Ausgabe 
10.8.1880
 
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Deutsches Reich.

Därmstadt. Der als Lehrer des Gym⸗ nasiums zu Laubach vorgeschlagene W. Lahm daselbst wurde bestätigt.

Berlin. DerNordd. Allg. Ztg. zufolge bezogen sich die vertraulichen Besprechungen der Finanzminister in Coburg nicht auf Aufstellung neuer oder auf Discussion schon vorhandener Steuerprojecte, sondern auf die Frage, ob und in welchem Umfange der bisher vermißte Zu⸗ sammenhang zwischen Reichssteuerreform und ent sprechender Steuerermäßigung in den einzelnen Bundesstaaten herzustellen sei. Es soll ein⸗ stimmig beschlossen worden sein, die Mehrein nahmen aus den in der letzten Bundesraths⸗ und Reichstagssession in Aussicht genommenen Besteuerungsgegenständen unverkürzt der Vermin⸗ derung der Steuerlast in den einzelnen Staaten zu widmen.

DemReichsanzeiger zufolge wurden behufs Gewinnung von Ergänzungen zu den bei den deutschen Ausgrabungen in Pergamum ge fundenen Alterthümern von der deutschen Bot schaft in Constantinopel die erforderlichen Schritte eingeleitet, worauf die türkische Regierung den gewünschten Firman zur Vornahme weiterer Aus grabungen am 31. Juli auf ein Jahr ertheilte.

Bismarck überraschte nach derBohemia während der Berliner Conferenz die griechischen Gesandten Rhangabe und Brailas mit der Auf⸗ forderung, Griechenland möge endlich die docu mentarisch festgestellte Schuld an Bayern ab tragen, da säumige Schuldner kein Anrecht an Europas Sympathien hätten. Die Griechen ver sprachen sofortige Schuldabtragung, was bisher aber nicht geschehen ist.

Hamburg. Der Socialdemokrat Hassel mann ist durchgebrannt. DieBarmer Ztg. erhalt über diese plötzliche Abreise ein Schreiben von hier, dem wir Folgendes entnehmen: In teressant ist die Vorgeschichte dieses Dramas. Bekanntlich gab Hasselmann gleich nach Erlaß des Socialistengesetzes in Berlin ein Unter haltungsblattGlückauf heraus, das in kurzer Zeit eine Auflage von 8000 erlebte und einen Ueberschuß von monatlich 500 Mark abwarf, der allerdings mit Heller und Pfennig von Hasselmann selber aufgespeist wurde. Hinter⸗ einander erschienen nun da derMann der Thaten sich einbildete, den Markt beherrschen zu müssen und da ihn durch seine Ausweisung aus Berlin ein neuer Glorienschein umgab von Hamburg aus, wohin er sich gewendet hatte, die ZeitungenBerlin,Deutsche Zeit ung,Bremische Volkszeitung,Schleswig Holsteinische Volkszeitung,Hamburg-Altonger Hafenzeitung,Seeschlange und endlich noch zu guter Letzt, mit allerdings nur eintägiger Existenz, dasHamburg⸗Altonager Freie Volks⸗ blatt. Ein noch seit mehreren Monaten an gekündigtes Blatt,Die Menschenrechte, konnte bis jetzt,da die Vorarbeiten sich nicht so schnell erledigen ließen, nicht erscheinen und wird nun auch wohl den Tag seiner Auferstehung nicht mehr sehen. Diese sieben Zeitungen zu sammen hinterlassen eine Schuldenlast von dreißig und einigen Tausend Mark, die saͤmmtlich durch Darlehen von einigen kleinen in Hasselmann be⸗ sonders vernarrten Leuten aufgebracht wurden, die ihren Leichtsinn nun schwer büßen müssen. Noch vor vier Wochen forderte Hasselmann in derDeutschen Zeitung auf, ihm zur Gründung eineswirklich freisinnigen und unabhängigen Blattes kleine Darlehen von 5 Mark zuzu stellen. Ob nun die Gaben nicht so reichlich geflossen, als es Hasselmann voraussetzte, oder ob er überhaupt nie daran dachte, dieseswirk lich freisinnige und unabhängige Blatt heraus- zugeben, wissen wir nicht. Wohl aber steht fest, daß er thatsächlich auf diese Weise doch ca. 1200 Mark zusammenbrachte, die wiederum sämmtlich von kleinen Leuten aufgebracht wurden. Mit diesen 1200 Mark und nachdem er sonst vorher noch anpumpte, wessen er habhaft werden konnte, hat Hasselmann das Weite gesucht.

Ausland.

Belgien. Brüssel, 6. Aug. Die Kammer wählte ihr seitheriges Bureau wieder. Woͤste (klerikal) kündigt für nächsten Dienstag eine Interpellation an über den Abbruch der diplo⸗ matischen Beziehungen zur Kurie. Die Kammer nimmt hierauf einen Antrag Janson's(liberal) an, diese Interpellation bis zu nächster Kammer⸗ session zurückzustellen. Der Justizminister legt einen Gesetzentwurf über die Amnestirung der Deserteure vor. Die Kammer trat einstimmig dem Vorschlag des Präsidenten bei, an der poli⸗ tischen Feier am 16. August in corpore theil⸗ zunehmen.

