Ausgabe 
10.6.1880
 
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ist das letzte benutzte Grab von dem noch zu besetzenden rorläufig nur durch eine Bretterwand abgeschlossen, welche nicht verhindert, daß der Leichengeruch durchdringt und die Luft verpestet. Großes Unglück könnte auch in Folge Verschleppung des Leichengiftes durch Fliegen geschehen. Zweck dieser Zeilen ist, die Fried hofscommission und das Kreisgesundheitsamt zur Prüfung und Abhülfe dieser üblen Sache zu veranlassen. Auch das sei noch erwähnt, daß bei der Dichte der Gräber eine Bepflanzung, Reinig ung und Pflege derselben nicht möglich ist.

h. Friedberg. Am 22. Juni findet dahier in unserer Stadtkirche das Kirchengesangsfest des Landes⸗ vereins Hessischer Kirchen-Gesang-Vereine statt. Wir erfahren von informirter Seite, daß zu obigem Feste die Betheiligung der Kirchengesangvereine zu Darmstadt, Frankfurt a. M., Gießen, Pfungstadt, Zwingenberg, Aarheilgen und des hiesigen Musikvereins gesichert ist, so daß der Gesammtchor circa 300 Stimmen repräsen tiren wird. Außer den einzelnen und den Gesammt Chören obiger Vereine wird auch der ausgezeichnete Chor des hiesigen Schullehrerseminars einige Nummern vortragen. Bei der vorzüglichen Akustik unserer schönen Stadtkirche und der Mitwirkung so zahlreicher guten Kräfte glauben wir mit Sicherheit, einen großen Kunst genuß in Aussicht stellen zu können und verfehlen daher nicht, Freunde des Kirchengesanges bereits jetzt schon hierauf aufmerksam zu machen.

n. Friedberg. Nächsten Montag gibt Kapellmeister Hänseroth auf der Durchreise hier wieder ein Enneert und zwar diesmal in Steinhäußer's Garten. Die Leistungen seiner Kapelle sind hier so bekannt, daß wir an dieser Stelle nur auf die Thatsache selbst hinzuweisen haben, um überzeugt zu sein, daß er ein volles Haus resp. Garten erhält.

Gießen. Als Geschworene für das II. Quartal wurden ausgelost: 1. Beigeordneter J. Vetter, Burggräfen rode, 2. Landwirth G. Ewald IV., Ockstadt. 3. Müller F. Philippi, Büdesheim. 4. Fruchthändler J. Eulau,

Rohrbach. 5. Landwirth W. Seibel, Rainrod. 6. Land wirth G. Hörle, Kaichen. 7. Landwirth K. Fruonck, Langenbergheim. 8. Muller W. Brotzler, Büdingen.

9. Bäcker W. Kircher, Laubach. 10. Fabrikant K. Trapp, Friedberg. 11. Müller K. Geiß, Klein-Felda. 12. Ge⸗ meinderechner K. Opper, Trais a. d. L. 13. Gemeinde rechner Ph. Kammer III., Bellersheim. 14. Fabrikant O. Zinser, Schlitz. 15. Schlosser K. Stohr, Gießen. 16. Bürgermeister J. Göbel II., Pfordt. 17. Landwirth L. Balser J., Albach. 18. Kaufmann E. Häberle, Fried berg. 19. Gastwirth H. Velten III., Groß-Linden. 20. Landwirth J. Faber J., Lang-Göns. 21. Kammer assessor Drehwald, Büdingen. 22. Kaufmann B. Schwarz, Reichelsheim. 23. J. Pommer, Kirch-Göns. 24. Wirth Chr. Siegfried, Groß- useck. 25. Landwirth Chr. Bück, Grünberg. 26. J. Flörsheim, Romrod. 27. G. Menz, Eifa. 28. Uhrmacher Th. Geismar, Gießen. 29. Agent J. B. Spiegel, Gießen. 30. F. Wetz, Münzenberg.

