Ausgabe 
8.4.1879
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt, 4. April. Der Großherzog begab sich heute Vormittag in Begleitung des Flügeladjutanten Major v. Herff nach Wiesbaden um dem Kronprinzen und der Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von Preußen seinen Besuch abzustatten und kehrte Abends hierher zurück.

Darmstadt. Der Ministerialkanzlist Damm wurde zum Ministerial-⸗Kanzlei-Inspektor und der Ober- Bau- Calculator 2. Kl. Grünig zum Cal- culator 1. Kl. ernannt. Sodann wurde Kanzlei- rath Amendt auf Nachsuchen, und der Kanzlei diener Kniel unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt. Der Kanzlei-Gehülfe Steuernagel aus Darmstadt wurde zum Mini- sterial-Kanzlisten 2. Kl. ernannt.

Berlin, 4. April. DerNat.-3tg. zufolge gingen die zu dem neuen Zolltarif in der gestrigen Bundesraths Sitzung beantragten Abänderungen, außer einigen unerheblichen Aenderungen des Tarifs, hauptsächlich dahin, daß denjenigen Staaten gegen⸗ über, welche die deutsche Waareneinfuhr ungünstiger behandeln, als diejenige anderer Staaten, ein Zu- schlagszoll von doppelter Höhe eingeführt wer den dürfe.

5. April. Fürst Bismarck hatte gestern Nachmittag eine längere Unterredung mit dem Kaiser. Wie es heißt, wird Bismarck in den nächsten Tagen Berlin verlassen, um sich bis nach den Osterfeiertagen nach Varzin zu begeben.

Wie dieVoss Ztg. hört, wird der Chef ⸗Präsident des Reichsgerichts die Weisung erhalten, schon am 1. Juli nach Leipzig überzu- siedeln, um die Errichtung und Organisation des höchsten Gerichts bofes persönlich zu leiten. Die Ernennung der übrigen Mitglieder des Reichs; gerichts erfolgt gleichzeitig mit der des Präsidenten. Die einzelnen Bundes Regierungen sind ersucht worden, ihre Präsentationslisten ungesäumt an das Reichs- Justizamt gelangen zu lassen, damit der Bundesrath spätestens in seiner ersten Plenar sitzung nach den Osterferien im Stande ist, die einzelnen Vorschläge in Erwägung zu nehmen und dem Kaiser die Gesammtliste zur Genehmig- ung zu unterbreiten. Die Bundes Regierungen verständigen sich über die in das Reichsgericht zu berufenden Männer im Voraus unbedingt, so daß das Plenum des Bundesraths nur noch die formelle Zustimmung zu geben braucht.

5. April. In der heutigen Sitzung des Bundesraths wurden die Ausschuß Anträge zu den die Tabakssteuer betreffenden Vorlagen in allem Wesentlichen angenommen.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 4. April. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Einverleibung von Spizza in zweiter und dritter Lesung nach kurzer Debatte nahezu einstimmig an.

Pest, 3. April. Das Unterhaus wählte mit 174 von 218 Stimmen Szlavy zum Präsidenten und beschloß einstimmig eine Danksagung an Oester⸗ reich und das Ausland für die Spenden zu Gunsten Szegedin's. Laut Tisza's Darlegung sind bisher 857,000 fl. für Szegedin eingegangen. Die Gelder werden fruchibringend angelegt bis zum Beginn des Reconstructionswerks und der Rück; kehr der Einwohner. Den Szegediner Instituten wird ein fünsprocentiger Credit bis zum Belauf von einer Million gewährt. Entsprechende Vor- arbeiten zur Verhinderung des Wasserzuflusses und Trockenlegung des Stadtgebietes sind getroffen.

4. April. Uaterhaus. Auf eine Inter⸗ pellation bezüglich der ostrumelischen Frage ant wortete Tisza: Die Unterhandlungen seien im Zuge; so lange kein Beschluß gefaßt sei, könne er keine Mittheilungen machen. Zweck und Tendenz der Unterhandlungen gingen am besten aus der Thatsache hervor, daß die Hauptrolle in den Verhandlungen England und Oesterreich⸗ Ungarn innehaben, deren Bestreben es sei, den Berliner Frieden auszuführen. Das Haus nimmt die Ant- wort des Ministerprästdenten zur Kenntniß.

Frankreich. Paris. DieAgence Havas dementirt Gerüchte von Veränderungen im Mini- sterium.