Frankreich. Paris.Temps schreibt: Möge eine Flottendemonstration statthaben oder nicht, jedenfalls werde die griechische Frage ge⸗ trennt bleiben von der montenegrinischen und es wird daher viel Zeit hingehen, bevor sich die Griechen in Besitz von Janinas und Netowas setzen können. Die Verhandlungen werden mehrere Monate dauern; übrigens sei keine continentale Macht gewillt, materiell zu interveniren.

Der Mehrbetrag der Steuereingänge im Monat Juli beläuft sich beinahe auf 17 Mill.

6. Aug. Der französische Botschafter in Berlin, Graf Saint Vallier, wird einige Tage hier bleiben, um mit Freyeinet zu conferiren, demnächst an den Sitzungen des Generalrathes des Aisne- Departements theilnehmen und so dann auf seinen Posten nach Berlin zurückkehren. DasJournal officiel meldet die Ernennung des Grafen Montebello zum Geschäftsträger in München an Stelle des Grafen Lefebre de Behaine, welcher als Gesandter nach dem Haag geht. Tiby, der bisherige Gesandte im Haag, ist aus Gesundheitsrücksichten zur Disposition gestellt. Baron Desmichels, gegenwärtig Ge⸗ sandter in Belgrad, ist zum Gesandten in Athen, Graf Canclaux zum Gesandten in Belgrad ernannt.

DiePol. Corr. meldet aus Paris: Die Mobilisirung der griechischen Armee wirkte auf die Regierung ungünstig ein, weshalb die Mission des Generals Thomasin erst auf unbe⸗ stimmte Zeit hinaus vertagt und jetzt womöglich ganz sistirt wird.

Großbritannien. London, 5. Aagust. Unterhaus. Unterstaatssecretär Dilke macht an⸗ läßlich einer Anfrage Mouk's folgende Mittheil⸗ ung: die Pforte schuldet England und Frank⸗ reich gemeinschaftlich jetzt ungefähr 103,000 Lstr. für die Zinsen der garantirten Anleihe von 1855. Die Pforte erhielt von England für die Ein⸗ künfte Cyperns 11,092,377 Metalliques Piaster und 5000 Lstr. für 1879/80 und 7,402,625 Piaster für 1878/79. Generalsecretär Forster erklärt: Die Regierung bedauert die Verwerfung der irischen Pächterentschädigungsbill. Es ist keine weitere Vorlage in dieser Session über diesen Gegenstand in Aussicht genommen. Die Re gierung wird die Beamten und Gerichte in Ir land in Erfüllung ihrer Pflichten schützen. Sie appellirt an die Mitglieder beider Häuser und alle guten Bürger, um zur Erhaltung der Ord⸗ nung in Irland mitzuwirken, und ihren Einfluß aufzubieten, damit die Grundbesitzer zur Mäßig⸗ ung gegenüber den Pächtern veranlaßt werden. 7. August. Das Unterhaus erledigte im Fortgange der Sitzung die Specialberathung der Bill über die Haftpflicht der Arbeiter. Har⸗ tington erwidert auf eine Anfrage Bartlett's: der Regierung sei nichts von besonderer Auf⸗ regung unter den Mohamedanern in Indien be richtet.Wir überwachen freilich mit lebhafter Sorgfalt die Vorgänge im Orient, Die Politik gegen die Türkei ist keine Zwangspolitik, sondern im Interesse der Türkei sowohl als auch Euro⸗ pas und Englands eingeleitet. Forster er⸗ klärt gegenüber Oconnor Power: die Nachricht, daß die Regierung einen Aufstand in Irland befürchte, ist vollständig unbegründet: nur die Truppen in Irland sind etwas vermehrt ange sichts der Gewaltthätigkeiten gegen Individuen, um das Vertrauen der Bevölkerung zu heben.

6. Aug. Es verlautet, Eintausend Mann

Marinetruppen seien nach Irland beordert, d die Regierung Ruhestörungen besorge. Die Besserung in Gladstone's Befinden läßt hoffen, daß er in dieser Woche auf's Land gehen kann. Derselbe wird wahrscheinlich noch einer Sitzung des Unterhauses beiwohnen.

Officlelle Meldung aus Kabul, 5. Aug.; Die Division Roberts marschirt Sonnabend von Kabul nach Kandahar. Der Rest der in Kabul stehenden Truppen bricht Dienstag oder Mitt⸗ woch nach Sundamak auf.

