Die Unterhandlungen zur Versöhnung zwischen Ministeriellen und Dissidenten dauern fort. Die Rechte beschloß, bei der Wahl der noch fehlenden 6 Mitglieder der Budgetcommission leere Stimm⸗ zettel abzugeben und eine etwa auf ihre Partei— angehörigen fallende Wahl nicht anzunehmen, da sie eine ihrer Parteistärke nicht entsprechende Vertretung sich nicht gefallen lassen will.
— 1. Juni. Die„Voce della Verita“ sagt in ihrem heutigen Artikel über die preußische Kirchen⸗Vorlage: Wenn die Verhandlungen zwischen dem Vatican und der Berliner Regier— ung zu keinem Ergebnisse führten, so ist dies nicht die Schuld des Vaticaus. Das Schreiben des Papstes an den Erzbischof von Köln ist genügend, um einen Begriff von dem versöhn— lichen Geiste der Curie zu geben. Der Papst konnte aber die Versöhnlichkeit nicht so weit treiben, die Kirche mit gebundenen Händen und Füßen der Staatsgewalt auszuliefern. Er könne demnach die in der preußischen Vorlage gefor— derten discretionären Vollmachten nicht billigen.
Türkei. Constantinopel. Der Minister des Auswärtigen, Sawas Pascha, hat in dem Bestreben, die schwebenden Fragen einer raschen Lösung entgegenzuführen, seinen Abschied ange— boten, falls er nicht Vollmacht erhalte, die Unterhandlungen ohne andere Controle als die des Sultans und Großveziers weiterzuführen; auch werde er keine anderen Rathschläge als die des Großveziers annehmen.— Göschen hat den Minister Sawas besucht.
— Der Rath der Ulemas sprach sich gegen die Hinrichtung Veli Mohamed's, des Mörders des Russischen Obersten Komaroff und ebenso gegen eine Einmischung europäischer Mächte in die Türkische Verwaltung aus.
— Nachdem der Sultan das Verlangen des vormaligen Khedive Ismail Pascha, nach Aegypten zurückkehren zu durfen, genehmigt hatte, wurde dasselbe vom Khedive Tewfik zurück— gewiesen. Als Ismail darauf erklärte, er wolle nach Constantinopel kommen, um den Schutz des Sultans anzurufen, ließ der Großvezier Said Pascha ihn wissen, daß er in diesem Falle seine sofortige Wiederentfernung zu gewärtigen habe.
— In einer Conferenz, welche am 29. d. das Comite der albanesischen Liga mit den Bergstämmen hielt, wurde ein neues Memoran— dum an die Consuln der Großmächte beschlossen. In Folge der vom Comite auferlegten großen Contributionen herrscht tiefe Unzufriedenheit. Außerdem besteht auch Uneinigkeit zwischen den mohamedanischen Albauesen und den mit großer Uebermacht auftretenden katholischen Berg— Stämmen.
Rumänien. Bukarest. Die Fürsten von Rumänien und Bulgarien sind persönlich bemüht, den zwischen ihren Regierungen ausgebrochenen Conflikt zu begleichen. Der rumänische Agent Sturdza kehrt demnächst nach Sofia zurück, um das Versöhnungswerk nachdrücklich zu betreiben.
Rußland. Petersburg. Dem„Golos“ zufolge tritt der Minister des Innern, Makoff, am 2. Juni eine Reise in's Innere Rußlands an.
