.
Spabis vertheidigt wurde, an. Die Insurgenten wurden zurückgeschlagen, verloren an 50 Todte und wurden von den Spahis verfolgt.
Versailles, 9. Juni. Die Deputirtenkammer ertheilte nach langer Diseussion mit 306 gegen 195 Stimmen die Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung Cassagnac's.
Großbritannien. London, 10. Juni. Die weisten Morgenblätter widmen der goldenen Hochzeitsfeier des deutschen Kaiserpaares Leitartikel,
Friedberg, 10. Junl. Walzen M. 21.50. Korn M. 15.—17., Gerste M 14.—15., Hafer M. 14.—15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Gießen, 10. Juni. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.75— 0.95, Eier per Stück 4 und 4½ Pf., Käse per Stück 5—8 Pf., Tauben das Paar 70 Pf., Hühner per Stück M. 1.25, Hahnen per Stück M. 1.60, alte Hahnen per Stück M. 1.50 Enten per Stück M. 2.20, Kar⸗ toffeln per 100 Kilo M. 7.50—8, Zwiebeln per Centner M. 20, Ochsenfleisch 70 Pf per Pfd., Kuh⸗ und Rind⸗ fleisch 56— 60 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Schweine⸗ fleisch 56—60 Pf., Kalbfleisch 40—48 Pf.
Grünberg, 7. Juni. Auf heutigem Wochenmarkt
welche rühmend die Herrschertugenden des Kaisers fostete der Centner Waizen M. 10.53, Korn M. 8.47, Gerste
hervorheben. Italien. Rom, 9. Juni. Der Papst er⸗
M. 1.67, Hafer M. 7.51, Samen M. 14., Kartoffeln
M. 4.25 Frankfurt, 9 Juni. Fruchtvericht. Mehl Nr. 1
nannte den Cardinal Hergenröther zum Archivar des heiligen Stubles.
Catania, 7. Juni. In Folge Erhebung
M. 40., Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 22. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 22.50, do. 1.(Berliner Marke) M. 20.50—21., do. 2.(Berliner
der Municipalsteuer sind in Calatabiano Unruhen Marke) M. 15.50— 16.50, Wanzen, eff. hiesiger ab Bahnhof
ausgebrochen, das Municipal- Archiv verbrannt und hier, M. 22.25— 22.50, ab unserer Umgegend M. 21.75
Es sind
mehrere Soldaten und Bürger getödtet. bereits Truppen dahin abgegangen.
Türkei. Constantinopel. Auf die Vor⸗ stellungen der Pforte wegen der Anstellung von lauter Bulgaren, antwortete Aleko Pascha mit dem Bedauern, daß er nur in den Kreisen bul- garischer Intelligenz für die leitenden Posten ge⸗ eignete Personen gefunden habe. Bei der Be⸗ setzung von Verwaltungsposten werde er gerne auch Mohamedaner berücksichtigen.
— Die Pforte richtete ein Rundschreiben an die Mächte, in welchem sie constatirt, daß Aleko Pascha durch das Tragen des Kalpak den Ver- pflichtungen gegen die Pforte zuwiderhandle. Dennoch werde die Pforte noch keine weiteren Schritte thun, sondern zuvor die vollständige Räumung Rumeliens durch die Russen abwarten. Alsdann werde sie eine letzte Aufforderung an
Aleko richten, den türkischen Fez und die Fahne
anzunehmen. Sollte sich derselbe weigern, dies zu thun, so werde die Pforte bei den Mächten die Absetzung Aleko Paschas beantragen und die Balkanpässe besetzen.
Griechenland. Athen. Dem Vernehmen nach ist die Bildung eines zweiten Lagers an der Osigrenze angeordnet.
Rußland. Petersburg, 9. Juni. Großfürst Alexis Alexandrowitsch ist gestern von Zarskojeselo nach Berlin abgereist.
— Die Reichsbank veröffentlicht, daß die Gesammtzeichnung auf die dritte Orient⸗ Anleihe 744,305,700 R. betrage, wovon in Petersburg allein 577,624,200 gezeichnet wurden.
— 9. Juni. Das Todesurtheil gegen Solowfeff wurde heute Vormittag auf dem Smolenskifelde mittelst Stranges vollstreckt. Der Platz war mit Militär besetzt, in der Umgebung unzählige Volks · massen angesammelt. Der Delinquent benahm sich ruhig und wies geistlichen Zuspruch ab. Die Ruhe wurde durch keinerlei Zwischenfall gestört.
— 10. Juni. Das kaiserliche Paar und der Großfürst Sergius Alexandrowitsch sind gestern in Zarskojeselo eingetroffen.
