taiserliche Manisest vom 15. d. über die am 8. d. erfolgte Ratification des definitiven Friedensver⸗ trages mit der Pforte und dem in Folge davon ergangenen Besebl an die Truppen, in die Heimath zurückzukebren. In dem Manifest wird ferner auf die hervorragenden Ereignisse des Krieges und die mit der Pforte gepflogenen Verhandlungen hingewiesen. a
— Nach einem an den Senat gerichteten Ukas vom 13. Febr. sind, nachdem in dem dem General Loris-Melikoff unterstellten Pestrayon der Belagerungszustand verhängt ist, diejenigen Per⸗ sonen, welche sich einer Verletzung der Quaran- tänevorschriften schuldig machen, dem Kriegsgericht zu übergeben. Melikoff meldet unterm 16. Febr., daß nach Berichten aus den infieirten Ortschaften weder neue Erkrankungs- noch Sterbefälle an der Epidemie vorgekommen sind. Allerorten herrscht Thauwetter.
Amerika. Wasbhington. Schatzsecretär Shermann bat weitere 20 Millionen Bonds zur Einlösung einberufen. Die Verzinsung derselben wird vom 17. Mai an eingestellt.
Aus Stadt und Land.
M. Friedberg. Die Gemeindebeböcde zu Langensalza bal, ähnlich wie es seit langer Zeit in Straßburg üblich ist, eine Vergnügungssteuer zum Besten der städtischen Armenkasse eingeführt. Es werden Tänze und Ballfeste je nach der Dauer mit 3— 10 Mark, Concerte, Theater⸗ Vorstellungen u. drgl. mit 5— 15 Mark, Maskenbälle mit 20 Mark besteuert. Es ist gewiß keine Steuer so berechtigt, so zeiigemäß, so unschwer zu erheben und so sicher vor gegründetem Widerspruch. Könnte hier in Friedberg nicht auch eine solche Steuer für die so wohl⸗ thätig wirkende„Allgemeine Arbeiter-Kranken Unter- flützungs⸗Kasse“ erboben werden?
Alzey, 17. Febr. Nachdem exst vor wenigen Tagen eine hiesige Brauerei argen Brandschaden erlitten, brach gestern bier abermals ein bedeutender Brand aus, der mehrere Gebäude in Asche lente. Der Schaden dürste zum größten Theil durch Versicherungen gedeckt werden.
Allerlei.
B. Frankfurt. Die gelindere Witterung läßt uns wohl das Nahen des Frübjahrs ahnen, allein es wird doch noch einige Zeit dauern ehe wir uns wieder an Blütben und Blumen erlreben können. Uns Franksurtern und Denen die unsere Stadt besuchen, ist aber jederzeit Gelegenheit geboten, sich in unsetem berrlichen Palmen— garten mitien unter die Boten des Frühlings zu versetzen und wird hiervon auch fleißig Gebrauch gemacht, wie der Besuch dieses Lieblingsplatzes Aller zeigt. Die Blüthen⸗ Galerien waren den ganzen Winter über nicht blüthenleer,
allein jetzt beginnt die Flora großartiger und manigfaltiger
zu werden und sind es eben die Camellien, welche in erster Linie unsere Blicke fesseln. Dieselden blühen dieses Jahr überreich und zeigen die schönsten Farben und Formen. Aber auch andere Kinder warmer Zonen, steben bereits in ihrem Blütbenschmuck und wird eine reiche Abwechslung hier geboten. Auch dem Palmenhause, für wesches be⸗ deutende Neu⸗Anschaffungen an werthvollen Palmen und Pflanzen gemacht wurden, sieht man kaum mehr die Zerstörung an, welche die Katastrophe im August v. J., hervorgebracht halte und das üppige Grün des Teppichs und der Pflanzen lassen an diesem Platze die Schrecken des Unglückstages fast vergessen.