— Das„Journal de St. Petersbourg“
bringt eine von der hiesigen türkischen Botschaft zugesandte Devesche aus Konstantinopel, 29. Mai, über einen im Vilajet Salonichi stattge⸗ habten Zusammenstoß zwischen türkischen Truppen und einer bulgarischen Räuberbande. Letztere soll gänzlich aufgerieben sein, wobei die Türken auf den Leichen von Bulgaren Medaillen mit revolutionären Inschriften und in französischer Sprache abgefaßte Petitionen an die Vertreter der Mächte in Konstantinopel aufgefunden haben sollen. Dies lasse die bisher an die Mächte gerichteten Petitionen in einem neuen hellen Lichte erscheinen. Das„Journal de St. Peters— bourg“ läßt obiger Depesche einige ironische Be— merkungen folgen, indem sie darauf hinweist, daß die türkischen Behörden etwas besseres zu thun hätten, als an Europa derartige Demonstrationen zu adressiren, da Europa seine Informationen anderwärts als in Berichten türkischer Gouver— neure schöpfen werde.
Amerika. Chili. Eine der chilenischen Gesandtschaft in New-Vork zugegangene Depesche meldet, die ganze peruanische Armee sei bei Tacna von den Chilenen geschlagen.
Asien. Calcutta, 1. Juni. Einer Mel⸗ dung aus Birma zufolge ist der Aufstand daselbst im Wachsen und dehnt sich bereits bis Man—
dalai aus.
Aus Stadt und Land.
Dr. W. Friedberg. Mit Freuden begrüßen wir einen wichtigen Fortschritt in der Förderung der öffent— lichen Gesundheitspflege unserer Stadt. In nächster Zeit soll eine neu begründete Anstalt für warme Bäder eröffnet werden! Nachdem sich schon die Männer, welche im vorigen Jahre das Volksbad ins Leben riefen, aufs Beste um unsere Stadt verdient gemacht hatten, trat der Mangel einer ständigen Gelegenheit zum Baden, unab— hängig von Jahreszeit und Witterung, nur um so fühl⸗ barer hervor. Wenn auch die Italiener glücklicherweise übertreiben, indem sie uns Deutschen nachsagen, wir hätten 8 Monate Winter und 4 Monate keinen Sommer, so gibt doch jeder Wasserfreund zu, daß die Zeit für das Bad im freien Wasser nur sehr kurz ist. Wer nicht zu den besonders Abgehärteten gehört, kann in unserem rauhen Klima manchen Sommer, alle Unterbrechungen abge— rechnet, vielleicht nur 8— 10 Wochen baden; wo bleibt da das ganze übrige Jahr die der Gesundheit so förderliche Hautpflege, welche ohne Bäder immer nur unvollständig ausgeübt werden kann? Endlich hat sich, wie bemerkt, Jemand gefunden, der für unsere Stadt diesem Bedürf— niß abhelfen will. In diesen Tagen wird die Badean— stalt in Betrieb gesetzt und von ganzem Herzen wünschen wir diesem in hohem Grade gemeinnützigen Unternehmen alles Gute und hoffen, daß unsere Mitbürger in recht großer Anzahl den Segen für ihre Gesundheit und ihr Wohl— behagen davon erfahren mögen, damit auch dem Unter— nehmer der wohlverdiente Lohn werde.
E. Berstadt, 31. Mai. Gestern Nacht 1 Uhr brach hier auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feuer aus, das trotz rascher Hilfe drei Scheuern nebst Stallungen einäscherte. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen, dagegen verbrannten 2 Kühe und 2 Rinder.
Eberstadt, 30. Mai. Gestern Nachmittag fanden einige Kinder in einem Sandhuͤgel, von welchem schon seit einiger Zeit Bausand gefahren wird, einen Leichnam, welcher ziemlich gut erhalten war und mit einem Knaben, der vor etwa zwei Jahren auf eine unerklärliche Weise verschwunden, identisch sein soll. Die Untersuchung ist bereits im Gange.
Allerlei. Cöln. Der Cölner Dom ist, mit Ausnahme von kleineren Arbeiten, bis auf die Aufsetzung der Kreuzblumen vollendet. Die beiden Kreuzblumen, welche, fast vollendet,
sich ein mächtiges Monument; das Gewicht jeder einzelnen beträgt circa 1000 Centner.