D. Gießen. Die Mitglieder des Oberhessischen Vereins für Localgeschichte werden künftigen Sonntag den 13. d. Mts. einen Ausflug nach Melbach machen, um den dortigenHaag zu besichtigen. Vorsitzende des Vereins, Professor Dr. Gareis, wird Nachmittags gegen 3 Uhr an Ort und Stelle eine Rede über den Ursprung und Zweck dieses merkwürdigen Hugels halten. Es wird also den Bewohnern der Wetterau Gelegenheit geboten, einen lehr- und genuß reichen Tag zu verleben. Möge die Versammlung recht zahlreich werden. N

t. Nieder-Erlenbach. Nachdem am 7. d. Mts. die Abstimmung betreffs Zusammenlegung der Grund stuͤcke unter den vorher erfüllten gesetzlichen Bestimmungen auf hiesigem Rathhause stattgefunden, wurde diese land wirthschaftliche Reform mit bedeutender Mehrheit abge lehnt. Sämmtliche gegen das Projeet stimmenden Grund besitzer, etwa 200 von 280, vertreten einen Grundbesitz von höchstens 600 Localmorgen, während die ganze Feld mark Nieder⸗Erlenbach deren eirea 4600 zählt. Hieraus erhellt denn zur Genüge, wie sehr geboten eine Abänder ung des gesetzlichen Abstimmungsmodus bei Zusammen legung von Feldmarken im Großherzogthum ist. Inner halb des ganzen preußischen Gebiets würde dieser land wirthschaftliche Fortschritt, dessen segensreiche Wirkungen der intelligentere Theil der Landwirthe aller Länder längst anerkannt hat, mit glänzender Mehrheit beschlossen und zur Ausführung gebracht worden sein. Anders im Groß herzogthum Hessen, wo der Besitzer einiger Quadrat ruthen bei der ersten Abstimmung, die bekanntlich nur nach Köpfen vorgenommen wird, dasselbe Gewicht in die Waagschaale legt, als beispielsweise der Besitzer von 1000 Morgen. Es mußte vorliegendes Abstimmungs resultat den Uneingeweihten um so mehr befremden, als vorher die übergroße Mehrheit hiesigen Gemeinderaths die Angelegenheit als dringlich bei der Staatsbehörde bezeichnete und die Kosten der Vorarbeiten nicht scheute.

5 B. Ossenheim, 7. Juni. Heute Morgen holte ein hiesiger Knecht einen Wagen Klee. Er mußte dabei eine abschüssige Hohle fahren, wobei ihm die Pferde durch gingen. Er fiel unglücklicherweise vom Wagen, kam unter die Räder und wurde uͤberfahren, sodaß er beim getragen werden mußte, worauf er alsbald verschied. Er war ein achtbarer, arbeitsamer Mann und binterläßt eine Frau mit vier kleinen Kindern. N

Mainz, 7. Juni. Ein Extrazug mit ea. 300 Mit⸗ gliedern des hiesigen VereinsMoguntia, der gestern eine Lustparthie nach Heidelberg gemacht Abends 10 Ubr bei Lampertheim einen Naa fahrplanmäßigen Zuge Nummer 168, welcher Abends 8 Uhr 3 Min. via Sachsenhausen abgeht. Von dem Zugpersonal wurde Niemand, von den Passagieren mehrere,

Der

durch Ueberfahren des Halte-Signals durch den Ver⸗ gnügungszug.

Allerlei.

Frankfurt. Im vorigen Jahre mißhandelte ein junger Techniker seine hochbetagte Mutter in einer Weise, daß sie ein schweres Gehörleiden bekam und auch sonst die körperlichen Folgen nur langsam überwand. Sie stellte jedoch keinen Strafantrag gegen den unnatürlichen Sohn. Als dann dieser, sie sich selbst überlassend, von hier verzog, nahm sich der verlassenen Dame eins im selben Hause wohnende Handwerkerfamilie mit der herz⸗ lichsten Theilnahme an. Als sie kürzlich starb, setzte sie ihre Krankenpfleger zu Erben ihres Nachlasses im Betrage von ca. 37,000 M. ein, während dem Sohne nur das gesetzliche Pflichttheil zufällt.

Frankfurt, 5. Juni. Heute wurden vom König⸗ lichen Polizeipräsidium die Steckbriefe gegen die Brüder Sachs an alle Konsulate des deutschen Reiches gesandt.

Weinheim, 5. Juni. Der des Raubmordes in der Nähe der Straße bei Leutershausen dringend verdächtige Metzgerbursche ist bereits verhaftet, dagegen wird noch auf einen weiteren der Theilnahme beschuldigten Hand werksburschen gefahndet und sind auf dessen Ergreifung 200 Mark Belohnung ausgesetzt.

Karlsruhe, 5. Juni. Galleriedirector Lessing ist heute an einem Schlaganfall gestorben. Von ihm ist das berühmte Bild im Städel'schen Institut in Frankfurt Huß auf dem Concil.

