardt ist beute Nachmittag 2 Uhr gestorben.
Mader ra. Der der Union⸗Company gehörige Post⸗ dampfer„American“ ist auf dem Wege nach dem Cap
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