Ausgabe 
12.8.1879
 
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Deutsches Reich.

Berlin. 7. Aug. Kaiser Wilhelm, welcher sich in Gastein im besten Wohlsein befindet, nimmt Vorträge entgegen und setzt die Bäder, Promenaden und Ausfahrten regelmäßig fort. Die Abreise des Kaisers erfolgt schon Dienstag, die Ankunft auf Babelsberg am Donnerstag Nachmittag. Wie nach den neuesten Mittheilungen verlautet, wird der Kaiser seinen Aufenthalt in Metz im Sept. auf 3 Tage ausdehnen und sein Absteigequartier in dem Präfecturgebäude nehmen. Es wird so mit der Besuch nicht ein ausschließlich militärisches Gepräge tragen. Ob dis alteingesessene Bevölkerung eine gegen den Besuch vom Mai veränderte Haltung einnehmen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht über sehen. Ein Besuch der Schlachtfelder bei Metz durch den Kaiser, welcher mit großem Gefolge dort eintrifft, steht nunmehr in sicherer Auasicht.

Gegenüber einem Artikel derNat.-Ztg. über den Rücktritt Bennigsen's, worin es heißt: Wir stellen historisch fest, daß der Reichskanzler mit Bennigsen wegen einer Verständigung auf Grund des von Bennigsen aufgestellten Vermittel- ungsprogramms in Unterhandlungen getreten war und der Reichskanzler diese Verhandlungen plötzlich fallen ließ und mit dem Centrum abschloß, schreibt dieNordd. Allg.. Ztg.: Diesem)historisch müssen wir entgegentreten, damit daraus nicht einmal später Geschichte gemacht werde. Was die National- Ztg. von Verhandlungen über den Bennigsen'schen Antrag sagt, ist unrichtig. Die Regierung erhielt erst ganz zuletzt von eonservativer Seite Anerbietungen, die sie annahm. Weder der Kanzler noch irgend ein Regierungsorgan haben Verhandlungen über den Bennigsen'schen Antrag mit der liberalen Seite abgebrochen und kamen überbaupt gar nicht in die Lage, sie abzubrechen, weil solche von dieser Seite gar nicht eingeleitet waren. Die liberalen Parteien hielten sich viel mehr bei Seite und machten gar kein Anerbieten, wie dies der Reichskanzler auch in seiner Rede vom 9. Juli bestätigt hat.

DasTagblatt meldet aus London, daß Walker, Secretär des Schatzamtes in Washington, auf der Reise über London nach Berlin ist, um dort vorläufig nicht officielle Verhandlungen über die Doppelwährung mit Bismarck zu führen. Hier in Berlin sieht man in diesen englischen Mittheil ungen ein Manöver zu Silberspetulationen.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 7. Aug. Der rumänische Minister des Auswärtigen Boerescu stattete gestern dem Grafen Andrassy einen längeren Besuch ab. Morgen reist Boerescu nach Berlin, von wo er am 15. d. in Paris einzutreffen gedenkt.

Gastein, 9. Aug. Der Kaiser von Oester reich ist heute Mittag wohlbehalten eingetroffen und von der Bevölkerung und den Kurgästen mit Jubel empfangen worden. Die Stadt war mit Ebrenpforten geschmückt. Beim Einzug des Kaisers ertönte Glockengeläute. Kaiser Wilhelm begab sich sofort nach Ankunft des Kaisers von Oester reich mit sämmtlichen Herren seines Gefolges nach dem Absteigequartier des Kaisers Franz Josef und begrüßte denselben auf das Herzlichste. Nach einer hulbstündigen Besprechung fuhren beide Kaiser in offenem Wagen nach dem Badeschloß, der Wohnung des Kaisers Wilhelm, bei welchem sodann Familien- diner stattfand. Abends war große Beleuchtung des Kurortes und der umliegenden Bergspitzen. Die Stadt ist reich beflaggt und geschmückt.

