Ausgabe 
29.3.1879
 
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Zulukrieges und führte zu dessen Begründung aus, daß England Cetewavo provocirt und den Krieg im inopportunsten Momente hervorgerufen babe. Der Krieg sei nicht defensiv, sondern aus- schließlich offensiv. Der Staatssecretär für Indien, Cranbrook, beantragt die Verwerfung des An⸗ trages: er theile Lansdowne's Bedauern, daß das Ultimatum ohne Sanction der Regierung über⸗ reicht wurde, deshalb allein sei Frere getadelt worden. Der eventuell unabwendbare Krieg bätte nicht überstürzt werden müssen. Obwohl daher der Tadel berechtigt sei, so sei es doch nicht eine Degradirung, welche die Aberufung umfasse. Frere sei eine sehr befähigte, intelligente und ehren⸗ dafte Persönlichkeit, die dem Lande große Dienste wiederholt geleistet habe. Das Haus verwarf darauf Lansdowne's Tadels-Votum mit 156 gegen 61 Stimmen; die Regierung siegte also mit einer Majorität von 95 Stimmen.

26. März. Die Königin Victoria hat sich von Cberbourg nach Paris begeben, um ihre Reise nach Italien anzutreten.

Italien. Rom, 27. März. Die Nachricht deutscher Blätter, daß der Papst die Absicht habe, Generalvicare für jene deutschen Dibeesen zu er nennen, deren Bischöfe abgesetzt wurden, entbehrt jeder Begründung. Der Vatican verlangte nur die Ermächtigung zur provisorischen Regelung der geistlichen Angelegenheiten dieser Diöcesen, in welchen wegen Mangels eines Bischofes oder legalen Vertreters des beiligen Stuhles die Kirche und

die Gläubigen Schaden litten. In Folge von

am Sonntag stattgehabten Ruhestörungen in Mai · land verfügte die dortige Gerichtsbebörde die Auf lösung des Vereins der republikanischen Bruder⸗ schaft. In der heutigen Sitzung der Kammer legte der Minister der öffentlichen Arbeiten den Gesetzentwurf vor, wodurch der Additional-Vertrag, d. d. Bern, 12. März, mit Deu'schland und der

Schweiz in Betreff des Baues der Gotihardbahn

genebmigt wird.

Rußland. Petersburg, 25. März. Heute Nachmittag schoß ein Individuum zu Pferde am Newa⸗Quai auf den Gendarmerie-Chef Gene- ral Drentelen. Der Schuß fehlte. Der Verbrecher

entfloh.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. DerDarmst. Zeitung meldet man von hier: Bald nach Bekanntwerden einer ziemlich ausgedehnten Römerstätte nordöstlich von Ober⸗Wöllstadt entdeckte Oekonom G. Falck von bier eine solche im Groß ⸗Galgenfelde, eine auf der Warte, dann eine im Klein⸗Galgenfelde, sämmliliche drei letztgenannten in der Gemarkung Friedberg. Nun geht der Enidecker über unsere Gemarkungsgrenze und entdeckt abermals eine solche beim Steinfahren in der Gemarkung Bad-Nauheim an der dortigen Gasfabnik unweit der vor wenigen Inhren aufgefundenen Römerstäue auf dem sog. Bislerschloß bei Bad⸗ Nauheim. Bei einer oberflächlichen Besichligung fanden sich unter tömischen Backsteinen drei Ziegelstücke mit dem Stempel der legio XI ohne Beinamen, um wiederum einen Beweis von der Anwesenheit dieser Legion in Obergermanien zu liefern, und ein Stück mit einem andern Stempelrest, wahrscheinlich der Vexellarier der legio LIV gemina, martia, victrix. Da sich auf dieser Stelle auch eine Masse Reste von Gefäßen, die offenbar nicht mischen Ursprungs, namentlich von großen Salzsiedegefäßen fanden, ist dieselbe gewiß untersuchenswerth.

Darmstadt. Wie dieN. H. V. hören, ist der junge Kaufmann Lips aus Bessungen auf Antrag der Staatebebörde nur auf Grund des§. 216 bes Straf⸗ gesetzbuchs vor das hiesige Bezirksstrafgericht verwiesen worden. Der genannte 8. lautet wörtlich:Ist Jemand duich das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Ge tödteten zur Tödiung bestimmt worden, so ist auf Gefäng⸗ niß nicht unter drei Jabten zu erkennen. Die gerichtliche Verhandlung stett in nächster Zeit bevor, doch dürfte die⸗ selbe bei der Eigenthümlichkeit des Falles bei geschlossenen Tbüren staltfinden. Mit dem Beichuldigten soll auch eine seyr angesebene Dame aus Offenbach verwiesen worden sein, weil sie aus Mitleid dem ihr verwandten Beschul digen nach der That Geld zur Flucht bebändigt habe.

