Ausgabe 
24.7.1879
 
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deutsch, italienisch, holländisch, spanisch, portugiesisch und lateinisch beschränkt.

Meldung aus Kapstadt, 4. Juli: General Cbelmssord kam auf seinem Vormarsch am 30. Juni 10 Meilen von Ulundi an und eröffnete den Ab- gesandten Cetewapo's, die Feindseligkeiten würden nur eingestellt, wenn Cetewapo die ihm bereits gestellten Bedingungen acceptirt hätte. General Wolseley war am 2. Juli in Port Durnfort ein- getroffen. 700 Zulus haben sich den Engländern ergeben und brachten 600 Stück Vieh mit.

Nach derTimes ist in Kalkutta die Cholera ausgebrochen. In Burmag ist Alles ruhig. Die britischen Unterthanen werden sich jedoch nach gesicherten Orten zurückziehen. Die Schutzwache ist auf 500 Personen verstärkt worden.

Italien. Nom, 19. Juli. In der Depu⸗ tirtenkammer dankte der Präsident Farini für die Wiederwahl. Der Entwurf über die Alkoholsteuer wurde mit dem Zusatz angenommen, daß das Gesetz erst dann in Kraft trete, wenn die Ent; würfe, betreffend die Abschaffung der Mahlsteuer für die geringeren Getreidesorten und die all mähliche Reduction der Steuer für die besseren Korngattungen Gesetzeskraft erlangt haben. Der Passus in Betreff der geringeren Getreidearten wurde einstimmig, jener Betreffs der Steuerreduction der besseren Körner in namentlicher Abstimmung mit 138 gegen 67 Stimmen angenommen.

Monaco. Wie der in Genua erscheinende Movimento, allerdings noch unter Vorbehalt meldet, hätte letzter Tage der Erbprinz Albert von Monaco seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Türkei. Constantinopel, 21. Juli. Die Großvezirkrisis ist beendet; der Sultan hat das Programm Khereddin's angenommen.

21. Juli. Der französische und englische Botschafter haben gestern der Pforte eine identische und sehr energisch gehaltene Note überreicht, in welcher die Pforte aufgefordert wird, den Inhalt des Investiturfermans des Vicekönigs von Aegypten der französischen und englischen Regierung binnen drei Tagen mitzutheilen, widrigenfalls die Pforte für ernste Cousequenzen verantwortlich gemacht werde. Man behauptet, Frankreich und England würden, falls ihre Schritte fruchtlos blieben, die Unabhängigkeit Aegyptens proclamiren.

Griechenland. Athen. Von hier signa⸗ lisirt diePol. Corr. den Ausbruch einer Minister- krisis als bevorstehend.

Rumänien. Bukarest, 21. Juli. Heute wurde der Kammer officiell mitgetheilt, daß Bratiano vom Fürsten beauftragt ist, ein neues Cabinet zu bilden. In dem Coolitionsministerium soll neben Boerescu auch Cogalniceanu wieder ein Porte- feuille erhalten.

Rußland. Petersburg. Die Journale melden, daß der russische Communikations-Minister verordnet hat, sämmtliche in Staatsdiensten und bei den Eisenbahnen in Verwendung stehenden Telegraphistinnen sofort zu entlassen. Durch diese Verordnung werden mindestens 3000 Mädchen brodlos.

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Aus Stadt und Land.

r. Friedberg. Am 25. und 26. Juli finden in Gießen zur Feier des 60jährigen Stiflungssestes des aka; demischen Gesangvereins zwei Concerle statt, die; einen hohen Kunügenuß die Aussicht stellen. Freitag Nachmittag um 4 Uhr wird das OratoriumPaulus von Mendelssobn in der Stadtkirche aufgeführt,(Sopran Antonie Kufferratih von Brüssel, Alt Frau Dr. Weiffenbach von Gießen, Tenor Max Achenbach von Weimar, Baß Carl Hill von Schwerin, Orgel Kapellmeister F. Lux von Mainz), dem Samstag, Nach- mittag von 57, im Wenzel'schen Garten Kammermusik, Lieder⸗ ꝛc. Vorträge folgen werden. Wir wollen nicht verfehlen unsere Leser auf diese Concerte aufmerksam zu! machen.

t. Friedberg. Gegen den Mißbrauch von Zoller⸗ höbungen durch den Zwischenhandel, schreibt eine kauf- männische Autorität derDeutschen volkewirthschaftlichen Correspondenz Folgendes: Tabak, Kaffee, Pelroleum ꝛc. ist so massenhaft eingesührt worden, daß der Bedarf mehr als für ein Jahr gedeckt ist. Daher sind die Groß⸗ Händler in der Lage, noch lange nicht nöthig zu haben, Preiserhöhungen, angeblich des Zolles halber, eintreten zu lassen. Das Publikum sowohl, wie der an der Spekulation unbetheiligte Kleinhändler kennen also jetzt den wahren Sachverhalt und sind im Stande, sich gegen etwaige

sind.