Nürnberg, 14. Febr. Der Taglöhner Ulherr, der wegen des am 6. Sept. vorigen I ihres unter den scheuß; lichsten Bestialitäten an seiner 7½jäbrigen Tochter ver⸗ übten Mordes am 20. Nov. v. J. vom miltelfcänkischen Schwurgericht zur Todesstrase verurtheilt worden war, ist heute früh enthauptet worden. forderlichen 24 Urkundspersonen, welche dem hiesigen Bü gerflande entnommen waren, wohnten der Hinrichtung noch eine beschränkte Anzahl von Männern aus dem richterlichen und ärztlichen Stande, sowie einige Vertreter der Presse bei. Die zu der Frobnseste führenden Straßen waren schon früh Morgens durch Militär abgesperrt. Auf der nordwestlichen Bastei der Frohnfeste war das
Schaffot aufgeschlagen, der Raum beiderseits durch hohe
Planken eingeftriedigt und duich einen blauen Vorhang abgetheilt, der wäbrend der Vorbereitungen zum Hin⸗ richtungsacte das Schaffot mit dem Fallichwert verdeckte. Der Delinquent, welcher am Tage vorher communtcirt und ein volles Geständniß abgelegt hatte, auch geistlichem Zuspruche nicht unzugänglich geblieben war, wurde kurz nach 8 Uhr von den Gehilsen des Nachrichters vorgefühe und vot, körperlich ganz gebrochen, einen bejammerns⸗ würbigen Anblick. Nach Verlesung der Geschichte des
Verbrechens und des Strafurtheils wurde der Siab ge⸗
brochen; alsdann sprach der Stadtvikar Reindel ein kurzes Gebet und ertheilte dem Delinquenten den Segen. Auf ein Zeichen dee Vollzugscommissärs wurde dem Ulßherr sodann die Maske vorgebunden, und unser dem Extönen des Armenfünderglöckleins war im Verlauf weniger Secunden die Enthauptung vollzogen.
Heidelberg. Am 13. Febr. Morgens ist der von Jagsifeld nach Heidelberg abgegangene Bahnzug einer großen Gefahr glücklich entgangen. Zwischen Rappenau
und Bobstadt hatten zwei Strolche große Steine auf die Schienen gewälzt, um den vor 9 Uhr ankommenden Zug
Außer den gesetzlich er⸗
zum Guigleisen zu bringen. Die Maschine bat aber die Steine theils auf die Seite geschoben, theils zerdrückt. Emer der Thäter, ein schlechtes Subjekt, ist durch den Bahnwärter festgenommen worden.
Schw.⸗ Gmünd. Der nach der„Rems Zig.“ ere zählie angebliche Raubanfall auf eine junge Frau zwischen Muthlan gen und Wezgau, bat sich, demselben Blast zu⸗ solge, als eine schmähliche Mysliftkition enipuppt, wonach die angeblich Beraubte gar nicht angefallen worden, sondern selbst die Beirügerin ist. Sie halte ihren Mann schon vor der Hochzeit belogen, sie bekomme noch 300 M. Ver⸗ mögen, welches bei einem Schwager in Zins stehe und das ste nun zu holen vorgad. Sie hatte auch bereits ein paar Jahre lang den Zins davon zusammengespart und ihrem Manne zugestelltl. Um nun endlich diese Ver— legenheit loszuwerden, ersann sie das nicht mehr unge⸗ wöhnliche Mutel.
Barmen, 14. Febr. Die„Barm. Z.“ schreibt: Ein stellenloses junges Mädchen von hier bewarb sich vor kurzer Zeit um eine in auswärngen Blättern ausge— schriebene Stelle in einem Putz seschäft zu Limburg a. d. Lahn. Die Bewerbung wurde berücksichtiat und nach wenigen Tagen erhielt die Aspirantin den Bescheid, gegen ein gutes Honorar sosort einzutreten. Sie traf nun am Dienstag Abend voriger Woche an Ort und Stelle ein und gewahrtle schon am Mittwoch einen auff sillenden Verkehr von Herren, denen sie sich gefällig zeigen sollie, was sie jedoch unterließ, vielmehr bei Nacht und Nebel unter Auf⸗ wendung der Kosten zur Hin- und Rückreise durchbrannte und gestern hieber zurückkebete.
Teplitz, 17. Febr. Die Quellen-Commission beschloß, sogleich mii Abieufen des Quellen Schachtes zu beginnen, dessen Situaulon nach übereinstimmenden Gutachten der Sachverständigen schon morgen firirt werden soll. Kaiser Wilhelm erbot sich, die bedeutendsten Geologen Deuisch⸗ lands hierherzusenden. Kaiser Franz Joseph telegrapbirie an den Staithalter, Alles aufzubieten, um das Unglück
Geologen behaupten, daß schon im Juni beim Ausbleiben der Riesenquelle bei Ossegg alles Pumpen in den Schachsen sofort häue eingestellt werden sollen.
