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herbeisührten, wurden vorher wochenlang in Wien geführt. Hohenlohe war nicht daran betheiligt.
Straßburg, 18 Sept. Nachdem Kanonen donner von den Festungswällen die Ankunft des Kaisers gemeldet, trafen der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz, die Großherzogin von Baden nebst hohem Gefolge um 3 Uhr im Bahnhose ein. Auch der Großherzog von Baden, seit gestern hier anwesend, war erschienen. Im Bahnhofe war eine combinirte Ebrencompagnie aufgestellt, die eine Hälfte derselben bestand aus Bapern, die andere Hälfte aus Sachsen, Württembergern und Braunschweigern. Bei der Einfahrt präsentirte die Mannschaft, die Musik spielte die National- bomne. Im Empfangssalon überreichten Fräulein Schkopp und Fräulein Bauer der Kaiserin und der Großherzogin Bouquets. Vor dem Bahnhof nahm der Kaiser das Defilee der Ehrencompagnie ab, schritt dann die Front der aufgestellten Krieger vereine entlang, mit Vielen freundliche Worte wechselnd, und stieg bierauf mit der Kaisetin in einen vierspännigen offenen Wagen und fuhr bei prächtigem Sonnenschein unter Glockengeläute, beausendem Jubel und Hochrufen in die festlich geschmückte Stadt nach seinen Wohnung im Be- zirkspräsidium, wo die höhere Töchterschule und die Frauen-Jadustrieschule Aufstellung genommen hatten und Bouquets und Kornblumen warfen. In den anderen Wagen befanden sich der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der deutsche Kronprinz und der Kronprinz von Schweden.— 19. Sept. Die heutige Parade des 15. Armee corps bot bei herrlichem Wetter ein großartiges militärisches Schauspiel, zu welchem enorme Menschenmassen zusammengeströmt waren. Um 11 Uhr erschienen der Kaiser und die Kaiserin, die Großherzogin von Baden, der deutsche Kronprinz und an dessen Seite der Kronprinz von Schweden. Die Parade Truppen unter dem Commando des Generale von Fransecky, gegen 30,000 Mann zädlend, waren in zwei Treffen aufgestellt. Der Kaiser stieg zu Pferd und ritt demnächst die Front ab; die Kaiserin und die Großherzogin von Baden solgten in offenem Wagen; dem Kaiser schloß sich eine glänzende Suite an. Der Verlauf der Parade war ein vortrefflicher, trotz des vom Regen aufgeweichten Bodens, und sprach der Kaiser nach deren Schluß den versammelten Offizieren die höchste Zufriedenheit aus. Der Kaiser ritt sodann noch die Front der in der Nähe des Paradefeldes aufgestellten Reserv sten und Landwebrmänner der Bezirke Straßburg, Molsheim und Schlettstadt, sowie von 72 Kriegervereinen ab; erstere zählten 3000, tetztere 1800 Mann. Nachdem der Kaiser über drei Stunden zu Pferde gesessen hatte, erfolgte gegen 2 Uhr die Rückfahrt Sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt wurden der Raiser, die Kaiserin, der Kronprinz, der Groß herzog und die Großherzogin von Baden, auch Graf Moltke mit tausendstimmigen Hochrufen be— vrüßt. Um 5 Uhr fand bei dem Kaiser Parade diner statt. Zur Galavorstellung Abends war das Theater festlich beleuchtet und Kopf an Kopf vom Publikum gefüllt. Als der Kaiser und die Kaiserin mit dem Großherzog und der Großherzogin von Baden erschienen, ertönten begeisterte Hochtuse, die Musik intonirte die Nationalhymne, welche das Publikum stehend mitsang. Als die Herischaften das Theater verließen, brach die dichtgedrängte Volksmasse auf dem Broglieplatz in tausendstimmige Hochs aus. Wie bereits gestern, so waren auch heute zahlreiche Privathäuser und öffentliche Ge⸗ bäude festlich beleuchtet.— 20. Sept. Das beutige Corps Manöver war vom Wetter be⸗ günstigt und hatte einen glänzenden Verlauf. Der Kaiser bestieg um 10 Ubt in der Nähe des gestrigen Paradeseldes sein Pferd. Die Kaiserin und die Großerzogin von Baden verfolgten die Bewegungen der Truppen in einem sechsspännigen Wagen. Das Manöver wurde um 2 Uhr bei Dorf Wie- wersbeim geschlossen. Die Rucksahrt erfolgte durch die Orte Wiewersheim, Offenheim, Stützheim, Oberhaus bergen und Kronenburg. In allen diesen Orischaften läuteten die Glocken. Die Häuser waren fesilich geschmückt; die Straßen mit Tannen⸗
in den deutschen und elsässischen Farben. Triumph bogen prangten mit der Inschrift:„Willkommen Kaiser Wilhelm!“ Bei dem Diner, das der Kaiser gab, und zu welchem die Spitzen der Stadt und Civilbehörden, die Mitglieder des Reichstags, des Bezirkstags und viele Notabeln geladen waren, sprach der Kaiser seine Freude über den herzlichen Empfang aus und dankte in sehr freundlicher Weise dem Oberpräsidenten von Möller für sein erfolgreiches Wirken. Bürgermeister Back und die Mitglieder der Munieipalität, welche den Kaiser vor zwei Jahren empfangen hatten, überreichten eine Gedenkmedaille an diese Tage.
