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man diesem Gegenstande kein ollzu großes Interesse ent⸗ gegenbringe. Doch sei es Pflicht dersenigen Abgeordneten, welche nach der Natur der Verhältnisse die Bedürfnisse der Bevölkerung am besten kennen, deren Klagen Ausdruck zu geben. Wenn die Oberhessischen Bahnen dem Staate eine jährliche große Last aufbürden, so seien daran die Bewohner Oberhessens nicht schuld; sie haben nicht ver⸗ anlaßt, daß etliche Millionen nicht verbaut worden, daß die Steigungs⸗ und Krümmungs verhältnisse der Art seien, daß sich der Betrieb ziemlich theuer stelle. Gerade ange— fsichts dieser Last aber müsse man fragen, ob die Ober— hessischen Bahnen in ihrer Verwaltung ihren Beruf er— füllen, den Verkehr der Provinz zu entwickeln und zu vermehren, anstatt zu stören. Man könne mit drei Zügen täglich den Verkehr wohl bewältigen, nicht aber dem Ver— kehrsbedͤrfniß genügen.— Ministerialrath Fink macht auf die großen Ausgaben aufmerksam, welche für die Oberhessischen Bahnen demnächst bevorstehen, ebenso auf Eventualitäten, wie sie bei jeder Bahn durch Witterungs— verhältnisse u. s. w. bedingt, außergewöhnliche Ausgaben nöthig machen. Zudem haben die Oberhessischen Bahnen keinen Reservefonds. Weiter werde den Oberhess. Bahnen nach Vollendung der Linie Friedberg-Hanau ein bedeutender Güterverkehr entzogen und damft eine bedeutende Ein— nahme. Die Regierung habe sich nach reiflicher Erwäg— ung aller dieser Verhältnisse überzeugt, daß dem Verkehrs— bedürfniß Oberhessens mit drei Zügen genügt sei. Der Antrag Ellenberger auf Zurückverweisung des Gegen— standes an den Ausschuß gelangt geen 8 Stimmen zur Annahme. Es folgt die Berathung des Gesetzentwurfes, die Anwendung der für die Großh. Civildiener bestehen— den Bestimmungen auf die übernommenen Beamten und Bediensteten der Oberhessischen Eisenbahnen betreffend, und des Entwurfes eines Besoldungs-Etats dieser Bahnen. Der Gesetzentwurf wird fast ohne Debatte mit zwei von dem Ausschuß beantragten unwesentlichen Modificationen angenommen. Der Präsident vertagt hierauf die Kammer auf unbestimmte Zeit. 5 f
— 8 Dec. Der Großherzog begibt sich heute nach Schloß Philippsruhe zum Besuche des Land— grafen von Hessen und wird morgen zurückkehren.
Berlin, 6. Dec. Im Abgeordnetenhause wurde in der Berathung des Etats des Mini— steriums des Innern(dauernde Ausgaben) fort— gefahren.— 7. Dec. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute mehrere Petitionen und überwies die allgemeine Rechnung über den Staatshaus— halt für 1877/78 an die Rechnungscommission. Hierauf gelangte der Etat der Verwaltung des Berg⸗, Hütten- und Salinenwesens, ferner der Etat des Finanzministeriums, ebenso die Etats des Herrenhauses und Abgeordnetenhauses zur Berathung und wurden sämmtlich bewilligt.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ erklärt Meld— ungen des„Standard“ aus Köln über fran— zoͤsisch-deutsche Verabredungen in Friedrichs ruh in jedem einzelnen Punkte für völlig aus der Luft gegriffen. Die Besprechungen des Reichs— kanzlers mit dem Fürsten Hohenlohe und dem Grafen St. Vallier hätten gleich allen anderen Beziehungen in der jüngsten Zeit den Beweis geliefert, daß die Regierung der beiden großen Nachbarlaͤnder in ihrer friedlichen Tendenz, ihrer Politik und ihren Ansichten über die einst— weilige Behandlung der Orientfrage vollständig übereinstimmten, aber weder communistische Be— strebungen und deren Unterdrückung, noch die Eventualität neuer Königreiche an der Donau seien unter den drei Diplomaten in Friedrichsruh auch nur mit einer Silbe erwähnt worden.