Großbritannien. London, 3. April. Unterhaus. Schatzkanzler Northeote schlägt im Budget keine Steuer Erhöhung mit Ausnahme einer Erhöhung des Zolls auf Cigarren um zwei Pence per Pfund vor, beantragt aber die Rück⸗ zahlung der Schatzbonds um ein weiteres Jahr zu verschieben. Auf eine Anfrage Chamberlain's antwortet Northcote, es sei bisher Nichts über den Vorschlag einer gemischten Occupation Ost Rumeliens entschieden. England halte unausge- setzt an den Erklärungen seiner Vertreter auf dem Congresse über diese Frage fest. Der Sultan glaube, er könne die Ruhe in Ost-Rumelien auf: recht erhalten; aber England wünsche natürlich ernstlich andere Maßregeln um die Gefahr von Unruhen abzuwenden. Northeote theilt bezüglich des Budgets mit: Das Desicit des verflossenen Jahres beläuft sich auf 2,291,800 Lst. einschließ lich der Ergänzungs Credite. Die orientalischen Ereignisse kosteten 6,125,000, der Transvaalktieg 592,000, der Zulukrieg 1,559,000. Hiervon sind 5,350,000 durch Anleihen aufgebracht und 2,900,000 aus Steuererträgnissen gedeckt. Der Voranschlag des laufenden Finanzjahres beziffere die Ausgaben auf 81,153,000, die Einnahmen auf 83,055,000. Er hoffe, der Ueberschuß von 1,900,000 werde genügen, um die Kosten des Zulukrieges zu decken. 5. April. Auf Be- fragen Faweett's erklärt Northeote, die Unter- handlungen mit Jakub Khan dauerten fort. Es sei nicht möglich, sich betreffs etwa noth⸗ wendiger Truppen Bewegungen zu binden und detaillirte Mittheilungen zu machen, doch sei Nichts unwahrscheinlicher, als daß die Regierung von ihrer jetzigen Politik vor Wiederzusammentritt des Parlaments abweiche. Falls eine Veränderung statthaben sollte, werde die Regierung von solcher frühestens Mittheilung machen. Der Vice-König sei auf das bestimmteste angewiesen, ohne die de finitivsten Befehle der Regierung keinen Vormarsch gegen Kabul zu unternehmen. Hartington spricht seine Befriedigung aus über diese wichtigen Ver sicherungen,

Die amtlicheGazette veröffentlicht in einer besonderen Ausgabe eine Depesche des eng lischen diplomatischen Agenten an der Grenze des Zulu Landes vom 1. März. Die Depesche meldet die Ankunft von Abgesandten des Zulu- Königs Cetewapo, welche erklärten, Cetewayo habe niemals Krieg mit England gewünscht und sogar versucht, den Forderungen Sir Bartle Freres nachzukommen, als die Feindseligkeiten bereits be⸗ gonnen hätten. Cetewayo habe niemals die Ab- sicht gehabt, die Engländer anzugreifen. Der Kampf bei Isandula habe in Folge eines An- griffes der englischen Cavalerie auf die Vorposten der Zulu-Truppen stattgesunden. Der General- Commandant der Zulu-Truppen sei wegen dieses Kampfes abgesetzt, weil er die Soldaten nicht gehindert habe, an dem Gefechte Theil zu nehmen. Schließlich bitte Cetewayo die Feindseligkeiten zu suspendiren und die Verhandlungen wieder auf zunehmen.

Daily News melden aus Rangoon, daß anläßlich der Krönung des Königs von Birmah, welche am 6. April stattsinden soll, Unruhen er⸗ wartet werden.

Italien. Rom, 3. April. Deputirten⸗ Kammer. Ministerpräsident Depretis vertheidigt das Ministerium gegen die Anschuldigungen, daß es eine unsichere Politik befolge. Der Minister legt seine Principien betreffs der Vereine dar, wonach keinerlei Maßregeln zu verfügen seien, so lange die Vereine sich innerhalb der Statuten be wegen, aber jedes Vergehen derselben sofort zu unterdrücken sei. Das Ministerium ließ sich von diesen Principien leiten, als es Demonstrationen mit Emblemen untersagte, welche den Institutionen des Landes widersprechen. Cavalotti, welcher be⸗ züglich des erwähnten Verbotes interpellirt hatte, ist durch die Erklärungen der Regierung nicht be⸗ friedigt und beantragt eine motivirte Tagesord⸗ nung, worin die Regierung aufgefordert wird, die Aufrechterhaltung der Ordnung mit der Acht⸗ ung der persönlichen Freiheit zu verbinden.

4. April. Debatte über die gestern angekündigte

Motion Cavalotti's.

allen ordnungsliebenden Menschen acteptirt werden er wünsche eine ausdrückliche Billigung. Unter den gegenwärtigen inneren und äußeren Verhält⸗ nissen brauche die Regierung eine große Majorität. Er acceptire die Tages-Ordnung Spautigatti's, welche besagt, daß die Kammer, nachdem sie die Erklärungen des Ministeriums vernommen, zur Tagesordnung übergeht. Bei namentlicher Ab- stimmung wird sodann die Tagesordnung Spanti⸗ gatti's mit 273 gegen 37 Stimmen angenommen.

Türkei. Constantinopel. Die Pforte hat, ohne den Vorschlag wegen der gemischten Besetzung Ostrumeliens formell zu verwerfen, ihre Auffassung nach der Richtung hin dargelegt, daß die Besetzung von Burgas und Ichtinan durch türkische Truppen und die Einsetzung des Gou⸗ verneurs unter Mitwirkung der europäischen Com- mission zugelassen werde; die Vollmachten dieser Commission wären ein Jahr zu verlängern. Die Pforte unterhandelt mit England wegen Revision des Vertrags, betreffend Cypern, wodurch England neue Vortheile gewährt würden, die durch Eng⸗ lands finanziellen Beistand zu erwiedern wären.