Großbritannien. London, 9. August. Unterhaus. Lawson äußert sich mißbilligend über die Absicht, dem Prinzen Louis Napoleon ein Monument in der Westminsterabtei zu errichten und greift die napoleonische Familie auf Heftigste an. Schatzkanzler Northeote bedauert, daß eine derartige Discussion stattfinde, und daß Lawson seine Ausfälle gegen die nopoleonische Familie mit dem guten Ton für vereinbar erachte. Der Vorschlag wegen Errichtung des Monuments sei von Privatfreunden des Prinzen ausgegangen. Er(Northcote) sei ermächtigt, zu erklären, daß der Vorschlag nicht von der Königin gemacht sei und keinen politischen Charakter besitze.

9 Aug. Die englisch⸗indischen Truppen die Sitllichkeit mit einer Gefängnißstrafe von 5 Moi

begannen die Räumung Afghanistan's. Nach den bisherigen Annahmen soll die Räumung am 1. Sept. beendet sein. Die britischen Truppen marschiren zunächst nach Pishin.

Aus Kapstadt wird unterm 22. Juli gemeldet: General Wolseley nahm die Unterwerfung der Zulu⸗ Häuptlinge an und erklärte denselben, daß die englische Regierung das Land schützen und regieren werde. Ferner wird berichtet, daß General Wolseley mit einer starken Truppen Abtheilung auf dem Marsche nach Ulundi begriffen sei und eine zweite Truppen⸗ Abtheilung gleichzeitig gegen den neuen Kraal, wo sich König Cetewayo befinde, vorgehen werde.

Spanien. Madrid, 7. Aug. Ausfahrt warf heute der Wagen des Königs zwischen dem Escurial und San Ildefonso um. Der König hat eine Verrenkung des rechten Armes davongetragen, welcher leicht wieder abzuhelfen ist. Die Infantinnen sind unversehrt. General Echague bat sich eine Verstauchung der Hand zugezogen.

Die Schwester des Königs, Donna Pilar,

war nur wenige Tage krank. Sie befand sich in einem Pyrenäenbade mit ihren Geschwistern, als sie ohne auffallende Ursache erkrankte und starb.

Italien. Rom. Ein Mailänder Blatt brachte die Nachricht, daß anläßlich der Reise des Königs und der Königin ein Complott bestanden habe, das nur durch Enthüllungen eines Ver- schworenen entdeckt worden sei. DieOpinione ist nun auf Grund sicherer Informationen in der Lage, diese Nachricht für absolut unbegründet und für erfunden zu erklären.

Türkei. Constantinopel, 8. August. Gestern hat ein Ministerrath unter dem Vorsitze des Sultans stattgefunden, welcher die Frage der Reconstituirung des Cabinets erörtert haben soll. Es beißt, Sapfet Pascha werde das Präsidium, Aarifi Pascha das Auswärtige, Sadyk Pascha die Finanzen und Server Pascha das vereinigte Bauten- und Handelsministerium übernehmen.

Der Sultan hat das Gesuch des ehe maligen Khedive Ismail Pascha, in Constantinopel seinen Aufenthalt nehmen oder nach Aegypten zu rückkehren zu dürfen, zurückgewiesen. Die Pforte hat die von Serbien anläßlich des Arnauten Einfalls erhobenen Entschädigungs-Ansprüche ab gelehnt mit dem Hinweis, daß fie diesbezüglich eine Depesche an ihre Vertreter bei den fremden Mächten gerichtet habe.

Serbien. Belgrad, 7. Aug. Das amt liche BlattSrbske novine veröffentlicht die Er nennung des früheren Kriegsministers Oberst Sava Gruic zum General- Consul und diplomatischen Agenten für Bulgarien. Baron Corvin, Adjutant des Fürsten von Bulgarien, hat sich nach einer Conferenz mit dem Minister des Auswärtigen nach Nisch begeben, um dem Fürsten Milan ein Handschreiben des Fürsten Alexander zu überbringen Der bisherige deutsche Geschäftsträger, Graf Bray, ist gleichfalls nach Nisch abgereist, um seine Creditive als deutscher Ministerresident zu überreichen.

Rußland. Petersburg. Die Zoll. Einnahmen bis zum 26. Juli d. J. betrugen 41,205,614 Rubel, um 7,085,361 Rubel mehr, als im entsprechenden Zeitraum des vorigen Jahres und 26,045,018 mehr als 1877. An Gold und Silbermünzen, sowie Barren wurden impor tirt 5,896,174, exportirt 3,769,163.