Aus Stadt und Land.
H. i. F. Reichelsheim, 11. Juni. Auch hier be⸗ geht man die goldene Hochzeitsfeier unseres Kaiserpaares mit hoher Freude. Bereils gestern Abend war das Rath⸗ haus von allen Seiten beflaggt. Was aber für unseren Ort speciell die Feier erböht, das ist der Umstand, daß wir heute auch hier im Orte eine goldene Hochzeit feiern, und zwar die des Landwirth Jacob Richter und seiner Ehefrau Margaretha. Das ganze Ort nimmt Theil an dieser seltenen Feier.
Büdingen. Am 4. Juni wurde in dem Fauerbach⸗ Ober⸗Laiser Gemeindewald von dem Forstwart Ablheim aus Ober ⸗Lais ein Wilddieb betroffen. Nachdem dieser auf Aylbeim einen Fehlschuß abgegeben, gelang es Letzterem, jenen zu überwältigen und ihm Gewehr, Mütze und Pulverhorn abzunehmen. Bei dem Transport jedoch gelang itotz erhaltener bedeutender Wunden dem Wild⸗ diebe die Flucht. Nach der Beschreibung scheint derselbe der erst vor kurzer Zeit aus dem Zuchthaus entlassene Korbmacher Johann Georg IV. von Breungeshain ge⸗— wesen zu sein. Auf diesen wird jetzt gefahndet.
Allerlei.
Catania, 9. Juni. Der Ausbruch des Aetna hat sast gänzlich aufgehört, desgleichen die Lava⸗Ausströmung; es sind keine Erdflöße verspürbar, nur schwaches Gestöße; vom Haup'krater steigt noch Rauch auf.
Handel und Verkehr. Friedberg, 11. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfb. 75 90 Pf., Eier per Stück 5 Pf., 2 Stück 9 Pf.
bis 22., do. fremder je nach Qual. M. 20 50— 22.50, Roggen je nach Qual. M. 13.25 15.75, Gerste M. 17. vis 18., Hafer M. 14 50 15.50, Kohlsamen M. 28.—29., Erbsen M. 19.—27., Wicken M. 14.—16., Linsen M. 17. bis 36., Bohnen, weiße, M. 18.50, Roggenkleie M.—., Waizenkleie, grobe und feine, M.—., Rübbl, detail, M. 63. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfo. Zoll; gewicht= 100 Kilo.
Frankfurt, 9. Juni. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 360 Ochsen, 200 Kühe, 230 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 66.— 68., 2. Qual. M. 62.— 64., Kühe 1. Qual. M. 60.— 62., 2. Qual. M. 54.—56, Kälber 1. Qual. M. 56.—58, 2. Qual. M. 50.—52., Hämmel 1. Qual. M. 58—60., 2. Qual. M. 54.—58.
D. Frantsurt a. M., 10. Juni 1879. Nach der lebhafteren Geschäftsthänigkeit der Vortage haben wir heuie über eine stille Börse bei wenig fester Tendenz zu berichten. Schon im gestrigen Abendverkehr war eine Ermattung untet dem Einfluß einer Depesche der„Agence Havas“ in Constanlinopel eingetreten, nach welcher Befürchtungen über neue politische Verwikelungen wegen der Ordnung der tückischen Angelegenheiten Platz griffen. Heute setzte sich das Abbröckein der Course fort, dem jedoch gegen Schluß wieder eine leichte Reprise folgte. Die Spekula⸗ non, die theilweise noch mite starken Hausse-Engagements überladen ist, dekumenltirie eine reservirte Haltung und scchriu vieljach zu Realisationen. Auch die bevorstehende Geschäflepause wegen des morgen fanfindenden Feiertags trug dozu bei, daß manche Engagemenis gelöst wurden. Cteditactien gestern Abend 2345, bewegten sich zwischen 234/2328 und 233¼, Staatsbabnactien, gestern Abend 250, zwischen 249— 248—249¼ und 2487/8 Lombarden fest. Hessische Ludwins bahn besser, Rye mische Stamm matter. Oesterr. Bahnen sind wenig verändert. Oesterr. Prioritäten fest. Kaschau Oderberger und Rudolf höher. Ausländische Fonds nachgebend. Italienische Rente fes. Bon Lodsen 1860 matter. Banken schwächer. Darm städter vüßten 2 ein. Deulsche Staatsfonds sehr sest. Wechsel wenig verändert. Privaldisconto 20/0.
Das Schulwesen in Hessen vor dem Richterstuhl der„Deutschen Reichspost“. (Fortsetzung und Schluß.)