Mainz, 26. März. Gestern Nachmittag ging im Bahnhofe ein auf dem Transporte nach Berlin besindliches Nilpferd durch. Mit Mühe und erst nach mehreren Stun den gelang es, den Flüchtling wieder einzufangen.

Nierstein, 24. März. Heute Miltag erschoß ein biesiger Bürger sein einziges Töchterchen von eiwa 12 Jahren im Zimmer, indem er ein altes verrostetes Gewehr, das er seit 4 Jahren nicht in der Hand hatte, von der Wand nahm, um es vom Schmutz zu reinigen. Während er nachsehen wollte, glitt der Hahn, der sich nicht mehr stellen ließ, auf ein verrostetes Zündhütchen ab und bie Schrotkörner trafen bas nahe Kind so unglücklich, daß es augenblicklich todt war. Der Mann ist in größter Verzweiflung.

Groß ⸗Winternheim. Dieser Tage kam eln hiesiger Bürger zu Spezereihändler P. Mayer und ver⸗ langte ein Spiel ungestempelter Karten. Dieselben wur⸗ den ihm auch verabreicht. Nun ging der Käuser zur Polizei und machte die Anzeige. Das Obersleueramt erhob nun von Mer 30 M. 20 Pf. Strafe, aber auch der Denunclant mußte die gleiche Summe zahlen, da nach dem Gesetze Käufer wie Verkäufer gleich straff Allig sind. Letzteres hat in der ganzen Gemeinde die größte Befriedigung bervorgerufen und hegt man den Wunsch, daß es allen Denuncianten wie diesem ergebe.

Allerlei.

Hildes beim. Die hiesige Polizeidirection bat den Schenkwirlhen der Stadt ein Verzeichuiß von 40 notorischen Säufern zugestellt und ihnen auf Grund einer Verfügung von 1841 verboten, den bezeichneten Personen Schnaps zu verabreichen.

Gotba, 25 März. Gestern ist der Superintendent H. aus Wangenbeim beim Dorse Eberstadt beraubt und ermordet aufgefunden worden, ohne daß man den Tbäter kennt. Ferner wurde der Privalier St. aus Gotha ham 22. Nachis deim Nachbausegehen zu Boden geworfen, dann betäubt und seiner Baarschaft beraubt vorgefunden. Dem Attentäter ist man noch nicht auf der Spur.

Prag, 21. März. Ein Hochofen der Fürstenberg⸗ schen Eisenwerke in Allhütten i in Trümmer gegangen. Die Kalastrophe wurde dadurch berbeigeführt, daß die Arbeiter allzu plötzlich eine große Wassermenge einströmen ließen, die sich in dem noch glühenden Ofen in Dämpfe verwandelte und gewalisam den Hochofen zertrümmerte. Zwei Arbeiter, die gräßuch verbrüht wurden, sind bereits gestorben.

Pest, 24. März. Aus Südungarn kommen abermals ernstere Meldungen von Wassergefahr. In Zittel ist hes⸗ liger Ofisturm, die Wogen der Theiß gehen über die Dämme zweier Buchtungen. Bei Devaeranya, im Bikeser Comitat, ist der Damm des Flusses Betetyo, eines Nebeuflusses des Körös, an drei Stellen durchbrochen, das Wasser über fluthet stündlich tausende Joch schöner Saaten. Die Stadt mi 12 000 Einwohnern ist gefährdet, Sturmglocken er⸗ dröhnen, die Stimmung ist verzweifelt.