Zuckerrübenbau.
Es wird beabsichtigt in nicht zu ferner Zeit eine Zuckerrübenfabrik in der Wetterau zu errichten und geht uns von betbeiligter Seite Nachfolgen- des zur Veröffentlichung im Interesse der Wettrauer Landwirthe zu:
In fast allen Kreisen der ackerbautreibenden
„So kann es nicht weiter gehen, wann wird es anders werden?“— Man spricht, wie vor einiger Zeit von zu hohen Löhnen und Arbeiter, mangel, jetzt über Reformen in volkswirthschaft⸗ licher Beziehuung über zu hohe Steuern und in neuerer Zeit über Freibandel und Schutzzoll; was thut aber der Landwirth ur Verbesserung seiner Lage?— mit Ausnahme Einzelner— gewiß viel zu wenig. Wenn bei allen Gelegen heiten erwähnt wird, der Getreidebau lobnt nicht mehr, wenn seit Jahren unsere gewöhnlichen Culturgewächse kaum die Culturkosten decken, warum ergreift man nicht die Gelegenbeit, andere Cultur- gewäsche einzuführen? Von Oben herab kann nicht allein geholfen werden; volkswirthschaftliche Maßregeln, Aenderungen in der Besteuerung können nicht schnell genug eingeführt werden; wenn der, den es zunächst angeht, nicht selbst mitwirkt, seine Lage einstweilen zu verbissern, so kann er in dieser Zeit zu Grunde gehen. In Württem⸗ berger Blättern ist zu lesen:„Heuer haben die Landwirthe der Cichorien- und Zuckerrübencultur
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zu verdanken, wenn sie ihre nöthitzsten Ausgaben
bestreiten konnten; während Getreide- u. Kartoffel- bau nicht die Kosten deckten, erlöste man vom Morgen Zuckerrüben 180 bis 200 M.; es wäce nur zu wünschen, daß auch in anderen guten Gegenden Zuckerfabriken beständen, um auch dort den Rübenbau betreiben zu können.“ Dieselben Erträge erzielte man beim Zuckerrübenbau in Baden, in der baierischen Pfalz und in Rheinhessen in der Gegend von Alzey. K. Roemer in Alzey erlöste 190 M. pr. Morgen Zuckerrüben, auf die nächste Eisenbahnstation geliefert; je nach Ent⸗ fernung ist der Preis 85—100 Pfg. pr. Centner.
Was sind nun eigentlich die Vorzüge des Zuckerrübenbaues?: 1. Die Exkträge sind höher pr. Morgen als bei Getreidebau. 2. Durch Zucker rübenbau kommen die Felder in den höchsten Culturzustand. 3. Die Zuckerrüben sind daher die beste Vorfrucht für Getreide. 4. Man eentet daher meistens trotz Zuckerrübenbau so viel Getreide, als früher ohne Rübenbau. 5. Die Zuckerrüben unterliegen keiner Preisschwankung, denn der Preis ist im Voraus bestimmt. 6. Zur Abnahme derselben
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des gänzlichen Verfi gens der Quelle abzuwehren. Die
Bevölkerung kann man seit Jahren sagen böten:
braucht sich Niemand einen Käufer zu suchen und e 0 Makler zu zahlen, da die Fabrik alle Rüben zum] d
bestimmten Preise übernimmt. 7. Sofort nach 752 Ablieferung hat der Producent sein Geld, er kann 00 sogar vor der Ernte schon Abschlagszahlungen t, erhalten. 8. Der Producent kann zum billigsten J dgl.! Preise Futter aus der Fabrik zurück erhalten, fur an 9. Den Samen bekommt man gratis von der nge Fabrik geliefert. f 1 Als Beweis des bier Angeführten dienen jene aug Gegenden, wo seit 20 und mehr Jahren Zucker- ons rüben gebaut werden.