Leipzig, 29. Mai. Der gestrige Magdeburger Schnell⸗ zug erlitt eine Verspätung von 25 Min., weil der Zug in eine Hammelherde fuhr. Hierbei sollen einige 30 Hämmel überfahren worden sein.
Nancy, 29. Mai. Von hier wird von einem fürchter⸗ lichen Auftritt berichtet, der sich hier in der Menagerie des Thierbändigers Salva zugetragen hat. Gestern nämlich, während dieser gerade vor dem Publikum seine Künste mit den Panthern zeigte, zertrümmerten die in einem benachbarten Käfig hausenden Loͤwen die Eisen⸗ stangen, welche sie von den Panthern trennten, stürzten sich auf die letzteren und geriethen mit ihnen in einen wüthenden Kampf. Ein Panther schlitzte einem Löwen den Bauch auf, daß er vor Schmerz heulte. Salva verlor inmitten dieses Schauspiels nicht seine Geistes⸗ gegenwart; er trieb die Panther in einen anderen Käfig und ließ dann denjenigen, welcher den Löwen so schwer verwundet hatte, gegen diesen los. Der Panther erwürgte den Löwen, nachdem er ihm eine Rippe gebrochen hatte. Seit diesem Kampfe, welchem das Publikum mit athem⸗ loser Spannung zugesehen batte, befinden sich die wilden Thiere in einer unbeschreiblichen Aufregung.
New⸗Nork, 28. Mai. Längs der atlantischen See⸗ küste herrscht eine starke Hitze; in manchen Gegenden ist das Thermometer bis auf 100 Grad Fahrenheit(30,02 Reaumur) gestiegen und es werden zahlreiche Fälle von Sonnenstich gemeldet. Eine solche Hitze im Mai ist bis jetzt nicht dagewesen.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 2. Juni. Fruchtbericht. Weizen M. 23.50, Korn M. 20., Gerste M. 18., Hafer M. 14. bis M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo — 200 Zollpfund.
Friedberg, 3. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.85—0.95, Eier per Stück 5 Pf.
Gießen, 1. Juni. Wochenmarkt. Butter per Pfd. 85—95 Pf., Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. 9 Pf., Käse per St. 5—8 Pf., Tauben das Paar 60—80 Pf., Hühner per Stück M. 1.20, alte Hahnen per Stück M. 1.30—0.00, junge Hahnen 60 Pf., Wälsche M. 8.—9., Enten per Stuͤck M. 2.50. Kartoffeln per 100 Kilo M. 7.50. Zwiebeln p. Ctr. M. 30. Ochsenfleisch 68 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 50—56 Pf., Kalbfleisch 40—46 Pf., Hammelfleisch 66— 70 Pf., Schweinefleisch 60 Pf., Kirschen per Pfund 50 Pf.
Grünberg, 29. Mai. Auf heutigem Wochenmarkt kostete der Centner Waizen M. 12.23, Korn M. 10.85, Gerste M. 9.34, Hafer M. 8.09, Kartoffeln M. 3.64.
Frankfurt, 31. Mai. Viehmarkt. Angetrieben waren circa 400 Ochsen, 290 Kühe, Stiere und Rinder, 280 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 67—69., 2. Qual. M. 62.—64., Kühe 1. Qual. M. 58.—60., 2. Qual. M. 48.—505, Kälber 1. Qual. M. 54—55., 2. Qual. M. 48.—50., Hämmel 1. Qual. M. 58.—60., 2. Qual. M. 45.—52.
Frankfurt, 31. Mai. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 42., Nr. 2 M. 40., Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30., Nr. 5 M. 24., Roggenmehl%(Berl. Marla, M. 28½., do. 1.(Berliner Marke) M. 27., do. 2.(Berliner Marke) M. 23. Waizen, effectiv hiesiger, ab Bahnhof hier M. 25.50, ab unserer Umgegend M. 25. bis 25.50, do. fremder, je nach Qual. M. 24.75—25.25, Roggen je nach Qual. M. 20.60— 21.50, Gerste M. 18. bis 21., Hafer M. 13— 16.50, Erbsen M. 19.— 27. Wicken M. 16.—18., Linsen M. 20.—40., Bohnen, weiße, M. 23.—25., Rüböl, detail M. 66. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.