Uebervortheilungen der Großspculanten zu schützen. Miß⸗ brauchen die Letzteren ihre Kapilalübermacht in zu arger Weise, so werden sie damit nur ihren eigenen Beruf unter wühlen, nämlich Repressalien nothwendig machen, entweder durch Consumvereine, oder durch amtliche Taxen, oder gar durch Erweiterungen des Staatsmonopols.

B. Nieder ⸗Wöllstadt, 22. Juli. Gestern Nach⸗ mittag schoß Sutsbesitzet H. Weuih von hier im hiesigen Forslerwäldchen einen zwölfender Hirsch; derselbe wiegt über 2 Ceniner und bal sich jedenfalls aus dem Taunus verlaufen. Es erinnert sich hier Niemand, daß ein Jäger das Glück gehabt hätte, ein so edles Wild in nächster Umgebung zu erlegen.

Mainz. Während seit dem Tode des Bischofs von Ketteler die Firmung in der Diöcese Mainz unterblieben ist, wird nun am 3. August der Bischof von Speyer die⸗ selbe im biesigen Dome vornehmen.

Rüdesheim. Am 17. Juli wurde der Schlußstein an dem architeklonischen Aufdau des Nationaldenkmals auf dem Niederwalde, das mit Fabnen und Laubwerk sestlich geschmückt war, eingesetzt. Der Sockel hat eine Länge von 23, eine Breite von 17 Meter, die Höhe bis jetzt, also nur des architektonischen Theils, belrägt 25 Meter. Die Figur der Germania welche schon im nächsten Jahre ferlig und aufgestellt werden soll, hat eine Höhe von 13 Meter.

Allerlei. New Pock. In Memphis gewinnt das gelbe Fieber größere Ausdehnung und die Bevölkerung flieht in

wilder Haft.

Vom Sternenhimmel.

Einer längeren Abhandlung von Dr. Th. Hertzka in derN. freien Pr. entnehmen wir nachstehende Einzelnheiten. Die Riesenteleskope der Neuzeit haben die Zahl der bekannten Fixsterne,

deren man mit freiem Auge kaum 4. bis 5000 siebt,

auf ungefähr 20 Millionen gesteigert; diese zahl- losen Sonnen mit den fie wahrscheinlich be gleitenden noch zahlloseren Trabanten und Unter- trabanten sind durch Distanzen von einander ge trennt; sie alle zusammengenommen aber bilden nicht das Universum, sie gehören vielmehr sammt und sonders zu einem bestimmten, relativ eng be grenzten Sternensysteme, neben welchem es noch zahllbse andere, zum Theil weitaus größere im Weltraume gibt.

Die Sternenrepublik, zu welcher unsere Sonne sammt ihren zwanzig Millionen Schwestern gehört, besitzt die Gestalt einer ziemlich stark abgeplatteten Linse. Um die Peripherie dieser Linse laufen zwei nahezu parallele ringförmige Anhäufungen von Sonnen, die uns in Form der Milchstraße sichtbar sind So dicht, wie sie sich unserm Auge darstellen, sind nun die Milchstraßenringe aller dings nicht mit Sternen erfüllt. Das Phänomen erklärt sich vielmehr auf folgende Weise: Unsere Sonne und mit ihr natürlich die Erde befindet sich nicht im Mittelpunkte des Fixstern-Systems, sondern mehr seitlich, was zur Folge hat, daß überall dort, wo mächtigere Partieen unserer Fixstern-Linse zwischen uns und dem leeren Welt raum liegen, die Gestirne dichter gesäet erscheinen, während umgekehrt dort, wo relativ minder mächtige Partieen des Systems vor uns lagern, die Gestirne dünner gesäet sich darstellen. Um über diese optische Erscheinung vollkommene Klarheit zu ver- breiten, ist es das Beste, wenn man sich einen großen Raum, etwa einen Garten von langge streckter elliptischer Gestalt, vorstellt, in welchem zahllose Laternen ziemlich gleichförmig angebracht Wählt man seinen Standort etwas seitlich vom Mittelpunkte, so wird man dort, wo man sich näher zur Grenze der beleuchteten Fläche befindet, die Flämmchen nicht so dicht vertheilt erblicken, wie dort, wo zahlreichere Lichter zwischen dem Standorte und der Grenze liegen, und wenn man nach den weit entfernten Spitzen der Ellipse hinsieht, wird man, falls nur das Ver- suchsfeld und die Anzahl der Lichter genügend groß ist, eine feurige Linie zu erkennen glauben.

Die Umlaufsdauer unserer Sonne wird auf 22½ Millionen Jahre berechnet. Ein eigentlicher Centralkörper, eine Art Hauptsonne, um welche die 20 Millionen Sonnen unserer Welteninsel als Trabanten kreisen würden, ist bisher nicht gefunden worden.

Darüber, daß die Welt nur unendlich im Raume zu denken sei, gehen die Meinungen nicht auseinander; wohl aber herrscht nicht blos zwischen Theologen und Naturforschern, sondern auch im Schooße der Naturforschung selbst bittere Fehde

darüber, ob das Nämliche auch bezüglich der Zeit v. h. ob das Universum von

zu gelten babe, jeher bestanden habe und in alle Ewigkeit sort⸗ bestehen werde.