Straßburg, 6. Dec. Der Landes-Aus— schuß ist heute mit einer kurzen Ansprache des Statthalters eröffnet worden.
Ausland.
Schweiz. Bern, 7. Dec. Die Bundes— versammlung wählte Anderwert zum Bundes— präsidenten, Droz zum Vice-Praͤsidenten des Bundesrathes, Weber zum Präsidenten und Roquin zum Vicepräsidenten des Bundesgerichts und bestätigte sämmtliche Bundesrichter.
Holland. Haag, 7. Dec. Die zweite Kammer lehnte die beantragten Beträge fur die Erhöhung der Ministerresidenten in Rom und Konstantinopel zum Range von außerordentlichen Gesandten und zur Besoldung des für Bukarest zu exnennenden Geschäftsträgers ab.
Schweden. Stockholm, 6. Dec. Regierung genehmigte den Reichstagsbeschluß betreffs Erhohung von Zollsätzen. Finanzminister Torssell ist um seine Entlassung eingekommen. Die Demission wurde angenommen und der Ministerpräsident Themptander zum Finanz— minister ernannt.
Die
Frankreich. Paris, 7. Dec. Die Bureaux des Senats wählten eine Commission, um den von der Kammer genehmigten Gesetzentwurf, betr. die Reform der Magistratur, zu prüfen. Die Com— mission besteht aus 6 Mitgliedern, welche dem Gesetzentwurf ungünstig und 3, welche ihm günstig gestimmt sind.— Deputirtenkammer. Berathung des Einnahmebudgets. Magnin hebt die Vorzüge der finanziellen Situation hervor, glaubt aber nichtsdestoweniger, daß es unklug sein würde, den Weg der Steuererlasse fort— zusetzen. Ein Amendement Häntjens, das die Con— vertirung der Rente beantragt, wird abgelehnt.
Großbritannien. London, 6. Dec. „Daily News“ ist zu folgender Mittheilung ermächtigt: Nachdem alle Mächte dem britischen Vorschlage, daß die bei Cattaro ankernden Flotten nach gegenseitiger Mittheilung sich nach ihren respectiven Bestimmungen zerstreuen sollen, beigetreten waren, erhielt Admiral Seymour den Befehl, das Signal zum Aufbruch zu geben.
— 6. Dec. Das„R. B.“ meldet aus Bombay: Das Befinden des Vicekönigs ist besser. Derselbe konnte in Folge dessen nach Kalkutta zurückkehren.
Türkei. Konstantinopel. Die Pforte, mit dem Studium der Maßregeln zur Erhöhung der Einnahmen beschäftigt, hat insbesondere die Er— höhung der Zollgebühren und einen neuen Zoll auf die Ausfuhr von Tabak in's Auge gefaßt.
Griechenland. Athen, 5. Dec. In der Deputirtenkammer erklärte Kommunduros, das Programm des Cabinets sei die Politik der Action. Kommunduros appellirt an den Patrio— tismus der Opposition und bittet sie Angesichts der obwaltenden Umstände um ihre Unterstützung ohne Vorbehalt. Das Einnahme- Budget ist ein— gebracht. Die Einnahmen sind mit 51½ Mill., die Ausgaben mit 114 Million Drachmen be— ziffert. Der Minister fügt hinzu: Wir werden 80,000 Mann regulärer Truppen unter den Fahnen halten und vielleicht auch die National— garde aufrufen.
Rußland. Petersburg. Der„Ag. Russe“ zufolge gehen die russischen Schiffe des ver— einigten Geschwaders nach Neapel und bleiben dort zur Disposition der in Italien reisenden Großfürsten Paul und Sergius.
Amerika. Washington. Schatzsekretär Sherman macht bekannt, daß am 31. Decbr. die faͤlligen Zinsen der 6procentigen Bonds gleichzeitig mit den zur Rückzahlung präsentirten Bonds bezahlt würden.
— 6. Dec. Der Congreß wurde heute mit einer Botschaft des Präsidenten Hayes eröffnet. Die Botschaft empfiehlt Convertirung von 6procentigen und 5procentigen Obligationen im Betrage von 672,000,000 Doll. in 3½ oder Zprocentige. Ferner dringt die Botschaft auf Erlaß strenger Gesetze zur Unterdrückung der Vielweiberei in Utah.