Geld⸗Cours. Frankfurt am 1. Juni 1880.
20 Frankenstücke M. 16 15-19 do in ½„ 16 15—19
Englische Sovereign s.„% 20 38—42 Russische Imperiales„ 16 68—72 Ducaten„„%ͤ%%VCn ß.
do. al mared e, Dollars in Gold. 6:7;
Hofraithe-Versteigerung. 1904 Freitag den 4. Juni l. J., Vormittags 11 Uhr, soll in hiesigem Rathhause auf freiwilligen Antrag des Taubstummenlehrers Billasch die demselben gehörende Hofraithe, in der Bahnhofsstraße gelegen, öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden.
Friedberg den 31. Mai 1880.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg.
Se ii s.
Holz-Versteigerung. 1919 Freitag den 4. Juni d. J., Morgens 8 Uhr, kommt im Vilbeler Stadtwald folgendes Eichenschälholz zur Versteigerung: 196 Raummeter Scheiter und Knüppel, 11400 Wellen, 112 Stuck Stangen, zu Werkholz geeignet. Zusammenkunft im Distrikt Schelmeneck. Das Stangenholz kommt gegen 12 Uhr zum Aus⸗ gebot. Vilbel den 1. Juni 1880. Großherzogliche Bürgermeisterei Vilbel. Hinkel.
Eisenbahn-Directious-Bezirk Hannover. Eisenbahn-Setriebs- Amt Cassel.
(Strecke Cassel-Frankfurt a. M.)
1901 Die Unterhaltung der Schiefer- und Ziegeldächer der an der Bahnstrecke Gießen Vilbel, einschließlich des Bahnhofs Vilbel, gelegenen Bahngebäude soll vom 1. Juli ab auf längere Zeit in öffentlicher Submission vergeben werden.
Die Offerten sind portofrei, versiegelt und mit der Aufschrift:
„Submission auf Unterhaltung der Dächer“
bis zum Submissionstermine, Samstag den 12. Juni l. J., Vormittags 9 Uhr, bei der unterzeichneten Eisenbahn-Bau⸗ Inspeetlon(Gallus-Anlage 4) einzureichen, woselbst die Bedingungen eingesehen und Offerten-Formulare in Empfang genommen werden können.
Frankfurt a. M. den 30. Mai 1880.
Königliche Eisenbahn-Bau-Inspection. Heyl.
Bettfedern
werden gereinigt bei A. Thuy in Vilbel. 50
Holz-Versteigerung. 1911 Freitag den 4. Juni d. J., Vormittags ½10 Uhr anfangend, sollen im Petterweiler Gemeindewald nach⸗ verzeichnete Holzsortimente öffentlich meistbietend ver⸗ steigert werden: 24 Raummeter Eichen⸗Schäl⸗Knuͤppelholz, 4250 Stück Eichen⸗Schäl⸗Wellen, 62„ Loarchen⸗Stämme, 4,27 Festm. enthaltend, 9„ Derbstangen, 4,34 Festmeter ent⸗ haltend. Die Zusammenkunft ist am Eingange des Waldes oberhalb Dillingen. Petterweil den 29. Mai 1880. Großherzogliche Bürgermeisterei Petterwell. Berges.
200,000 Dicwurzpflanzen,
sowie alle Sorten Gemüse⸗ und Blumenpflanzen empfiehlt die Gräfliche Hofgärtnerei zu Assenheim. 1874
S 7— 7** 2 5 1—
5 Ein tüchtiges Maͤdchen
wird für diesen Sommer per sofort in Dienst genommen bei Friedberg. Carl Walter.
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1 Jodie Nil
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