Ausgabe 
26.6.1879
 
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Einzelregierungen. Die Feststellung der Höhe der Matrikular-Beiträge bliebe nach wie vor von der Zustimmung des Reichstags abhängig.

Dem Vernehmen nach würde General- Feldmarschall v. Manteuffel am 1. August die Statthalterschaft Elsaß Lothringens übernehmen; gleichzeitig würde auch der Staats-Seeretär und der Unterstaats-Secretär dahin abgehen.

Ems, 23. Juni. Der Kaiser ist heute früh mittelst Extra-Zuges hier eingetroffen. Zum Em⸗ pfang waren auf dem Bahnhof anwesend die Oberpräsidenten von Ende und von Bardeleben, Regierungs⸗Präsident v. Wurmb, der Gouverneur von Coblenz, General von Beyer, Bürgermeister Brodzina, die Geistlichkeit, der Kriegerverein und ein zahlreiches Publikum. Der Kaiser begab sich alsbald zu Wagen in langsamer Fahrt nach dem Kurhaus, von der dichtgedrängten Menge und der Spalier bildenden Schuljugend mit begeisterten Hochrufen begrüßt. Der Weg bis zum Kurhaus war mit Guirlanden, Blumen und venetianischen Masten prachtvoll geschmückt. Der Kaiser bleibt in Ems bis Mitte Juli, besucht dann Süddeutsch⸗ land und Ende Juli Gastein, von wo er zunächst nach Berlin zurückkehrt.

Stuttgart, 23. Juni. Ministerpräsident v. Mittnacht ist aus Berlin zurückgekehrt. Der Staatsanzeiger veröffentlicht den Wortlaut der Erklärung Württembergs in der Bundesrathssitzung vom 17. Juni, welcher Sachsen und Braunschweig sich angeschlossen haben. Die Erklärung betont: nach Artikel 45 der Reichs verfassung stehe dem Reiche nur die Controle über das Tarifwesen zu. Der vorliegende Entwurf wolle die ganze Festsetz- ung des Eisenbahngütertarifs dem Reiche zuweisen. Die Wirkungen dieser Verfassungsänderung wären tiefeingreifende, insbesondere für die Staaten mit großem Staatsbahnnetz. Der Ertrag der Staats- bahnen Württembergs sei jetzt schon unzureichend zur Verzinsung des Anlagekapitals. Württemberg bedauere daher nicht zustimmen zu können, sei aber zu einer gesetzlichen Regelung in gewissen Grenzen bereit.

Karlsruhe, 22. Juli. Der Fürst von Bulgarien ist heute zum Besuche des Hofes hier eingetroffen und wird nach dem Diner im Residenz⸗ schlose seine Reise fortsetzen.

Baden-Baden, 23. Juni. schakoff ist gestern hier angekommen.

Ausland.

Frankreich. Paris, 22. Juni. Bei der heutigen Senatorenwahl auf Korsika ist der ehe malige Polizeipräfect unter dem Kaiserreiche, Pietri, gewäblt worden.

23. Juni. Das Gerücht, das bei Athen stationirte französische Geschwader habe Befehl be kommen, nach Alexandrien aufzubrechen, wird für unbegrünpet erklärt. Die bezeichnete Flottenab⸗ theilung ist nur zu Uebungszwecken nach den Ge⸗ wässern von Salamis abgesegelt.

24. Juni. Gestern begaben sich einige bonapartistische Senatoren und Deputirte zu dem Prinzen Jerome Napoleon. Im Laufe der Unter- haltung, welche einen mehr allgemeinen Character trug, machte ein Deputirter eine Andeutung von der Combination, wonach Prinz Victor Napoleon seinem Vater als Oberhaupt der Partei zu sub⸗ stituiren wäre. Darauf zog sich Prinz Napoleon zurück, indem er lachend sagte:Meine Herren, es gibt Fragen, welche sich nicht einmal discutiren lassen. Rouher hat seine Abreise von London aufgeschoben und wird erst Donnerstag in Paris erwartet. Von der Existenz eines Testaments des Peinzen Louis Napolkton ist bis jetzt Nichts be⸗ kannt; man glaubt, daß, falls ein solches vor⸗ liegen sollte, es keinen politischen Charakter habe.

Belgien. Brüssel. Die königl. Sanction des Schul Gesetzes ist zweifellos. Das Gesetz wird indeß erst nach Ablauf des Schuljahres promulgirt.