New-Vork. Nach Meldungen der Blätter aus Panama ist die in Ecuador ausgebrochene Revolution unterdrückt worden.
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg, 7. Dec. In der gestern stattge⸗ habten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes theilte der Bürgermeister zuerst mit, daß die bekannte Petition an den Reichskanzler, in welcher um Beschränkung der bürgerlichen Rechte der Israeliten gebeten wird, auch an den hiesigen Stadtvorstand gelangt sei, um dieselbe in Circulation zu setzen. Er bemerkt dazu, daß abgesehen von der allgemeinen Verwerflichkeit dieser Agitation, in unserer Stadt immer ein so gutes Einvernehmen zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Glaubens bekenntnisse geherrscht habe, daß er vorschlage, das genannte Schrift— stück unbeachtet bei Seite zu legen, womit sich der Ge⸗ meinderath einverstanden erklärt. Das Gesuch mehrerer Einwohner um Errichtung einer Straßenlaterne an dem sogenannten Judenplacken wurde abgelehnt. Ueber eine größere Anzahl älterer Rückstände der Realschul⸗ und Stadtkasse fand Beschlußfassung statt; für verschiedene Herstellungen wurden die Kostenbeträge genehmigt. Einige von Großherzoglichem Ministerium gewünschte Abänder— ungen an dem Polizeireglement, betreffend Benutzung der offentlichen Brunnen, sollen bei Feststellung des Entwurfes berücksichtigt werden.
o. Friedberg. Der hiesige Gesangverein„Frohsinn“ eröffnete am 4. December d. J. den Cyelus seiner Abend— Unterhaltungen mit einem gediegenen, alle Zuhörer recht
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befriedigenden Concerte. Die Einleitung desselben bildete.
die Ouverture zu„Der Calif“, die durch Zuziehung mehrerer Mitglieder des Nauheimer Curorchesters wacker ausgeführt wurde. Die vom Verein gesungenen Chört wurden mit großer Präcision vorgetragen. Besonders erwähnenswerth sind die Chöre„Herr, unser Gott“, und das herrliche Schubert'sche Lied„Am Weer“, das für Chor bearbeitet eine feierliche Wirkung erzielt. Auch die Pflege des Volksliedes läßt sich der Verein angelegen sein, wie uns zwei Chöre zeigten. In dem Chore„Die ewige Burg“ athmet uns die Freiheits- und Vaterlands⸗ liebe entgegen, die auch der Frohsinn hegt und pflegt. Außer diesen Chören bot der vocale Theil des Concertes mehrere Solovorträge. Fräulein Rühl erfreute die Zu⸗ hörer mit einem ernsten Liede, und Concertsänger Grupe aus Frankfurt, ein Schüler der Frau Konewka zu Frank⸗ furt, sang mit einer kräftigen, klangvollen Tenorstimme einige Lieder. Die heitere Stimmung, in der die Mit⸗ glieder und geladenen Gäste nach beendigtem Coneerte noch beisammen weilen sollten, wurde eingeleitet durch ein recht gut ausgeführtes komisches Terzett. Dem wackeren Frohfinn, sowie den übrigen Mitwirkenden sei hiermit der wohlverdiente Dank aller Zuhörer dargebracht.
h. Schwalheim. Einen Beweis, wie man bei kleinen Kindern nicht vorsichtig genug sein kann, liefert folgendes Vorkommniß in einer hiesigen Familie. Einem 8jährigen Kinde war die Beaufsichtigung des jüͤngsten, erst mehrere Monate alten Kindes auf kurze Zeit anver⸗ traut. Gott weiß wie es zuging, plötzlich ertönten herz— zerreißende Schreie und die herbeieilenden Eltern fanden beide Kinder furchtbar verbrannt vor. Der auf dem Tische stehende kochendheiße Kaffee war über die Kinder gefallen und hatte beide entsetzlich verbrüht. Das Kleinste starb schon anderen Tages, das Aelteste ist zwar außer Gefahr, liegt aber noch zu Bett.
e. Grünberg, 5. Dec. Gestern verunglückte ein früherer Eisenbahnbediensteter, welcher wahrscheinlich in etwas an— getrunkenem Zustande auf den Bahndamm gerathen war. Es wurde ihm durch einen Zug ein Unterschenkel zermalmt.