Ausland.
Oesterreich-⸗Ungarn. Wien. Der „Presse“ zufolge war ein Theil der Localpolizei von Nevesinje, aus orthodoxen Herzegowinern be; stehend, nach Montenegro übergetreten. Von dort ausgewiesen, organisirten sich dieselben, zündeten einige leerstehende Karaulas an und geriethen mit einer Compagnie in Conflict. Die Militärbehörde von Mostar hat Truppen zur Herstellung der Ordnung entsendet. Gastein, 19. Sept. heute Nachmittag nach Wien zurückgereist.
— 20. Sept. Fürst Bismark ist beute nach Salzburg abgereist und wird sich von dort morgen nach Wien begeben.
Frankreich. Paris, 18. Sept. Der Prinz von Wales wird morgen in Cherbourg, Sonnabend in Paris erwartet und geht darauf nach Kopenhagen.
Holland. Haag. Die Regierung zog die Gesetzentwürfe über die indischen Finanzeinkünfte und die Besteuerung der Besitzthümer der todten Hand zurück und legte einen Gesetzentwurf über die Zucker Accise vor.
— Das für 1880 vorgelegte Budget weist an Ausgaben 115,000,000 und ein Deficit von 7 Millionen fl. auf; letzteres soll durch Bons oder Schatzscheine gedeckt werden. Um einem künftigen Desicit zu begegnen, wird der Finanz⸗ minister eine Steuererhöhung eventuell die Auf- nahme einer Anleihe in Betracht ziehen.
Großbritannien. London. Meldung des„R. B.“ aus Kapstadt vom 2. Sept.: Laut näheren Mittheilungen über die Gefangennahme Cetewayo's beorderte Lord Gifford, nachdem er erfahren hatte, daß der König mit seinen An- hängern sich im Zustande der Erschöpfung in einem Kraal aufhalte, den Major Marter, den Kraal mit Dragonern zu umstellen. Cetewayo und seine Begleiter ergaben sich darauf ohne Widerstand und wurden nach Ulundi abgeführt, wo sie am 30. August eingetroffen sind. Von da sollen sie nach Greytown gebracht werden; ihre weitere Bestimmung ist unbekannt. General Wol'⸗ seley benachrichtigte die Zuluhäuptlinge bei einer Zusammenkunft, das Land werde in drei unter europäischen Residenten stehende Paralleldistricte eingetheilt werden.
— Meldung des„Standard“ aus Alikheyl, 18. Sept.: Nach hier eingegangenen Berichten ist in Herat ein großer Aufftand ausgebrochen; die Truppen meuterten und richteten unter dem Per⸗ sonal der Behörden ein großes Blutbad an. „Times“ bringt folgendes Telegramm: Depeschen des Emirs von Afghanistan an General Roberts bestänigen, daß Herat in vollem Aufruhr ist. Der Emir verfügt über 12 Regimenter und mehrere Geschütze in Kabul und hat mehrere Regimenter aus Ghusni und Turkestan herbei beordert.
Italien. Rom, 19. Sept. Im gestrigen Consistorium ernannte der Papst nach einer Allo⸗ cution die Nuntien Meglia und Jacobini, ferner Cattani und Sanguigni zu Kardinälen und außer- dem sechs Bischöse für Italien und zwei für Mexiko.
— 19. Sept. Der König und die Königin verlassen heute Venedig. Der Gesandte Tornielli ist gestern auf seinen Posten nach Belgrad abgereist.
Türkei. Coustantinopel. Frankreich und England haben Schritte bei dem Sultan gethan von der Forderung der Reise des Khedive nach Constantinopel abzustehen, solange die neue Organi-
bäumchen eingefaßt und überall wehten Fahnen
sation dessen Anwesenheit in Aegypten erheische.