Aegypten. Alexandrien, 8. August. Die General-Consuln von Frankreich und England haben der Regierung die Wahl von Blignidres und Baring zu Finanz Controleuren notifteirt.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 11. Aug. Wir haben einen recht be trübenden Unglücksfall zu verzeichnen. Einer unserer geachtetsten Mitbürger, Hofmaurer Morschel, hatte sich gestern zur Firmung nach Ilbenstadt begeben und wollte Abends zurückkehren. Es war zu dem Exlrazuge etwas; spät geworden und Morschel eilte deßhalb ein wenig. Hierbei mag er wohl sich zu sehr erhitzt haben, denn kurz vor Nieder ⸗Wöllstabt sank er vom Schlage getroffen zu⸗ ammen. Der traurige Fall findet hier die allgemeinste Theilnahme, zumal die Familie schon wiederholt schmerz liche Verluste durch den Tod ihrer Lieben erlitten hat.

Gießen, 8. August. In der gestrigen Vormittags

7 Tag. In der Nachmiltagssitzung erhielt J. Dauernhe von Wölfersheim, angeklagt des gleichen Verbrechens Vit oben eine Zuchthausstrafe von ein Jahr. 9. August. der gestrigen Schwurgerichtsverhandlung wurde H. G. WII von Holzhausen wegen Körperverletzung mit lͤdtlichen Erfolg in eine Gefängnißstrafe von 3 Jahr veturthell, Offenbach. Auf unserer Aussiellung geht es aug blicklich recht lebhaft her, jeder Tag bringt neue Gäse, der Massenbesuch nimmt immer größere Dimensionen in und es sind keineswe es Alle Vergnügungsbesuch er, die au pfangen werden: von Nah und Fern senden die industriellqh Etablissements ihre Vertreter oder ihre Arbeiter hieher uld lassen die Vorsteher der gewerblichen Departements dir communalen und staatlichen Verbände sich durch Abgi⸗ ordnete Bericht über die hiesige Ausstellung erstatten. On sprechendsten Beweis für den Erfolg des Unternehmen

Bei der dürfte das bisher erzielte finanzielle Resultat abgeben, me

es sich in den erzielten Tages einnahmen kundgibl. gingen ein in der ersten Woche M. 1553. 50 in de zweiten Woche M. 5405., in der dritten Woche M. 7881.5, in der vierten Woche M. 8794. Die ersten vier Tage dal fünften Woche ergaben allein ein Resultat von M. 7845. 5 und der letzte von diesen brachte allein M. 1240, muh beinahe ebenso viel wie die sieben Tage der ersten Woch in ihrer Gesammtbeit. Noch deutlicher für die Gunß, deren das Unternehmen sich erfreut, spricht die Anzahl da genommenen Abonnements, von denen ein nicht unbe trächtlicher Theil nach Frankfurt entfällt. Bis zum Schlusse der 4. Woche wurden an Abonnementsgeldert elwa 10,000 M. vereinnahmt, die sich auf 2000 Karten vertheilen.

Allerlei.

Frankfurt. Die in der Nähe des Gehaborner Hosen gesehene Person, in welcher man den Treulieb erkanng haben wollte, soll sich als ein harmloser Handwerksbursche entpuppt baben. Dagegen fanden Kinder aus dem in den Nähe der Bahnstrecke Langenselbold-Meerholz der Ftankfurh Bebraer Eisenbahn liegenden Orte Neuenhaßlau, während sie mit Tannenäpfel⸗ und Holzauflesen in dem an die be zeichnete Strecke angrenzenden Walde beschäfligt gewesem sind, einen Leichnam, der einen solch schrecklichen Anblich gewährte, daß die Kleinen, von Furcht und Entsetzen er. füllt, davon liefen, aber es nicht unterließen, ihre Eni deckung alsbald auszubreiten. Was die Besichligung des eniseelten Körpers durch zuständige Behörde an Ort und Stelle, sowohl über die Identität, als auch über die Todes- art desselben für ein Resultat ergeben hat, ist bis jet nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen. Glaubpaste Leut, die den qu. Leichnam näher in Augenschein genommem haben, versichern zwar, derselbe sei vorzugsweise im Gesichst bis zur Unkenntlichkeit zernagt und zerfressen, aber der! Kleidung und Statur des Entseelten nach zu urtheilen, liege die Möglichkeit nicht sehr ferne, daß derselbe der bis jiczl immer noch nicht dingsest gemachte Frankfurter Raubmörder: Treulieb sein kann, den hier auf seiner Flucht an einem jähen Abhange des Waldes der Tod enkweder auf eint: frei- oder unfreiwillige Weise ereilt hat.