Darmstadt, 6. Dec. Die noch dunkele Hochver⸗ rathsaffaire beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft fortwährend. Es soll sich um eine von Mannheim aus geplante Zusammenkunft in Großgerau handeln. Gestern fanden in mehreren benachbarten Ortschaften Haussuch⸗ ungen und in Eberstadt zwei hierauf bezügliche Verhaft⸗ ungen statt. Die dort Festgenommenen sind Arbeiter aus Mannheim. Offenbar hiermit im Zusammenhange stehen folgende Meldungen: Frankfurt, 4. Dec.: Rach dem „Beob.“ geht in der Stadt das Gerücht, daß am 1. Dee., Abends, in der Gelnhäusergasse eine Privatgesellschaft von 14 Personen verhaftet und bis heute in Haft be— halten sei. Sie soll sich„socialistischer Umtriebe“ schuldig gemacht haben; und Mainz, 4. Dec.: In Folge tele⸗ graphischer Reguisition des Polizeipräsidiums in Frank⸗ furt a. M. fand heute Abend bei einem hlesigen Schreiner⸗ gehülfen, der sich zu der Socialdemokratie bekennen soll, polizeiliche Haussuchung nach verbotenen sockallstischen Schriften statt. Die Haussuchung erstreckte sich außer auf die Privatwohnung des Betreffenden auch auf die Werkstätte, worin derselbe beschäftigt ist. Die Poltzei fand einen Pack soeialdemokratischer Blätter.
Allerlei.
London. Der vielbesprochene unterseeische Tunnel, welcher England mit Frankreich verbinden soll, ist, wie es scheint, seiner Ausführung um ein kleines Stück näher gerückt. Es ist ein Schacht bis zur Tiefe des geplanten Tunnels an der Küste eingeteuft worden und zwar mit dem besten Erfolge. Das Wasser dringt in die untere Schichte nicht ein und es scheint, als ob der ganze Tunnel durch festes Gestein geführt werden könne.
Newyork. Nach amtlicher Mittheilung sind Getreide⸗ transporte im Belaufe von 5,419,055 Scheffel im Exie⸗ canal von Eis eingeschlossen.
Verloosungen.
4p Ct. Meininger Prämien Pfandbriefe Ben 1871. Serien⸗Ziehung vom 1. December 1880.
erie 62 109 146 293 390 675 832 943 1030 1153 1182 1247 1276 1407 1414 1501 1596 1630 1759 1801 1809 1927 2036 2075 2178 2298 2374 2386 2844 2856 2955 3214 3383 3559 3577 2618 3673 3929 3961. Die Gewinn-Ziehung findet am 3. Januar stakt.
Schwedische Thlr. 10⸗Loose von 1860. Mit 10,000 Thaler: Nr. 114276. Mit 6000 Thaler: Nr. 12038. Mit 500 Thaler: Nr. 76425 81254. Mit 150 Thaler: Nr. 20747 137561. Mit 60 Thlr.: Nr. 1636 31319 68791 77736 78376 80178 83421 142066 168889 184449 194966 195738 20017 201448 232646 237098. Mit 35 Thaler: Nr. 3527 16779 21843 28492 32025 48117 49182 54977 68977 69876 81160 102679 105149 113046 114990 115604 118814 135438 145539 146067 147888 156461 167025 179699 185205 209965 236602. Mit 25 Thaler: Nr. 473 1376 11692 15179 15180 17755 20139 21421 21425 22143 28118 28420 31738 41913 42945 44438 51052 52320 54500 54792 55542 68975 77320 82899 83885 88592 91129 96276 98441 101317 108144 112382 113531 113932 117771 126077 134346 140353 147129 153616 155644 161819 163405 168597 181369 187918 189976 191119 192015 194592 204620 205512 210134 214117 220181 228688 230762 236935 239258. Mit 13 Thaler: Alle übrigen gezogenen Nummern.
Literarisches. Nr. 10 enthält: Severa.
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