Nuntius Jacobini ist
— die Pforte beschäftigte sich erustlich 1
der täglich sich verschlimmernden Sachlage in Of Die Stellung des dortigen neuen Cote
rumelien. mandanten der Miliz, Strecker, wird wegen dez Auflehnung der Miliz gegen denselben für unhall bar betrachtet. Die Milizoffiziere verlangen den russischen Obersten Keßjakoff, einen geborenen Bul. garen, zum Commandanten. ö
Montenegro. Cettinje, 19. Septhr. Mit Rücksicht auf die im Distrikt Nevestuse vor- gekommene Ruhestörung ordnete der Fürst strengse Grenzüberwachung an, wies die kompromittir en Flüchtlinge aus und bedroht die Theilnahme a0 Ruhestörungen mit lebenslänglicher Kerkerstraßz Die betheiligten Banden sind kaum 200 Mana fall,
Amerika. New Jork Präsident Haß äußerte sich auf einem Meeting in Detroit dahjn daß die statistischen Erhebungen einen beträchtliche
den Vereinigten Staaten nachwiesen. Er glaube diesen Erfolg der Thatkraft der Nation, welch durch die Wiederaufnahme der Baarzahlung unt stützt sei, zuschreiben zu dürfen, und hoffe, daß der Wohlstand ein dauernder sein werde. Den Präsident betonte die Nothwendigkeit einer vall⸗ kommenen Tilgung der Staatsschuld. Es win möglich, dieses Ziel in 38 Jahren ohne Ur, mehrung der Volkslasten zu erreichen.
— Die Regierung befahl die Zusammenziehung von Truppen in Neumexiko, wo die India er Grausamkeiten verüben. 0
— 20. Sept. Man meldet aus Havanng; Der Genralcapitän verhängte den Kriegszustand
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richt wieder eiu. Derselbe verhieß den sich 5 0
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über Santiago de Cuba und setzte das Kriegs halb 14 Tagen unterwerfenden Insurgenten De gnadigung!— Nachrichten aus Panama zufalgt
ist die Ausfuhr von Kriegscontrebande aus Obe lumbia verboten worden.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 21. Sept. Gestern Abend 6 Uhr a lönte die sog.„Ueberlandglocke“ zum Zeichen, daß/ auswärts brenne. In der Diez'schen Mühle in dem be nachbarlen Fauerbach war das Holzwerk der Mühle durch Reibung in Brand gerathen. Bald brannte die gartz innere Mühle. Das Feuer konnte auf seinen Heerd de schränkt werden, da rasche Hülse zur Hand war. Imme iin muß aber wohl der siehengebliedene Theil der Mühle und des Wohnhauses abgerissen werden. 0
Heldenbdergen. An dem letztgebrachten Artikel go hier ist zu berichtigen: Nicht ein Bogen des fertigen Ge rüstes über die Nidder(uicht Wetter) stürztie durch J große Belastung zusammen, sondern das Gerüst fille durch die Unvorlsichtigkeit der Arbeiter beim Aussch lagen zusammen. Zwei derselben blieben todt.
Butzbach, 20. Sept. Gestern fand auf dem Rull hause dahier die engere Bürgermeisterwahl zwischen Fabriflul J. W. Küchel und C. Hagemann II. stalt. Das Resunh der Wahl war, daß Fabrikant Küchel auf die Dauer d
9 Jahren zum Bügermeister gewählt wurde. Zur Fil der Wahl vereinigte sich dann am Abend im Gar tenscat des„Hessischen Hofes“ eine größere Anzahl Wähler d beiden Parteien zu einem gemüiplichen Zusammensein. Gießen, 20. Sept. Gestern Nachmittag logirte 1 9 ein angeblicher Kaufmann von Frankfurt im Hölel zu 0 ö Einhorn ein. Heute Morgen gegen 4 Uhr versuchte 80% selbe das Hosthor selbst zu öffnen und sich zu entsermi was ihm jedoch nicht gelang. Er ging nun, zurück u Hausknecht des Hötels, händigte diesem 4 M. mit 5 0 Bemerken ein, er möge von diesem Beirage seine Zuch von ungefähr 3 M. berichugen, den Rest möge er Trinkgeld betrachten, er müsse sosort nach Cassel reis und habe daher keine Zeit. Gegen 8 Uhr vermißle wl ein im Einhorn einquartierter Hauptmann des Genau siabes sein Portemonnaie, welches bei nicht verschlossal Stubenthür auf dem Nachttisch gelegen halte. Im Poul monnaie befanden sich ca. 400 M.„ Darmstadt. Dieser Tage wurde ein Dienstmäbdah entlassen, weil es die Cigarren seines Herrn stahl u Abends im stillen a dem Schlafengeis elbst rauchte.(Auch nicht übel Mainz 15 05 Ein bebeutender Diebstahl wu gestern Nachmitiag in einem Hause auf der großen Ble 900 verübl. Mittelst Einschleichen wurde daselbst ein gane Damenschmuck, Brillaniringe, verschiedene goldene Ag Armbänder ꝛc. entwendet. Der Dieb harte eine offen stehel 1 Thür zu seinem Verbrechen benutzt. 0
Allerlei. f 0 Bockenheim, 20. Sept. Heute wurde auch 0
ein Schwein geschlachtet, welches in hohem Grade weich war, und wurde dasselbe dem Wasenmeister überwie sem
Handel und Verkehr. 5 Friedberg, 20. Sept. Wochenmarkt. Butte toffeh 10 per Pfd. im Großen M. 1.10, im Detail M. 1 20 Eier per Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf., Käse per Pf,
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