Warburg, 7. Juni. Aus dem benachbarten Willi⸗ badessen schreibt man: Hier ist Alles in Aufregung. Gestern Morgen gegen 3 Uhr machten die Förster des Frhrn. v. Wrede, Gieß und Steinsträter, einen Pürschgang in das Revier bei der sog. Karlsschanze. Beide wurden von Wilddieben meuchlings erschossen. Wie ein Mann aussagt, der von der Stelle etwa 800 Schritt entfernt war, fiel gegen 5 Uhr erst ein Schuß und dann nach einer Pause von ungefähr 5 Minuten noch 4 bis 5 Schüsse rasch hintereinander, die nur von mehreren Personen ab⸗ gegeben sein konnten. Der Förster Gieß wurde gegen 10 Uhr noch lebend gefunden; derselbe hat einen Schrot schuß an beiden Händen und auf dem Gewehr und einen solchen in den Beinen erhalten, worauf er aller Wahr scheinlichkeit nach zusammenbrach und das Gewehr fallen ließ. Hierauf erhielt er noch von den Unmenschen aus nächster Nähe einen sogenannten Fangschuß in die Seite, welcher durch den Unterleib quer durchging, und wurde dann in der Voraussetzung, daß er todt sei, liegen ge lassen, kam aber wieder soweit zurn Besinnung, daß er in seinem Notizbuche aufschreiben konnte:Hagemeyer hat mich geschossen. Der Aermste hielt den Transport auf holperigem Wege und auf einer zweirädrigen Karre bis zu seiner Wohnung noch aus, wo er alsbald, nach⸗ dem er den Mörder abermals genannt, unter gräßlichen Schmerzen verschied. Der vereinzelte erste Schuß galt jedenfalls Steinsträter, der heute Morgen, nachdem die Fichtendickung durch Hunderte von Menschen nochmals durchsucht worden war, mit einer Kugel durchs Herz ge schossen aufgefunden wurde. Beider Gewehre(Vorder- lader) waren nicht abgeschossen, der klarste Beweis, daß sie meuchlings aus der Dickung hingestreckt worden waren. Der ꝛc. Hagemeyer ist erst vor vier Wochen aus dem Gefängniß entlassen, wo er eine einjährige Strafe wegen Wilddieberei verbüßte, nachdem er in früheren Fällen billiger weggekommen war. In dem letzteren Falle hatte Gieß denselben zur Anzeige gebracht, und darauf scheint nunmehr Rache verübt worden zu sein.

Neapel, 6. Juni. Die Eröffnung der Vesuvbahn hat heute stattgefunden. Bei dem Festmahle, an welchem etwa 150 Personen, darunter die Spitzen der Behörden, theilnahmen, brachte der Coneessionär Oblight einen Toast auf die Kronprinzessin des deutschen Reiches, die erste Dame, welche die Bahn benutzt hat, aus. Der Toast wurde mit stürmischen Beifall aufgenommen. Der regelmäße Betrieb der neuen Bahn beginnt morgen.

Erasmi Alberi kurze Beschreibung der Wetterau. (Die erste topographische Beschreibung unserer Gegend.)

Erasmus Alberus, der Freund und Zeitge nosse Dr. Martin Luthers, bekannt als Fabel und geistlicher Liederdichter, hat auch eine kurze Beschreibung seines Vaterlandes, der Wetterau, verfaßt, die wir unsern Lesern im Auszug mit theilen wollen. Wir sehen daraus insbesondere wie weit verbreitet damals noch der Weinbau in unserer Gegend war. Er gedieh an vielen Orten, wo jetzt schon längst kein Wein mehr gezogen wird und wo die Rebe lohnenderen Gewaͤchsen hat weichen müssen. Auch ist anzu⸗ nehmen, daß unsere Vorfahren keine so feinen

Zungen hatten, als wir. Erasmus Alberus

war gebürtig aus einem Dorf in der Nähe von Nidda. Er studirte in Wittenberg, wirkte eine zeitlang als Schulmeister in Oberursel und Heldenbergen und wurde dann Pfarrer zu Sprend lingen, wo er die Reformation einführte. da berief ihn Graf Philipp von Hauau-Lichten⸗ berg im Jahr 1545 als Prediger nach Baben hausen mit dem Auftrag, auch hier den lutherischen Gottesdienst einzuführen. Allein in Folge von

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meist leicht beschädigt. Verursacht wurde der Unfall Mißhelligkeiten mit dem Grafen verließ Alberus Babenhausen schon wieder nach wenigen Monaten, begab sich nach Magdeburg, wo er die Belage

rung der Stadt durch Moriz von Sachsen mitdurch⸗ machte, und starb im Jahre 1553 als Superin⸗ tendent zu Neu-Brandenburg im Großherzogthum Mecklenburg.