Der Artikelschreiber behauptet nun, die Inspektoren seien im Grunde eine ganz unwirksame Institution, sie seien zu abhängig von den Kreisräthen, um eine ersprießliche Wirksamkeit entfalten zu können. Dem widerspricht unsere Erfahrung ganz und gar. Die Kreisräthe hüten sich, den Inspektoren in technischen Angelegenheiten drein zu reden, die Inspektoren aber können die administrative Machtfülle der Kreisräthe nicht entbehren. Wollte man Krelsamt und Kreis⸗ schulamt trennen, zwei selbstständige Behörden daraus machen, so würde gerade dadurch die Stellung der In⸗ spectoren eine unwirksame werden. Und eine derartige Trennung wäre am allerwenigsten in einer Zeit der Neugestaltung möglich. Auch die anderen Mitglieder der Commission werden in technischen Dingen dem Inspektor, der durch eigene Beobachtung von den ob⸗ waltenden Verhältnissen unterrichtet ist, das entscheidende Wort lassen. Die Commission bedeutet also keinen Nach⸗ theil, wohl aber einen bedeutenden Vortheil, sowohl für die finanziell stark betheiligten Gemeinden, als auch be⸗ sonders für den Lehrer, der einer eollegialischen Behörde gegenüber viel mehr gegen Ungerechtigkeit und Willkür geschützt ist, als gegenüber einem allein stehenden und nach jeder Seite hin unabhängigen Inspector. Der Haupttadel der„Reichspost“ trifft übrigens nicht das Amt an sich, sondern die Art, wie es besetzt wurde. Wie war das aber anders zu machen? Nur Theologen will die„Reichspost“ selbst nicht. Wen sonst? Etwa Gymnasial- und Reallehrer? Man frage doch im ganzen Lande umher, wie Viele bereit sind, aus dem höheren Schuldienste auszutreten, um eine Inspeetorstelle zu über— nehmen, abgesehen davon, daß wohl die wenigsten ge⸗ eignet wären. Von den theologischen Schulinspektoren ist bereits wieder einer in das Pfarramt zurückgetreten. Somit bleibt Niemand mehr übrig, als die Volks⸗ schullehrer. Und die Besten unter ihnen eignen sich auch ganz trefflich zu dem Amte. Es ist kein Mißgriff,
daß sie dem bisher oft geflissentlich niedergehaltenen
Stand der Lehrer einmal eine Aussicht eröffnet, ein de
Strebens werthes Ziel gesteckt, daß sie ihm die Möglich⸗ N 11 6
keit gegeben hat, durch tüchtige Leistungen weiter zu
kommen. Das kann nur zur Hebung des ganzen Standes dienen.
Und wer die Schuld an den Frietionen mit
den Geistlichen trägt, das ist denn doch noch sehr fraglich.. Die Reichspost sagt:„Wer wollte sich darüber wundern, 9 daß ein Mann von academischer Bildung, der in seinen
eigentlichen Amte volle Selbstständigkeit hat, es schwer U
erträgt, in einem Nebenamte abhängig zu sein von einem
Manne, dem er sich überlegen glaubt, und Befehle aus⸗ 0
zuführen, die dem Interesse seines geistlichen Amtes viel⸗ leicht schnurstracks zuwiderlaufen? Eine merkwürdige Begründung! Weil ich mich einem Beamten, der einen Befehl zu geben hat, überlegen glaube und aus keinem anderen Grunde, werde ich allenfalls nicht gehorchen? Hat man etwas Aehnliches schon einmal von academisch gebildeten Real- und Seminarlehrern gehört, die seminaristisch gebildeten Direktoren unterstehen? Wenn
das die Anschauung vieler Geistlichen sein sollte, so
würden wir eine solche Niedrigkeit des Standpunktes nicht bloß der Schule, sondern auch der Geistlichen wegen, aufrichtig bedauern.