5. April. Mehrere Ulemas, welche ver⸗ dächtig find, gegen den Sultan conspirirt zu haben, wurden verbannt. Die Pforte ist mit dem Entwurfe einer neuen griechisch⸗-türkischen Grenze beschäftigt.

Griechenland. Athen, 5. April. Die Times meldet: Die Großmächte haben die Mediation zu Gunsten Griechenlands im Prineip beschlossen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Mit dem ersten April ist die hiesige Blindenanstalt, die seither bekanntlich Privalanstalt war, zur Staalsanstalt geworden. Am 2. April erhielt der seuherige Leiter, zugleich Gründer und unermüdliche För derer der Anstalt, sein Decret als Staaisangestellter. Wünschen wir demselben Glück, daß sein Streben und Wirken im Dienste der Humanität endlich seine gerechte Anerkennung fand, wünschen wir aber auch der Anstalt Glück, deren Bestand jetzt gesichert it, und welche nun ihrer Aufgabe erst vollnändig gerecht werden kann, nach⸗ dem ibr die Sorge um ihre Existenz abgenommen worden ist.

8 85 Friedberg, 7. April. Gestern hatten wir Gelegen⸗ heit einer Probe der freiwilligen Bürgerfeuer⸗ wehr an dem Landgerichisgebäude beizuwohnen und konnsen uns dabei überzeugen mit welcher Raschheit und Sicher⸗ heit der Angriff auf ein brennendes Gebäude vermitielst eines besümmien und geschulten Exercitiums möglich ist. Wir können dem Führer und der ganzen Mannschaft nur unser Lob und ebenso die ganze Stadt nur ihren Dank aussprechen für die Aufopferung, den Fleiß und die stete Aufmerksamkeit, welche jene durch die fortgesetzien Proben und Uebungen an den Tag legen, wodurch uns eine sichere Garantie gegeben wird, daß wir und unser Eigen ihum wohl veschützt sind. Möchten alle jungen Leute durch Bei⸗ triit zu diesem Corps die Sache selbst und das edle Streven des Vereins unterslützen.

Gießen, 3. April. Heute verurtheile der Schwur⸗ gerichtshof den J. Krailing von Heuchelheim wegen Ver⸗ leitung zum Meineid in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monat und den J. Wagner von Södel wegen schweren Diebstahls in eine Gefängnißstrase von Monat, dagegen wurden R. Stephan von Reichelsheim, G. Schneider und Frau von Södel wegen angeblicher Beihülse und Hehlerei sreigesprochen. 4. April. Heute wurde die Verhandlung gegen B. Bätz Ehefrau von Wernges wegen Brandstiftung vertagt und beschlossen, die Angeklagte in dem Hoepital zu Heppenheim beobachten zu lassen. Auch die Verhand- lung gegen W. Stürtz von Büdingen wegen Diebstahls fiel aus, da der Angeklagte nicht erschienen war. Sodann wurden wegen Urkundenfälschung verurtheilt: Chr. Richters Ehefrau von Nieder-Weisel in eine Gefängnißstrafe von 2 Wochen und deren Sohn, Ph. Richter von da, in eine solche von 4 Tagen. In der nächsten Woche werden noch folgende Anklagesachen zur Verhandlung kommen: Am 7. April, Vorm. Uhr, gegen J. Dotzert von Mainzlar wegen Urkundenfälschung; Verth. Adv. Dr. Dittmar. Dens., Vorm. 10 Uhr, gegen Kath. Steuernagel von Romrod wegen Diebstahls; Verih. Adv. Dr. Dittmar. Dens., RNachm. 3 Uhr, gegen Ihs. Laux Ebefrau von Ober-Ohmen wegen Diebstahls und Betrugs; Verth. Adv. Lauer. Am 8. April. Vorm. 8 Uhr, gegen A. Bischoff von Würzburg wegen Diebftahls; Verth. Adv. Thorwart. Dens., Vorm. Uhr gegen Ph. Stier von Pohl-Göns wegen Ue⸗ kundenfälschung; Verh. Adv. Kraft. Dens., Vorm. 11 Uhrz gegen K. Kohler von Lauterbach wegen Urkundenfälschung, Verth. Adv. Kraft. Dens., Nachm. 3 Uhr, gegen H. Schmidt von Wellershausen wegen Körperverletzung; Verth. Adv. Dr. Guffleisch.

Münster. Vor einigen Tagen wurde in unserem Walde ein Menschenkopf gefunden. Wie derW. B. hört, soll derselbe von einer Fran in Fauerbach als det Kopf ihres in vorigem Jahre spurlos verschwundenen Mannes erkannt worden sein. Das Suchen nach anderen

Ministerprästdent Deprelss* erklärt: seine gestrigen Erklärungen könnten von 55

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