Mit der Legende, nach welcher die Weltent⸗ stehung vor einigen Jahrtausenden an einem Sonntage ihren Anfang genommen habe und der Weltuntergang dem entsprechend nach einer kürzeren oder längeren Serie von Jahrtausenden zu ge wärtigen sei, haben wir uns hier nicht zu be⸗ schäftigen. Aber auch die wissenschaftliche Hypothese schließt den Gedanken eines Anfanges und eines Endes nicht unbedingt aus. Ob man dabei mit Jahrtausenden oder mit Tausenden von Millionen Jahren zu rechnen hat, ändert an dem Wesen der Sache wenig.

Nach der Kant-Laplace'schen Theorie, die auch heute noch mit geringen Modificationen die allge- mein giltige ist, wären die Himmelskörper im Wege eines Verdichtungs- und Rotations-Protcesses aus einer anfänglich den ganzen Weltraum er- füllenden, überaus fein zertheilten Urmaterie ent⸗ standen. Daß auch für die Gestirne, ähnlich wie für die Organismen, eine Zeit des Entstehens, des Blühens und Absterbens zu verzeichnen ses, unterliegt kaum einem Zweifel. Gleichviel, ob man das organische Leben oder die eigene Leucht kraft als das entscheidende Kriteribom bei Be urtheilung der Altersstufen eines Sternes betrachtet, immer wird sich ein Kindes-, ein Mannes- und ein Greisenalter der Himmelskörper konstatiren lassen, Mit Bezug auf die Leuchtkraft ist beispielsweise unsere Erde abgestorben; mit Bezug auf die Entwickelung des organischen Lebens befindet sie sich aber unzweifelhaft im Stadium der Mann barkeit; in der nämlichen Entwickelungsphase dürften sich sowohl einzelne Planeten unseres Sonnen- systems, als auch möglicherweise unzählige von jenen dunklen, unsichtbaren Fixsternen befinden, von denen wir vorhin sprachen....

Einmal wird jedenfalls die Zeit kommen, wo nicht bloß die Sonne, sondern alle ihre zahlreichen Schwestern im Milchstraßenspsteme erkaltst und vollständig abgestorben sein werden. Es wird zwar in jener Epoche weder ein menschliches Auge noch das Sehwerkzeug irgend eines anderen denken den Wesens innerhalb unseres Systems kxistiren, um das Bild dieser Todtenstarre aufnehmen zu können; aber selbst wenn solche Augen existiren würden, so könnten sie den erstorbenen Fixstern; himmel nicht sehen, weil er eben erloschen wäre.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 23. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 8090 Pf., Eier per Stück 5 Pf. 2 Stück 11 Pf.

Friedberg, 23. Juli. Waizen M. 21, Korn M. 15.17., Gerste M. 14.15., Hafer M. 14.15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo S 200 Zollpfund.

Gießen, 22. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete Butter per Pfd. 75 83 Pf., Eier per Stück 5 Pf., Käse per Stück 4 8 Pf., Tauben das Paar 75 Pf., Hühner per Stück M. 1.10, Hahnen junge per Stück 70 Pf., alte per Stück M. 1.10, Enten per Stück M. 1.80, Ochsenfleisch 70 Pf. Kuh⸗ und Rindfleisch 56-60 Pf., Kalbfleisch 4650 Pf., Schweine⸗ fleisch 56-60 Pf., Hammelfleisch 6070 Pf., Kartoffeln alte, per 100 Kilo M. 10., neue Kartoffeln M. 12, Zwiebeln per Centn. M. 10, Kirschen per Pfd. 1114 Pf.

Grünberg, 19. Juli. Auf heutigem Wochenmarkt kostete der Centner Waizen M. 10.80, Korn M. 8.14. Gerste M. 7.62, Hafer M. 7.78, Samen M. 10.60, Kartoffeln M. 4 65.

Frankfurt, 21. Juli. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 400 Ochsen, 200 Kühe Rinder, und Farren, 220 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 6769., 2. Qual. M. 63 65., Kühe und Rinder 1. Qual. M. 6062. 2. Qual. M. 5254., Kälber 1. Qual. M. 5254, 2. Qual. M. 4850., Hämmel 1. Qual. M. 60 62. 2. Qual. M. 4854 per 100 Pfund Schlachtgewicht. Schweine das Pfund 54 Pf.

Frankfurt, 21. Juli. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 40., Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 22. Roggenmehl/(Berliner Marke) M. 22.50, do. 1.(Berliner Marke) M. 20.5021., do. 2.(Berliner Marke) M. 15.50 16.50, Waizen, eff. hiesiger ab Bahnhof hier, M. 22.50, ab unserer Umgegend M. 21.7522, do. fremder je nach Qual. M. 20. 22 75, Roggen je nach Qual. M. 13.25 15.75, Gerste M. 16 5017.50, Hafer M. 14.25 15.50, Kohlsamen M. 26½. 27, Erbsen M. 19 bis 27., Wicken M. 1416., Linsen M. 1736., Bohnen, weiße, M. 19.50, Rüböl, detall, M. 62. Die Preise

verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht

100 Kilo.