— Ja, werden die Lande 0 wirthe sagen, das ist ganz schön, wo ist aber die hn! Fabrik, die unsere Rüben abnimmt, wenn wir i solche bauen wollten; das haben aber die Land⸗ wirthe einzig und allein selbst in den Händen, daß in der„Wetterau“ eine Zuckerfabrik errichte! wird; sie haben nur ihre Bereitwilligkeit zun Zuckerrübenbau zu erkennen zu geben und es wird ö sosort, obne daß sie einen Pfennig Kapital dazu geben, eine Fabrik erbaut. Schon im Jahre 1868 wollte man eine Fabrik errichten, woran aber scheiterte damals das Unternehmen? Nur daran— weil die Landwirthe sich nicht entschließen konnten, Zuckerrüben zu bauen. Kann man Ka⸗ pitalisten zumuthen, 500,000 Gulden aufzuwenden für Erbauung und in Betriebsetzung einer Fabrik, ohne zu wissen, ob sie die nöthigen Zuckerrüben haben?! Daher müssen wie überall, auch die Landwirthe in der Wetterau einem solchen Unter⸗
nehmen, das die ganze Gegend neu belebt, ente ie g gegen kemmen, indem sie sich verpflichten, auf eine gan Reihe von Jahren, also mindestens fünf Jahre, ea
eine bestimmte Fläche mit Zuckerrüben zu bestellen.] laue Nach dieser Zeit in die Zuckerrübencultur so ein- schaste gebürgert, daß eine weitere Verpflichtung nicht[Meisen nöthig sein wird, sondern die Landwirthe aus ödicselt eigenem Antriebe genug Rüben bauen werden. breit Was könnte aber der Landwirth riskiren und die verlieren, wenn er sich verpflichtete, fünf auf ein- Zähl ander folgende Jahre Zuckerrüben zu bauen, einen
z. B. wenn Derjenige, der 15—20 Morgen Feld reg hat, 1—2 Morgen, der welcher 100 Morgen durch ackert, 5—10 Morgen und Derjenige, welcher eie 0
400 Morgen bewirthschaftet, 20—40 Morgen mit much e Zuckerrüben bestellte;— man ist begierig, darüber Winker
die Ansichten der Landwirthe zu vernehmen. Wer 0000 die Zuckerrübendistrikte kennt, der weiß, daß dorten glich von dem übrigen Felde eben so viel, aber besseres amn Getreide geerntet wird, als früher, wo man noch At ein nicht diese Fläche dem Rübenbau widmete, denn ige
es wird wiedrholt bemerkt, daß keine Hackfrucht e e mehr geeignet ist, den Boden zu verbessern, als i Har die Zuckerrübe, ein Vorzug, den sie besonders vor I Sdhech den Kartoffeln voraus hat. Man sollte kaum md zweifeln können, daß die Landwirthe nicht mit thun
Freuden ein solches Unternehmen zu unterstützen endet bereit seien, indem sie sich bereit erklären, den Dang; rentablen Zuckerrübenbau zu betreiben, eine Unter- tigen stützung, die zuerst zu ihrem eigenen Vortheil ge casih reicht. Wer nicht so viel thun will und lieber etwort am alten Herkommen festhält, statt eine neue Waser Culturart zu ergreifen, der sollte in aller Zukunft eie J schweigen und nie mehr klagen. n
In einiger Zeit wird den Landwirthen der. Wetterau Gelegenheit geboten, ihre Bereitwillig keit zum Zuckerrübenbau kund zu thun; im Interesss ö der Lanwirthschaft und des allgemeinen Wohls 85 für die ganze Gegend wollen wir eine starke Be⸗ 2 8. theiligung hoffen. Wie bereits oben erwähnt, war 1 1 vor mehreren Jahren schon einmal der Versuch 1 0 zur Errichtung einer Zuckerrübenfabrik gemacht 9. worden, das Projekt scheiterte aber damals an der 6 geringen Betheiligung der Wetterauer Landwirthe.“. ö 1 6 Verein gegen Bettelei. 5 10 Das„Erb. Kreisbl.“ wirft die Frage auf: 10 „Wann wird es einmal anders werden mit den( jetzt herrschenden Vagabonden und Stromerthum, 0 das recht eigentlich ein Erzeugniß unseres Jahr- 10 zehntes ist?“ Wandernde Handwerksburschen hat 00 es in Deutschland immer gegeben, unter ihnen auch die; solche, die zeitweilig ihre Zuflucht zur Barmherzig⸗ d keit der Handwerker und Anderer nehmen mußten; fbi aber die uns jetzt im ganzen Lande peinigen, sind zum großen Theil ganz andere Leute.
f Wir haben G es hiec mit einer gewaltigen Armee arbeitsfähiger, 0