Großbritannien. London, 24. Juni. Oberhaus. Der Herzog v. Cambridge verliest die Empfehlungsbriefe, welche dem Prinzen Napo leon an General Chelmsford und Gouverneur Bartle Frere mitgegeben sind, worin ausdrücklich hervorgehoben wird, daß der Prinz den Feldzug

Fürst Gort⸗

nur als Zuschauer mitmachen solle. Redner be⸗ klagt den Tod des Prinzen als ein schweres, schreckliches Unglück. Beaconssield ist der Ansicht,

nöthiger Weise geopfert worden, und widmet dem Prinzen Worte höchster Anerkennung, der Kaiserin Eugenie den Ausdruck tiessten Mitgefühls. [Granville äußert sich ähnlich, hofft aber auf weitere Erklärungen, weshalb der Prinz bei seiner Stellung und Jugend überhaupt in eine so ver- bängnißvolle Lage gesetzt werden konnte. Auf Anfrage Granville's bestätigt Salisbury, daß England und Frankreich dem Khedive die Ab⸗ dankung zu Gunsten seines Sohnes empfohlen.

e 24. Juni. Aus Chisleburst gibt derCour visart jetzt ein officielles Bulletin aus, laut wel⸗ chem der Zustand der Kaiserin Eugenie ein ruhigerer geworden ist nach der gestern abgehaltenen Messe. Die Nacht war besser. Prinz Lucian ist eingetroffen. Serbien. Belgrad. Von russischer Seite

ist der serbische Antrag auf Entscheidung des

Grenzstreites mit Bulgarien durch ein serbisch- bulgarisches Schiedsgericht abgelehnt worden. Die serbische Regierung hat daher ihren Commissär von Zajcar abberufen. Das streitige Gebiet bei Zajtar wurde russischerseits besetzt. Die internationale Commission zur Feststellung der Grenze zwischen der Türkei und Serbien begab sich nach Vranja. Der Ministerrath beschloß, die Einberufung der großen nationalen Scupschtina zum 15. Juli be- hufs Abschlusses der Angelegenheit wegen Gleich- stellung der Juden. Rumänien. Deputirtenkammer nahm die von der Regierung befürwortete Adresse in Beantwortung der Thron⸗ rede mit 99 gegen 9 Stimmen an. Morgen fin den geheime Sitzungen des Senats und der Deputirtenkammer statt zur Berathung der gesetz · lichen Regelung der Stellung der Juden. Aegypten. Kairo, 20. Juni. Es wird versichert, die Consuln von Deutschland und Oester- reich hätten sich von Alexandrien ebenfalls hierher begeben, um die Abdankung des Khedive zu ver- langen. Der Khedive lehnte das Verlangen, die Regierung niederzulegen ab und wies den fran- zössischen und den englischen Consul an den Sultan. Man trifft Maßregeln, um die Gläubiger, welche gerichtliche Urtheile gegen den Khedive erstritten, sofort zu bezahlen. Talaat Pascha ist in beson⸗ derer Mission nach Constantinopel gereist. Amerika. New Nork, 23. Juni. Bisher nicht bestätigten Nachrichten aus Mexiko zufolge hätte General Negrete seine Unterwerfung ange- boten, ferner wäre der Vorschlag gemacht worden, die Amtsdauer des Präsidenten Porsirio Diaz zu verlängern. Diaz habe diesem Vorschlag noch nicht zugestimmt. ü Aus Stadt und Land.

K. Friedberg. Am Montag den 30. d. M. wird die Delegirten-(General)⸗Versammlung der Hess. landw. Consum⸗Vereine, welche in einem Verbande vereinigt sind, im Hösel Trapp bier stallfinden. Bei dieser Versammlung werden gegen 70 Vereine aus Hessen, vornemlich aus Starkenburg und Rheinhessen durch Abgeordnete vertreten sein. Zugleich haben auch mehrere größere Oeconomen dieser Provinzen ihr Erscheinen zugesagt, so daß eine slark besuchte Versammlung in Ausficht steyht. Es wäre sehr zu wünschen, wenn aus Oberhessen, insbesondere aus der Wetterau, sich recht viele Oeconomen einfinden würden, da auf der Tagesordnung, welche noch besonders veröffen! licht wird, sehr wichtige Fragen fliehen, zu denen Dr. P. Wagner, Vorsleher der landw. Versuchsstation in Darm⸗ stadt, Pfarrer Groh in König und Professor Dr. Tobisch in Friedberg die verschiedenen Referate übernommen haben.