Szegedin. Von Interesse für unsere Leser dürfte

tegen, daß der weit und breit bekannte D stanzreiter, Oberlieulenant Zubovils, der sich bei dem Unglück in [Szezedin bewunderungswürdig hervorthat und über 200 Menschen das Leben rettete, nahe daran i, ein Opfer seines Heldenmulbes zu werden. Bei seinem letzten Ver⸗ suche, aus einem zusammenbrechenden Hause in Szegedin einen Schlosser zu reiten, erlitt Zubovits, der über mensch⸗ liche Anstrengungen machte, den schwer Bedrohten in das E Boot zu bringen, einen Lungenriß, in Folge dessen heftiges Blutbrechen sich einstellte, dessen Stillung bis jtzt nicht gelingen wollte. Die Aerzte geben wenig Hesfeung. daß der wackere Mann, der so Vielen zum Reller wurde, am Leben bleiben werde. 24. Mäcz. [Heute fand durch Regen und Wind eine Steigung des Wassers im städuschen Inundationsgebiet statt. Der Ab⸗ fluß durch den Dammodurchstich wird durch eingeschwemmie Holzuämme bebin ert. Der Fluß ist seil gestern nicht gefallen. Die Baggerschiffe arbeiten Tag und Nacht an der Erweiterung des Durchstichs.

2 Friedberg, 25. März. Die gestern Abend im Steinhäußer'schen Saale stattgehabte 15. ordentliche Generalversammlung des Vorschuß und Credit-Vereins war von hier, Bad-Nauheim und einigen Orten der Umgegend ziemlich zahlreich besucht. Der Vorsitzende, Herr Buchhändler Seriba, machte vor Eintritt in die Tagesordnung einige Mittheilungen über den Stand des deutschen Genossenschaftswesens und die Beschlüsse des allgemeinen, wie des hessischen Verbandstages. Auf die Angelegenheiten des hiesigen Vereins übergehend, gedachte er zunächst in anerkennender Weise des am 15. De⸗ zember v. J. verstorbenen Ausschußmitgliedes, Herrn Adam Rausch II., und erhob sich die Versammlung, um das Andenken an den Verstorbenen zu ehren, von ihren Sitzen. Er erwähnte dann, daß der Verein zum ersten Mal seit seinem Bestehen im abgelaufenen Geschäftsjahr von einem Verlust betroffen worden sei, gab Nachricht über die Betheiligung des Vereins an dem Anlehen der Stadt Friedberg und bemerkte, daß die schon längst be absichtigte Revision der Statuten in der nächsten Zeit erfolgen werde. Herr Ermus verlas darauf den ein⸗ gehenden Rechenschaftsbericht des Vorstandes, in welchem namentlich auseinandergesetzt wurde, in welcher Weise, trotz aller angewandten Vorsicht, der gedachte Verlust entstanden sei, woran die dringende Warnung geknüpft war, einen Verein, der eine so eingreifende Wirksamkeit bethätigt, nicht durch Ausstreuung gewissenloser Ver dächtigungen zu schädigen. Die Geschäftsergebnisse sind bereits in diesem Blatte bekannt gemacht worden und beschränken wir uns deshalb darauf, anzuführen, daß der gesammte Geschäftsumsatz im Jahre 1878 sich auf M. 16,529,327 belief, der Umsatz im Conto-Corrent⸗ Geschäft M. 4,981,813, im Vorschußgeschäft M. 4,046,190 betrug, an Spareinlagen M. 805,871 eingingen und die Stammantheile der Mitglieder auf M. 119,999 ge⸗ stiegen sind. Nach Abzug der Unkosten verblieb ein Rein⸗ gewinn von M. 14,941. 22, zu dem noch ein Gewinn⸗ überschuß von M. 13,706. 44 aus den früheren Jahren kommt, so daß die Generalversammlung über M. 28,647. 66 zu verfügen hatte. Nach Vorlesung der Berichte der verschiedenen mit der Controle des Vereins beauftragten Commissionen und nach Mittheilung, daß ein vor wenigen Tagen veranlaßter Kassensturz die Kassenver hältnisse in vollständiger Ordnung gefunden habe, wurde