Langenschwalbach. An der Straße zwischen Nassau und Langenschwalbach liegen die Dörser Reltert und Laufen selden. Ersteres hat nur 500, Letzteres aber 1200 Eine wohner. Zwischen beiden Gemeinden besteyl seit unvor⸗ denklicher Zeit, wie wir durch denRhein. Kurier ers fahren, ein selisamer Gebrauch, genannt die Falorkerb oder! Falorkirmeß. Alle drei Jahre am 10. August d. J. wal die Frist wieder um ziehen die Laufenfelder eine Stunde: weit, trotz Regen oder Sonnenhitze nach Reitert, um auff der dortigen Feloflur den ganzen Tag zu tanzen und den Boden nebst allem Wachsthum darauf gründlich zu zer⸗ trampeln. Das Selisamste daran ist, daß die Geschädigten wohl ein saueres Gesicht machen, sich aber den Unfug ge⸗ fallen lassen müssen, weil er eben ein altes Recht der Laufenfelder ist.(Läßt sich denn dieser Brauch nicht ablösen wie andere Gerechisamen, die sich überlebt haben? D. R.)

Bochum, 6. August. Dritte Erdrosselung eines jungen Mädchens in unserer Umgebung, das ist, schreibt dieWestf. Volkszig., die furchtbare Kunde, die gestern Abend wie ein Lauffeuer wieder unsere Stadt durchlief. Gestern Morgen gegen 10 Uhr schickte der Oeconom Berg⸗ mann in Giesenberg sein Dienstmädchen, Lisette Schlütken, auf das Feld zum Roggenbinden. Als das Mädchen gegen Mittag nicht zum Essen kam, schickte der Hausherr zum Felde, wo das Mädchen jedoch nicht mehr angetroffen wurde. Nach längerem Suchen fand man dasselbe in dem benach⸗ barten, zum Gute Giesenberg gebörigen Gehölz, mit ihrem eigenen Tuche erdrosselt. Am 30. Dec. v. Is. wurde am hellen Mittag am Grummer Wege die Josephine Kost ermordet; der Mörder ist bis jetzt unentdeckt geblieben. Am 5. Juli d. Is. wurde in Querenburg das junge Dienst⸗ mädchen Elise Riemenschneider auf der Weide beim Vieh⸗ hüten ermordet. Jetzt haben wir den dritten Fall. Es sind viele Personen verhaftet; ob der Thäter darunter ist, weiß man noch nicht.

Schlettstadt, 5. Aug. Die ungefähr 3900 Einwohner und 525 Wohnhäuser zählende, eine Wegstunde von hier gelegene Gemeinde Kestenholz ist heule von einem schweren Unglücke heimgesucht worden. Heute Morgen ½ nach 7 Uor brach auf eine bis jetzt noch nicht aufgeklärte Art und Weise in dem westlich von der Haupldorsstraße, zwischen dem Bade⸗Etablissement Baldbronn und der Kirche gelegenen Theile des Dorfes Feuer aus und wüthete das verheerende Element fort bis gegen 2 Uhr Nachmittags, um welche Zeit es gelang, dasselbe zu beschränken; der Dorflüheil vom WirthshausZum Rebstock bis zum WirthshausZur

sitzung des Schwurgerichis endete die Verhandlung gegen K. Kratz von Rupperlenrod wegen eines Verbrechens wider!

Krone, von Hausnummer 101 bis 226 ist nur noch eine rauchende Ruine. Unter den niedergebrannten Gebäuden