Die Wetterau ist 9 Meil Wegs lang und breit, reicht in die Länge von Gelnhausen bis an Cassel, diesseit Mainz am Ahein gelegen, in die Breite aber von Gießen bis Seligenstadt. Zwo Städte sind in der Wetterau, da man Salz seudt, nemlich Urba und Nauheym, sind beide Hanauisch. Die Graffen von Eyseuberg (Bsenburg) haben diese Städte Büdingen, Wenix, Westerbach(Kelsterbach?) Offenbach, Kleeburg und in allen sind Schlösser, haben darzu noch 2 schöne Schlösser die Rainburg(Ronneburg) und Byrstein. Zu Petterweil haben sie auch ein kleines Schloß, desgleichen zu Spielberg. Bei Büdingen wächst viel Weins. Hart an der Wetterau jhenseyt des Mains gegen Hanau und Frankfurt liegt ein feines Ländlein mit Namen die Drei Eiche, das ist drey Meil lang und breit, mit einem schönen Wald umfangen, das gehört auch den Herrn von Eysenberg, so daß der Graf von Hanau das sechste Theil vom Hayn hat, welches ein Stedlein und Schloß ist. Das Läudlein ist mit gutem Holz reichlich gesegnet, es wechst auch darin gut Wein und Korn und desselben so viel als die Inwohner bedürfen. Ein fein Dorf liegt darin mit Namen Ditzen⸗ bach, das ist allein Hanauisch, da wechst viel Wein. Die andern Dörfer sind Eysenbergisch, unter welchen Langen das Vürnehmste ist, Korn und Wein reich. Es sind auch gute Brunnen in demselben Ländlein, welches ich erstlich zu der Erkenntniß des Evangelii bracht habe, denn ich war vor(zuvor) XI Jahre Pastor zu Sprendlingen bei dem Hirtzsprung und zu Göͤtzen hain, welches ich Gotteshain nenne, weil es von den unnützen Götzen zu dem rechten Gott bekehrt ist. Mit der Dreieiche grenzet eine Stadt, die ist Hanauisch, mit dem Namen Babenhausen, die erkennt mich auch für ihren geistlichen Vater. Und sind beyde in der Dreieiche und Babenhausen fromme Leute, Zu Hofheim ist eine kleine Burg. In dem Lande wechst viel Wein. Ein Nawenhainer(Neuenheim) kann man finden, der darf ein Reinschen überwinden. Der Grawe zu Hanau hat diße Städte: Hanau, Winnecken, Bergen, Hochstadt, Urba(Orb), Nauheym, Steynau, Schlüchtern. Diße zwo ligen außer der Wetterau. Hanau ist eine vehste Stadt und hat ein schönes Schloß. Winnecken hat ein fein Schloß, lustig anzu sehn. Zu Steynau ist auch ein schoͤnes Schloß Viel guts Weins wechst im Hanau⸗ ischen Lande. Ortenberg, ein Stadt und Schloß, ist Hanauisch und Königsteinisch. Da wechst auch guter Wein. In der Stadt Münzen⸗ berg steht ein hohes Schloß, lustig anzusehn, sind Solmisch, Hanauisch und Königsteinisch. Seligenstadt ist auch Meynzisch, da wechst guter Wein und viel besser Wein wechst bei Hirsten(Hörstein), eine halbe Meile davon. Gegen Hanau über jhenseit des Mayns liegt ein Stedlein und Schloß mit Namen Steyn heim ist Meynzisch, da wechst auch Wein. Hart unter Gelnhaußen steht eine Burg, ist den Edelleuten, so man Ghan-Erben heißt, Desgleichen haben die Ghanerben ein Schloß zu Friedberg, wie eine kleyne Stadt. Oben dig Gelnhausen liegt ein schöner, hoher, großer Weinberg, da wechst vil und guter Wein. Oben an Friedberg uff einem hohen Berge, der St. Josannisberg heißt wechst vil und guter Wein. Summa der Stedte 53, der Schlösser 57 on der Edelleute Häuser. Es sind aber in der Wetterau über 100 vom Adel und über 500 Dörfer. Dazu sind mehr denn 50 Klöster und Stift untereinander. F. d. N. Die Wetterau ist gen Mitternacht beschlossen mit

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