L. Hoch⸗-Weisel. Am 15. Juni wurde von einer zahlreichen, theilweise von weit her gekommenen Festver⸗ sammlung in Hoch⸗Weisel ein erbebendes Fest gefeiert. An diesem Tage vollendete sich dem 74 Lebensjahre zählen⸗ den hiesigen Pfarrer Decker das halbe Jahrhunderl seines von Gott reichlich gesegneten Dienstes. Fast volle 33 Jahre wirkte er als Pfarrer in Hoch-Weisel, nachdem er von 1829 an 3 Jahre lang Milprediger in Ober Rosbach und von 1832 bis zum Herbste 1846 Pfarrer in Lißberg gewesen war. Der Absicht, seinem Jubeltage durch Ver anstaltung eines öffentlichen Festmahles den gebräuchlichen Anstrich zu geben, setzte er, gleichermaßen wie der ihm zu Ohren gekommenen Absicht der Gemeinde, ihn durch ein Geschenk zu ehren, so entschiedenen Widerstand entgegen, daß Beides unterbleiben mußte. Ec wollie die Gäste, selbst⸗ verständlich aber in entsprechend beschränkler Auswabl, im eigenen Hause bewirthen. Dafür gestattete die um 10 Uhr beginnende Feier im geräumigen, schön geschmückten Goties⸗ hause die allgemeine Theilnahme. Zu besagier Stunde

Bukarest, 23. Juni. Die

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der Festzug dahin, in diesem als Vertreter der Behorhe

und Decan Buchhold, sowie einige Amtsbrüder aus der Nach barschaft. Jubilars, Pfarrer Decker aus Heubach. Die Festrede hielt

der Jubilar selbft. Er legte ihr das schöne Plalmwork zu

Grunde:Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen im

Nathe der Frommen und in der Gemeine und im Geisse 1 dieses Wortes gab er nach einem Hinweis auf die merk.

würdige Wandlung der Dinge, die er in seinem langen Berufswirken schauen durfle, dem Gefühle des frommen Dankes für die ihm bis dahin widerfahrene besondere

klare und inhaltreiche Rede des rüstigen Greises zu Herzen gehen, so wirkte es eigenthümlich ergreifend, als er mit so viel Seelenruhe von seinem nun wohl nicht mehr sernen Heimgange sprach, von der Lebensreise auf der ihm bis dahin die treue Genossin an der Seite bleiben durfte. Nach der Festrede traten die Beorderten der Behörde mit dem Jubilar um den Altar, den die Gemeinde zu Ehren des Tages mit einem neuen rotben Altartuche und die Schuljugend mit einem Ccucifix aus weißem Marmor geschmückt hatte. Der Superintendent sprach zuerst über 1. Kor. 4, 12 und beleuchtete den Lebensberuf des Christen überhaupt und insbesondete den des christlichen Geistlichen; dem in diesen Pflichten treu bewährten Jubilare über⸗ brachte Redner die Glückwünsche der oberen Kirchenbehöcde und überreichte ihm im Auftrage des Landesherrn das Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens Philipps des Groß- mütbigen. Nach den gerührten Dankesworten des Juwi⸗ lars redete Regierungsrath Dr. Braden im Auftrage des Ministeriums herzliche Worte der Anerkennung für die langjährige treue und ftied fertige Thätigkeit des Jubilars für die Volksschule. Im Auftrage der Decanatsgeistlichkeit sprach sodann Decan Buchhold und übergab als Ehren⸗ geschenk derselben ein Kunstblatt in reichem Rahmen, die von Fr. Wagner gestochene Kreuzabnahme nach Rubens. Nach dem kirchlichen Akte überreichte eine durch den greisen Cantor Eckhard von Butzbach geführte Deputation der Lehrer des Conserenzbezirks, dem der Jubilar mehrere Jahre lang vorgesessen hatte, eine Adresse. Eine gleiche übergab später der Bürgermeisser im Namen des Orts⸗ vorslandes. Von den zahlreichen Briefen und eingelausenen kleinen Ehrengaben gab der bescheidene Gefseierte keine Mit⸗ theilung. Daß um den festlichen Tisch im Pfarrhause häufig zu Hochrusen die Gläser erklangen, versteht sich von selbst. Möze dem Jubilar, der demnächst auch das Fest seiner goldenen Hochzeit zu seienn gedenkt, noch lange ver⸗ gönnt sein, im Genusse ungetrübten Glückes sich zu er⸗ götzen am Gedächtnisse dieser beiden so wenig Anderen vergöunten Feste.