Kommt es aber wirklich vor, daß der Schulinspeetor
Anordnungen trifft, die dem Interesse des geistlichen 1
Amtes zuwiderlaufen, so sind wir bie letzten, die dem Geistlichen diese Collision der Pflichten zumuthen. Wenn ihm sein Nebenamt Verpflichtungen auferlegen sollte, die den Geboten seines geistlichen Amtes widerstreiten, so muß er eben den Vorsitz im Schulvorstande niederlegen; da gibt's keinen Ausweg. In Wirklichkeit sind die Ver⸗ hältnisse indeß nicht so schlimm, wie sie die Reichspost, vielleicht mit Rücksicht auf einen vereinzelten Fall, dar⸗ zustellen beliebt. In der Mehrzahl der uns bekannten Fälle leben die Geistlichen und die Schulinspektoren in voller Eintracht, ja, wir kennen einige Fälle, wo der
seminaristische Schulinspektor dem Geistlichen in Streitig⸗
keiten mit untergebenen Lehrern sehr ersprießliche Dienste geleistet hat. Was den Vorwurf der„Culturkämpferel“ betrifft, worauf sich„sofort“„nicht wenige“(es sind im Ganzen aber nur elf) gelegt haben sollen, so weiß man ja aus einigen conereten Fällen, was von gewisser Seite mit diesem Wort bezeichnet zu werden pflegt. Wenn der Schulinspektor seiner Instruktion und dem Gesetz entsprechend darauf hält, daß der planmäßige Unterricht nicht durch Gottesdienst oder Confirmandenstunde gestört wird, so nennen das manche Leute Culturkampf. Und wenn er dafür sorgt, daß die gesetzlichen Be⸗ stimmungen über den Lehrplan und die Vorschriften über die Unterrichtsweise auch wirklich befolgt werden, so nennt man das„Herumreiten auf dem Steckenpferde des Normallehrplans und der Methode.“ Solche Nörgeleien verdienen keine Widerlegung. Da wird ferner große Klage geführt über die Einführung des Nachmittags⸗ unterrichts während der Sommermonate auf dem Lande. Ja, der ganze Schulzwang ist vielen Landleuten unange⸗ nehm; die meisten von denen, welche über die neue Einrichtung Klage führen, würden ihre Kinder ohne die strengen Strafbestimmungen überhaupt nicht in die Schule schicken. Lasse man doch das ewige Klagen über Benach⸗ theiligung der Landbevölkerung gegenüber den Städtern! Weiß man denn nicht, daß die armen Leute in der Stadt ihre Kinder auch sehr früh zum Mitterwerben des Lebens unterhalts heranziehen, und sie an den Schulnachmittagen ebenso gut brauchen könnten, und zwar nicht bloß im Sommer? Für die eigentlich schlimme Arbeitszeit des Landmanns sind ja ausreichende Ferien vorgesehen, für deren Vertheilung nach örtlichen Beduürfnissen die Schulvorstände freie Hand haben. Dann sind aber auch die Stimmen der Landbevölkerung in dieser Frage sehr getheilt. Wir erinnern uns einer Reihe von Fällen, aus früherer Zeit, wo in Landgemeinden der intelligentere Theil der Bevölkerung, von der Unzulänglichkeit der Unterrichtszeit überzeugt, die Einführung des Nach⸗ mittagsunterrichts auf's Eifrigste anstrebte, nach Lage der damaligen Verhältnisse allerdings meist vergeblich, Uebrigens würde es schlimm um den Staat bestellt sein, wenn das, was der Bauer über dies oder jenes denkt, für staatliche Einrichtungen immer maßgebend sein sollte. Der Herr Correspondent der Reichspost spricht von den Vergütungen, welche den Lehrern für den Besuch der Conferenzen„aus der Gemeindekasse zu zahlen sind“. Möge man sich doch die Denkweise, die Empfindungen eines Bauern vorstellen, der die fünf Lehrer seines Wohn- ortes hinaus spazieren sieht und nachrechnet, daß die Gemeinde den Männern 20 Mark zu zahlen hat dafür, daß sie einen Tag, wie er meinte, nichts zu thun brauchen.“ Möge man sich doch die Denkweise, die Empfindungen des Bauern vorstellen, höre man doch auch, was er nicht blos denkt, sondern auch laut sagt über seine An⸗ schauung bezüglich der Bezüge des Herrn Pfarrers im Verhältniß zu seinen Leistungen! Nach der Ansicht des Bauers hat der Pfarrer ja auch nicht viel mehr zu thun als Sonntags zu predigen, während er die ganze Woch der Ruhe pflegt. Was beweist das? Nichts! Der Bauer ist für den einen wie für den andern Fall nicht det kompetente Beurtheiler. Daß bei dem Vehmgericht über die„neue Aera“ unseres Schulwesens auch die Com-: munalschule vor die Schranken geschleppt werden würde, konnte schon beim Lesen der Einleitung zu den Artikeln der„Reichspost“ nicht zweifelhaft sein. Steckt: doch hinter den Artikeln unverkennbar ein gutes Quantum religiöser Verbitterung. In recht schlauer Weise: nimmt der Artikelschreiber die Miene an, als sei er; eigentlich kein Gegner der Communalschule, sondern
es ist im Gegentheil ein großes Verdienst der Regierung, Einführung derselben.
tadele nur die von unserer Regierung beliebte Art der Auch hier hat er aber übers sehen, oder verschweigt absichtlich, daß das Ediet von
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