(Officiel.) Die aus Quetta am 4. Aug ansgesendeten Boten melden: Ajub Khan befanß sich am Sonntag in Sangbar, ob er weiter von rücke sei ungewiß. Es scheine, als gebe Ajuß Khan die Hoffnung auf Kandahar zu erreichen die von ihm erlittenen Verluste seien sehr be trächtlich. Nach dem Abmarsch der Divisiog Robert's nach Kandahar raͤumen die übriges britischen Truppen Kabul binnen Wochenfrist,

Griechenland. Athen, 5. Aug. Daß königliche Decret, welches die Mobilisirung des Armee anordnet, wurde heute veröffentlicht.

China. Pecking. DasTagebl. erfähn aus Wien: China macht in einer großen Waffen, fabrik zu Steyr ausgedehnteste Ankäufe von Werndl⸗Gewehren.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Wie in jedem Jahre, so wird c gegenwärtig in der Zeit vom 9. bis zum 14. August de sogenannte Laurentiusschwarm der Sternschnuppen auf⸗ treten. Die meisten Meteore zeigen sich in den Naäͤchleg des 10. und 11. August, doch handelt es sich hierbei keinesweg um einen sog. Sternschnuppenregen, sondern nur um ein zahlreicheres Auftreten der Meteore als in andern Nächten. Im verflossenen Jahre wurden am Abend des 10. August zwischen 9 und 11 Uhr von einem Beobachter 49 Meteore aufgezeichnet, darunter 10, welche einen Lichtschweif nach sich zogen. Die Erscheinung ist schon vor 10 Jahrhunderten in China beobachtet worden, bei uns machten erst vor einem Menschenalter Forster und Quetelet darauf aufmerksam. Die meisten Meteore kommen aus dem Sternbilde des Perseus, weßhalb mat neuerdings den Schwarm auch als Perseiden bezeichnet. Daneben strahlen auch aus den Sternbildern Andromedg, Cassiopeja und Schwan, sowie aus dem Kopfe del Drachen Meteore aus. Gegenwärtig weiß man, daß dieser Sternschnuppenschwarm im Raum eine elliptisch⸗ Bahn beschreibt, in welcher fast jeder Theil des Umfangs von Sternschnuppen besetzt ist und daß sich gleichzeitig 1 dieser Bahn auch der Komet III des Jahres 1862 bewegt.

o. Bönstadt. Sehr anerkennenswerth ist es vo unserem Gemeinderath, daß er beschlossen hat, ein neues Schulhaus zu bauen, das allen neueren Anforderungen in jeder Beziehung entspricht. Dasselbe wird 2 Lebr⸗ säle, 2 Lehrerwohnungen nebst Zubehör und außerden einen Rathhaussaal und Standesamts⸗Büreau enthalten, Daß der Ortsvorstand sich bereitwillig hierzu verstand, ist ein deutlicher Beweis daß hierselbst ein gesunder Sint; für die Jugenderziehung, welcher leider noch in so vieles Gemeinden fehlt, vorhanden ist. Der Bau selbst wird in geschmackvoller Weise von Bauaufseher Wenck in Assenheim ausgeführt.

Offenbach, 6. Aug. Heute ereignete sich in dig Bieberer Straße, Ecke der Karlstraße, ein sehr schweres, bedauernswerthes Unglück. Es stürzte ein im Bau bes griffener Kanal ein und begrub drei Arbeiter unter seinen Trümmern. Zwei davon waren mit dem Oberleib not frei und konnten erst nach dreiviertelstündiger Arbeit, jedoch leider schwer verwundet, nach dem Hospital g bracht werden. Der Dritte, gänzlich verschüttet, wurd um 2 Uhr todt ausgegraben.

Darmstadt. Wie man der D. 3. mittheilt, haben Schüler und Freunde des verstorbenen Realschuldirecton Steinberger, früher Seminardirector in Friedberg zuletzt in Alzey, den Plan der Errichtung eines Grak⸗ denkmals für denselben in's Auge gefaßt. Die hlesigen Betheiligten, meist Lehrer an öffentlichen Schulen, hatten zur Berathung einleitender Schritte in dieser Angelegen heit kürzlich eine Versammlung.

Allerlei.

Berlin. Kürzlich Abends fand im Restaurant der akademischen Bierhallen, einem sehr besuchten Lokal hinter! der Universität, eine fürchterliche Explosion statt. steller explodirte zuerst ein Ballon mit Gasäther, mi⸗ welchem drei Hausbedienstete beschäftigt waren. Dieselbe sind schwer verletzt. Die Feuerwehr sofort reclamitt dringt in den Keller ein ohne Wissen, daß dort n mehr Ballons sind. Plötzlich folgt eine zweite furcht bare Explosion. Neun Feuerwehrleute wurden im Rau schwer verstümmelt. Kameraden schleppen die Unglück lichen todesmuthig heraus, alle wurden fürchterlich ven brannt und zerquetscht. Die einzelnen Gesichter sind völliz verkohlt, so daß zuerst Niemand zu recognoseiren wa

Ralibor, 6. Aug. Durch einen Wolkenbruch. den Karpathen und dreitägigen Regen wurden Uebe schwemmungen herbeigeführt. Der Wasserstand der O dit ist der höchste dieses Jahrhunderts. Der Schaden

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