Vilbel, 23. Juni. Gestern erschoß ein hiesiger Maurer⸗

parlier seine Frau und dann sich selbst. Die auf die Schüsse in die Wohnung geeilten Hausbewohner und Nach; barn fanden Beide bereits todt, die Frau mit einem Schuß in die Schläfe und einen in die Stirne. Neben der Mutter lag ein vierjähriges Mädchen in tiefem Schlaf, welches von der gräßlichen That seines Vaters Nichts wahrnahm. Das Moliv zu dem Verbrechen soll Arbeits⸗ losigkeit und in deren Folge häufige häusliche Zwiftigkeiten gewesen sein. Die Leiche des Mannes wurde in die Anatomie nach Gießen abgeliefert.

k. Ulpbe. Durch eine ganze Reihe von Blättern ging dieser Tage die Nachricht, daß am 22. Juni Guts⸗ besitzer Fülbert dahier, unter dessen Viehstand der Milz⸗ brand ausgebrochen war, in Folge der Uebertragung des Giftes auf ihn nach fünftägigen furchtbaren Leiden ver⸗ schieden sei. Dem können wir nun aus sicherster Quelle widersprechen, denn wir sahen den Genannten am 24. Juni noch gesund und munter seinen Schoppen trinken.

Langen, 20. Juni. Bei einer gestern Nacht im

es zwischen diesen und dem Forstpersonal zum Gebrauch der Feuerwaffen und erhielt ein Wilderer einen Schrot⸗ schuß in das Sitzfleisch.

Allerlei. Berlin. Beim hiessgen K. Stadtgericht ist die. Per⸗ so nalhaft gegen den Neichslagsabgeoröneten Max Kay ser, Aktenzeichen 82, K. 1164. 1879 und zwar wegen ver⸗ weigerter Ableitung des Manisestations⸗Eides beantragt und gegen Kostenvorschuß von 9 M. dem Kläger, einem hiesigen Schneidermeister B., zugessanden worden. K. i dem Schneider seit 1874 8 M. für eine Weste schuldig⸗ Petersburg. Ein Telegramm des Gouverneurs von Cherson meldet unterm 23. Juni: Die Felder; der am Stirand liegenden Dörfer Koblewka und Adschiaska sind von enormen Massen von Kornkäfern bedeckt, die durch die Meereswogen au's User geschleudert wurden; es sind Maßtegeln behufs Ausrottung der Käfer ergriffen. Folkestone. Die Hebungsarbeiten amGroßer Kut⸗ fürst haben begonnen. Am 19. d. Mts. ist eine der großen Krupp'schen Kanonen glücklich gehoben worden. Das Geschütz ist beinahe intact, det Kurbelgriff allein ist verbogen.

Verloosungen.

Ansbach⸗Gunzenhausen fl. 7⸗Loose v. 1857. Gewinn Ziehung vom 15. Juni 1879. Heimzahlung am 15. Deceder 1879. Serie 735 Nr. 6 fl. 14 000. S. 3571 Nr. 4 fl. 2000 S. 1009 Nr. 7 fl. 500. S. 366 Nr. 11, S. 2365 Nr. 14, S. 3433 Nr. 46 S. 3722 Nr. 27 S. 3786 Nr. 15 à fl. 100. S. 135 Nr 44, S. 1319 Nr. 36, S. 1712 Nr. 50, S. 1774 Nr. 49, S. 27571 Nr. 14 S. 3115 Nr. 22 29, S. 3344 Nr. 22, S. 302 Nr. 41, S. 4800 Nr 34 3 fl. 50. S. 263 Nr. 48,

bewegte sich unser Glockengeläute aus dem Pfarrhause auf dem durch die Schulkinder mit Blumen bestreusen Pfade

5 Superintendent Dr. Habicht, Regierungsrath Dr. Brabe g daß das Leben des Prinzen grausam und un⸗ 1 Den Altardienst verrichtete der Sohn des

Gottesgnade begeisterten Ausdruck. Mußte schon die so

Mörfelder Wald statigehablen Streife auf Wilderer kam

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