es sein, und wohl auch deren Theilnahme dürfte es er⸗

dem Vorstand Decharge ertheilt. beschloß nach den Anträgen des Ausschusses und Vor⸗ standes auf die dividendenberechtigten Stammantheile von M. 107,455 eine Dividende von 8% zu verthellen, die üblichen Abschreibungen auf die Veveinsgebäude und die Mobilien vorzunehmen und den Reservefonds an⸗ gemessen zu verstärken. Für den hiesigen Volksbildungs⸗ verein wurde nach einer kurzen Debatte, wie in den früheren Jahren, ein Beitrag von M. 200 verwilligt und der Rest des Reingewinns mit M. 17,043. 30 auf neue Rechnung vorzutragen beschlossen. Auf letztere Summe wird gunächst der dem Verein im abgelaufenen Jahre betroffene Verlust von ungefähr M. 3,800 ab⸗ geschrieben. Die aus dem Ausschuß austretenden Herren Seriba, Reuß, Bechstein und Pfeffer wurden wieder und an Stelle des verstorbenen Herrn Rausch, Herr Georg Hieronimus in den Ausschuß gewählt. Nachdem der Vorsitzende dem Vorstand für seine gewissenhafte Amts⸗ führung gedankt und letzterer dem Ausschuß für die geleistete Förderung und Unterstützung die übliche An⸗ erkennung ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung

geschlossen.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 26. März. Der heutige Heu⸗ und Strohmarkt war ziemlich gut befahren. Heu kostete per Centner je nach Qualität M. 1.50 3, Stroh M. 2. 2.20. Der Vietualienmarkt war schlecht befahren, trotzdem sind billige Preise zu verzeichnen. Weißkraut per Stück 20 Pf., Rothkraut 1215 Pf., Kohlkraut 10 Pf., Radieschen das Bündel 45 Pf. Blumenkohl 3040 Pf., Salat das Hundert M. 12., Meerrettig das Stück 8 Pf. Butter im Großen 1. Qualität 90 Pf., 2 Qualität 80 Pf., im Detail 1. Qualität M. 1., 2. Qualität 90 Pf. Eier das Hundert deutsche M. 460, im Detail das Stück 5 Pf., italienische das Hundert M. 5 80, im Detall 6 Pf. Handkäse 50 60 Pf. das Pfund. Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.50. Geschälte Erbsen M. 24. 28., ganze Erbsen M. 22. 25, Speisebohnen M. 18. 24. Linsen M. 22 34. per 100 Kilo. Roggen Vorschuß M. 23 50 24.50, Schrot M. 21. 22. Ochsenfleisch per Pfund 6470 Pf., Kuh-, Rind⸗ und Farrenfleisch 50 60 Pf., Kalbfleisch 52 65 Pf., Hammelfleisch 50 65 Pf., Schweinefleisch 60 70 Pf. Schmalz 60-70 Pf., Schinken 85 90 Pf. Hahnen M 1.702., Enten M. 3.50, Hühner M. 2. 2.20, Schnepfen M. 3.50, Poularden M. 4. Frankfurt, 27. März. Fruchtbericht. Waizen, ab unserer Umgegend M. 20. 20 ½, fremder M. 2020ʃ½. Roggen M. 13½.15½. Gerste M 16½.19. Hafer

M. 13. 14. Weiße Bohnen M. 19½. Geld⸗Cours. Frankfurt am 27. März 1879. 20 Frankenstü cke M. 16 1822 Englische Sovereigns 20 4247 Russische Imperiales 16 71 Ducaten 3 7 9 5459 Ducaten al mareo 2 2 9 5964 Dollges in Geld 4 4 17-20 Für Szegedin

1 sind ferner eingegangen von: X. J. 1 M., C. W. H. 1 M., durch Pfarrer Peters in Nieder Erlendach gesammelt 52 N. 17 Pf., von Pfacrer Becker in Bruchenbrücken 5 M., Taubstummenlebrer Rübl 3 M., Frau Landrichter Harbordt in Burg⸗Gräfenrode 5 M., Decan Kalbhenn in Burg⸗Gräfenrode 3 M., A. R. 3 M., aus der Gemeinde⸗ kasse zu Rodbeim v. d. H. 30 M., N. N. in B. N. 4 M., Job. Wolf 2 M., H. Gonden 6 M., M. u. M. 5 M. Außerdem hat die biesige Freimaurerloge einen Beilrag von 30 M. verwilligt, der jedoch direkt an die Ungarische Großloge ein⸗ gesandt wurde. Wir richten die dringende Bitte an die Herren Pfarrer und Gemeindevorsteher, in ihren Orlen Sammlungen einzuleiten, wie dies mit so großem Erfolse in Nieder-Erlenbach geschehen ist. Das Elend und die Nolh sind entsetzlich. Es mangelt uns der Raum, dse Schreckensscenen zu schildern, deren die größeren Zest⸗ ungen erwähnen; die nach und nach bekannt werdenden Details sind schauderhast. um weitere Gaben bittet dringend ö Die Expedition des Oberhessischen Anzeigers.

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